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Deutsche Zentrumspartei

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Bild:Disambig-dark.svg Dieser Artikel bezieht sich auf die Deutsche Zentrumspartei, Zentrumsparteien anderer Länder unter Zentrumspartei (Begriffsklärung)

Die 1870 gegründete Deutsche Zentrumspartei (Kurzbezeichnung: ZENTRUM) war bis 1933 als Vertreterin des katholischen Deutschland eine der wichtigsten Parteien des Kaiserreichs und der Weimarer Republik.

Mit der Gründung der CDU als überkonfessioneller Sammlungspartei verlor das Zentrum nach dem Zweiten Weltkrieg seine Wähler- und Mitgliederbasis. Seit Mitte der 50er Jahre stellt sie bis heute lediglich eine Kleinpartei dar.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte bis 1933

Vorgeschichte und Gründung

Die historische Zentrumspartei war der wichtigste Repräsentant des politischen Katholizismus in Deutschland. Die Politisierung der katholischen Konfession war dabei ein langer und teilweise widersprüchlicher Prozess. Unter den aufgeklärten katholischen Bürgern begann mit dem Ende der geistlichen Fürstentümern anlässlich des Reichsdeputationshauptschluss im Jahr 1803 eine gewisse Rückbesinnung auf den Katholizismus nicht nur als Religion, sondern auch als strukturierendes Element des gesellschaftlichen und persönlichen Lebens. Auch die deutsche Romantik hat zur Rekonfessionalisierung beigetragen.

Die Politisierung dieser Entwicklung wurde von einigen Faktoren entscheidend bestimmt. Einer von ihnen war die Ablösung der Aufklärungstheologie durch die ultramontane Bewegung (strikte Ausrichtung der katholischen Kirche auf Rom bis hin zum päpstlichen Unfehlbarkeitsdogma.) Diese Entwicklung stieß auf erhebliches Misstrauen sowohl der absolutistischen deutschen Fürsten wie auch der religionskritischen Liberalen.

Der Konflikt erreichte während des Mischehenstreits der 1830er Jahre einen ersten Höhepunkt. In dessen Verlauf kam es 1837 zur Verhaftung des Kölner Erzbischofs Clemens August Droste zu Vischering. Diese so genannten „Kölner Wirren“ löste im katholischen Deutschland eine bislang unbekannte Protest- und Solidarisierungswelle aus.

Auf mittlere Sicht fand der Gegensatz des katholischen Deutschland gegenüber dem autoritären Staat und dem Liberalismus gleichermaßen auch ihren politischen Niederschlag. Bereits in der Deutschen Nationalversammlung von 1848 bildete sich in der Frankfurter Paulskirche der sogenannte „Katholische Klub“, der einen losen Zusammenschluss katholischer Abgeordneter darstellte. Er war eine Art interfraktionelle Vereinigung und nur auf Verteidigung der Rechte der Kirche gegenüber dem Staat eingestellt. Im Jahr 1852 bildete sich im Preußischen Landtag dann eine „Katholische Fraktion“, die sich aber bald wieder auflöste. Auch in den Landtagen der restlichen deutschen Staaten wurden katholische Fraktionen oder fraktionsähnliche Vereinigungen gegründet.

Eine wichtige Rolle in der Phase, die zur Gründung der Zentrumspartei führen sollte, spielten die Soester Konferenzen, eine lose Diskussionsrunde um die Brüder Hermann und Georg von Mallinckrodt, Alfred Hüffer, Freiherr Wilderich von Ketteler und Eduard Klein sammelte. Das erste Treffen fand am 12. Januar 1864 in Soest statt und es folgten in unregelmäßigen Abständen weitere Zusammenkünfte bis 1866 der Deutsche Krieg ausbrach. Der Sieg des protestantischen Preußens und das Hinausdrängen der österreichischen Schutzmacht der Katholiken im Reich bedeutete einen Rückschlag für den politischen Katholizismus in Deutschland.

Gleichwohl war der politische Katholizismus inzwischen kein ausschließlich akademisches Projekt mehr. Nicht zuletzt Dank der massiven Unterstützung durch den Ortsklerus begann er auch für die katholischen Wähler immer attraktiver zu werden. Für das katholische Sauerland etwa berichteten die Behörden in den 1860er Jahren von einem Vordringen der katholischen Bewegung.

Erst im Jahr vor den Neuwahlen zum preußischen Abgeordnetenhaus, 1869, wurden die Planungen zur Gründung einer katholischen Partei wieder aufgenommen und in Zusammenkünften in Ahlen, Münster und Essen ein im wesentlichen von Hermann von Mallinckrodt und Peter Reichensperger entworfenes Programm angenommen.

