Das Kefk Network Wiki befindet sich im Testbetrieb.
Wutach
Aus Kefk.
| Bild | |
|---|---|
| Bild:Wutach Tiengen.jpg Die Wutach bei Tiengen zwischen Steina- und Schlüchtmündung. | |
| Geografische Lage | |
| Länder: | Deutschland, Schweiz Grenzfluss |
| Bundesland: Kanton: | Baden-Württemberg, Schaffhausen (CH) |
| Landkreise: | Breisgau-Hochschwarzwald, Schwarzwald-Baar-Kreis, Waldshut |
| Gemeinden: | Feldberg, Titisee-Neustadt, Lenzkirch, Bonndorf, Löffingen, Wutach, Blumberg, Stühlingen, Schleitheim (CH), Hallau (CH), Eggingen, Wutöschingen, Lauchringen, Waldshut-Tiengen |
| Regionen: | Südschwarzwald / Hochrhein |
| Daten | |
| Länge: | 90,2 km |
| Quelle: | Am Seebuck ab Feldsee Seebach genannt |
| Mündung: | In Waldshut-Tiengen in Rhein. |
| Quellhöhe: | ca. 1.440 m ü. NN |
| Mündungshöhe: | ca. 308 m ü. NN |
| Höhenunterschied: | ca. 1.132 m |
| Gefälle: | 1,3 % im Mittel |
| Einzugsgebiet: | ca. 1.123 km² |
| Zuflüsse: | Schlücht, Steina, Kotbach (Mündungsfluss der Klettgau-Flüsse Klingengraben und Schwarzbach) |
| Seen bzw. Weiher: | Feldsee, Titisee |
Die Wutach ist ein 90,2 km langer Nebenfluss des Rheins im Schwarzwald und an seinem Rand im südlichen Baden-Württemberg (Deutschland) und verläuft in ihrem Unterlauf teils auf der Grenze zur Schweiz.
Inhaltsverzeichnis |
Verlauf
Der Fluss entsteht im Südschwarzwald aus dem höchsten Quellfluss der Wutach, der als Seebach nur wenige Meter unterhalb des 1.448 m hohen Seebucks am Feldberg entspringt und kurz danach durch den Feldsee fließt. Hinter dem kleinen See fließt er in leicht nordöstlicher Richtung durch die Gemeinde Feldberg und danach durch den Titisee.
Hinter dem Titisee heißt der Bach Gutach. Deren Wasser fließt nach Titisee-Neustadt, wo das Fließgewässer zwischen beiden Ortsteilen in südöstliche Richtung abknickt.
Ab der Einmündung der Haslach, deren Wasser aus Richtung Südwesten von Lenzkirch heranfließt und im oberen Teil der Wutachschlucht einmündet, heißt der Flusslauf Wutach. Fortan durchfließt ihr Wasser in östlicher Richtung die nur schwer zugängliche, 20 km lange Wutachschlucht bis zur Wutachmühle. Danach weitet sich das Flusstal wieder und knickt bei Achdorf nach Südwesten ab, das Wutachknie bildend. Zwischen Achdorf und Grimmelshofen wird das Tal erneut zur Schlucht.
Am Eingang der Wutachschlucht befindet sich die Gutachbrücke, eine Eisenbahnbrücke der Höllentalbahn, am Ausgang der Schlucht bei Grimmelshofen steht die Wutachbrücke der Wutachtalbahn.
In ihrem Unterlauf bildet der Fluss bei Stühlingen - genauer zwischen Stühlingen-Grimmelshofen und Eggingen - an zwei Flussabschnitten die Grenze zur Schweiz. Danach durchfließt sie Wutöschingen und Lauchringen und erreicht dann Waldshut-Tiengen. In einem unbewohnten, bewaldeten Teil von Tiengen bzw. westlich des benachbarten Küssaberg-Ettikon mündet die Wutach in den Hochrhein.
