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Wirtschaft Somalias
Aus Kefk.
| Wirtschaft Somalias[1] | |
|---|---|
| Währung | Somalia-Schilling |
| Inflation | k. A. |
| Bruttoinlandsprodukt | 2,483 Mrd. US$ (2006) |
| Wirtschaftswachstum | 2,4% (2005) |
| BIP pro Einwohner | ? US$ ([2]) |
| BIP nach Sektor (2000, geschätzt) | Landwirtschaft: 65 % Industrie: 10 % Dienstleistungen: 25 % |
| BIP (Kaufkraftparität) | |
| Arbeitslosenquote | k. A. |
| Erwerbstätige nach Sektor | Landwirtschaft: 71 % Industrie und Dienstleistungen: 29 % |
| Anteil unterhalb der Armutsgrenze | k. A. |
| Auslands- verschuldung | 3 Mrd. US$ (2001) |
| Außenbeitrag | |
| Export | 241 Mio. US$ (2004) |
| Handelspartner | Vereinigte Arabische Emirate: 52,6 % Jemen: 14,6 % Oman: 6,3 % |
| Import | 576 Mio. US$ (2004) |
| Handelspartner | Dschibuti: 30,1 % Kenia: 13,7 % Brasilien: 8,4 % |
| Leistungsbilanz | ? Mrd. US$ |
| Ausländische Direktinvestitionen | ? Mio. US$ |
| Empfangene Entwicklungshilfe | 60 Mio. US$ |
Die Wirtschaft Somalias nimmt insofern eine Sonderstellung ein, als sie seit dem Ausbruch des somalischen Bürgerkrieges 1991 bis zumindest 2000 im einzigen Staat der Welt ohne Regierung existierte. Die Bürgerkriegssituation erschwert auch die Erhebung zuverlässiger Wirtschaftsdaten.
Somalia ist ein armes Land, dessen Bevölkerung hauptsächlich von nomadischer Viehzucht sowie an den Flüssen Jubba und Shabeelle im Süden auch von Ackerbau lebt. Viele Somalier sind auf Geldüberweisungen von Verwandten im Ausland angewiesen. Durch die Abwesenheit staatlicher Regulierungen können auch illegale Aktivitäten wie Piraterie oder Geldfälschung weitgehend ungestört ausgeübt werden. Insbesondere in Mogadischu blüht der Waffenhandel.
Inhaltsverzeichnis |
Geschichte
Seit der Frühzeit der Geschichte Somalias profitiert das Land von seiner Lage an den Handelsrouten durch das Rote Meer. Zu unterschiedlichen Zeiten stiegen Städte wie Opone (Xaafuun/Hafun), Saylac (Zeila), Hobyo, Berbera und weiter südlich Mogadischu, Baraawe, Merka und Kismaayo zu bedeutenden Handelszentren auf.
In der Kolonialzeit war das heutige Somalia in Britisch-Somaliland (Norden) und Italienisch-Somaliland (Süden und Osten) aufgeteilt. Während die Briten ihre Somaliland-Kolonie im Wesentlichen als Fleischlieferant für die Kolonie Aden nutzten und die Infrastruktur kaum ausbauten, wurden unter den Italienern Bananen-, Baumwoll- und Zuckerrohrplantagen errichtet. Weil nur wenige Somalier zur freiwilligen Lohnarbeit auf den Plantagen bereit waren, wurden vor allem die somalischen Bantu zur Zwangsarbeit herangezogen. Im letzten Jahrzehnt vor der Unabhängigkeit (1950–1960) floss reichlich UN-Entwicklungshilfe in das nunmehr Treuhandgebiet Italienisch-Somaliland.