Bild:Ludwig windthorst.jpg
Ludwig Windthorst

Darin wurde die Unabhängigkeit kirchlicher Institutionen und die Selbständigkeit der Kirche gefordert. Die Konfessionsschulen und die kirchliche Schulaufsicht sollte erhalten bleiben. Die Gründung eines deutschen Gesamtstaates sollte auf föderaler Basis erfolgen und den Bundesstaaten eine relativ große Unabhängigkeit eingeräumt werden. Auch Ansätze zur Forderung nach einer staatlichen Sozialpolitik waren bereits im Essener Programm vom 30. Juni 1870 enthalten: Die bestehende finanzielle Belastung des Volkes sollte durch den Verzicht auf weitere Erhöhungen des Militäretats und eine gerechtere Verteilung der Steuerlast erreicht werden und auf die Beseitigung der sozialen Missstände im Staat hingewirkt werden. Das „Soester Programm“ vom 28. Oktober 1870 erlangte schließlich die größte Bedeutung unter den frühen Programmschriften, da auf seiner Basis die führenden Kräfte der Gründung in das preußische Abgeordnetenhaus gewählt wurden.

Am 13. Dezember 1870 gründeten 48 Mitglieder des preußischen Abgeordnetenhauses die „Fraktion des Zentrums“, deren erster Vorsitzender Karl Friedrich von Savigny wurde. Daneben waren Peter und August Reichensperger, Mallinckrodt, Ludwig Windthorst und Philipp Ernst Maria Lieber von großem Einfluss.

Bei der Wahl zum ersten Deutschen Reichstag am 3. März 1871 errang die Partei 18,6 % der Stimmen und 63 Mandate. Damit bildete sie die zweitstärkste Fraktion nach der Nationalliberalen Partei.

Opposition und Kulturkampf

Das Zentrum war aus seinem Selbstverständnis heraus eine Partei, die zur Reichsregierung unter Bismarck in Opposition stand. Weder Bismarcks wirtschaftspolitische Orientierung am Liberalismus noch dessen Versuch, die politische Macht der Kirche zurückzudrängen, war mit den Positionen des Zentrums in Einklang zu bringen. Dies galt ebenso für den Kampf des neuen Nationalstaats gegen seine Minderheiten, von denen die meisten, die Elsaß-Lothringer, Kaschuben, Polen und Litauer, katholisch waren.

Der Kampf Bismarcks gegen den politischen Katholizismus prägte die Innenpolitik im ersten Jahrzehnt des Kaiserreichs, da es teilweise zu Recht den Anschein hatte, als ob die Katholiken der kleindeutschen Reichseinigung skeptisch gegenüberstehen würden. Eine bislang undenkbare Koalition von Konservativen, Liberalen und Bismarck hatte sich daher auf die Fahnen geschrieben, den Einfluss des Papsttums und des Ultramontanismus auf die deutsche Innenpolitik über den Umweg der Zentrumspartei und des Klerus einen Riegel vorzuschieben. Während die Konservativen vor allem den ausländischen Einfluss bekämpften, sahen die Liberalen im Papsttum einen Hort der Reaktion. Tatsächlich hat das Erste Vatikanische Konzil mit der Verkündung des Dogmas der päpstlichen Unfehlbarkeit und des Syllabus Errorum diesen Eindruck noch bestärkt.

Auch um von den wirtschaftlichen Schwierigkeiten während der „Gründerkrise“der frühen 1870er Jahre abzulenken, wurden die Katholiken während des „Kulturkampfs“ zu „Reichsfeinden“ stilisiert. Das Misstrauen wurde auch dadurch geschürt, weil das Zentrum im Reichstag mit den ebenfalls als „Reichsfeinde“ eingestuften Minderheitenparteien der Polen, Elsässer, Welfen und Dänen zusammenarbeiten und sich auch damit gegen die Bismarck’sche Politik stellten.

Zwar hatte der Kulturkampf tatsächlich gewisse Säkularisierungserfolge wie etwa die Einrichtung von kommunalen Standesämtern aufzuweisen, aber letztlich hat er den Zusammenhalt und die Selbstabschließung des katholischen Deutschland in einem hohen Maß verstärkt. Politisch trug er maßgeblich zur inneren Konsolidierung des Zentrums und dessen Profilierung als katholische Opposition gegen die preußisch-protestantische Vorherrschaft bei. In den Reichstagswahlen 1874, auf dem Höhepunkt des Kulturkampfes, konnte das Zentrum seinen Stimmenanteil auf 28 % ausbauen, ein Anteil, der in den folgenden Wahlen konstant blieb und dem Zentrum stets zwischen 90 und 100 Mandate brachte.