Flussanzapfung
Ein langer Abschnitt des Oberlaufes steht unter Naturschutz. Die Wutachschlucht entstand erst vor etwa 20.000 bis 70.000 Jahren durch ein besonderes geomorphologisches Geschehen. Zuvor bildete der Oberlauf des Flusses als Feldbergdonau den Oberlauf der Donau. Als aber die Ur-Wutach einen Bergrücken am Wutachknie bei Blumberg-Achdorf wegen ihres größeren Gefälles durch rückschreitende Erosion durchschnitt, leitete sie den Fluss nach Südwesten zum Rhein ab. Auf Grund des Abbiegens der Wutach um über 90° ist das Wutachknie sehr markant. Im alten Bett der Feldbergdonau unterhalb der Flussanzapfung, also von Blumberg bis zur Mündung in die heutige Donau bei Kirchen-Hausen, fließt heute die Aitrach. Durch die Zunahme an Wasserführung durch diese Flussanzapfung und den Höhenunterschied von 200 Meter zum Rhein schuf der Fluss innerhalb kurzer Zeit eine ebenso tiefe und 30 km lange Schlucht am südöstlichen Rand des Schwarzwalds. Die Wutach räumte dabei die äußerst große Menge von zwei Kubikkilometern (= zwei Milliarden Kubikmeter) Gestein aus der Hochfläche des Schwarzwaldes in Richtung des Rheins. Letztlich kann dadurch in Zukunft sogar noch der Titisee angeschnitten werden. Der 15 km lange verbleibende Flussabschnitt der Urdonau von Blumberg bis nach Immendingen fiel nach der Anzapfung trocken, im Lauf der Jahrtausende bildeten sich dort vor allem im Blumberger Ortsteil Zollhaus umfangreiche Hochmoore. Im unteren Teil des breiten Urdonautales fließt jetzt die Aitrach zur Donau.
Die Bildung der Wutachschlucht, der jüngsten Schlucht Europas, ist bis heute noch nicht abgeschlossen. Wegen der immer wieder stattfindenden Bergstürze während des Hochwassers im Frühling konnten in der Wutachschlucht keinerlei Verkehrswege erbaut werden, die Schlucht stellt sich daher als Verkehrshindernis dar und ist in ihrer Länge nur durch Wanderwege erschlossen. Der Höhepunkt einer Wanderung durch die Wutachschlucht ist die Durchquerung der Wutachflühen, dem Bereich des durchbrochenen Bergrückens bei Grimmelshofen.
Geologie
Die Wutachflühen decken die geologischen Gegebenheiten sehr deutlich auf, denn dieser Durchbruch ist auf den Muschelkalk zurückzuführen, aus dem u.a. der Schweizer Jura besteht. Die Flühen stellen die nordwestliche Flanke vom nördlichsten Ausläufer des helvetischen Juras dar, der auch als Randen bezeichnet wird. Die brüchigen, kalkweißen Schichten, die sich flussabwärts linker Hand oben am Hang und teilweise auch in der Aue selber befinden, geben Zeugnis ihrer jurassischen Herkunft. Die glatten, weißen Steine, die links und auf Höhe Stühlingen und Wutöschingen auch rechts des Flusses anzutreffen sind, sind ebenfalls ein Indiz dafür.
Geologisch findet beim Wutachdurchbruch in Achdorf ein Wechsel vom Granit des Schwarzwälder Urgesteins zum Jura-Muschelkalk statt. Vermutlich hat das weniger wasserresistente, brüchige Kalkgestein den Durchbruch in Richtung Rhein erst ermöglicht. An der alten Bausubstanz der Bauwerke der Region sieht man heute noch oft Tuffsteine, die den hiesigen Steinbrüchen entstammen; dabei handelt es sich um nichts anderes als Kalkgestein. Die sehr hohen Wasserhärtegrade im Bereich Stühlingen sind ein weiteres Indiz für kalkhaltiges, also hartes Wasser.
Unterlauf
Unterhalb Grimmelshofen weitet sich das Tal, das einen etwa 300 bis 500 m breiten und topfebenen Talboden aufweist. Hier liegt eine Verwerfungszone des Juragesteins, welche die Wutach nach ihrem Durchbruch mit Schwemmaterial eingeebnet hat. Der Verlauf dieser Verwerfung ist wahrscheinlich durch die Gesteinsgrenzen Granit/Muschelkalk vorgegeben. Markant ist der Knick des Tals bei Degernau, wo der Lauf der Wutach einen engen Bogen beschreibt.
