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Zentralinstitut für Jugendforschung
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Das Zentralinstitut für Jugendforschung (ZIJ) der DDR existierte von 1966 bis 1990. Es wurde als Pedant zum Deutschen Jugendinstitut (DJI) gegründet. Ziel der Einrichtung war es der DDR-Jugendpoltik wissenschaftliche Erkenntnisse über die verschiedenen Lebensbereiche, vorherrschenden Einstellungen, Verhaltensweisen, Ansprüche und Probleme der DDR-Jugend zu liefern. Von besonderem Interesse war die politische und kulturelle Aktivität der Jugend in der DDR und deren gesellschaftliche Selbstverwirklichung. Zu den besonderen Verdiensten des Instituts gehören:
- die empirische Forschung zu 25 Jahren Jugendrealität,
- allgemeinpsychologische Studien zur Intelligenzentwicklung und Kreativität und
- die international anerkannte Zwillingsforschung.
Langjähriger Leiter war Walter Friedrich.
Inhaltsverzeichnis |
Geschichte
Die Jugendforschung an der Universität Leipzig hatte eine lange Tradition. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde diese Tradition am Psychologischen Institut der Universität fortgesetzt. Bestrebungen die wissenschaftliche Forschungsarbeit auf diesem Gebiet zu intensivieren hatte erst nach der Gründung des DJI 1963 in München Erfolg. 1965 erhielt Walter Friedrich den Auftrag zur Gründung eines selbstständigen Instituts in der DDR.
Ein Jahr später wurde das ZJI in Leipzig gegründet. Mit der wachsenden Bedeutung der Arbeit des Instituts für die DDR wuchs auch seine personelle und materielle Ausstattung. Von anfänglich 7 Mitarbeitern wuchs der Personalbestand bis 1970 auf 25 Mitarbeiiter an und erreichte Anfang 1980 mit 55 Wissenschaftlern und 45 technischen Angestellten seinen Höhepunkt.
Der besondere Verdienst Walter Friedrichs bestand im Ansatz die Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen aus anthropologischer Sicht zu untersuchen. Dies gelang Friedrich durch eine breite, interdisziplinäre Zusammensetzung des wissenschaftlichen Personals.
1968 begann das Institut mit seiner ersten Intervallstudie zu Entwicklungsfaktoren und Entwicklungsformen von 12jährigen Kindern im Kontext sich verändernder gesellschaftlicher und individueller Lebensbedingungen, die bis 1980 andauerte. Der Vorzug der Studien des Instituts bestand vor allem in der Regelmäßigkeit, ihrer Vergleichbarkeit und widerspiegelte ziemlich exakt die Realität der Jugend in der DDR. Einschränkungen ergaben sich aus politischen Gründen, da einige Themen aus den Untersuchungen ausgenommen waren oder nur am Rand behandelt werden konnten. Auf Grund der besonderen Bedeutung der Forschungsarbeit für die DDR stand die Arbeit des Instituts unter ständiger Beobachtung der SED. 1969 geriet die wissenschaftliche Arbeit erstmalig in verstärkte Kritik. Dem Institut wurde eine empiristische, realitätsferne Betrachtungsweise und methodische Mängel vorgeworfen. Dieser Vorwurf führte zu Restriktitionen. Diese bestanden u.a. im Verbot der Publikation bestimmter Forschungsergebnisse und erschwerten Zugang zu Schulen und anderen Einrichtungen. So war es erst nach der Wende in der DDR möglich die vollständig, umfangreiche Datensammlung des Instituts einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Mit der Wende zeichnete sich auch das Ende des ZIJ ab. Versuche, durch eine Kooperation mit dem DJI das Institut zu erhalten, schlugen fehl. So wurde das Institut, vor allem wegen seiner Staatsnähe, gemäß Einigungsvertrag, zum 31.12.1990 "abgewickelt". Nur wenige Mitarbeiter wurden vom DJI in einer "Außenstelle Leipzig" übernommen.
Liste namhafter Mitarbeiter (Auswahl)
- Peter Förster (1966-1990)
- Lothar Bisky (1967-1980)
- Hans-Georg Mehlhorn
- Uta Schlegel (1972-1990)
- Hans-Jörg Stiehler (1975-1990)
- Käte Pollmer (1976-1990)
- Volkmar Weiss (1977-1984)
- Gustav-Wilhelm Bathke (1978-1990)
- Dietmar Wiedemann (1980-1988)
- Michael Fischer (1982-1985)
- Cordula Günther (1984-1990)
- Kurt Starke (-1990)
Zur Person Walter Friedrich
Walter Friedrich wurde 1929 in Niederschlesien geboren. Er begann nach dem Zweiten Weltkrieg als Neulehrer. Nach dem er das Abitur nachgeholt hatte, studierte er von 1950 bis 1957 in Leipzig Pädagogik und Psychologie, ging anschließend nach Dresden an das Pädagogische Institut. 1959 kehrte er nach Leipzig zurück, wo er als wissenschaftlicher Assistent/Oberassistent am Psychologischen Institut der Universität Leipzig tätig war. 1962 promovierte und 1964 habilitierte Friedrich zu Problemen der Jugendpsychologie. 1965 wurde er Mitarbeiter des Amtes für Jugendfragen beim Ministerrat der DDR und erhielt den Auftrag das ZIJ zu gründen. Von 1966 bis 1990 war er Leiter des Instituts. Walter Friedrich lebt heute als Rentner in Leipzig.
Siehe auch
Quellen
Das Zentralinstitut für Jugendforschung Leipzig 1966-1990 / Geschichte, Methoden, Erkenntnisse , herausgegeben von Walter Fridrich, Peter Förster und Kurt Starke, edition ost, Berlin 1999
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