Der Erfolg des Zentrums beruhte auf seiner Rolle als einer katholischen Milieupartei. Der staatliche Druck von außen, aber auch der politische Einfluss des Klerus trugen vor allem in den ersten Jahrzehnten dazu bei, dass ein Großteil der katholischen Wähler weitgehend unabhängig von ihrer sozialen oder wirtschaftlichen Position für diese Partei stimmten.

Wandel zur regierungsstützenden Partei und innerparteiliche Differenzierung

Nach Bismarcks Kurswechsel weg von einer liberalen Wirtschaftspolitik hin zum Protektionismus, seiner staatliche Sozialpolitik und dem beginnenden Kampf gegen die Sozialdemokratie (Sozialistengesetze) näherte sich das Zentrum langsam der Reichsregierung an. Unterstützt wurde dies dadurch, dass von 1880 bis 1887 insgesamt fünf Milderungs- und Friedensgesetze zur Beilegung des Kulturkampfes verabschiedet wurden. Das Zentrum war aus dem Kulturkampf gestärkt hervor gegangen und von 1881 bis 1912 stärkste Reichstagsfraktion.

Stimmenanteil und Zahl der Sitze des Zentrums bei den Reichstagswahlen 1871–1912
Jahr Stimmen Sitze
1871 18,6 % 63
1874 27,9 % 91
1877 24,8 % 93
1878 23,1 % 94
1881 23,2 % 100
1884 22,6 % 99
1887 20,1 % 98
1890 18,6 % 106
1893 19,1 % 96
1898 18,8 % 102
1903 19,8 % 100
1907 19,4 % 105
1912 16,4 % 91

Quelle: Gerd Hohorst, Jürgen Kocka und Gerhard A. Richter: Sozialgeschichtliches Arbeitsbuch II: Materialien zur Statistik des Kaiserreichs 1870–1914. München, 1978. S.173–175

Seit der Entlassung Bismarcks 1890 trat der konfessionell-katholische Aspekt der Partei zugunsten eines stärker sozialpolitischen Engagements zurück. Insbesondere durch den 1890 gegründete mitgliederstarken „Volksverein für das katholische Deutschland“ entstand eine Organisation, die durch zahllose Aufklärungsvorträge und Broschüren sowie der sozialpolitischen Arbeit der „Volksbüros“ wesentlich dazu beitrug, dass die Zentrumspartei ein sozialpolitisches Profil erhielt und viele Arbeiter an sich binden konnte.

Unter Bismarcks Nachfolgern unterstützte das Zentrum die Regierungspolitik auf den wichtigen Feldern der Innen-, Außen-, Kolonial- und Flottenpolitik und hatte damit den Wandel von der Oppositions- zur de-facto-Regierungspartei vollzogen, wenngleich Katholiken weiterhin vielfach Bürger zweiter Klasse waren, denen der Zugang zu höheren Positionen verwehrt blieb, solange sie sich nicht öffentlich gegen das Zentrum aussprachen.

Während des wilhelminischen Kaiserreichs blieb das Zentrum auf den ersten Blick eine stabile politische Kraft. Schaut man genauer hin, gab es innerhalb der Partei erhebliche Konflikte. Dazu hat unter anderem beigetragen, dass mit dem faktischen Ende des Kulturkampfs ein zentrales einigendes Band verloren gegangen war. Insbesondere seit den 1890er Jahren entwickelten sich unterschiedliche Strömungen. Dazu zählt etwa ein konservativ-agrarischer Flügel, daneben gab es einen „populistischen“ Flügel vor allem getragen von Kleinbauern und Handwerkern, einen bürgerlichen Flügel sowie einen immer stärker werdenden Arbeiterflügel. Andere Gegensätze kamen hinzu, waren aber teilweise mit den sozialen Unterschieden verbunden. Während etwa an der „monarchistischen“ Grundhaltung der Partei insgesamt kein Zweifel bestehen kann, gab es doch gerade bei den Arbeitern und im populistischen Flügel beachtliche demokratische Tendenzen. Diese Konflikte wurden teilweise in den Regionen erbittert öffentlich ausgefochten. Nach dem Tod Peter Reichenspergers kam es beispielsweise in der Zentrumshochburg Sauerland über mehr als 10 Jahre bei den Reichstagswahlen zu einer Spaltung der Partei durch die Nominierung mehrerer Kandidaten.