Die Regierung des unabhängig gewordenen Somalia wollte den Export von Vieh und Plantagenprodukten fördern, um die wirtschaftliche Entwicklung voranzutreiben. Hierzu sollten Transportinfrastruktur und Bewässerungssysteme ausgebaut sowie Modellfarmen errichtet werden. Infolgedessen wurde beinahe die Selbstversorgung mit Zucker erreicht, Bananen- und Viehexporte stiegen. Um diese Projekte finanzieren zu können, war Somalia allerdings auf ausländische Geldgeber (v. a. Italien und Großbritannien) angewiesen.[3]
Im Rahmen des „wissenschaftlichen Sozialismus“ unter Siad Barre wurden die wenigen „modernen“ Wirtschaftsbereiche unter staatliche Kontrolle gebracht. Da diese Bereiche nur einen geringen Teil der gesamten Wirtschaft ausmachten, waren die Verstaatlichungen allerdings kein radikaler Einschnitt in die Wirtschaft.[4] Später brach Barre mit der Sowjetunion und ging zu einer Wirtschaftspolitik nach Leitlinien des Internationalen Währungsfonds über.[5]
Wirtschaft nach Sektoren
Landwirtschaft
71 % der somalischen Bevölkerung sind in der Landwirtschaft beschäftigt. Im Norden und Zentrum des Landes wird vor allem nomadische Viehzucht betrieben; je nach Terrain werden Schafe, Ziegen, Rinder oder Kamele gehalten.
Ackerbau wird in den Flusstälern des Jubba und Shabeelle im Süden Somalias betrieben. Neben der Subsistenzwirtschaft bestehen hier auch Bananenplantagen, die in der Kolonialzeit in Italienisch-Somaliland errichtet worden waren.
In jüngerer Zeit haben die Kampfhandlungen im Rahmen des Bürgerkrieges sowie Dürreperioden die Landwirtschaft geschädigt und zu Hunger geführt.
Fischerei
Vor allem an der Nordostküste in den Regionen Bari, Nugaal und Mudug spielt auch die Fischerei eine Rolle. Sie wird jedoch dadurch erschwert, dass thailändische, spanische, chinesische und russische Flotten illegal die somalische Küste überfischen. Manche somalische Fischer haben deswegen ihre Lebensgrundlage verloren und betätigen sich als Piraten, indem sie die illegalen Flotten angreifen, aber auch Frachter und Passagierschiffe überfallen. Die Küstengewässer Somalias werden zu den am stärksten von Piraterie betroffenen gezählt.
Gewerbe und Industrie
Dieser Wirtschaftszweig macht mit geschätzten 10 % des BIP den kleinsten Anteil an der gesamten Wirtschaft aus. Kismaayo war ein Zentrum der Nahrungsmittelverarbeitung. Von den wenigen Fabriken in Somalia sind etliche im Bürgerkrieg geplündert worden. Eine Coca-Cola-Abfüllanlage in Mogadischu wurde zeitweise zum Flüchtlingslager umfunktioniert. Eine neue derartige Anlage wurde 2004 eröffnet.
Bodenschätze
Es gibt in Somalia Erdölvorkommen. Die Regierung Siad Barres hatte an verschiedene US-amerikanische Erdölkonzerne Konzessionen vergeben. Wegen der politischen Situation ist eine nähere Untersuchung oder Förderung dieser Vorräte derzeit nicht möglich.[6]
Dienstleistungen
Es gibt in Somalia zehn Telekommunikationsunternehmen. Das Telekommunikationsnetz gilt als günstiger und funktionstüchtiger als in den Nachbarstaaten.[7] Auch Geldüberweisungsinstitute erfreuen sich stetiger Nachfrage, da ein Großteil der somalischen Bevölkerung auf die Geldüberweisungen von Verwandten im Ausland angewiesen ist. Das bis dahin bedeutendste Institut Al-Barakat wurde 2001 auf Geheiß der USA geschlossen, da es in Verdacht geriet, Geldtransfers für Terroristen getätigt zu haben. Konkurrenten füllten die dadurch ausgelöste Lücke bald.
