Das Kefk Network Wiki befindet sich im Testbetrieb.


Wilhelm Gemoll

Aus Kefk.

Wechseln zu: Navigation, Suche

Friedrich Wilhelm Gemoll (* 21. November 1850; † 1934) war ein deutscher Gymnasialdirektor und Altphilologe.

Er ist vor allem als Autor des Altgriechisch-Deutsch-Wörterbuches Griechisch-Deutsches Schul- und Handwörterbuch bekannt, das erstmals 1908 erschien und momentan in der 10. Auflage als Neubearbeitung vorliegt (Herbst 2006). Es zählt zu den Standardwerken für den Altgriechischunterricht und umfasst den Sprachschatz der antiken Autoren Aischylos, Aristophanes, Aristoteles, Arrian, Bakchylides, Demosthenes, Euripides, Herodot, Hesiod, Homer, Isaios, Isokrates, Lukian, Lykurgos, Lysias, Neues Testament, Pindar, Platon, Plutarch, Polybios, Sophokles, Thukydides, Theokrit, Timotheos, Xenophon. Daneben berücksichtigt es auch noch andere seltenere Quellen wie von Ulrich Wilcken bearbeitete Ostraka und Papyri, Theodor Pregers Inscriptiones Graecae metricae oder Wilhelm Dittenbergers Sylloge inscriptionum Graecarum.

Wilhelm Gemoll promovierte 1872 mit einer Arbeit über die Briefe des Plinius in Halle und war anschließend Lehrer in verschiedenen Orten Niederschlesiens: in Ohlau[1], als Oberlehrer in Wohlau[2], dann Rektor des Realprogymnasiums in Striegau[2]. Später war er vermutlich im oberschlesischen Kreuzburg tätig,[3] schließlich (seit etwa 1890) als Direktor des städtischen evangelischen Gymnasiums in Liegnitz (heute Legnica).[4] Gemoll beschäftigte sich wissenschaftlich insbesondere mit Xenophon, den er in mehreren Editionen herausgab, aber auch mit lateinischen Schriftstellern wie Horaz und Handschriften in Liegnitz.

Ein mögliches Familienmitglied (älterer Bruder?) dürfte der 1847 geborene Altphilologe Albert Gemoll gewesen sein, mit dem zusammen Wilhelm Gemoll 1890 eine Festschrift für das Gymnasium in Jauer herausgab. Darauf deutet auch die Existenz von Veröffentlichungen Albert Gemolls[5], aus denen sich eine Verbindung sowohl in Sachthemen als auch im Ort Liegnitz ergibt.

Schriften

  • De temporum ratione in Plinii epistularum IX. libris observata. Diss. Halle 1872.
  • Adnotationes criticae in L. Annaei Senecae Dialogos. Programm Ohlau 1877.
  • Hygini Gromatici liber de munitionibus castrorum. Teubner, Leipzig 1879.
  • Untersuchungen über die Quellen, den Verfasser und die Abfassungszeit der Geoponica. Calvary, Berlin 1883. Nachdruck Wohlwend, 1972, ISBN 3-253-02463-6, ISBN 3-500-24630-3.
  • Nepualii fragmentum peri ton kata antipatheian kai sympatheian et Democriti peri sympatheion kai antipatheion recensuit, adnotationes et prolegomena adieci. Programm Striegau 1884.
  • Adnotationes criticae in L. Annaei Senecae epistulas morales. Programm Kreuzburg 1886.
  • Beiträge zur Kritik und Erklärung von Xenophons Anabasis. Programm Kreuzburg 1888/1889.
  • Kritische Bemerkungen zu lateinischen Schriftstellern. Programm Liegnitz 1890.
  • Kritische Blätter von A. und W. Gemoll. Striegau 1890.
  • Die Realien bei Horaz. 4 Bände. Gaertner, Berlin 1892–95.
  • (Hrsg.): Xenophontis Expeditio Cyri. Editio maior. Teubner, Leipzig 1899. Neuausgabe 1909. Editio minor 1903.
  • Die Handschriften der Petro-Paulinischen Kirchenbibliothek zu Liegnitz. Programm Liegnitz 1900.
  • Bemerkungen zu Xenophons Anabasis. Programm Liegnitz 1906.
  • Griechisch-Deutsches Schul- und Handwörterbuch. Tempsky, Wien; Freytag, Leipzig 1908.
Verlag Hölder-Pichler-Tempsky, 9. Auflage, ISBN 3-209-00108-1
Oldenbourg Schulbuchverlag, 10., völlig neu bearbeitete Auflage, bearbeitet und durchgesehen von Therese Aigner, Josef Bedrac, Renate Oswald, Jörg Schönbacher, Clemens Schuster, Rudolf Wachter, Franz Winter, München u.a. 2006, ISBN 3-486-00234-1.
  • Mitteilungen des Geschichts- und Altertums-Vereins zu Liegnitz. H. 3, 1909–1910, S. 301–304.
  • Thomas Morus' Utopia. In: Festschrift zum 600jährigen Jubiläum des Gymnasiums zu Liegnitz am 20. und 21. Oktober 1909. Seyffarth, Liegnitz 1910, S. 1–10.
  • Xenophon: Anabasis. Textausgabe für den Schulgebrauch. 4. Auflage. Teubner, Leipzig 1910. 9. Auflage 1937.
  • Zur Kritik und Erklärung von Xenophons Kyrupädie. Programm Liegnitz 1912.
  • Xenophontis Institutio Cyri. Editio maior. Teubner, Leipzig 1912. Editio minor ebenda.
  • Schulwörterbuch zu Xenophons Anabasis, Hellenika und Memorabilien. 2. Abdruck. Tempsky, Wien; Freytag, Leipzig 1920.
  • Das Apophthegma. Literarhistorische Studie. Hölder-Pichler-Tempsky, Wien; Freytag, Leipzig 1924.

Weblinks

Anmerkungen

  1. 1877 veröffentlichte er eine Abhandlung über Seneca im Schulprogramm des Städtischen Gymnasiums Ohlau.
  2. . a b W. Pökel: Philologisches Schriftsteller-Lexikon. Krüger, Leipzig 1882, S. 91.
  3. Abhandlung in Programm 1886.
  4. Verfasserangabe seines Werks Die Realien bei Horaz: „Von Dr. Wilhelm Gemoll, Gymnasialdir. in Liegnitz“.
  5. Homer. Die homerischen Hymnen. Herausgegeben und Erläutert von Dr. Albert Gemoll. Teubner, 1886; Nachdruck Elibron Classics Replica Editions, 2005, ISBN 0-543-95509-5, ISBN 0-543-95508-7. Bericht über die Homerischen Realien 1885–1895. Separat-Abdruck aus dem Jahresbericht über die Fortschritte der classischen Altertumswissenschaft, Berlin, ca. 1900. Vermischte Mittheilungen. Mittheilungen aus Liegnitzer Handschriften, in: Zeitschrift des Vereins für Geschichte und Alterthum Schlesiens, Bd. 34, 1900, S. 388–394.
Wikipedia
Dieses Dokument entstammt in seiner ersten oder einer späteren Version der deutschsprachigen Wikipedia. Es ist dort zu finden unter dem Stichwort Wilhelm_Gemoll, die Liste der bisherigen Autoren befindet sich in der Versionsliste; die Originalfassung kann dort auch bearbeitet werden. Alle Texte der Wikipedia und ihre Derivate stehen unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation.
Persönliche Werkzeuge