Das Kefk Network Wiki befindet sich im Testbetrieb.


Zwei-Faktoren-Theorie der Emotion

Aus Kefk.

Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Zwei-Faktoren-Theorie der Emotion geht auf den US-amerikanischen Sozialpsychologen Stanley Schachter (1962) zurück und besagt, dass Gefühle als eine Funktion von physiologischer Erregungen (als quantitative Komponente von Emotion) und einer zu dieser Erregung "passenden" Kognition (als qualitative Komponente) abgebildet werden können. Obwohl die Theorie nachweislich schon 1924 von Gregorio Marañón unter dem Namen 2-Komponenten-Theorie der Emotion publiziert wurde und auch danach vor Schachter ähnliche Modelle zur Emotionsentstehung veröffentlicht wurden, so unter anderem von Russel (1927) und Duffy (1941), war es Schachters Theorie die aufgrund des ihr zugrunde liegenden Experimentaldesigns (das u.a. auch als Beleg für die Kausalattribution herangezogen wird) den größten Einfluss auf die Psychologie der folgenden 20 Jahre nahm und immer wieder zu Replikationsversuchen anregte.

Methodik des Experimentes von Schachter und Singer (1962)

Den Versuchspersonen wurde erklärt, dass man mit dem Experiment die Auswirkungen einer "Vitaminzusammensetzung" names Supproxin auf die Sehfähigkeit testen wollte und injizierte 3/4 von ihnen, insofern sie dazu einwilligten, was nur 1 der 185 Versuchspersonen ablehnte, daraufhin Adrenalin und dem restlichen Viertel eine Kochsalzlösung (Kontrollbedingung Placebogruppe). Zusätzlich wurden die Personen, denen Adrenalin verabreicht worden war, über mögliche Nebenwirkungen des "Supproxins" entweder korrekt (was im Falle von Adrenalin Herzrasen, Zittern, verstärkte Durchblutung etc. war), inkorrekt (Juckreiz, Kopfschmerzen, taube Füße) oder gar nicht aufgeklärt. Als die Versuchspersonen dann nach den "Sehtests" zum Ausfüllen eines Fragebogens in einen separaten Raum gebracht wurden, trafen die dort auf eine weitere angebliche Versuchsperson, die allerdings ein Verbündeter des Versuchsleiters war, welcher im übrigen das ganze Geschehen durch einen Einwegspiegel beobachten konnte. Dieser Vertraute verhielt sich entweder absichtlich ärgerlich oder euphorisch, damit man feststellen konnte inwiefern sich dieses Verhalten auf die Kognition der Versuchspersonen auswirkte. Zusätzlich waren die Fragen des o.g. Fragebogens so gestaltet, dass sie die Versuchspersonen gezielt gereizt stimmen sollten. So wurde z.B. nach der Anzahl der Sexualpartner der Mutter vor ihrer Hochzeit gefragt und andere ähnlich unverschämte Fragen gestellt. Der Vertraute des Versuchsleiters verhielt sich unter der Bedingung "ärgerlich" vor allem im Bezug auf diese Fragen sehr aufgebracht.

Schachter und Singers psychologische Hypothese besagte nun, dass die inkorrekt und die gar nicht informierten Versuchspersonen eine Erklärung für die aus der Adrenalininjektion resultierenden physiologischen Erregung suchen würden, d.h. sie würden ihre Erregung auf eine Emotion attribuieren, die in Abhängigkeit davon, ob der Vertraute im Raum nun ärgerlich oder euphorisch war, auch ärgerlich oder euphorisch ausfallen müsste. Die korrekt informierten Probanden und die Placebogruppe sollten hingegen keine signifikanten Unterschiede zeigen, da sie die Erregung ja korrekt attribuieren konnten.

"Gemessen" wurden die Emotionen

  • indem man die Versuchspersonen während der Wartezeit mit dem Vertrauten des Versuchsleiters durch einen Einwegspiegel beobachtete und ihr Verhalten beurteilte und
  • indem man den Personen nach dem Versuch einen Fragebogen austeilte, in welchem sie angeben sollten, wie sie sich zu welchem Zeitpunkt des Experiments (vor allem während der Wartezeit mit dem Vertrauten des Versuchsleiters) emotional gefühlt hatten.

Bei der Auswertung zeigt sich dann, dass die Unterschiede zwischen den falsch- bzw. gar nicht informierten Versuchspersonen und der Placebogruppe nicht signifikant waren. Allerdings und somit hypothesenkonform waren es die Unterschiede zwischen den korrekt informierten Probanden und den Nicht- bzw- Falschinformierten. Außerdem gab es keine signifikanten Unterschiede (wie vorhergesagt) zwischen der korrekt informierten und der Placebogruppe. Somit konnte die psychologische Vorhersage als bedingt eingetreten angesehen werden, obgleich nur mit schwachen Ergebnissen.

Kritik und Konsequenzen

Im nachhinein wurde das Schachter/Singer Experiment immer wieder methodisch kritisiert und veranlasste eine Reihe von Folgeexperimenten (vorrangig zur Kausalattribution) und Replikationsversuchen (u.a. Marshall & Philip Zimbardo, Valins), welche aber allesamt nicht die Ergebnisse des Schachter und Singer Experimentes reproduzieren konnten, ja sogar im Gegenteil durchweg zu negativer Stimmung der Probanden führten, unabhängig davon, ob der Vertraute nun euphorisch oder ärgerlich war.

Man schlussfolgerte daraus, dass körperliche Erregung nicht beliebig auf eine Emotion attribuiert werden können (vgl. Cannons Kritik an der James-Lange-Theorie; nach Ax, Weerts und Roberts treten bei Emotionen, von denen man dachte, dass sie physiologisch ähnlich wären, wie Ärger und Furcht, unterschiedliche Erregungsmuster auf).

Dennoch brachte die 2-Faktoren-Theorie einen bedeutsamen Beitrag zur Emotionspsychologie indem sie Erklärungsmodelle u.a. für Panikanfälle lieferte und Wissenschaftler anregte, sich am kognitiv-psychologischen Forschungsparadigma zu orientieren, auch wenn die These, dass physiologische Erregung für die Entstehung von Emotionen hinreichend ist, so nicht mehr aufrecht erhalten werden kann.

Literatur

Meyer, W.-U., Schützewohl, A., & Reisenzein, R. (2001). Einführung in die Emotionspsychologie. Bd. 1 (2.Auflage). Bern: Hans Huber Verlag (Kap. 4)

Wikipedia
Dieses Dokument entstammt in seiner ersten oder einer späteren Version der deutschsprachigen Wikipedia. Es ist dort zu finden unter dem Stichwort Zwei-Faktoren-Theorie_der_Emotion, die Liste der bisherigen Autoren befindet sich in der Versionsliste; die Originalfassung kann dort auch bearbeitet werden. Alle Texte der Wikipedia und ihre Derivate stehen unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation.
Persönliche Werkzeuge
Andere Sprachen