Für die Partei auf Dauer negativ wirkte sich auch die immer stärker werdende industrielle Entwicklung aus. Auch wenn das katholische Milieu alles tat, um die Arbeiterwähler (auch politisch) zu binden, begann das Zentrum vor allem in den Großstädten und den Industriegebieten einen Teil seines Wählerpotentials einzubüßen. Dabei spielten Säkularisierungstendenzen eine wichtige Rolle. Auf dem Land und in kleinen Städte war davon freilich noch nichts zu spüren. So stimmten etwa im Sauerland – trotz der Spaltung – stets an die 90 % für das Zentrum. Die Stagnation auf hohem Niveau war einer der Gründe für Überlegungen die Partei zu einer auch den Protestanten offenstehenden Volkspartei zu machen. Die Auseinandersetzungen darüber im so genannten Zentrumsstreit blieben letztlich ergebnislos, so dass die Partei auch weiterhin nur den katholischen Volksteil repräsentierte.

Erster Weltkrieg und Novemberrevolution 1918/19

Während des Ersten Weltkriegs ging auch das Zentrum den Burgfrieden ein und stützte die Außen- und Kriegspolitik Wilhelms II. und der OHL. Dies ging soweit, dass die Partei in einigen Regionen ihre Tätigkeit faktisch einstellte.

Auf mittlere Sicht nahm auch im Zentrum die Kriegsmüdigkeit zu. Daher bildete das Zentrum 1917 zusammen mit der SPD und der Fortschrittlichen Volkspartei, alle drei stigmatisierte Außenseiter während des Kaiserreichs, den Interfraktionellen Ausschuss. Dieser brachte am 19. Juli 1917 eine Friedensresolution in den Reichstag ein, der mit der Mehrheit der drei Parteien angenommen wurde. Die Friedensresolution, die auf den Abschluss eines Verständigungsfriedens zielte, blieb angesichts der de facto diktatorischen Macht der OHL unter Paul von Hindenburg und Erich Ludendorff zwar ohne direkte Auswirkungen, war aber die Geburtsstunde der späteren Weimarer Koalition. Mit Graf Georg von Hertling stellte das Zentrum von November 1917 bis September 1918 erstmals einen Reichskanzler. Nach der Parlamentarisierung des Reiches in der Oktoberreform 1918 war das Zentrum mit drei Staatssekretären im Kabinett Max’ von Baden vertreten.

Der Novemberrevolution von 1918 stand die Zentrumspartei insgesamt ablehnend gegenüber. Gerade auch auf regionaler Ebene zeigte sich aber in der Staatsformfrage „Monarchie oder Republik“ eine erhebliche Bandbreite der Meinungen. In einigen Gemeinden waren lokale Parteiführer gleichzeitig prominent in den Arbeiter- und Soldatenräten vertreten. Insgesamt stellte sich die Partei allerdings nur widerwillig auf den „Boden der gegebenen Tatsachen“. Letztlich unterstützte sie aber trotz heftigen innerparteilichen Konflikten die von Philipp Scheidemann ausgerufene Republik und nahm Kontakte zu den früheren Partnern des Interfraktionellen Ausschusses auf. Aus Protest gegen die zentralistisch orientierte Politik Matthias Erzbergers spalteten sich der bayerische Landesverband des Zentrums 1920 von der Mutterpartei ab und gründeten die Bayerische Volkspartei (BVP).

Weimarer Republik (1919–1933)

In der Weimarer Republik nahm das Zentrum eine wichtige Rolle ein, da es im Parteiensystem eine bedeutende Stellung in der politischen Mitte hatte. Es war zwar grundsätzlich mit fast allen politischen Gruppierungen von der SPD bis zur DNVP koalitionsfähig, hatte damit aber stärker als zuvor das Problem, die innerparteilichen Gegensätze auszugleichen. Eine ausgleichende, zentrale Position sicherte der Parteivorsitzende Felix Porsch. An den Regierungen der Weimarer Republik und in der Weimarer Nationalversammlung war das Zentrum daher maßgebend beteiligt.

