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Zentralrat der Juden in Deutschland

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Der Zentralrat der Juden in Deutschland, die größte Dachorganisation der jüdischen Gemeinden und Landesverbände in Deutschland, ist die politische Vertretung der jüdischen Gemeinschaft im Land. Derzeit gehören den 87 im Zentralrat vereinten jüdischen Gemeinden zusammen etwa 105.000 Mitglieder an. Sitz des Rates ist seit dem 1. April 1999 das Leo Baeck-Haus in Berlin.

Inhaltsverzeichnis

Überblick

Der Zentralrat, eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, hat Charlotte Knobloch als Präsidentin. Vizepräsidenten sind Salomon Korn und Dieter Graumann (seit 2006; beide Frankfurt am Main).

Delegierte der in der Bundesrepublik bereits wieder existierenden jüdischen Gemeinden und ihrer Landesverbände hatten den Zentralrat am 19. Juli 1950 in Frankfurt a. M. gegründet. Seinem ersten Direktorium gehörten der bayerische Staatskommissar für rassisch, religiös und politisch Verfolgte, Philipp Auerbach; der in Bergen-Belsen befreite, später langjährige Vorsitzende der Berliner jüdischen Gemeinde Heinz Galinski; der auf Wiedergutmachungsfragen spezialisierte Jurist Benno Ostertag; die beiden Mitglieder des Zentralkomitees in der US-Zone Peisach Piekatsch und Chaskiel Eife, Josef Rosensaft und Norbert Wollheim für die britische Zone an. Sitz der Organisation war zuerst Hamburg, ab 1951 Düsseldorf, ab 1985 Bonn und seit dem 1. April 1999 Berlin.

Als ihre Hauptaufgabe betrachtete die Organisation in den ersten Jahren, auf die Gesetzgebung zur Wiedergutmachung des nationalsozialistischen Unrechts einzuwirken. Später wurden der Kampf gegen den Antisemitismus, die Unterstützung einer Annäherung zwischen Deutschland und dem Staat Israel und die Förderung der Arbeit der Mitgliedsgemeinden und -landesverbände zu wichtigeren Aufgaben; ebenso der Einsatz für das gegenseitige Verständnis von Juden und Nichtjuden.

Nach dem Mauerfall und der deutschen Wiedervereinigung 1990 bildete die Zusammenführung der Gemeinden in Ost und West einen Wirkungsschwerpunkt. Eine Herausforderung stellt die Zuwanderung von etwa 170.000 Juden aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion dar. Damit verdreifachte sich die Zahl der Juden in Deutschland. Ihre Integration erschwert, dass sich ein gewisser Anteil der Migranten als säkular definiert und/oder aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse den Kontakt zu den örtlichen Gemeinden gar nicht erst sucht. "Die neuen Synagogen werden immer schöner und leerer."

Noch prägen in Deutschland geborene den Zentralrat - und wenige aus dem Osten Europas stammende Juden, die mittlerweile vielerorts die Mehrheit der Gemeindemitglieder stellen. Sie kamen nach dem Königsteiner Schlüssel in Städte je nach deren Ausländeranteil: der war in Frankfurt a.M. bereits hoch gewesen, wo heute der Zuwandereranteil bei 30 Prozent liegt. In München ist er entsprechend viel höher.

Der Zentralrat gibt die "Jüdische Allgemeine" Wochenzeitung heraus.

Die Union progressiver Juden, deren Gemeinden ca. 3.000 Mitglieder angehören, ist nach dem Zentralrat die zweitgrößte Vereinigung jüdischer Gemeinden in Deutschland.

Nachmann-Skandal

Nach dem Tod Werner Nachmanns wurde der Vorwurf erhoben, Nachmann habe in der Zeit von 1981 bis 1987 etwa 33 Millionen DM an Zinserträgen aus Wiedergutmachungsgeld der Bundesregierung veruntreut. Der tatsächliche Verbleib des Geldes ist bis heute weitgehend ungeklärt, obwohl sich insbesondere Nachmanns Amtsnachfolger Heinz Galinski jahrelang intensiv um die Aufklärung der Angelegenheit bemühte.

Kontroverse um Fördermittel

Im April 2004 kam es zum offenen Streit zwischen Zentralratspräsident Paul Spiegel und dem Vorsitzenden der Union progressiver Juden in Deutschland Jan Mühlstein. Mühlstein fordert eine finanzielle Gleichberechtigung der liberalen jüdischen Gemeinden bei der Verteilung der auf Grundlage eines Staatsvertrags gezahlten jährlichen drei Millionen Euro staatlicher Fördermittel. Die Erben von Leo Baeck wollen wegen des Streits dem Zentralrat das Recht zur Nutzung des Namens Leo Baeck entziehen. In einem Gespräch unter Vermittlung der Weltunion progressiver Juden am Rande von deren Jahrestagung zu Pessach 2006 in Hannover haben Zentralrat und Union ihre Differenzen weitgehend beigelegt.

Positionierung zum Israel-Libanon-Krieg 2006

Führende Vertreter des Zentralrats positionierten sich durchweg und uneingeschränkt auf der Seite der israelischen Regierung. Im August 2006 kam es zu einer internen Kontroverse, als Direktoriumsmitglied Rolf Verleger in einem offenen Brief die kriegerische Haltung Israels kritisierte und sich für eine friedliche Lösung des Palästinakonflikts aussprach. Aufgrund dieses Briefs setzte ihn am 9. August 2006 seine Jüdische Gemeinde Lübeck als Vorsitzenden des Landesverbands Jüdische Gemeinschaft Schleswig-Holstein ab. [1][1]

Bisherige Präsidenten und Vorsitzende

Generalsekretäre

Quellen


Siehe auch

Literatur

  • Jay Howard Geller, Jews in Post-Holocaust Germany (Cambridge, 2005).

Weblinks

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