Hinter Wutöschingen-Horheim weitet sich das Tal nochmals, um bei Oberlauchringen in die Klettgau-Rinne zu münden. Die Wutach durchfließt die Klettgaurinne, um bei Tiengen in den Hochrhein zu münden.
Zuflüsse
Die größeren Zuflüsse der Wutach erreichen diese erst kurz vor ihrer Einmündung in den Rhein. Schlücht und Steina entwässern dabei im Wesentlichen den nach Westen offenen Bogen des Wutach-Verlaufs und münden von Norden kommend in diese. Der Kotbach bringt das Wasser der Klettgau-Flüsse Schwarzbach und Klingengraben.
| Gewässer- name | Mündung ca. bei | Mündungshöhe ü. NN (ca.) | Anteil am Einzugsgebiet (ca.) | |
|---|---|---|---|---|
| Schlücht | km 1,2 | 316 m | 240 km² | 21,4 % |
| Steina | km 4,0 | 325 m | 93,3 km² | 8,3 % |
| Kotbach | km 7,4 | 350 m | 164 km² | 14,6 % |
Die kleineren Zuflüsse der Wutach haben auch Anteil an der Bildung der Schlucht. Die Gauchach, die von Norden aus der Gauchachschlucht kommend in den Ostteil der Wutachschlucht mündet, und die Mauchach sind beeindruckende Gebirgsbäche, ebenso wie der Lotenbach in der gleichnamigen Klamm. An einer Stelle versickert ein Teil des Flusses und tritt weiter unten wieder aus dem Felsen aus.
Gutach:
- Rötenbach
- Haslach
Wutach:
- Gauchach
- Bäche der Badischen Alb
Unterhalb des Wutachknies fließen von der westlichen Hochfläche, der so genannte Badischen Alb, zahlreiche Bäche in die Wutach, mit deren Hilfe die Hochfläche entwässert wird, zum Beispiel Ehrenbach, Mauchbach, Nussbach, Weilerbach (etc.).
Ortschaften
An oder etwas abseits der Wutach befinden sich diese Ortschaften
- Titisee-Neustadt
- Kappel (etwas südwestlich der Wutachschlucht)
- Bonndorf im Schwarzwald (etwas südlich der Wutachschlucht)
- Ewattingen (etwas südlich der Wutachschlucht)
- Bachheim (etwas nördlich der Wutachschlucht)
- Blumberg (östlich Der Wutachschlucht)
- Grimmelshofen (direkt an der Wutachflühe/Schluchtanfang)
- Stühlingen (etwas westlich der Wutach)
- Eggingen (etwas westlich der Wutach)
- Wutöschingen (etwas westlich der Wutach)
- Lauchringen (direkt an der Wutach)
- Tiengen(direkt an der Wutach)
Am Flusslauf befand sich früher der beliebte Urlaubsort Bad Boll, der heute verlassen ist.
Naturschutzgebiet
Die Wutachschlucht, eine der letzten ursprünglich belassenen Wildfluss- oder Wildwasser-Landschaften Mitteleuropas, ist auch eines der ältesten Naturschutzgebiete Baden-Württembergs. Sie wurde bereits 1939 wegen ihrer Entstehung durch die Flussanzapfung, ihrer landschaftlichen Besonderheit und ihrer geologischen Bedeutung unter Schutz gestellt. Auf ca. 50 km Wanderwegen kann in der tief eingeschnittenen Schlucht ein Abriss aus 180 Millionen Jahren Erdgeschichte erwandert oder wenigstens teilweise auch mit dem Rad erfahren werden. Fast jedes in Süddeutschland vorkommende Gestein ist auch hier vertreten. Ein eigens angestellter hauptamtlicher Naturschutzwart, der auch geführte Touren anbietet, kümmert sich um den Ausgleich der Interessen der in den Sommermonaten bis zu 100.000 Besuchern mit den Erfordernissen des Natur- und Landschaftsschutzes.
Landschaftliches
Die Wutach hat die Landschaft und auch die Landsmannschaft an ihren Ufern geprägt. Ein Bewohner dieser Region kann sofort identifiziert werden, wenn er mit dem Begriff "Ennewüetler" etwas anfangen kann.
