Das Kefk Network Wiki befindet sich im Testbetrieb.
Wladimir Jakowlewitsch Propp
Aus Kefk.
Wladimir Jakowlewitsch Propp (russisch Владимир Яковлевич Пропп, wiss. Transliteration Vladimir Jakovlevič Propp; * 17. April/30. April 1895 in Sankt Petersburg; † 22. August 1970 in Leningrad) war ein russischer Folklorist.
Er gilt als Begründer der morphologischen bzw. strukturalistischen Folkloristik. Zwischen 1914 und 1918 studierte er russische und deutsche Philologie. Danach unterrichtete er die deutsche Sprache an verschiedenen Hochschulen in Leningrad. Seit 1938 und bis 1969 war er Professor an der Staatlichen Universität in Leningrad (jetzt wieder Sankt Petersburg) für Germanistik, russische Literatur und Folklore.
1928 erschien sein bahnbrechendes Werk Morphologie des Märchens. Das Buch wurde 1958 in den USA auf englisch veröffentlicht, was Propp weltweite Anerkennung verschaffte. 1946 erschien das Buch Die historischen Wurzeln des Zaubermärchens.
Inhaltsverzeichnis |
Morphologie des Märchens
Der Untersuchung liegt ein Korpus von hundert russischen Zaubermärchen zugrunde, die hinsichtlich ihrer Ereignisfolgen miteinander verglichen werden. Propp stellt dabei fest, dass hinter den inhaltlich variierenden Märchen eine unveränderliche Tiefenstruktur der Handlung zum Vorschein kommt. Für alle untersuchten Texte lassen sich dabei grundlegende narrative Einheiten abstrahieren, die Propp als Funktionen bezeichnet. Er kommt zu dem Schluss, dass allen von ihm analysierten Märchen eine feste Handlungsstruktur gemeinsam ist.
Propp unterscheidet 31 invariante Funktionen, die zwar nicht in jedem Märchen vollständig realisiert sein müssen, in ihrer Abfolge aber stets gleich sind. Auf einer weiteren Abstraktionsstufe werden die 31 Funktionen des russischen Zaubermärchens zu sieben Handlungskreisen zusammengefasst, die jeweils einem bestimmten Aktanten zugeordnet sind (z.B. Gegenspieler, Helfer usw.).
Details zu Propps Thesen und deren Weiterentwicklung sind auch unter Initiationsmärchen erläutert.
Werke
- Morphologie des Märchens. München 1972 (Literatur als Kunst).
- Die historischen Wurzeln des Zaubermärchens. München u.a. 1987 (Literatur als Kunst).
Literatur
- Vilmos Voigt: Propp, Vladimir Jakovlevič. In: Enzyklopädie des Märchens Bd. 10 (2002), Sp. 1435-1442.
- Serena Grazzini: Der strukturalistische Zirkel. Theorien über Mythos und Märchen bei Propp, Lévi-Strauss, Meletinskij. Wiesbaden 1999 (DUV: Literaturwissenschaft).
- Reinhard Breymayer: Vladimir Jakovlevič Propp (1895-1970) - Leben, Wirken und Bedeutsamkeit. In: Linguistica Biblica 15/16 (1972), S. 36-77 (S. 67-77 Bibliographie).
Weblinks
- Erläuterungen zu Propps Schema
- Abfolge der 31 Funktionen - Jerry Everard (englisch)
- Fairy Tale Generator (basierend auf Propps Funktionen, englisch)
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Propp, Vladimir Jakowlewitsch |
| KURZBESCHREIBUNG | russischer Folklorist |
| GEBURTSDATUM | 30. April 1895 |
| GEBURTSORT | Sankt Petersburg |
| STERBEDATUM | 22. August 1970 |
| STERBEORT | Leningrad |
