Geschichte und Entwicklung der Enzyklopädie

Diese Übersicht zur Geschichte und Entwicklung der Enzyklopädie ist grob chronologisch in die europäischen Epochen Antike, Mittelalter und Neuzeit gegliedert; jenseits dieser Gliederung wird die Entwicklung von Enzyklopädien außerhalb Europas separat dargestellt. Innerhalb der Hauptabschnitte gliedert sich der Artikel nach Typen von Enzyklopädien sowie geographischen Regionen (Mittelalter) bzw. Sprachen (Neuzeit).

Überblick

In der Antike ist vor allem der griechische Kulturkreis und das Prinzip der enkyklios paideia sowie der römische Kulturkreis mit dem Prinzip der artes liberales zu unterscheiden; der griechische Kulturkreis war noch von einer oralen Kultur geprägt und entwickelte wohl daher keine schriftlich fixierte Enzyklopädie. In der römischen Zeit wird die lateinische Sprache als Wissenschafts- und Gelehrtensprache sowie als eine Art Lingua franca etabliert und das systematische Ordnungsprinzip weiterentwickelt. Dieses konstituiert eines der entscheidenden Merkmale, welche die Enzyklopädie von verwandten Nachschlagewerken abgrenzt: Das Wissen ist in sich abgeschlossen, es hat Grenzen und kann kartographiert oder metaphorisch visualisiert werden (beispielsweise mit dem Baum der Wissenschaft (L'arbre de ciència, 1295/96) von Raimundus Lullus oder später mit den Stammbäumen des Wissens von Francis Bacon und Denis Diderot).

Durch das gesamte Mittelalter bis in die Renaissance wird Latein als universale Sprache ebenso beibehalten wie das systematische Ordnungsprinzip der Enzyklopädie; die einzige bedeutende Ausnahme bildet die in griechischer Sprache verfasste und alphabetisch gegliederte Suda aus dem 10./11. Jahrhundert.

Mit Francis Bacon beginnt im 16. Jahrhundert eine Neuorientierung sowie eine methodologisch-systematische Neueinteilung der Wissenschaften, welche die Säkularisierung fortsetzt und diese Entwicklung auch in der Enzyklopädie etabliert.

Die Neuzeit wird eingeleitet durch Entwicklungen wie die Reformation und die Aufklärung, durch die die Entwicklung der Enzyklopädie maßgeblich beeinflußt wird. Ab dem 17./18. Jahrhundert wird Latein als Wissenschafts- und Gelehrtensprache abgelöst und es erscheinen zunehmend nationalsprachliche Enzyklopädien, die sich später wiederum in Formen wie Fach- und Konversationslexika ausdifferenzieren.

Etwa ab dem 17. Jahrhundert taucht der Begriff "Enzyklopädie" erstmals explizit im Titel der Nachschlagewerke auf, meist wird dafür die Encyclopaedia Cursus Philosophici (ca. 1630) von Alsted genannt; allerdings gibt es auch noch die ältere, aber weniger bekannte Encyclopaedia seu orbis disciplinarum tam sacrarum quam prophanarum epistemon von Paul Scalich (1559). Das erste deutschsprachige Nachschlagewerk, das die Bezeichnung "Enzyklopädie" im Buchtitel trägt, dürfte wohl die so genannte Frankfurter Enzyklopädie (auch: Deutsche Encyclopädie oder allgemeines Real-Wörterbuch aller Künste und Wissenschaften, 1778 ff.) von Köster und Roos sein.

Die alphabetische Sortierung setzt sich weitestgehend gegen das systematische Ordnungsprinzip durch und Ephraim Chambers führt in seiner Cyclopedia das Prinzip der Verkettung durch Querverweise als Ersatz für den Zusammenhalt der systematischen Ordnungssysteme ein, das Diderot dann in der französischen Encyclopédie subversiv zur Umgehung der Zensur einsetzt.

Etwa ab den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts etabliert sich Englisch als neue Universalsprache in den wissenschaftlichen Spezialenzyklopädien der Naturwissenschaften. Im Zuge der "Quatsch- und Wissensexplosion" der Informations- und Wissensgesellschaft sowie der grundlegenden Verunsicherungen der Postmoderne wird das Fundament der Enzyklopädie in Frage gestellt: Das Paradigma des positiven Wissens wird ebenso diskutiert wie die Prämisse eines in sich abgeschlossenen und begrenzten Wissensraumes. Gleichzeitig ergeben sich durch neue Technologien wie die CD-ROM als Datenspeicher und das Internet als Grundlage für eine globale Wissensdatenbank auch Möglichkeiten, die in der Geschichte der Menschheit nie zuvor vorhanden waren.

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