Währung
Offizielle Währung ist der Somalia-Schilling. Banknoten werden seit dem Zusammenbruch des Staates in großem Umfang auch „privat“ gedruckt. Aufgrund der chaotischen Währungssituation sind in Somalia verschiedene Fremdwährungen als Zahlungsmittel im Gebrauch. Weit verbreitet sind US-Dollar, Euro und der Dirham der Vereinigten Arabischen Emirate. In Grenzregionen trifft man auch auf die Währungen der Nachbarländer: Äthiopischer Birr, Dschibuti-Franc und Kenia-Schilling. In Somaliland existiert der Somaliland-Schilling.
Infrastruktur
In Mogadischu gibt es einen Seehafen und Flughafen, die jedoch wegen der immer wieder aufflammenden Kämpfe zwischen Milizen nicht benutzt werden konnten. Nach der Machtübernahme der Union islamischer Gerichte 2006 wurden sie wiedereröffnet. Allgemein ist die Infrastruktur im Land spärlich.
Außenhandel
Wichtiges Importgut ist das Rauschmittel Kath, das aus Kenia eingeflogen wird. Auch Industrieprodukte, Erdöl, Nahrungsmittel und Baumaterial werden importiert.
Der Export von Vieh in die Staaten der Arabischen Halbinsel war früher ein bedeutender Wirtschaftsfaktor, ist jedoch zurückgegangen, seit Saudi-Arabien die Einfuhr von somalischem Vieh unterbunden hat, vordergründig um die Einschleppung von Tierseuchen (Rifttal-Fieber) zu verhindern. Weitere Exportgüter sind Bananen, Fisch, Tierhäute und Schrott.
Holzkohleexport
Im Wissen um deren Bedeutung in dem trockenen, von der Desertifikation betroffenene Land verboten die Regierungen Somalias das Fällen von Bäumen. Nun aber wird in größerem Umfang Holzkohle aus den letzten Wäldern produziert und vorwiegend in arabische Staaten exportiert. Da dies aus ökologischer Sicht problematisch ist, haben die Behörden des faktisch autonomen Puntland sowie die 2006 zeitweise mächtige Union islamischer Gerichte den Holzkohleexport untersagt.
Wirtschaft in Somaliland
Die Wirtschaft in Somaliland in Nordsomalia, das sich 1991 einseitig für unabhängig erklärte und seither de facto unabhängig, aber international nicht als solches anerkannt ist, ist ein Sonderfall innerhalb der Wirtschaft Somalias. Bedeutendste Einnahmequelle sind die Häfen, insbesondere Berbera. Äthiopien exportiert seit dem Eritrea-Äthiopien-Krieg 1997 nicht mehr wie zuvor über den eritreischen Hafen Assab, sondern zu einem wesentlichen Teil über die Häfen Somalilands. Die 1994 gegründete Zentralbank Baanka Somaliland gibt eine eigene Währung heraus, den Somaliland-Schilling. Mithilfe von Geldüberweisungen im Ausland lebender Somalier fand ein Wiederaufbau in den Städten statt.
Literatur
- Somalia: Economy Without State, Indiana University Press 2003, ISBN 0253216486
Weblinks
Quellen
Allgemein:
- Somalia – Im Sog der Anarchie, National Geographic Juli 2002
- Die tägliche Apokalypse, GEO Februar 2003
Einzelnachweise:
- ↑ CIA World Factbook
- ↑ Internationaler Währungsfond - Länderübersicht zu BIP/Einwohner
- ↑ Countrystudies.us: Somalia – Economic Development, 1960-69
- ↑ Countrystudies.us: Somalia – Scientific Socialism, 1970-75
- ↑ Countrystudies.us: Somalia – From Scientific Socialism to "IMF-ism," 1981-90
- ↑ WochenZeitung vom 11.01.2007: Viele kleine Somalias
- ↑ BBC News: Telecoms thriving in lawless Somalia
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