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Zwergmistel
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| Harv. |
Die Zwergmistel (Viscum minimum) ist eine Pflanzenart in der Gattung der Misteln aus der Familie der Sandelholzgewächse (Santalaceae). Es ist die kleinste aller Mistelarten.
Inhaltsverzeichnis |
Beschreibung und Vorkommen
Die Zwergmistel ist ein sukkulenter Schmarotzer, der in der Natur ausschließlich auf zwei nahe miteinander verwandten Wolfsmilcharten vorkommt: Euphorbia horrida Bois. und Euphorbia polygona Haw. Als Anpassung an ihre sukkulenten Wirte und die saisonal sehr trockenen und heißen Umweltbedingungen lebt die Zwergmistel fast vollständig im Inneren der Wirtspflanzen. Dort bildet sie ein Geflecht von miteinander verbundenen Haustorien, das stellenweise die Epidermis der Wirte durchbricht. Die so an der Oberfläche der Wirte erscheinenden Zweige sind nur 2 bis 3 mm lang und tragen winzige, nur mit einer Lupe erkennbare Blattschuppen. Wegen der so nur sehr geringen Möglichkeit zur eigenen Photosynthese stellt die Art fast einen Vollparasiten dar.
Entgegen manchen Angaben in der Literatur ist die Zwergmistel einhäusig. Eine Pflanze bringt also sowohl rein männliche als auch rein weibliche Blüten hervor. Die männlichen Blüten sind umgekehrt kegelförmig, etwa 1.5 mm dick und 2.5 mm lang, die weiblichen Blüten sind spindelförmig, etwa 2 mm dick und 3 mm lang. Nach der Befruchtung schwillt der unterständige Fruchtknoten der weiblichen Blüte an und entwickelt sich zu einer bei Reife leuchtend rot gefärbten Beerenfrucht. Die Beeren enthalten jeweils nur ein Samenkorn, das vereinzelt zwei Keimlinge enthalten kann. Auffallend ist der zähe, klebrige Saft, der den Samen im Fruchtfleisch umgibt.
Die Verbreitung der Samen erfolgt durch Vögel, die das Fruchtfleisch fressen und die klebrigen Samen an anderen Pflanzen abstreifen. Bei der Keimung wird statt der Keimblätter ein schlauchförmiges Organ (Hypokotyl) mit endständiger Scheibe ausgebildet. Trifft diese Scheibe auf die Epidermis eines geeeigneten Wirtes, wandelt sie sich in ein primäres Haustorium um, durch dass der Keimling in die Wirtspflanze eindringen kann.
Keimung der Zwergmistel auf Euphorbia horrida
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Frisch auf die Wirtspflanze gebracht, glänzt der Samen noch im klebrigen Saft. |
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Nach vier Tagen ist die Scheibe am Ende des kurzen Schlauches erkennbar. |
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Nach zehn Tagen ist der Schlauch deutlich verlängert. |
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Nach 23 Tagen findet der erste Kontakt mit der Epidermis des Wirtes statt. |
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Nach 30 Tagen ist das primäre Haustorium voll entwickelt. Der Keimling kann in den Wirt eindringen. |
Die Zwergmistel und ihre Wirte sind gut aneinander angepasst. Ansonsten gesunde Wirtspflanzen werden durch den Parasiten nicht merklich beeinträchtigt.
Das Verbreitungsgebiet der Zwergmistel ist durch das ihrer Wirte begrenzt. Es reicht im Ostkap Südafrikas von Uitenhage und Albany bis in die Gegend um Willowmore.
Kultivierung
Die in der Natur nur auf den Wirtspflanzen Euphorbia horrida und polygona vorkommende Zwergmistel kann in Kultur auch auf weiteren, nahe verwandten Wolfsmilcharten aus der Untergattung Rhizanthium gehalten werden. Hierzu gehören u.a. Euphorbia anoplia, fimbriata, inconstantia, ferox, mammillaris, pillansii, pulvinata, submammillaris und tubiglans. Der Grund, warum diese anderen Arten nicht auch in der Natur infiziert werden, ist nicht ausreichend erforscht. Vermutlich stellt ein in der natürlichen Umgebung produzierter Bestandteil des Milchsaftes ein Abwehrmittel gegen den Parasiten dar, das jedoch unter Kulturbedingungen nicht oder nicht in ausreichender Menge produziert werden kann.
