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Recycling
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Bild:Recycle001.svg Mit dem Begriff Recycling [ɹɪˈsaɪklɪŋ] bzw. Rezyklierung wird der Vorgang bezeichnet, bei dem aus Abfall ein Sekundärrohstoff wird. Die rechtlichen Vorgaben sind in Deutschland im Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz niedergelegt.
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Geschichte
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Der Mensch hat gelernt, dass das scheinbar Unbrauchbare ein wertvoller Rohstoff sein kann. Vor allem im Ersten und Zweiten Weltkrieg war die Wiederverwertung von Abfällen eine wichtige Rohstoffquelle. Früher waren es Lumpensammler und Händler, die sich um das Einsammeln, Sortieren und Weiterleiten von Abfällen kümmerten, heute sind es Recycling-Spezialisten.
In der DDR wurde Ende der 40er Jahre das Entsorgungsunternehmen SERO (aus Sekundärrohstoffe) in Leipzig gegründet. 1991 entstand aufgrund ablaufender Fristen gemäß der Verpackungsverordnung in Deutschland das Duale System Deutschland (Grüner Punkt).
Die Recycling-Bewegung in den USA begann 1987, als das mit über 3000 Tonnen Müll beladene Mülltransportschiff „Mobro 4000“ von Islip (NY) nach Morehead City (NC) aufbrach. Doch bevor es sein Ziel erreichte, verbreiteten sich Gerüchte, dass es medizinische Abfälle geladen hätte, so dass Morehead City das Ausladen verbot. Die Mobro 4000 fuhr daraufhin weiter Richtung Süden auf der Suche nach einem Platz, um seine Müllladung zu löschen. Als angeblich auch Mexiko und Belize das Ausladen verboten, fuhr es erfolglos zurück nach Islip, wo der Müll nach langem Rechtsstreit verbrannt wurde.
Die lange Suche nach einem Abnehmer für den Müll wurde zu einem Medienereignis, das bei Umweltschützern den falschen Eindruck erweckte, es gäbe keine freien Müllhalden in den USA mehr, wenn nicht einmal mehr genug Platz für ein einziges Mülltransportschiff sei.
Aber prinzipiell geht es nicht um die Frage, ob noch Kapazitäten vorhanden sind, sondern vielmehr darum, ob es nicht sinnvoller ist, Müll zu vermeiden, wenn nicht möglich, ihn zu verwerten (= recyclen), und erst wenn dies nicht möglich ist, ihn zu deponieren. So steht es im Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz § 4 der BRD.
Politische Ziele
EU-weit heute politisch gewollt sind grundsätzlich folgende nach Prioritäten gelisteten Ziele:
- Abfallvermeidung: hierzu gehört unter anderem auch das Verbot von umweltgefährdenden Stoffen wie z. B. PCB, FCKW etc.
- Wiederverwendung: das heißt eine erneute Nutzung des Guts wie z. B. Pfandflasche, Second-hand-use etc.
- Recycling durch stoffliche Verwertung: definierte Abfallstoffströme oder Teile davon werden aufbereitet, um vermarktungsfähige Sekundärrohstoffe wieder zu gewinnen. Dazu werden großtechnisch heute überwiegend mechanische oder biologische Verfahren verwendet.
- Recycling durch energetische Verwertung: die Stoffe werden verbrannt oder vergast, jedoch mit dem alleinigen Ziel der Energiegewinnung.
- Andere Formen der Verwertung.
- Deponie.
Recycling beinhaltet demnach die Punkte 3) und 4) dieser Liste.
Sammelsysteme
Die wirtschaftlichste Form der Mülltrennung liegt beim Abfallverursacher, bevor verschiedene Abfälle gemischt werden. Je nach der Abfallpolitik und den vorhandenen Wiederverwertungen wird die Auftrennung regional unterschiedlich durchgeführt.
