Aus Kefk.
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Kondakow 1983, S. 233 (Anfang, 1 + 2, vermutlich ist auch der Rest eine URV?)
Der Kanon ( griech. : eigentlich: Rohrstab; lat. canon: Regel, Norm, Richtschnur) bezeichnet
- 1. einen logischen Traktat von Demokrit, der nicht erhalten geblieben ist. Das Wissen darüber resultiert aus einzelnen Fragmenten, die in Schriften der Antike angeführt werden. Danach kann man urteilen, dass er aus drei Büchern bestand. Sextus Empiricus teilte mit, dass Demokrit im Kanon von zwei Arten des Wissens sprach, vom Wissen durch logisches Folgern, das er gesetzmäßig und sicher nannte, und vom Wissen durch Empfindungen, das er dunkel nennt. Er teilt auch mit, dass es nach der Lehre des Demokrit drei Kriterien oder Maßstäbe der Wahrheit gibt: (a) die sinnliche Wahrnehmung, (b) das korrekte Denken und (c) die sinnliche Praxis. Der Traktat wurde durch Nausiphanes, einem Schüler von Demokrit, bearbeitet. Üner den Inhalt der Abhandlung des Nausiphanes ist einiges in Auszügen bekannt, die Philodemos in seiner "Rhetorik" niederlegte. Aus den von Philodemos angeführten Fragmenten ist ersichtlich, dass Demokrit gegen die Sophisten auftrat.
- 2. eine Schrift von Epikur. In ihr werden Fragen der Erkenntnistheorie und Logik behandelt. Auch diese Schrift ist nicht erhalten geblieben. Über den Inhalt dieses Kanons kann man nach dem "Brief an Heredot" und anhand der Schrift "Fragmente" urteilen, in denen eine kurze Zusammenfassung gegeben wird. Die Erkenntnistheorie wird von Epikur von den Positionen des Sensualismus aus dargelegt. Fehler können nach Epikur nur beim Schließen entstehen. Die Wahrheit eines Schlusses kann man durch erneutes Zuhilfenehmen von Sinnesdaten prüfen. Als Maßstab für die Wahrheit stellte Epikur sogenannte natürliche Begriffe heraus, das sind Gattungsbegriffe, die sich auf natürliche Weise bei allen Menschen durch Verallgemeinerung aus Individualbegriffen bilden. Diese natürlichen Gattungsbegriffe schließen jegliche Fehler aus.
- 3. bei Psellus als kanones logische Regeln.
- 4. bei Immanuel Kant den "Inbegriff der Grundsätze a priori des richtigen Gebrauchs gewisser Erkenntnisvermögen überhaupt". "So ist die allgemeine Logik in ihrem analytischen Teile ein Kanon für Verstand und Vernunft überhaupt, aber nur der Form nach, denn sie abstrahiert von allem Inhalte"(in: Kritk der reinen Vernunft"). Die transzendentale Analytik ist der "Kanon des reinen Verstandes ". Der Kanon der reinen Vernunft betrifft "nicht den spekulativen, sondern den praktischen Vernunftgebrauch "(in: ebenda).
- 5. bei Jakob Friedrich Fries "einen Inbegriff von Regeln, nach denen ein Erkenntnisvermögen...wirkt." Die reine Logik ist "ein Kanon des Verstandesgebrauchs"(in: System der Logik, 1837).