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Reißbrett
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Das Reißbrett oder auch Zeichenmaschine dient technischen Zeichnern, Konstrukteuren und Architekten zum Erstellen technischer Zeichnungen und Bauzeichnungen, also zum Anfertigen von Grundrissen, Aufrissen, Schnitten und Perspektivdarstellungen. Der Name stammt noch aus der Zeit vor der Erfindung des Bleistiftes, als mit einem harten „Reißbley“ mehr geritzt als gezeichnet wurde. Ein Merkmal des Reißbrettes ist es, dass die richtige Winkligkeit der Linien zueinander über eine Mechanik sichergestellt wird.
Als Hilfsmittel zur Erstellung technischer Zeichnungen wurde das Reißbrett mittlerweile durch den Einsatz von Computern mit entsprechender Software und häufig speziell angepassten Eingabegeräten Computer Aided Design (CAD) weitgehend verdrängt.
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Aufbau
Es gibt transportable Varianten für den Arbeitstisch, und selbständige, als Büromöbel fungierende Reißbretter.
Eine Zeichenmaschine besteht aus den Komponenten
- Zeichenbrett (oft im Format DIN A0, aber auch bis herunter zu DIN A4), auf dem das Zeichenblatt befestigt wird,
- einem Standfuß mit Höhen- und Neigungs-Verstelleinrichtung.
- Der Mechanik zur Führung des Zeichenkopfes,dabei unterscheidet zwei Systeme: den "Storchenschnabel" bzw. die Scheren-Parallelogrammführungen und das Wagensystem zur Längs- und Hoch-Verstellung des Zeichenkopfes (Kantenwagen-Parallel-Führungen).
- Zeichenkopf, an dem wiederum sind zwei Lineale angebracht, horizontal ein langes (50cm bei A0) und vertikal ein kürzeres (30 cm bei A0).
- Unter der Zeichenfläche modernerer Zeichenbretter befand sich oftmals eine dünne Metallschicht oder die Zeichenfläche selbst verfügte über eine Metalloberfläche, damit die Zeichenfolie oder das Zeichenpapier mittels Magneten befestigt werden konnte.
Der Zeichenkopf ist das komplexeste Einzel-Bauteil. Er dient zur Lineal-Befestigung mit 90 Grad zueinander und zum Einstellen von Winkeln, die von den Waagerechten und Senkrechten abweichen. An ihm lassen sich zumeist in 15 Grad-Stufen die Lineale einrasten: das lange Lineal von der waagerechen Position (0 Grad) auf 90 Grad anheben oder aber auch auf 90 Grad absenken. Zudem lässt sich mit einer Klemmeinrichtung der Winkel in jeder beliebigen Winkel-Position abseits der Rasten festsetzen. Die freie Winkelpositionierung kann mit einem Winkel-Nonius auf Zehntelgrade genau eingestellt werden.
Die Höhenverstellung des Brettes, die Wagen-Höhenverstellung des Zeichenkopfes auf dem Brett, sowie auch der Storchenschnabel verfügen über einen Gewichtsausgleich, der ein leichtes Heben und Verfahren des Zeichenkopfes auf dem Brett ermöglicht.
Zubehör
Ergänzt wird das Reißbrett durch diverse Zeichengeräte und Reißzeuge:
- Pergamentfolien, diese waren für Blaupausen notwendig, oftmals mit einem Zeichnungsrahmen und einem Beschriftungsfeld versehen
- Tuschekasten mit Tuschefüller in den Stiftbreiten 0,15, 0,25, 0,35 , 0,5 und 0,7 mm im Minimum (die noch dünneren Stifte 0,15, 0,12 und 0,1 mm trocknen enorm schnell aus)
- Zirkel mit wechselbaren Spitzen und winkelverstellbarem Wechselbein für die zumeist einschraubbaren Tuschestifte
- Lineale und Winkelmesser (oder ein "Geo-Dreieck")
- mehrere Schriftschablonen (2,5, 3,5, 5 und 7 mm Schrifthöhe, passend zu den ein Zehntel betragenden Strichstärken)
- Maßstäbe
- Schablonen für Details wie Muttern und Schrauben, Schweiß-, Bearbeitungs-, Architektur- oder Elektro-Symbole
- Klebeband zum Befestigen des Pergaments
- ein scharfes Messer zum Schneiden von Pergament
- Scheren, Kratzklingen, Glasfaserradierer
- Nadeln mit großem Kopf (Reißzwecken)
- Flexible Magnetstreifen oder andere Magnete
- Über dem Reißbrett ist zumeist eine Lampe, so fällt kein Schatten durch den Konstrukteur auf die Zeichnung
- sodann diverse Druckbleistifte mit unterschiedlichen Minendicken und Härtegraden, Radiergummi
und das konstruktive Wissen zur Darstellung technischer Zusammenhänge nach den Regeln der Darstellenden Geometrie und vieler Normen.
