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Zentralfriedhof Friedrichsfelde

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Der Zentralfriedhof Friedrichsfelde in Berlin-Lichtenberg (bis 1920 Berlin-Friedrichsfelde) zählt zu den bekanntesten Friedhöfen der Hauptstadt. Berühmt ist er für die Gedenkstätte der Sozialisten, eine Begräbnisstätte für zahlreiche sozialdemokratische, sozialistische und kommunistische Politiker und Aktivisten.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Der Friedhof wurde 1881 als Berliner Gemeindefriedhof Friedrichsfelde auf Beschluss des Berliner Magistrats eröffnet. Das 1.000×250 Meter große Areal, damals noch außerhalb Berlins gelegen, wurde nach Plänen des Stadtgartendirektors Hermann Mächtig als Parkfriedhof angelegt. Erstmals in Berlin waren hier auch Armenbegräbnisse möglich, weil die Stadt die Kosten übernahm. 1911 wurden diese Begräbnisse wieder eingestellt, da mittlerweile auch viele wohlhabende Berliner den Friedhof aufgrund seiner ansprechenden Gestaltung als Bestattungsort wählten.

Der Friedhof wurde im August 1900 in ganz Deutschland bekannt, als der SPD-Gründer Wilhelm Liebknecht hier beerdigt wurde. Bei seiner Beisetzung zogen Zehntausende von Berlin-Charlottenburg nach Friedrichsfelde. Weil später auch weitere Sozialdemokraten dort bestattet wurden, erhielt der Friedhof vor dem Ersten Weltkrieg den Namen Sozialistenfriedhof.

Die am 15. Januar 1919 ermordeten KPD-Gründer Karl Liebknecht, der Sohn Wilhelm Liebknechts, und Rosa Luxemburg wurden ebenfalls hier beerdigt, allerdings fernab von den Gräbern der Sozialdemokraten.

Gedenkstätte der Sozialisten

Bild:Gedenktafel Revolutionsdenkmal.jpg
Gedenktafel für das 1935 abgerissene Revolutionsdenkmal
Bild:Gedenkstätte der Sozialisten.jpg
Betonstele mit der Inschrift Die Toten mahnen uns in der Gedenkstätte

Am 13. Juni 1926 wurde zur Erinnerung an die KPD-Führer und weitere Ermordete des Spartakusaufstands (5.-12. Januar 1919) ein sogenanntes „Denkmal für Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg“ bzw. „Revolutionsdenkmal“ enthüllt, das Ludwig Mies van der Rohe im Auftrag von Dr. Eduard Fuchs entworfen hatte. Am 11. Juli 1926 wurde der am 15. Juni 1924 begonnene Klinkerbau eingeweiht. Bis 1933 fanden dort jährlich Gedenkfeiern statt.

Im Januar 1935 ließen die Nationalsozialisten den Bau bis auf sein Fundament abreißen und die Gräber einebnen.

Im September 1949 gab der Berliner Magistrat den Auftrag zum Bau einer gemeinsamen Gedenkstätte für Sozialdemokraten und Kommunisten, die am 14. Januar 1951 unter Anwesenheit von führenden Politikern der DDR, darunter Wilhelm Pieck, Friedrich Ebert junior und Erich Honecker als Gedenkstätte der Sozialisten eingeweiht wurde. Die äußere Begrenzung bildet eine vier Meter hohe Klinkermauer. Ihr Durchmesser und somit der der gesamten Anlage beträgt etwa 25 Meter. In der Mauer befinden sich weitere Grabplatten sowie Grabsteine und Stelen von prominenten Sozialdemokraten und Kommunisten der Kaiserzeit und Weimarer Zeit.

Das zerstörte Mahnmal von 1924-1935 sollte wiederholt rekonstruiert werden. 1983 wurde auf seinem ursprünglichen Standort nach Entwürfen von Günther Stahn (Architekt) und Gerhard Thieme (Bildhauer) ein „Erinnerungsmal an das Revolutionsdenkmal von 1926“ errichtet. Im Jahr darauf fand aus Anlass des 80. Jahrestages der Grundsteinlegung ein Symposium zu Fragen der Entwurfs- und Zerstörungsgeschichte des Revolutionsdenkmals statt. Dabei wurden auch die Beziehung von Mies van der Rohe zur kommunistischen Arbeiterbewegung, die Archiv- und Aktenlage zum Denkmal und allgemeine Fragen der Erinnerungskultur erörtert.[1]

Jedes Jahr seit der Ermordung der beiden Revolutionsführer Liebknecht und Luxemburg findet am zweiten Sonntag im Januar der Gedenktag der Sozialisten statt. Hierbei werden Kränze, am meisten jedoch rote Nelken an den Gräbern der Sozialisten niedergelegt. Der Tag wurde bis 1989 gleichzeitig für eine alljährliche Großdemonstration der DDR-Staatsführung genutzt. Diese Liebknecht-Luxemburg-Demonstrationen werden seit 1990 von der Linkspartei.PDS und anderen linken Gruppen fortgesetzt.