Am häufigsten gesammelt werden Altpapier, Altglas (z. T. unterteilt in Weiß- und Buntglas) und Verpackungen durch die Duales System Deutschland GmbH. Gut funktioniert ebenfalls das Sammeln und Kompostieren von Bioabfall, das Batterierecycling und das Recycling von Altautos auf dem Autofriedhof.
Zur Wiederverwertung von Siedlungsabfällen war bisher eine möglichst sortenreine Trennung des Abfalls nach Stoffgruppen erforderlich. Inzwischen existieren ausgereifte automatisierte technische Sortieranlagen, die auch gemischte Siedlungsabfälle (teilweise) sortenrein trennen können. Das in den vergangenen Jahren bekannte Bild der öffentlichen Sammelcontainer könnte sich damit zukünftig ändern.
Da Abfälle nicht nur beim Verbraucher anfallen, sondern auch in der Wirtschaft, gibt es auch dort die Notwendigkeit, Abfälle zu erfassen. So fallen z.B. große Mengen Bauschutt, Holzreste, Kunststoffreste und Metallreste an.
Um beim Sammeln von Müll, betriebsintern oder in Form überregionaler Sammelsysteme, den Sortieraufwand zu reduzieren, ist es notwendig den hierfür notwendigen Arbeitsaufwand durch Vorsortierung zu reduzieren. Eine Systematik wurde durch den Recycling-Code eingeführt, den man im Wesentlichen auf Produkten aus Kunststoff, aber auch auf anderen Gegenständen finden kann.
Wiederverwertung
Beim Recycling entstehen durch Einsatz von Energie und eventuell neuen Rohstoffen Materialien, aus denen neue Produkte hergestellt werden können.
Die (Wieder-)Verwertung ist unterteilt in die stoffliche und energetische Verwertung. Die stoffliche Verwertung ist wiederum in die werkstoffliche und rohstoffliche Verwertung aufgeteilt. Produkte der werkstofflichen Verwertung sind in der Regel durch physikalische Verfahren erzeugt worden, z. B. Sieben, Trennen, magnetische oder andere Metallseparation oder Umschmelzen bei Kunststoffen. Die rohstoffliche Verwertung findet hauptsächlich bei Glas, diversen Metallen, sowie Papier Anwendung. Alle bekannten Verfahren zur rohstofflichen Verwertung durch chemische Umwandlung (z.B. bei Kunststoffen) sind bisher entweder an technischen Problemen oder an deren Unwirtschaftlichkeit gescheitert (z. B. der sogenannte Belland-Becher).
Downcycling und Upcycling
Ein möglicher Nachteil von beispielsweise Kunststoff, Glas oder Stahl ist, dass - bei vertretbarem Aufwand - das Material nicht mehr die ursprüngliche Qualität bzw. Verarbeitbarkeit erreicht, wie bei der Primärherstellung vor dem Recyclingprozess. Diese Abwertung wird auch als Downcycling bezeichnet, während beim Upcycling aus Abfallstoffen eines Prozesses hochwertigere Produkte hergestellt werden können. Reststoffe, die während des Recyclingvorganges bestimmter organischer Materialien anfallen, werden Spuckstoffe genannt.
Daneben ist auch zu beachten, dass die Wiederverwendung von Gegenständen dem Recycling vorzuziehen ist, da der Energieaufwand geringer ist.
Die Neigung eines Polymers bzw. eines Kunststoffes bei der Wiederverarbeitung zu degradieren hängt ab vom gewählten Aufbereitungsverfahren und vom jeweiligen Grundpolymertyp sowie dem Gehalt an Additiven, die den thermisch-oxidativen Abbau der Molekülketten bei der Verarbeitung stark herabsetzen können. In einigen Fällen erreicht der verwertete Kunststoff durchaus das Eigenschaftsniveau der Originalware. Es kommt hierbei auf die Qualität und Sortenreinheit der gesammelten Altteile und den Aufbereitungsprozess und die Nachadditivierung an. Auch der Gesamtenergieverbrauch bei der Wiederaufbereitung wird vielfach überschätzt. Mit nicht mehr als rund 10 bis 15 MJ/kg Polymer (Thermoplast) ist bei Teilen, die eine Einzelmasse von mehr als 100 g besitzen, die komplette Aufbereitung durchführbar.
