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Wincenty Witos

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Wincenty Witos (* 22. Januar 1874 in Wierzchosławice (bei Tarnów), damals Österreich-Ungarn; † 30. Oktober 1945 in Krakau, Polen) war Mitbegründer der polnischen Bauernbewegung, Politiker und Journalist.

Ab 1895 war er Mitglied der polnischen Bauernpartei (PSL), 19031913 Mitglied ihres Obersten Rates. Von 1908 bis 1913 war er Gemeindevorsteher seines Geburtsortes, ebenfalls ab 1908 Mitglied des Galizischen Landtags (Sejm Krajowy Galicji) in Lemberg, was er bis 1914 blieb. Von 19111918 war er Mitglied des österreichischen Reichsrats in Wien. Nach dem Auseinanderfallen der PSL wurde er Zweiter Vorsitzender der PSL Piast und 1918–1931 deren Erster Vorsitzender.

Während des Ersten Weltkrieges befürwortete er die Zusammenarbeit mit Deutschland und Österreich-Ungarn. 1914 wurde er Zweiter Vorsitzender des Hauptnationalkomitees Polens, 1915 verzichtete er auf die Zusammenarbeit mit der österreichischen Regierung. Bis zum Ende des Krieges plädierte er im Wiener Parlament eindeutig für die Unabhängigkeit Polens. 1917 bis 1918 war er Mitglied der Nationalen Liga (Liga Narodowa). Im Oktober 1918 führte er die Polnische Liquidationskommision in Kraków (Krakau) an.

Anschließend war er von 1919 bis 1930 Mitglied des Sejm, bis 1931 (mit Unterbrechungen) Vorsitzender des parlamentarischen Klubs der PSL Piast. Ende Juli 1920 wurde er zum Ministerpräsidenten der Regierung der Nationalen Verteidigung im Angesicht der unmittelbaren Bedrohung Warschaus durch die Rote Armee designiert. Er blieb Regierungschef bis September 1921. 1923 gründete er die erste Koalitionsregierung der Christlichen Union der nationalen Einheit (Chrześcijański Związek Jedności Narodowej) und PSL Piast (genannt auch Chjeno-Piast); im Dezember 1923 trat er zurück. Im Mai 1926 führte er erneut die Regierungsgeschäfte, seine Regierung wurde aber sehr bald durch den Maiputsch Józef Piłsudskis gestürzt.

Als Gegner der „Sanacja“ (Gesundung – ein allgemeiner Begriff für die Politik des Piłsudski-Regimes nach Mai 1926), gründete er 1929 den Parteienblock Centrolew. 1930 wurde er verhaftet und in der Festung Brest (Brześć nad Bugiem / russ. Brest Litowsk) eingesperrt. Im Prozess 1931 wurde er wegen angeblichen Umsturzversuchs zu anderthalb Jahren Gefängnis verurteilt, was ihn nach der Haft zur Emigration in die Tschechoslowakei bewegte. Insgesamt blieb er von 1933 bis 1939 in der Emigration. Trotzdem blieb er Mitglied der Parteiinstanzen der SL (Volkspartei): 1931–1935 als Vorsitzender des Hauptrates, 1935–1939 als Vorsitzender des Obersten Exekutivkomitees (Naczelny Komitet Wykonawczy).

1936 arbeitete er mit der oppositionellen Emigrationsbewegung „Front von Morges“ zusammen. Im März 1939 kehrte er nach Polen zurück. Im September 1939 wurde er durch die deutsche Besatzungsmacht inhaftiert. Die deutschen Behörden versuchten ihn, zur Gründung einer Kollaborationsregierung zu bewegen, was er wiederholt ablehnte. Im September 1941 wurde er aus der Haft zwar entlassen, blieb jedoch danach unter Hausarrest, ständig bewacht durch die Gestapo. Im 1945 – nach der Befreiung Polens durch die Rote Armee – wurde er zum Präsidenten des Landesnationalrates (Krajowa Rada Narodowa) designiert, dieses Amt hat er jedoch abgelehnt, wie auch die Einladung zu Gesprächen in Moskau über die Gründung einer polnischen Regierung der nationalen Einheit (Rząd Jedności Narodowej). Ab August 1945 war er Vorsitzender der PSL.

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