So war sie auf Reichs- wie auf Länderebene an Regierungen der Weimarer Koalition (SPD, Zentrum und DDP), der Großen Koalition (SPD, Zentrum, DDP und DVP) sowie dem Bürgerblock (Zentrum, DDP, BVP, DVP und DNVP) beteiligt. Dadurch war sie von 1919 bis 1932 mit kurzen Unterbrechungen in allen Reichsregierungen vertreten und stellte mit Konstantin Fehrenbach (1920–1921), Joseph Wirth (1921–1922), Wilhelm Marx (1923–1925/1926–1928), Heinrich Brüning (1930–1932) und dem kurz nach seiner Ernennung ausgetretenen Franz von Papen (1932) fünf Reichskanzler. Bei der Reichspräsidentenwahl 1925 unterlag der Zentrumskandidat Wilhelm Marx gegen Paul von Hindenburg.

Bild:ZENTRUM-RTW-Ergwbnisse.JPG
Reichstagswahlergebnisse der Zentrumspartei

Unter den Parteivorsitzenden Erzberger und Marx stand das Zentrum fest auf dem Boden der Weimarer Verfassung und trieb die Sicherung der Republik und den Ausbau des Sozialstaates voran. Seit Mitte der 1920er Jahre war ein deutlicher Ruck ins konservativere und nationalere Lager zu beobachten. Diese Entwicklung fand ihren sichtbaren Ausdruck in der Wahl Ludwig Kaas', der sich gegen den christlichen Gewerkschaftsführer Adam Stegerwald durchsetzte, zum Parteivorsitzenden im Jahr 1928.

Diese Wahl war auch eine Reaktion auf den Ausgang der Reichstagswahl von 1928. Nicht nur in den Großstädten, sondern vor allem im ländlichen und kleinstädtischen Bereich hatte die Partei erhebliche Stimmenanteile verloren. Eine beträchtliche Teilgruppe in der Partei war daraufhin der Meinung, dass nur eine Reklerikalisierung ein weiteres Ausbluten verhindern könnte.

Die Ernennung Brünings zum ersten Reichskanzler eines Präsidialkabinetts markierte die endgültige Hinwendung des Zentrums zu einer konservativeren, ja autoritären Politik. Brüning verfolgte mit seiner Deflations- und „rigorosen Sparpolitik“ nicht nur das Ziel, den Reichshaushalt zu sanieren, sondern wollte auch den Siegermächten des Ersten Weltkriegs demonstrieren, dass Deutschland wirtschaftlich nicht mehr in der Lage war, die Reparationsverpflichtungen des Versailler Vertrages zu erfüllen und eine Stundung oder gar Aufhebung der Zahlungen daher unumgänglich war. Allerdings wurde er 1932 von Reichspräsident Hindenburg entlassen.

Bild:Vonpapen1.jpg
Franz von Papen

Der letzte Reichskanzler, der dem Zentrum angehört hatte, war Franz von Papen, der allerdings seit seinem Eintreten für Hindenburg in den Präsidentschaftswahlen 1925 zusammen mit dem rechtsnationalen Flügel de facto in Opposition zur eigenen Partei stand. Durch seinen Austritt, den er zwei Tage nach seiner Ernennung zum Reichskanzler erklärte, kam er einem Parteiausschluss zuvor. Die Zentrumspartei bekämpfte in der Folge erbittert Papens „Kabinett der nationalen Konzentration“.

Am 23. März 1933 stimmte die Fraktion des Zentrums im Reichstag nach vorheriger Abstimmung mit der NSDAP Hitlers Ermächtigungsgesetz zu und verhalf ihm damit zur erforderlichen Zweidrittel-Mehrheit. Hitler hatte Ludwig Kaas mündlich einige Versprechungen gemacht, um sich dessen Zustimmung zu sichern. So sicherte Hitler zu, die Rechte des Reichspräsidenten zu erhalten, Reichstag und Reichsrat fortbestehen zu lassen, sowie Schulpolitik und das Verhältnis zwischen Staat und Religion nicht durch das Ermächtigungsgesetz regeln zu wollen. Vor allem aber die Hoffnung auf den Abschluss eines Reichskonkordats mit dem Vatikan hat die Meinung der Parteiführung stark beeinflusst. Die Zustimmung des Zentrum zum Ermächtigungsgesetz war auch ein illusorischer letzter Versuch, Hitler und seine Nationalsozialisten unter einer gewissen Kontrolle zu halten und somit das Land und das Parlament vor dessen völliger Kontrolle zu schützen.