(In diesem Zusammenhang wird auf Originalliteratur aus den Jahren 1990 bis 1997 sowie auf die Quellen [1][1][1][1][1] verwiesen)
Ökologie, Ökonomie und Effizienz
Papier-Recycling
In Deutschland wurden im Jahr 2005 19,2 Millionen Tonnen Papier verbraucht. Im gleichen Zeitraum wurden 15,1 Millionen Tonnen Altpapier gesammelt. Dies entspricht einer Rücklaufquote von ca. 79 Prozent[1]. Je mehr Papier wiederverwertet wird, desto weniger Holz muss für die Papierproduktion aufgewendet werden (und nach dem Gesetz von Angebot und Nachfrage sinkt der Holzpreis mit der eingesetzten Menge Altpapier. Für die Papierproduktion werden in Deutschland gegenwärtig ca. 40 % der Holzproduktion eingesetzt).
Zu einem hohen Anteil aus Altpapier hergestellt sind z. B. Wellpappe (bis zu 100 %) und Zeitungspapier (die meisten Tageszeitungen werden auf Papier aus 100 % Altpapier gedruckt).
Ende April 2005 lag der Preis pro Tonne Altpapier zwischen 50 bis 80 Euro (und damit auf Rekordniveau) [1]
- Papierrecycling ist ökonomisch daher sehr effizient.
Bei Hygienepapieren und Zeitungsdruckpapier ist heute fast keine Steigerung des Altpapieranteils mehr möglich. Um die Verwertungsquoten weiter zu steigern, wird deshalb auch für höherwertige Papiere (für Zeitschriften/Magazine) vermehrt Altpapier eingesetzt. Bei mehrfachem Recycling brechen zwar immer wieder Fasern und gehen aus dem Kreislauf verloren, da jedoch ständig frische Fasern z. B. mit Zeitschriften in den Kreislauf gelangen, ist auch bei mehrfachem Recycling kein "Recyclingkollaps" zu erwarten.
- Papierrecycling ist ökologisch effizient:
Der Energieaufwand bei der Produktion von Recyclingpapier ist deutlich geringer (nur ca. ein Drittel) als bei der Herstellung von neuem Papier aus Holz (Frischfaserpapier), der Verbrauch an Wasser beträgt nur 15 %, die Gewässerbelastung beträgt nur etwa 5 %. Damit leistet das Papierrecycling einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz.
Papier wird für die unterschiedlichsten Qualitäten recycelt: Zu Hygienepapieren (Toilettenpapier, Papierhandtücher, Küchentücher) oder ungestrichenem Papier wie für Kopierpapiere und Zeitungsdruckpapier. Mittlerweile gibt es aufwändig hergestellte Kopierpapiere, die in ihren Verarbeitungseigenschaften mit Frischfaserpapier vergleichbar sind und sich auch im Weißgrad nur noch minimal von diesem unterscheiden. Auch bei der Herstellung höherwertiger Papiere wie für Zeitschriften werden mittlerweile recyclete Fasern eingesetzt.
Schlüsselprozess beim Papierrecycling für grafische Papiere ist das Deinking, die Entfernung der Druckfarbe aus dem Altpapier. Undeinkte Recyclingpapiere haben so gut wie keine Bedeutung auf dem Markt.
Probleme beim Papierrecycling zu hellen Papieren bereiten Druckfarben, die im gängigen Verfahren nicht entfernt werden können, wie die beim Flexodruck oder auch für neue digitale Druckverfahren verwendeten Farben. Während Trockentoner in der Regel ähnlich leicht wie herkömmliche Offsetdruckfarben aus dem Altpapier entfernt werden können, stören Inkjet-Tinten und Flüssigtoner die Wiederverwertung erheblich. Dies gilt weniger für einzelne Druckseiten, die zuhause oder im Büro erstellt werden, als für Massendrucksachen (Werbesendungen) oder digital gedruckte Zeitungen.
