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Zweite Französische Republik
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Mit der Zweiten Republik bezeichnet man die republikanische Herrschaft Frankreichs zwischen dem 25. Februar 1848 und dem 2. Dezember 1852. Sie wird so bezeichnet, weil die Regierung während der Französischen Revolution als Erste Republik bekannt ist, auch wenn sie genau genommen in drei Perioden eingeteilt wird: die Zeit des Nationalkonvents, des Direktoriums und des Konsulats.
Inhaltsverzeichnis |
Ursprünge
Die Soziale Frage
Die Vorgeschichte der Französischen Revolution von 1848 beginnt mit der aufkommenden Industrialisierung, die in Frankreich etwa ab 1830 einsetzt. Es ist zugleich der Beginn der Arbeiterprobleme, die sich mit der Zeit zu einem Flächenbrand ausweiten sollten. Die Arbeitermasse, zusammengepfercht in großen Ateliers, tritt in Erscheinung. Ab 1840 wird die daraus entstehende Soziale Frage in Literatur und Presse breit diskutiert. Das Proletariat ist zwar politisch geprägt, doch zu klein, um die etablierten Institutionen ernsthaft zu gefährden.
Die instabile Monarchie
Neben dieser "sozialen" Vorgeschichte gibt es eine politische. Das schnelle In-sich-Zusammensinken der Monarchie von Louis-Philippe ist hauptsächlich von zwei Gründe verursacht worden. Erstens vermochte sie sich nicht auf die Souveränität des Königs verlassen, weil sie erst durch die Infragestellung derselben entstanden war. Zum Zweiten fehlte ihr die Unterstützung durch die Volkssouveränität, wie sie die Republikaner mit ihrer Idee des allgemeinen Wahlrechts im Sinn hatten. Die Rechtfertigung der Monarchie stand also auf wackligen Füßen. Sie besaß nur eine Quasi-Legitimität, weil sie sich auf die Theorie verließ, im Juli 1830 habe keine Revolution, sondern nur ein Austausch des Staatsoberhauptes stattgefunden. Zudem gründete sie sich auf die so genannte Souveränität der Vernunft des Volkes, weshalb nur die zur Erkenntnis und Verwirklichung des Gemeinwohls befähigten Franzosen Wähler und Abgeordnete sein sollten.
Opposition von allen Seiten
Die Opposition gegen die Monarchie rührt von verschiedenen Seiten her. Von rechts sind es die, die der alten Monarchie nachtrauern. Guizot versucht in den 40ern eine Annäherung an diese Legitimisten, was aber misslingt.
Von links rührt die Hauptgefahr von der Opposition des "mouvement". Hier sind es zunächst vor allem Notabeln, die der konservativen Mehrheit nahestehen (Besitzbürger, Geschäftsleute, Beamte, wohlhabende Angehörige der freien Berufe), die dem Patriotismus aber verbunden bleiben und die Dynastie mit einer Ausweitung der Freiheiten und des Wahlrechts bereichern wollen.
Das pays légal ist das zur Wahl berechtigte Volk. Pays réel werden die genannt, die sich das Wahlrecht nicht leisten können. Die Vermögensgrenze liegt bei 200 Francs. Das pays réel ist aber von der extremen Linken des Mouvement angezogen, also von der republikanischen Partei, die ihre Propaganda besonders über die Zeitungen „Le National“ und „Le Réforme“ verbreitet. Sie fordert, neben dem allgemeinen Wahlrecht, kostenlosen Unterricht und Schulpflicht.
Von den Sozialisten werden soziale Anliegen thematisiert. Sie kritisieren den laissez faire, fordern einen fürsorgenden Staat und die Einführung von Produktionsgenossenschaften. Bekannte Vertreter dieser Themen sind Victor Considérant, Philippe Buchez und Louis Blanc.
Die damals noch kleine Arbeiterklasse hegt eine besondere Abneigung gegen das Regime, das die Aufstände von 1831, 1834 und die großen Pariser Streiks im Jahr 1840 blutig niedergeschlagen hat. Die Republikaner können sich im Laufe der 40er Jahre auf eine soziokulturelle Bewegung stützen, die maßgeblich von der Romantik beeinflusst war. Unter diesen Vorzeichen sammeln sich eine Vielzahl unterschiedlicher politischer Richtungen und Charaktere in der Opposition. Sie sind jedoch, so scheint es zunächst, vor allem im pays réel verwurzelt. Die seit 1831 in Macht befindliche konservative Partei scheint das pays légal fest in der Hand zu haben. So kann 1846 der königsergebene Guizot einen überwältigenden Wahlerfolg verbuchen.
Die wählende Mittelschicht wähnt man als Ausdruck einer klassenlosen Gesellschaft, weshalb eine Ausweitung des Wahlrechts nicht notwendig erscheint. Doch diese „Mitte“ ist an ihren Rändern vielen Anfeindungen ausgesetzt: Von Seiten der herrschenden Klassen, links wie rechts, ohne Unterstützung des Klerus, auch in der Bauernschaft ohne solide Basis, die den Mythos vom großen Kaiser pflegt, aber nicht zum „Bürgerkönig“ oder gar seiner Regierung hielt wird sie angegriffen.
Die konjunkturelle Entwicklung
Die von der Landwirtschaft dominierte französische Wirtschaft erleidet durch mehrere Missernten Rückschläge. 1845 führt die Kartoffelkrankheit, 1846 eine geringe Getreideernte zu höheren Lebensmittelpreisen. Die Verbraucher müssen ihre Ausgaben zugunsten der Nahrungsmittel verschieben, worunter die übrigen Wirtschaftszweige leiden. Insbesondere in der Textilwirtschaft und im Bauwesen kommt es in der Folge zu Entlassungen. Von 1840 an haben die Unternehmen viel Geld investiert, was sich nun nicht auszahlt. Es kommt zu einer Kreditverknappung. Handel und Eisenbahn geraten in Schwierigkeiten. Von den Konkursen ist vor allem die Schwerindustrie betroffen. Die Steuereinnahmen sinken, während die der Wohlfahrt und der Getreideimporte steigen.
Der konjunkturellen Entwicklung wird in der Geschichtswissenschaft jedoch unterschiedliche Bedeutung bei der Vorgeschichte der Revolution beigemessen. Nach Anthony Rowley sind die Gründe für das Aufbegehren weniger im wirtschaftlichen als im sozialen Bereich zu suchen, weil der Agrarsektor nicht mehr die gleiche Rolle spiele wie noch 1789. Anfang 1848 sei sogar der Aufschwung in Sicht gewesen, weil die Ernte 1847 hervorragend ausgefallen sei.
Dennoch lässt bleibt es wahrscheinlich, dass die lahmende Konjunktur zur Schwächung des Juli-Regimes beigetragen hat. Durch die Niederschlagung des Streiks von 1840 und die anhaltende Rezession erhält die Feindschaft von Regenten und Arbeiterschaft neues Feuer.
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