Am 5. Mai 1933 gab Kaas den Parteivorsitz an Heinrich Brüning ab. Dieser taktierte zurückhaltend und wollte das Zentrum durch die Bereitschaft zu einer Zusammenarbeit mit der NSDAP erhalten, musste jedoch bald erkennen, dass auch das Zentrum nicht zu halten war. Nach dem Abschluss des Reichskonkordats verlor die Partei auch noch den Rückhalt im Vatikan und sah sich Drohungen seitens der NSDAP und Verhaftungen führender Mitglieder gegenüber. Joseph Goebbels forderte am 28. Juni 1933 Brüning auf, „schleunigst seinen Laden zu schließen“, andernfalls werde man den „Experimenten“ dieser Partei nicht länger zusehen. Als Brüning erkannte, dass auch dem Vatikan nicht mehr an der Existenz einer katholischen Partei in Deutschland gelegen war, löste sich das Zentrum am 5. Juli 1933 als letzte der so genannten bürgerlichen Parteien selbst auf.

Geschichte seit 1945

Basisdaten
Gründungsdatum: 13. Dezember 1870
Gründungsort: Berlin
Vorsitzender: Gerhard Woitzik
1. Stellvertreter: Mathias Scheuschner
2. Stellvertreter: Arno Felser
Geschäftsführer: Ewald Jaksch
Generalsekretär: Harald Konschewitz
Schatzmeister: Werner Otto
Mitglieder: 900 (Stand: Juni 2005)
Parteigliederung: 8 Landesverbände
Adresse: Deutsche Zentrumspartei z. Hd.
Herrn Gerhard Woitzik
Straberger Weg 12
41542 Dormagen
Website: www.zentrumspartei.de
E-Mail: info@zentrumspartei.de
Bild:BTW ergebnisse ZENTRUM.JPG
Bundestagswahlergebnisse der Zentrumspartei

Nachkriegsjahre (1945–1960)

Nach dem Krieg wurde das Zentrum wiedergegründet, da die neu gegründete CDU einen Kurs steuerte, den das Zentrum als rechtslastig empfand. Die Partei kombinierte sozialpolitisch fortschrittliche Ziele und die Ablehnung der Wiederaufrüstung mit betont traditionellen Forderungen in der Kulturpolitik. Sie hatte aber ihre Funktion als christlich-katholische Volkspartei genau an diese verloren, da die CDU auf eine gemeinsame Partei beider großer Konfessionen gesetzt hatte. Das Zentrum hatte nur zeitweise regionale Hochburgen, vor allem in Nordrhein-Westfalen und in Niedersachsen (Emsland). Besonders die katholischen Bischöfe Conrad Gröber und Joseph Frings bevorzugten nach Kriegsende eine christliche Partei beider Konfessionen und wandten sich von der bisherigen Unterstützung der Zentrumspartei ab.

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Rudolf Amelunxen vom Zentrum war von 1945 bis 1946 erster Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen. Die Partei war bis 1958 im nordrhein-westfälischen Landtag und in der dortigen Landesregierung vertreten. Nach der Phase der Allparteienkabinette war das Zentrum zunächst an der Regierung von Karl Arnold beteiligt. 1956 verließ es gemeinsam mit der FDP die Regierung und bildete mit dieser und der SPD das neue Kabinett unter dem Sozialdemokraten Fritz Steinhoff. Außerdem hatte die Zentrumspartei im ersten Bundestag zehn Abgeordnete und dank der Grundmandatsklausel, die es damals erlaubte, mit bereits einem Direktmandat (und nicht wie heute mit drei Direktmandaten) die Fünfprozenthürde außer Kraft zu setzen, im zweiten Bundestag drei Abgeordnete. Bis 1959 saßen Abgeordnete der Zentrumspartei auch im niedersächsischen Landtag. Sie stützen sich im Emsland vor allem auf schwindende ländliche Unterschicht der Heuerleute, traditionelle Zentrumswähler und Jungwähler, die jede Zusammenarbeit mit ehemaligen Nationalsozialisten und deren damaligen Verbündeten ablehnten.

Mitte der 1950er Jahre versuchte Helmut Bertram im Auftrag des Zentrum-Bundesvorstandes ein breitangelegtes Bündnis christlich orientierter kleiner Parteien für die Bundestagswahl 1957 zu organisieren, um enttäuschten CDU/CSU-Wählern eine Alternative zu bieten. Es gelang jedoch nur, die Bayernpartei und die DP-Abspaltung Deutsch-Hannoversche Partei mit ins Boot zu bekommen. Die Kandidatur unter der Bezeichnung Föderalistische Union (dieser Name war schon für die Fraktionsgemeinschaft in der ersten Legislaturperiode des Bundestages verwendet worden) gelang so nur in Nordrhein-Westfalen (Zentrum), Niedersachsen (Zentrum/DHP) und Bayern (BP). Eine am 22. Juli 1956 beschlossene Fusion mit der saarländischen CVP wurde von dieser bereits Anfang 1957 gelöst. Das Ergebnis der FU war mit 0,9 % bundesweit enttäuschend.