Glas-Recycling
Glas wird hauptsächlich aus Quarzsand (Siliziumdioxid) hergestellt. Er macht 12 % der Erdkruste aus, ist also mehr als reichlich vorhanden. Weitere Bestandteile von Glas sind Kalk, Dolomit und Soda. Glas kommt bei einer Vielzahl unterschiedlicher Produkte zum Einsatz: Verpackungen, Geschirr, Fenster, Bauglas, Spiegel, optische Geräte, Geräte für chemisch-technischen Anwendungsbereich u.v.a.m.
Glasrecycling gilt als die Urform moderner Kreislaufwirtschaft. Die Herstellung von Glas aus alten Scherben spart Rohstoffe und vor allem Energie - die Läuterung (Aufschmelzen des Ausgangsstoff-Gemisches) erfordert weniger Zeit und geringere Temperaturen. Dank Glasrecycling und dem Einsatz moderner Technologien sank der Energieeinsatz bei der Glasherstellung seit 1970 um 77 Prozent. (aus: Deutsche Umwelthilfe, Informationsblatt 9730-050). Es gibt Hinweise dafür, dass bereits im antiken Rom Glas recycelt wurde. Vor der südtürkischen Küste entdeckten Forscher ein rund 1000 Jahre altes Schiff mit Altglas als Ladung.
In Österreich beispielsweise wird seit Mitte der 1970 Jahre systematisch aus privaten Haushalten sowie Gewerbe- und Industriebetrieben Altglas (gebrauchte Glasverpackungen) gesammelt. Über 80% der Glasverpackungen, die in Österreich auf den Markt kommen, werden gesammelt und wiederverwertet.
Getrennt gesammelt werden ungefärbte Glasverpackungen (Weißglas) und gefärbte Glasverpackungen (Buntglas). In anderen Ländern wird auch Braunglas getrennt gesammelt. Die Farbtrennung ist wichtig für den Recyclingprozess, denn eine einzige grüne Sektflasche färbt 500 kg farbloses Glas grünlich ein. Umgekehrt entfärbt Weißglas das Buntglas. Dies ist unerwünscht, denn Buntglas wird für Produkte eingesetzt, für die Lichtschutz erforderlich ist (Milch, Medikamente, Bier,...).
Die gesammelten Glasverpackungen sind Rohstoff für die Produktion neuer Glasverpackungen. Ihr Anteil kann 60 bis 90 % am Rohstoffgemenge im Glaswerk sein (bei Grünglas etwa 90 %, bei Weißglas etwa 60 %).
Vor der Schmelze wird das Altglas händisch sowie maschinell von falschen Glasarten, Glasstücken der falschen Farbe und Fremdstoffen befreit:
Aufbereitung von Altglas für die Produktion von neuen Glasverpackungen
- Abtrennung von Eisenteilen mit Magnetscheider
- Erfassung größerer Fremdstoffe per Hand
- Zerkleinerung auf 15 mm im Brecher
- Sieben auf Lochsiebrinne, dabei werden Fremdstoffe, die leichter als Glas sind, abgesaugt.
- Erfassung lichtundurchlässiger Materialien (z.B. Keramik) mittels optischer Verfahren
- Nachsortierung per Hand
- Erfassung restlicher eisenhaltiger Stoffe mittels Magnetabscheider
- abschließende Kontrolle
Glasprodukte, die nicht in Altglas-Sammelbehälter gehören (sog. Fehlwürfe, z.B. Laborgläser, Glas von Backofentüren, Mikrowellenherden), können manchmal weder vom menschlichen Auge noch von optischen Geräten erkannt werden. Sie gelangen in die Schmelze und können Maschinenschaden anrichten und Produktionsstillstände verursachen. Auch Glasarten mit Zusatzstoffen, wie etwa Bleiglas (bleioxidhaltiges Glas, sog. „Bleikristall“), sind in der Altglassammlung unerwünscht, da sie die Glaszusammensetzung langfristig verändern. Probleme bereiten weiters Keramik, Steine, Porzellan, die – zu tausenden kleinen Stückchen zerbrochen – die neuen Glasverpackungen unbrauchbar machen.