Die Wutach trennt ganze Landstriche, insbesondere im Verlauf der Wutachschlucht. Deshalb betrachten die Bewohner des linken Ufers die des rechten als "die von der anderen Seite", "jenseits der Wutach". Umgekehrt natürlich behaupten die rechts der Wutach Wohnenden von den "Linken" dasselbe. Irgendwie gibt es also bloss "Ennewüetler", "Doahwüetler" wurden bislang noch keine gesichtet.
Glaubt man dem Stühlinger Heimatlied, so besitzt die Wutach einen "grünen Strand". Wo dieser sich befindet, ist bis heute unklar.
Für Grimmelshofen ist die Wutach derart sinnstiftend, dass diese ihr Heimatlied ganz der Wutach gewidmet haben. Dieser Ort liegt malerisch am unteren Ende der Wutachflühen, umkreist durch vier Brücken und Tunnel von der historischen "Sauschwänzlebahn" (auch Wutachtalbahn), und schließt die Wutachschlucht ab, da flussabwärts der breite Talboden beginnt.
Auf zwei vergleichsweise kurzen Flussabschnitten - zwischen Grimmelshofen und Eggingen - glänzt die Wutach, wie oben bereits erwähnt, als Grenzfluss zwischen Deutschland und der Schweiz. Die Brücken in diesem Bereich sind also gleichsam Grenzübergänge. Die Schweizer nutzen ihre Flussaue nicht sehr intensiv, so dass man einen Naturpark im Stile einer naturbelassenen, wilden Flussaue eingerichtet hat. Dort gedeiht größflächig der Schachtelhalm, mit dessen Hilfe man die Blätter für Klarinetten und Saxophone anschleifen kann.
Die Wutach hat bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts auch stattliche Überschwemmungen zuwege gebracht. Bekannt ist eine Lithographie aus dieser Zeit, die einen völlig überschwemmten Talboden bei der Stühlinger Zwirnerei zeigt. Durch Begradigung und Dämme ist dies aber praktisch seitdem nicht mehr vorgekommen. Als Konsequenz wurden inzwischen sogar Schwemmwiesen als Neubaugebiete ausgewiesen, zum Beispiel in Wutöschingen-Schwerzen.
Die Wutach ist auch die Namensgeberin der Wutachtalbahn, einer Eisenbahnstrecke mit außergewöhnlichen Brücken und Tunneln.
Wutach fg4.jpg
Pestwurzbestand |
Wutach fg5.jpg
Pestwurzbestand |
Wutach fg6.jpg
Faulrüßler (Liparus) auf Pestwurz |
Wutach fg8.jpg
Riesen-Schachtelhalm |
Wutach fg9.jpg
Haarschnecke (Trochulus) |
Wutach fg7.jpg
Gauchach |
Wanderwege
- Südlicher Querweg Freiburg-Bodensee des Schwarzwaldvereins
- Südlich des Wutachknies, ab Grimmelshofen flussabwärts, gibt es z.T. auf beiden Seiten des Flusses sowohl schmale Wanderwege wie auch breite Radwanderwege. Insbesondere letztere sind für Erholungssuchende sehr empfehlenswert.
- Wutachsteg bei Weizen. Ein Steg für Wanderer überquert die Wutach und die Staatsgrenze beim Weizener Bahnhof. Der Wanderweg auf Schweizer Seite flussaufwärts ist für Radwanderer eher wenig geeignet.
Literatur
- Dieter Kohlhepp: Die Wutachschlucht – Bild einer Urlandschaft. 3. Auflage. Rombach Verlag, Freiburg 1991, ISBN 3-7930-0481-3.
Weblinks
- Eine Seite der Wutachschlucht
- Geo-Artikel zu Schwarzwald, Donau, Wutach
- Kajaktouren auf der Wutach
- Ein Wanderführer durch den oberen Teil der Schlucht
- Satellitenbilder der Wutachschlucht
| Dieses Dokument entstammt in seiner ersten oder einer späteren Version der deutschsprachigen Wikipedia. Es ist dort zu finden unter dem Stichwort Wutach, die Liste der bisherigen Autoren befindet sich in der Versionsliste; die Originalfassung kann dort auch bearbeitet werden. Alle Texte der Wikipedia und ihre Derivate stehen unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. |