Bild:EW-Ergebnisse ZENTRUM.JPG
Europawahlergebnisse der Zentrumspartei

Weitere Entwicklung (1960 bis heute)

1969 trat das Zentrum wieder alleine zu einer Bundestagswahl an und erreichte mit 15.933 Wählern einen Wähleranteil von 0,05 %. Zur ersten Europawahl zehn Jahre später trat das Zentrum bundesweit an und errang 31.367 Stimmen, oder 0,11 %. 1984 verdreifachte sie ihr Wahlergebnis bei der zweiten Europawahl auf 93.921 Stimmen bzw. 0,38 %. Nach 18 Jahren trat das Zentrum erst 1987 wieder zu einer Bundestagswahl an. Mit 19.035 Wählern und einem Wähleranteil von 0,05 % erreichten sie einen bescheidenen Wahlerfolg.

Der christlich-fundamentalistische Flügel unter Adelgunde Mertensacker spaltete sich, nachdem diese als Bundesvorsitzende abgewählt und durch den ehemaligen Bundestagsabgeordneten Gerhard Ribbeheger ersetzt worden war, ab und gründete am 27. August 1988 die CHRISTLICHE MITTE – Für ein Deutschland nach GOTTES Geboten (CM).

Das Zentrum konzentrierte sich in den folgenden Jahren auf die Kommunalpolitik in seiner demokratisch-sozialen Nachkriegstradition; christliche Grundlagen spielten, wenn überhaupt, nur eine untergeordnete Rolle. 1989 zur dritten Europawahl sank das Wahlergebnis wieder auf 41.190 Stimmen oder 0,15 %. Daraufhin trat das Zentrum bei der nächsten Bundestagswahl 1990 nicht an. Zur Wahl des 13. Bundestages 1994 wählten 3.757 Wähler mit ihrer Zweitstimme das Zentrum. Bei der Bundestagswahl 1998 trat das Zentrum nur mit Direktkandidaten an. Auch bei der Europawahl im folgendem Jahr erreichte das Zentrum mit 7.080 Stimmen nur einen sehr geringen Zuspruch von 0,03 %.

Im Jahr 2002 erreichte das Zentrum bei der Bundestagswahl 3.127 Zweitstimmen, weniger als 0,01 % der Wählerstimmen. Nachdem sich 2003 die evangelikal ausgerichtete Christliche Partei Deutschlands (CPD) der Zentrumspartei angeschlossen hatte, wurde eine christlich-fundamentale Motivation wieder deutlich in den Vordergrund gehoben. 2004 stimmten bundesweit bei der Europawahl 26.803 Wähler für das Zentrum, was einem Stimmenanteil von 0,1 % entspricht.

Das Zentrum ist heute mit je einem Mandat in den Kreistagen des Rhein-Kreises Neuss und des Landkreises Stendal vertreten. In Dormagen und Stendal hat sie je drei und in Ochtrup und Kaarst je einen Sitz im Rat. Der Vorsitzende der Partei, Gerhard Woitzik, ist 1. stellv. Bürgermeister von Dormagen.

Kurz vor der Bundestagswahl 2005 trat das Zentrum bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen an und erreichte dort einen Wähleranteil von 0,02 %. Anschließend trat das Zentrum zur Bundestagswahl 2005 lediglich mit einer Landesliste in Nordrhein-Westfalen an, nachdem die hessische und die baden-württembergische Landesliste wegen einer jeweils zu geringen Zahl an Unterstützungsunterschriften nicht zugelassen worden waren. Dabei erzielte sie 4.010 Zweitstimmen, was 0,01 % der Wählerstimmen entsprach. Im Jahr 2006 trat das Zentrum bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg in zwei Wahlkreisen an und erreichte mit 433 Stimmen (0,01 %) nur wenige Wähler. Im April 2007 traten 20 Mitglieder des bisherigen Hamburger Landesverbandes der Offensive D um den Landesvorsitzenden Peter-Alexander von der Marwitz zum Zentrum über, welchem sich vorher schon andere Politiker dieser Partei, wie der ehemalige Innensenator Dirk Nockemann und der ehemalige Fraktionsvorsitzende in der Bürgerschaft Norbert Frühauf angeschlossen hatten [1].