ökologische Vorteile von Glasrecycling
Für einen Kubikmeter Primärrohstoff müssen sieben Kubikmeter Gestein abgebaut werden. Der Einsatz von gebrauchten Glasverpackungen reduziert den Bedarf an Primärrohstoffen und schont Naturraum. Gebrauchte Glasverpackungen brauchen zum Schmelzen niedrigere Temperaturen und daher weniger Energie als das Gemenge an Primärrohstoffen (Quarzsand, Kalk, Dolomit und Soda). Dies hat auch eine Reduktion der CO2-Emissionen zur Folge. [1]
- Glasrecycling ist ökonomisch besser als seine Wiederverwendung, da es sehr günstig zu transportieren und aufzubereiten ist.
- Glasrecycling ist ökologisch schlechter als seine Wiederverwendung, aber vorteilhafter als die Neuproduktion, da der Schmelzpunkt von reinem Quarz bei 1700 °C liegt und das Schmelzen (Läutern) aus frischen Rohstoffen daher sehr energieaufwändig ist.
Glaswiederverwendung
Die Wiederverwendung von Glasbehältern ist nur bei standardisierten Formen sinnvoll (Mehrwegbehälter). Der Rücktransport zum Abfüller ist zusätzlicher Aufwand, er ist umso geringer, je kürzer die Wege sind.
- Wiederverwendung von Glasbehältern ist ökonomisch schlechter als Glas-Recycling, da Transport und Säuberung hinzukommen.
- Wiederverwendung von Glasbehältern ist bei kurzen Entfernungen ökologisch besser als Glas-Recycling, da weniger Landschaftsverbrauch und CO2-Emissionen entstehen.
Das Abwägen zwischen Ökonomie und Ökologie wird maßgeblich durch die Kosten der Energieträger zur Glasherstellung (Erdgas) und die Transportkosten (handling, Entfernung, Leergutmasse) beeinflusst.
Das Einschmelzen von sortenreinem Altglas ist in jedem Fall sinnvoll, da der Altstoff zu 100 % in das Produkt eingeht. Zum Erschmelzen von Glas aus Rohstoffen würde bis zu 25 % mehr Energie benötigt.
Kunststoffwiederverwendung
Da Kunststoffflaschen leichter und stabiler als Glasflaschen sind, ist ihr Transport auch effizienter und somit auch ihre Wiederverwendung. Trotzdem landen die meisten Kunststoffflaschen im „Gelben Sack“ (Duales System Deutschland), wo sie nur mit hohem Aufwand und Qualitätsverlust recycelt werden können. Neuere Studien im Labormaßstab kommen hier zu positiveren Aussagen [1], die für die Praxis bisher jedoch keine Rolle spielen.
Kunststoff-Recycling
Fast alle Kunststoffe sind Polymere die größtenteils aus den leichten Teilen von Erdöl bestehen. Für die Gewinnung von Kunststoffen aus Rohöl sind aufwendige Destillations- Raffinations- und Syntheseprozesse erforderlich. Als zusätzliche Ressource bietet sich Recycling an.
Im Gegensatz zu Metallen ergeben sich für die Verwertung von Kunststoffen unterschiedliche Verwertungsoptionen. Kunststoffe beziehungsweise Polymere lassen sich werkstofflich, rohstofflich oder als Energieträger nutzen. Im einzelnen:
- Bei der werkstofflichen Verwertung entstehen aus den Sekundärrohstoffen erneut Verpackungen oder Produkte wie Profile, Rohre, Blumen- und Getränkekästen, neue Folien, Fensterrahmen und Gießkannen. Bei Verwendung sorten- und typenreiner Produktionsreste ist bei sorgfältiger Vorgehensweise eine Wiederverwendung in der ursprünglichen Anwendung möglich wie z.B. bei der Fertigung von Kunststofftanks. Dies ist sowohl ökonomisch als auch ökologisch sinnvoll.