Im Jahr 2005 war der Bezirk Lichtenberg kurz davor, die Gedenkstätte zu sperren. Durch die unterirdische Warmluftheizung hatten sich die großen Steinplatten gravierend verschoben. Der 2000 gegründete Förderkreis Erinnerungsstätte der Deutschen Arbeiterbewegung Berlin-Friedrichsfelde schaffte es, Geld für die Sanierung zu organisieren und den Friedhof zudem mit einem Wegeleitsystem und Erläuterungstafeln auszustatten.

Den zentralen Punkt der Gedenkstätte bildet eine etwa vier Meter hohe Betonstele mit der Inschrift: Die Toten mahnen uns. Um sie herum befinden sich die Gräber von zehn bekannten Personen. Die Inschriften lauten (im Uhrzeigersinn gelesen):

Im Rondell:

Ringmauer/linke Seite:

Grabdenkmale von Persönlichkeiten der deutschen Sozialdemokratie:

Carl Legien, Emma Ihrer, Hermann Müller-Franken, Hugo Haase

Politiker/Innen der deutschen und internationalen sozialistischen Gewerkschaftsbewegung:

Paul Singer, Margarethe und Robert Wengels, Luise Zietz, Johannes Stelling, Adolph Hoffmann, Ignaz Auer, Adolf Braun, Alwin Krösten, Wilhelm Liebknecht, Richard Fischer, Egon Brückner, Hermann Molkenbuhr, Friedrich Bartels, Waldeck Manasse, Adolf Ritter Hermann und Klara Weyl, Theodor Leipart

Ringmauer/rechte Seite:

Grabdenkmale von Widerstandskämpfern aus KPD, SPD, USPD:

Kurt Fischer, Edwin Hoernle, Erich Weinert, Friedrich Wolf, Otto Franke, Rudolf Appelt, Frieda Rubiner, Gustav Sobottka, Martha Arendsee, Max Keison, Wilhelm Florin, Hermann Schlimme, Ottomar Geschke, Florian Schenk, Fritz Grosse, Paul Oestreich, Ernst Melsheimer, Hermann Duncker, Jenny Matern, Franz Moericke, Otto Büchner, Helmut Lehmann, Artur Ewert, Josef Orlopp, Paul Schwenk, Heinrich Rau, Karl Litke, Alfred Oelßner, Rosa Thälmann, Josef Miller, Willi Bredel, Erich Apel, Gerhart Eisler, Paul Fröhlich, Otto Meier, Georg Handke, Wilhelm Koenen, Bernhard Koenen, Bruno Leuschner, Hans Kiefert, Otto Schön, Hermann Matern, Bruno Braun, Anton Ackermann, Max Fechner, Friedrich Ebert, Otto Winzer, Alfred Kurella, Fred Oelßner, Paul Markowski, Edith Baumann, Georg Ewald, Fritz Gäbler, Karl Maron, Herbert Warnke, Fritz Selbmann, Werner Lamberz, Hans Rodenberg, Gerhard Grüneberg, Erich Correns, Alexander Abusch, Heinz Hoffmann, Karl Mewis, Albert Norden, Franz Dahlem, Katharina Kern, Paul Verner, Werner Felfe

Pergolenweg - an der Gedenkstätte der Sozialisten - Spiegel des schweren und widerspruchsvollen Weges der deutschen Arbeiterbewegung.

Unmittelbar an der Gedenkstätte der Sozialisten befindet sich die Grabanlage „Pergolenweg“. Sie besteht wie die Gedenkstätte seit 1951. Hier fanden Frauen und Männer, die sich in der deutschen Arbeiterbewegung und um den Kampf für die „sozialistische Idee“ verdient gemacht haben. Die meisten von ihnen nahmen aktiv am Widerstand gegen die Nazi-Diktatur und den Krieg teil. Sie gehörten zur SPD, KPD, KPO, zur SAPD und anderen politischen Strömungen und Gruppierungen. Sie bewährten sich in Illegalität und Gefängnissen, in vielen Emigrationsländern wie auch in Streitkräften der Antihitlerkoalition. Sie kamen aus verschiedenen Berufen und Bevölkerungsgruppen, unter ihnen waren Parlamentarier, Gewerkschafter, Wissenschaftler, Journalisten und Künstler. Nicht wenige von ihnen erlitten stalinistische Repressionen in der früheren Sowjetunion oder wurden in den 50er Jahren seitens der SED diskriminiert. Ihnen beigeordnet sind einige teilweise recht bekannt gewordene Offiziere der Staatssicherheit.