Heutiges inhaltliches Profil
Heute ist das Zentrum eine christlich-sozialökologisch orientierte Kleinpartei in Deutschland, deren Ziele laut eigener Aussage sind, die „freiheitlich-demokratische Grundordnung zu erhalten und auszubauen“, eine weltweite Friedenspolitik zu fördern, und ein Europa zu schaffen, das sozial ausgeglichen und politisch geeint sei, dies alles unter dem Leitsatz „Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen“, der der Präambel des Grundgesetzes (GG) entnommen ist.

Die „Ehrfurcht vor dem Leben und die Verwirklichung der Menschenrechte“ soll überall in der Welt eingefordert und sichergestellt werden. Ökologische „Zusammenhänge zur dauerhaften Sicherheit unserer Lebensgrundlagen“ seien dabei zu berücksichtigen. Den sozial Benachteiligten, den Kranken, Behinderten und alten Menschen müsse besondere Beachtung zukommen.

Abtreibungen lehnt die Partei strikt ab. Darüber hinaus setzt sie sich für eine umweltfreundliche und familienfreundliche Politik ein. Letzteres beinhaltet die Forderung nach einem Erziehungsgehalt und die Anerkennung des Berufs „Mutter” bzw. „Vater”. Dadurch werde die Erziehungsarbeit finanziell gewürdigt und anerkannt. Ganztagsschulen steht sie ablehnend gegenüber, da Kinder dadurch größtenteils der Obhut der Schule überlassen seien. Außerdem sollen Kinder und Jugendliche insbesondere vor sexuellem Missbrauch konsequent geschützt werden. Die Freigabe von Drogen lehnt das Zentrum strikt ab. Ein straffreier Umgang mit Drogen soll daher nicht zugelassen werden. Das Verbot des Klonens soll ins Grundgesetz aufgenommen werden. Sie beruft sich dabei auf Art. 1 Abs. 1 GG: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.” Des Weiteren will das Zentrum christliche Minderheiten (Sorben, Wenden, Masuren, Schlesier) verstärkt unterstützen.

Struktur
Es existieren derzeit neun Landesverbände (Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg, Hessen, Rheinland, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, Westfalen-Lippe). In Nordrhein-Westfalen bestehen sogar zwei Landesverbände für jeden der beiden Landesteile (Rheinland und Westfalen-Lippe). Außerdem existieren mit Rastatt, Reutlingen, Stendal und Calw insgesamt vier Kreisverbände.

Im Gegensatz zu früher sind die Mitglieder der Partei heute nicht mehr ausschließlich katholisch. Das Zentrum ist darüber hinaus Mitglied im Verband European Christian Political Movement (EPCM). Aktueller Bundesvorsitzender ist Gerhard Woitzik.

Literatur

  • Margret Lavinia Anderson, Windthorst. Zentrumspolitiker und Gegenspieler Bismarcks (= Forschungen und Quellen zur Zeitgeschichte Bd. 14), Düsseldorf 1988.
  • Margret Lavina Anderson, Windthorsts Erben: Konfessionalität und Interkonfessionalismus im politischen Katholizismus 1890–1918, in: Winfried Becker/Rudolf Morsey (Hrsg.), Christliche Demokratie in Europa. Grundlagen und Entwicklungen seit dem 19. Jahrhundert, Köln/Wien 1988, S. 69–90.
  • Hans-Georg Aschoff, Welfische Bewegung und politischer Katholizismus 1866–1918. Die Deutsch-hannoversche Partei und das Zentrum in der Provinz Hannover während des Kaiserreichs (= Beiträge zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, Bd. 83), Düsseldorf 1987.
  • Hans-Georg Aschoff, CDU und Zentrumspartei in Niedersachsen nach 1945, in: Marlis Buchholz/Claus Füllberg-Stolberg/Hans-Dieter Schmid (Hrsg.), Nationalsozialismus und Region. Festschrift für Herbert Obernaus zum 65. Geburtstag (= Hannoversche Schriften zur Regional- und Lokalgeschichte Bd. 11), Bielefeld 1996, S. 315–337.
  • Karl Bachem: Vorgeschichte, Geschichte und Politik der Deutschen Zentrumspartei. Köln 1932 (zahlr. Bde.)
  • Winfried Becker (Hrsg.), Die Minderheit als Mitte. Die Deutsche Zentrumspartei in der Innenpolitik des Reiches 1871–1933 (= Beiträge zur Katholizismusforschung Reihe B: Abhandlungen), Paderborn/München/Wien/Zürich 1986.
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Weblinks

Quellen

Wikipedia
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