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Zeitgenössischer Tanz
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Unter dem Sammelbegriff zeitgenössischer Tanz wird gemeinhin die choreographische Bühnentanzkunst der Gegenwart verstanden. Auch in anderen Sprachen hat sich dieser Begriff weitgehend durchgesetzt: Contemporary dance, danse contemporaire, danza contemporanea.
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Historische Entwicklung
In Abgrenzung zum klassischen Ballett wurde der Begriff Modern Dance Anfang des vergangenen Jahrhunderts insbesondere durch die Arbeit der amerikanischen Choreographin Martha Graham geprägt. Etwa zur gleichen Zeit entstand in Deutschland mit großer öffentlicher Resonanz ganz im Zeichen des Expressionismus der deutsche Ausdruckstanz mit wichtigen Vertretern wie Gret Palucca, Mary Wigman oder Kurt Joos. Naziherrschaft und Krieg bereiteten der jungen Gattung des Tanzes jedoch ein nachhaltiges Ende.
Erst in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gelang einer Reihe von stilistisch ganz unterschiedlich geprägten Einzelpersönlichkeiten eine neue Popularisierung im weiteren Sinn moderner, künstlerischer Tanzformen: Pina Bausch, Susanne Linke und Reinhild Hoffmann in Essen, Johann Kresnik in Bremen und Heidelberg, Jochen Ulrich in Köln, Jessica Iwanson und Birgitta Trommler in München, Dieter Heitkamp und Helge Musial in Berlin und andere mehr.
Terminologische Vielfalt
Die im Laufe des Jahrhunderts stattfindende ständige Erneuerung der modernen – also nicht klassischen – Tanzkunst wurde mit immer neuen Bezeichnungen charakterisiert. Diese terminologische Entwicklung wurde einerseits seitens der tanzgeschichtlichen Rezeption geprägt, andererseits aber auch bewusst von Choreographen weitergetrieben, die sich damit ästhetisch und pragmatisch zu profilieren wussten: Post Modern Dance, New Dance, Tanztheater, choreographisches Theater, Tanz-Tanztheater, neuer Tanz, physical theatre, u.a. In jüngerer Zeit finden immer mehr auch asiatische Tanzformen, Kampfsporttechniken und Körperbewusstseinstechniken wie Butho, Tai Chi oder Yoga ihren Weg in den künstlerischen, zeitgenössischen Tanz. Eine Reihe von Choreographen/Regisseuren nimmt für ihre Inszenierungen gar völlig vom sog. handwerklichen Aspekt des Tanzes Abstand und entwickelt, meist unter Miteinbeziehung interdisziplinärer Arbeitstechniken und Videoinstallationen, eine choreographische Variante der Konzeptkunst. Eine ästhetische oder terminologische Charakterisierung wird somit zunehmend schwieriger.
Aktuelle Tendenzen
Gleichzeitig ist auf breiter Front aber auch eine Rückbesinnung auf die ursprünglich emotionale Qualität des physischen Tanzes im traditionellen Dialog zur Musik zu beobachten. Totgeglaubte moderne Klassiker wie die Martha Graham Company oder die Alvin Ailey Dance Company feiern plötzlich wieder internationale Tournee- Erfolge, zeitgenössische Interpreten der klassischen Moderne wie Mats Ek oder Jiri Kylian haben endgültig Einzug in die Repertoires der großen Opernhäuser gehalten aber auch künstlerisch motivierte Hip-Hop-Gruppen werden auf weltweiten Tourneen umjubelt. Viele Beobachter sehen darin eine Trendwende weg vom theoretisierten Tanz, der in den letzten Jahren auf Festivals gepflegt, vom Publikum hingegen eher zurückhaltend angenommen wurde. Als Beleg dieser Repopularisierung des Tanzes in seinen originären Qualitäten dürfen auch die kommerziellen Erfolge von Filmen wie "I Will Dance", "Rhythm is it" und sogar der 20:15 Uhr Castingshow von Sat.1 "You can dance" angesehen werden.
Zeitgenössischer Tanz für Kinder und Jugendliche
Ungeachtet dieser nun bald ein Jahrhundert andauernden Entwicklung des zeitgenössischen künstlerischen Tanzes hat im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit das klassische Kinderballett seine Vorherrschaft lange beibehalten können. Erst mit der allgemeinen gesellschaftlichen Neudefinition des Erziehungsideals in den 80er und 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts konnten zeitgenössische Alternativen an Boden gewinnen. Zu erwähnen sind insbesondere der kreative Kindertanz nach Hastings und Ickstadt sowie der mehr technisch orientierte "moderne Kindertanz" nach Iwanson, die mittlerweile zulasten des traditionellen Kinderballetts zunehmend an Bedeutung gewinnen. Der Tanzplan Deutschland fördert in jüngster Zeit bundesweit Programme, die unter programmatischen Slogans wie "Acces to Dance" oder "Tanz macht Schule" versuchen, dem zeitgenössischen künstlerischen Tanz auch in der Schule seinen gleichberechtigten Platz neben Musik, Kunsterziehung und Sport zu erobern. "Tanzplan Deutschland" ist ein Projekt der Bundeskulturstiftung das mit dem Thema >junger Tanz< Kindern und Jugendlichen Raum und Bühne gibt. Take-off: Junger Tanz. Tanzplan Düsseldorf ist ein Projekt im Rahmen von Tanzplan Deutschland, einem Förderprojekt der Kulturstiftung des Bundes, unterstützt durch die Landeshauptstadt Düsseldorf, den Ministerpräsidenten des Landes NRW, die Kunststiftung NRW, die Stadtwerke Düsseldorf, die Kunst- und Kulturstiftung der Stadtsparkasse Düsseldorf und die Stiftung Van Meeteren Düsseldorf.
Siehe auch
Weblinks
| Bild:Portal.svg | Portal: Tanz – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Tanz |
- take-off-junger-tanz ein Portal des Tanzplan Düsseldorf
- Tanzplan Deutschland
- Dance Germany - das Portal für den professionellen Tanz in Deutschland
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