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Zirkelgesellschaft
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Die Zirkelgesellschaft war eine Vereinigung der städtischen Oberschicht in Lübeck.
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Bedeutung
Der offizielle Name der am 2. September 1379 gegründeten Bruderschaft von Fernhandelskaufleuten war Gesellschaft der heiligen Dreifaltigkeit zu Lübeck. Wegen ihres Zeichens, einem offenen Zirkel in einem unten etwas offenen Kreis - einem Symbol der Trinität - wurde sie jedoch allgemein Zirkelgesellschaft oder Zirkelkompanie genannt. Später war sie auch unter dem Namen Junkerkompanie bekannt. Der Begriff Junker bezeichnet in diesem Zusammenhang jüngere männliche Mitglieder von ratsfähigen Familien.
Die Gesellschaft verband religiöse mit repräsentativen und politischen Motiven. Nach dem Lübischen Recht zählte sie zu den im Rat der Stadt vertretenen Kaufleutekorporationen, aus denen sich der Rat personell von selbst ergänzte. Tatsächlich war sie über Jahrhunderte - insbesondere abgesichts ihrer im Verhältnis zu den übrigen Korporation geringen Mitgliederzahl - im Rat stark überproportional vertreten und stellte die Mehrheit der Lübecker Bürgermeister. Von ihrer Gründung (mit Ausnahme der Jahre 1408-1416, in denen die Gesellschaft aufgrund einer vorübergehenden Machtverschiebung faktisch nicht existierte; erst 1429 erhielt sie neue Statuten) bis etwa zum Kassarezess stellt sie aufgrund dieses Einflusses das eigentliche gesellschaftliche Machtzentrum der Lübecker Thalassokratie dar, zu der auch Kaufleute aus anderen Korporationen überwechselten, sobald sie gebeten wurden.
Geschichte
Der Zusammenhalt der führenden, meist aus Westfalen zugewanderten Familien war seit Gründung der Stadt eng; Dollinger verweist auf ein Schreiben aus dem Jahr 1380, wonach die Mehrzahl der Ratsmitglieder zumindest im 3. Grad verwandt waren.
Nach der Rekonstituierung 1429 der Gesellschaft betrieb der Bürgermeister Hinrich Castorp in der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts den Kurswechsel der Zirkelgesellschaft von einem reinen Zusammenschluss erfolgreicher Fernhandelsleute zu einer Interessenvertretung des inzwischen entstandenen Lübecker Patriziats. 1483 gehörte nur ein einziger Ratsherr nicht dieser Gesellschaft an. Die erfolgreichen Gründerfamilien Lübecks fingen zu dieser Zeit an, die Lebensgewohnheiten des umgebenden Adels zu kopieren, landwirtschaftlichen Grundbesitz zu erwerben und von Renten aus Anleihen und Grundbesitz zu leben. Aus dieser Schicht rekrutierten sich, immer neben hinzukommenden erfolgreichen Aufsteigern, fortan die Mitglieder dieser vornehmsten Kaufmannskorporation Lübecks.
1485 erhielt die Zirkelgesellschaft ein kaiserliches Privileg, das den Mitgliedern erlaubte, das Zeichen der Gesellschaft an einer goldenen Kette (Collane) öffentlich zu tragen. Damit wurde diese bürgerliche Gesellschaft Adelskreisen und Orden gleichgestellt.
Nachdem sie im 15. Jahrhundert den Höhepunkt ihrer gesellschaftlichen Macht erreicht hatte, verlor die Gesellschaft im 16. Jahrhundert an Einfluss und ging während der Unruhen der Wullenwever-Zeit sogar kurzfristig ein. 1580 wurde sie als Zusammenschluss alteingesessener Familien neugegründet.
Das Gesellschaftshaus
Das durch seine Zopfstilfassade geprägte Gesellschaftshaus in der Königstraße 21 wurde zu einem Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens der Stadt. 1641 bestätigte ein weiteres kaiserliches Privileg den Mitglieder adelsmäßige Freiheiten. Gleichzeitig verschärfte die Gesellschaft ihre Aufnahmebedingungen. Dies sicherte kurzfristig ihre Exklusivität, führte langfristig jedoch dazu, dass die Gesellschaft immer mehr Mitglieder und Einfluss verlor. Das letzte aktive Mitglied starb 1820. Anschließend wurde die Gesellschaft aufgelöst, und in das Haus zog das Oberappellationsgericht der vier Freien Städte ein. Danach wurde es zunächst vom Staatsarchiv des Staates Lübeck genutzt, später als Öffentliche Bücherei. Heute ist es der zukünftige Sitz der Lübecker Außenstelle der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung.
Kapelle und Zirkelbrüderaltar
Die Gesellschaft unterhielt seit dem Verbrüderungsvertrag mit den Franziskanern von 1379 eine reich ausgestattete Kapelle in der Katharinenkirche. Der 1430 ausweislich der Stifterwappen von den Familien Meteler, von Wickede, Brömse und von Rentelen[1] für die Kapelle gestiftete Flügelaltar befindet sich seit 1926 im St. Annen-Museum. Der aus einem Relief aus Baumberger Sandstein bestehende ältere Mittelteil (um 1405) und die bemalten Flügel stammen von verschiedenen Künstlern, die namentlich nicht überliefert sind.[2]
Literatur
- Sonja Dünnebeil: Die Lübecker Zirkel-Gesellschaft. Formen der Selbstdarstellung einer städtischen Oberschicht (Veröffentlichungen zur Geschichte der Hansestadt Lübeck, hg. vom Archiv der Hansestadt, Reihe B, Band 27) Lübeck: Schmidt-Römhild 1996. ISBN 3-7950-0465-9
- Sonja Dünnebeil: Zur Bedeutung der Zirkel-Gesellschaft im 15. Jahrhundert, in: Beiträge zur Sozialgeschichte Lübecker Oberschichten im Spätmittelalter. Vorträge einer Arbeitssitzung vom 14. Juli 2000 in Kiel, hrsg. von Harm von Seggern und Gerhard Fouquet (Online-Publikationen der Kieler Professur für Wirtschafts- und Sozialgeschichte 1), Kiel 2005, S. 17-39 [1]
- Rafael Ehrhardt: Familie und Memoria in der Stadt. Eine Fallstudie zu Lübeck im Spätmittelalter. Dissertation, Göttingen 2001. mit einer Prosopografie der Ratsfamilien von Alen, Darsow, Geverdes, Segeberg und Warendorf.
- Zum Zirkelbrüderaltar: Uwe Albrecht (Hg.): Corpus der Mittelalterlichen Holzskulptur und Tafelmalerei in Schleswig-Holstein, Band I: Hansestadt Lübeck, St. Annen-Museum. Kiel: Ludwig, 2005. ISBN 3933598753, S. 123-129
Quellen und Anmerkungen
- ↑ Diese hatten sämtlich auch an der Rekonstitution der Gesellschaft mitgewirkt
- ↑ Brigitte Heise/Hildegard Vogler: Die Altäre des St. Annen-Museums. Lübeck 1993, S.19ff.
Weblinks
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