Karl Spontaczyk, Karl Schulz, Paul Voß, Willi Sänger, Jacob Boulanger, Anna und Max Christiansen-Clausen, Friederike und Robert Coppi, Adolf Deter, Wilhelm Eildermann, Paul Geisler, Franz Gold, Stephan Heymann, Bluma Heumann, Sophie, Wilhelm und Robert Liebknecht, Hans Koch, Michael Kohl, Greta Kuckhoff, Hermann Landwehr, Paul Merker, Max Nierich, Karl Oltersdorf, Helene Overlach, Christine, Arthur, Margarete und Johanna Pieck, Franz Scheffel, Hans Seigewasser, Josef Schütz, Robert Siewert, Fritz Sperling, Hans Teubner, Richard Stahlmann, Jacob und Hertha Walcher, Paulus Walter, Gerhard Weiß, Ernst Wollweber, Maxim Zetkin, Gerhart Ziller

Im ersten daran anschließenden Gräberfeld für anonyme Bestattungen wurde Erich Mielke beigesetzt.

Weitere Gräber

Schriftsteller

Bruno Apitz, Willi Bredel, Peter Edel-Hirschweih, Fritz Hampel, Edwin Hörnle, Peter Kast, Berta Lask, Rudolf Leonhardt, Mischket Lieberman, Hans Marchwitza, Irmtraud Morgner, Mentona Moser, Herbert Nachbar, Peter Nelken, Peter Nell, Ludwig Renn, Recha Rothschild, Ludwig Turek, Hans Weber, Alex Wedding, Erich Weinert, Franz Carl Weiskopf, Paul Wiens, Friedrich Wolf

Bildende Künstler

Leo Haas, Käthe Kollwitz, Robert Liebknecht, Reinhold Lingner, Hermann Mächtig, Paul Meyerheim, Jenny Mucci-Wiegmann, Otto Nagel, Ludwig Hoffmann, Hugo Lederer

Theater- und Filmschaffende

Max Burghardt, Norbert Christian, Erich Franz, Hans Klering, Ernst-Hermann Meyer, Hans Rodenberg, Steffie Spira-Ruschin, Wolfgang Struck, Curt Tempte, Michael Teschesno-Hell, Gustav von Wangenheim, János Veiczi, Eduard von Winterstein, Konrad Wolf,

Wissenschaftler

Eva Altmann, Friedrich Simon Archenhold, Hermann Dunker, Emil Fuchs, Klaus Fuchs, Gerhard Hermann, Siegbert Kahn, Bruno Kaiser, Friedrich Karl Kaul, Georg Klaus, Hans Koch, Rudolf Lindau, Alfred Meusel, Robert Naumann, Karl Polak, Frida Rubiner, Hans Schaul, Albert Schreiner, Jacob Segal, Peter-Alfons Steiniger, Viktor Stern, Karl-Heinz Wirzberger, Klaus Zweiling

Pädagogen

Max Kreuziger, Paul Oestreich, Richard Schallock, Ernst Wildangel

Ärzte

Karl Kollwitz, Erwin Marcusson, Josef Rubens, Kurt Winter, Maxim Zetkin

Publizisten

Hermann Budzislawski, Gerhart Eisler, Richard Gladewitz, Gerhard Kegel, Georg Kraus, Albert Norden, Julius Rodenberg, Georg Stibi

Gräber

Literatur

  • Joachim Hoffmann: Berlin-Friedrichsfelde. Ein deutscher Nationalfriedhof - Kulturhistorischer Reiseführer, Berlin 2001, ISBN 3-360-00959-2
  • Klaus Hammer: Friedhöfe in Berlin – Ein kunst- und kulturgeschichtlicher Führer, S. 112-124. Jaron Verlag, Berlin 2006, ISBN 3-89773-132-0

Siehe auch

Weblinks

<imagemap>-Fehler: Bild ist ungültig oder nicht vorhanden Commons: Zentralfriedhof Friedrichsfelde – Bilder, Videos und/oder Audiodateien
Wikipedia
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Referenzen

  1. Wita Noack (Mies van der Rohe Haus) zur Denkmalsgeschichte

Koordinaten: 52° 30' 56" N, 13° 30' 38" O

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