Vorteile
Die einfache Technik war bis vor kurzen wesentlich preiswerter als CAD-Technik. Es gab auch Untersuchungen, welche zeigten, dass in der Entwurfsphase die Lösungen die auf Papierbasis erstellt wurden funktional besser und kreativer waren als solche die am Computer entstanden. Gründe dafür mögen sein, dass man sich auf das wesentliche einer Konstruktion konzentrieren kann, im 1:1 Maßstab ein besseres Größengefühl hat und auf einem A0 Blatt einen besseren Überblick haben kann als auf einem dazu relativ kleinen Monitor.
Ein eminenter Vorteil der Zeichenmaschine im Zeitalter sonst bewegungsarmer Computerarbeit ist außerdem die körperliche Bewegung in der Arbeit am "Brett" und die Möglichkeit gleichzeitig und effektiv an einer Zeichnung zu arbeiten, bzw. diese zu begutachten und mit anderen zu diskutieren.
Nachteile
Nachteile der Papier gebundenen Arbeitsweise liegen unbestreitbar in der schlechten Reproduzierbarkeit, der geringen Effizienz und der Unflexibilität auf Änderungen reagieren zu können. Zudem sind keine Automatisierungen oder einfache 3D-Ansichten wie bei CAD-Systemen möglich.
Ein Nachteil der Zeichenmaschine ist ihr Platzverbrauch von ca. zwei Metern Breite mitsamt der Beweglichkeit eines Storchenschnabels und einer Tiefe von meist deutlich über einem Meter, um den Tisch auch in die Waagerechte bringen zu können.
Wandel in der Verwendung
Seit ca. 15 Jahren werden Zeichenmaschinen zusehends gegen CAD-Arbeitsplätze ersetzt. Viele Zeichner und Konstrukteure besitzen jedoch noch eine Zeichenmaschine in ihrem Arbeitsumfeld, sei es zum Arbeiten, sei es allein als Zeichnungs-Halter, oder als Standessymbol. Das früher übliche tragen eines weißen Kittels, als Zeichen der Standeszugehörigkeit, ist nicht mehr üblich. In der waagerechten Tisch-Position wird das Reißbrett als Besprechungstisch oder Ablage verwendet.
Symbol in der Freimaurerei
Das Reißbrett ist auch ein in der Symbolik der Freimaurer gebrauchtes Zeichen des Meistergrades, das zu den „unbeweglichen Kleinodien“ gehört (vgl. Winkelmaß). Es ermöglicht dem Meister, gemäß der Symbolik der gotischen Bauhütten, das Bauwerk im Grundriss vorzuzeichnen. Auf den meisten Lehrtafeln ist es mit einem Doppelkreuz und einem darunterliegendem Andreaskreuz bedeckt, was meist nur mit dem Hinweis auf „geometrische Figuren“ erläutert wird. Es handelt sich jedoch eindeutig um ein Rasterschema, mit dessen Hilfe eine besonders im 18. Jahrhundert gern gebrauchte Geheimschrift aus Quadraten, Winkeln und Punkten konstruiert werden konnte. Im schwedischen System der Freimaurerei gehört das Reißbrett bereits zum Lehrinhalt des Lehrlingsgrades. Baurnjöpel (1793) schrieb, dass jeder Meister „sich dadurch in seinen Arbeiten bekräftigen, und auf seinen Reißbrett die Grundlinien ziehen soll; welche sowohl für ihn selbst, als für alle, die unter seiner Führung arbeiten, unauslöschlich stehen zu bleiben haben.“
