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Wikipedia:Löschkandidaten/DDR-URV/Zwei Stämme der menschlichen Erkenntnis
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Zwei Stämme der menschlichen Erkenntnis bezeichnet bei Immanuel Kant in seiner Schrift Kritik der reinen Vernunft im Rahmen der transzendenten Logik ein Kapitel, wo es um die Möglichkeit geht, synthetische Urteile a priori zu finden.
Inhaltsverzeichnis |
Zur Einführung
Die Lösung der gestellten Aufgabe - den Grund der Möglichkeit apriorischer Synthesen aufzudecken und sie nach ihren ursprünglichen Quellen zu bestimmen - beginnt Kant mit der Betrachtung der "zwei Stämme der menschlichen Erkenntnis....., die vielleicht aus einer gemeinschaftlichen, aber uns unbekannten Wurzel entspringen, nämlich Sinnlichkeit und Verstand".
Sinnlichkeit und Verstand bilden entgegengesetzte Funktionen
Sinnlichkeit und Verstand sind ihrer Funktion im Erkenntnisprozess nach entgegengesetzt. Den entscheidenden Zug der Sinnlichkeit bildet die Rezeptivität. Sie ist die Fähigkeit, die Gegenstände wahrzunehmen (siehe Rezeption). Die Sinnlichkeit ist die passive Seite der Erkenntnis. Demgegenüber ist der Verstand durch Spontanität gekennzeichnet.
Er ist die Fähigkeit, die Gegenstände zu denken. Der Verstand bildet die aktive Seite der Erkenntnis. "Unsre Erkenntnis entspringt aus zwei Grundquellen des Gemüts, denen die erste ist, die Vorstellungen zu empfangen (die Rezeptivität der Eindrücke), die zweite das Vermögen, durch diese Vorstellungen einen Gegenstand zu erkennen (Spontanität der Begriffe); durch die erstere wird uns ein Gegenstand gegeben, durch die zweite wird dieser...gedacht. Anschauung und Begriffe machen also die Elemente unserer Erkenntnis aus."
Unterschied von Sinnlichkeit und Verstand entspricht Unterschied von Inhalt und Form der Erkenntnis
Der Unterschied von Sinnlichkeit und Verstand ist gleichbedeutend mit dem von Inhalt und Form der Erkenntnis. Die Sinnlichkeit liefert den Erkenntnisinhalt, der Verstand verleiht diesem die Form. Die Sinnlichkeit ist, indem sie den Inhalt der Erkenntnis gibt, die erste Bedingung jeder Erkenntnis. Um aber zu wirklicher Erkenntnis zu gelangen, muß zu dieser ersten Bedingung eine zweite hinzutreten, der Verstand, der den von der Sinnlichkeit gelieferten Inhalt verarbeitet, zusammenfaßt, verknüpft, ordnet - ihm erkenntnismäßige Form verleiht.
Was die Sinnlichkeit gibt und immer nur geben kann, das ist das Material der Erkenntnis. Das, was dieses - noch rohe - Material zu Erkenntnis verbindet, liefert der Verstand, nämlich die Form. "Unsere Natur bringt es so mit sich, daß die Anschauung niemals anders als sinnlich sein kann, d.i. die Art enthält, wie wir von Gegenständen affiziert werden.
Gedanken ohne Inhalt sind leer, Anschauungen ohne Begriffe sind blind
Dagegen ist das Vermögen, den Gegenstand sinnlicher Anschauung zu denken, der Verstand. Keine dieser Eigenschaften ist der anderen vorzuziehen. Ohne Sinnlichkeit würde uns kein Gegenstand gegeben, und ohne Verstand keiner gedacht werden.
Gedanken ohne Inhalt sind leer, Anschauungen ohne Begriffe blind....
Beide Vermögen, oder Fähigkeiten, können auch ihre Funktionen nicht vertauschen. Der Verstand vermag nichts anzuschauen, und die Sinne vermögen nichts zu denken."(siehe Fortsetzung: Synthetische Einheit des Mannigfaltigen)
siehe auch Synthetisches Urteil a priori, transzendente Logik, Transzendenz
Literatur
M. Buhr, Der Anspruch der Vernunft, Berlin 1968