In der Regel werden auch die "unnatürlichen" Wirte nicht durch den Parasiten geschädigt. Da dieser jedoch ein zusätzlicher Verbraucher von Wasser und Nährstoffen ist, empfiehlt es sich, die Wirte ausreichend zu wässern und zu düngen und ihnen keine Extreme zuzumuten.
Beispiele für Wolfsmilcharten, auf denen die Zwergmistel erfolgreich kultiviert werden kann.
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Euphorbia anoplia |
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Euphorbia ferox |
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Euphorbia pillansii |
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Euphorbia pulvinata |
Da die Zwergmistel selbstkompatibel ist, können auf der selben Pflanze die weiblichen Blüten erfolgreich mit dem Blütenstaub der männlichen Blüten befruchtet werden. Einige Wochen nach der Befruchtung färben sich die inzwischen angeschwollenen Früchte leuchtend rot. Werden sie Ende Winter bis Anfang Frühling weich und etwas schrumpelig, sind sie vollreif und können geerntet werden.
Als neuer Wirt sollte eine schon etwas vorgetriebene Pflanze gewählt werden, die im Scheitel schon neuen Wuchs zeigt. Wird der Same dort in den Scheitel gesetzt, findet der Keimling dann eine weichere Epidermis, die sein Eindringen erleichtert. Da sich die Zwergmistel im späteren Wuchs vorwiegend nach unten ausbreitet, ist so auch gewährleistet, dass sie die gesamte Wirtspflanze gleichmäßig durchwächst. Nach dem "Andocken" des Keimlings durch das primäre Haustorium wächst der Parasit für längere Zeit ausschließlich im Inneren der Wirtspflanze. Bis seine erste Zweige an der Oberfläche sichtbar werden, können vier bis zwölf Monate vergehen. Ein zwischenzeitliches Welken des Keimschlauches mit dem primären Haustorium ist kein Zeichen für oder gegen eine erfolgreiche Etablierung des Parasiten.
Entwicklung von Blüten und Früchten der Zwergmistel auf einem bewurzelten Zweig der Euphorbia tubiglans.
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Im Sommer ist die Zwergmistel kaum erkennbar. |
Hauptblütezeit ist Herbst und Winter. |
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Männliche Blüten erscheinen meist zuerst. |
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Weibliche Blüten werden vorwiegend am Ende der Blütezeit gebildet. |
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Nach Befruchtung schwellen die Fruchtknoten an. |
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Bei Reife färben sich die Beeren leuchtend rot. |
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Werden die Beeren weich und schrumpelig, kann der Samen entnommen werden. |
Alternativ kann die Zwergmistel auch durch Stecklinge der Wirtspflanzen vermehrt werden. Da die Wirte vorwiegend basisnah vezweigen, ist es zur Vorbereitung dieser Vermehrungsmethode sinnvoll, den Parasiten basisnah einwachsen zu lassen und die im Laufe der Zeit vom Parasiten durchwachsenen Äste als Stecklinge zu nehmen.
Literatur
- William Henry Harvey: Flora Capensis 2: 581
- Robert Allen Dyer: Two Rare Parasites on Succulent Species of Euphorbia, Euphorbia Review Vol. I (4): 29-32, 1935
- Thomas Goebel: Viscum minimum Harvey in der Sukkulentensammlung der Stadt Zürich, Kakteen und andere Sukkulenten 29 (1), 1978
- Frank K. Horwood: Two parasites of Euphorbia: Viscum minimum and Hydnora africana, The Euphorbia Journal, Vol 1: 45-48, 1983
Weblinks
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