- Die rohstoffliche Verwertung führt den Kunststoff mittels Hochtemperatur-Verschwelung in seine gasförmigen Ausgangsbestandteile zurück, die zur Erzeugung von Methanol (chemischer Grundstoff, Bestandteil von Ottokraftstoff) oder als Synthesegas, beispielsweise als Ersatz von Schweröl im Hochofen, zum Einsatz kommen. Dieses Verfahren wird vor allem für die Verwertung von Mischkunststoffen genutzt. Sie bestehen aus verschiedenen Kunststoffsorten, die sich nur unter großem Aufwand trennen lassen würden.
- Bei der energetischen Verwertung wird lediglich die chemische Energie bzw. der untere Heizwert der Polymere genutzt. Dabei geht die im Kunststoff steckende Produktionsenergie für die Synthese des Rohöls zu Kunstoffen wie PUR, ABS oder Polyamid verloren. Mischkunststoffe, aber auch Sortierreste werden zu Sekundärbrennstoffen aufbereitet, die fossile Energieträger (Primärenergieträger wie Öl und Gas oder Kohle) ersetzen. Unterschied zur Verbrennung in Müllverbrennungsanlagen ist der Zweck der Energiegewinnung (z. B. Stromerzeugung), Müllverbrennung dient vor allem der Beseitigung des Mülls beziehungsweise der Volumen- und Massereduktion.
Welche Verwertungsoption für eine Fraktion gebrauchter Kunststoffe die sinnvollste ist, muss anhand technisch-ökonomischer und ökologischer Bewertungen im Einzelfall entschieden werden.
Eine werkstoffliche Verwertung scheint vor allem dann angebracht, wenn die Erlöse des gewonnenen Sekundärrohstoffes alle Aufwendungen überwiegen, die zur Gewinnung dieses Materials notwendig sind. Hierfür kommen zum Beispiel sorten- und typenreine Produktionsrückstände aus der Verarbeitung von thermoplastischen Kunststoffen oder auch PET-Flaschen in Frage.
Eine sinnvolle werkstoffliche Verwertung von Kunststoffen ist vor allem abhängig von der Art des Kunststoffes, dem Zustand, der Sortenreinheit und der Beschaffenheit der gebrauchten Materialien.
Die werkstoffliche Verwendung von Gemischen, z.B. für Gartenbänke, Weidezaunpfähle oder Verkehrsschild-Füße ist eigentlich schon grenzwertig zwischen Verwertung und Entsorgung einzuordnen.
Für gebrauchte duromere Polymere ist eine energetische bzw. thermische Verwertung in vielen Fällen die geeignete Verwertungsoption. Sonderlösungen gibt es für CFK Prepregs und Polyurethan(PUR)-Schäume. Letztere lassen sich bei geringem Kontaminationsgrad zu sogenanntem Flockenverbund verarbeiten, wobei der Markt hierfür begrenzt ist. Bei PUR ist zusätzlich eine Chemolyse möglich, durch die PUR in oligomere Spaltprodukte zerlegt wird, die als Polyolzusatz für eine erneute PUR-Synthese verwendet werden können (z. B. Firma Getzner, Bludenz/Österreich).
Auch für gemischte, kontaminierte Post-Consumer Artikel mit geringer Dichte ist eine dezentrale bzw. lokale energetische Nutzung in Betracht zu ziehen.
In den Jahren 1990 bis 2000 wurden vor allem im deutschsprachigen Raum sehr viele Aufbereitungstechniken für Kunststoffe entwickelt und erprobt. Das Hauptproblem bei werkstofflichen Recycling von Thermoplasten liegt heute nicht mehr in der Aufbereitungstechnik, sondern weiterhin in der enormen Schwierigkeit, geeignete sortenreine Alt-Materialfraktionen in ausreichender Menge volkswirtschaftlich vertretbar zu erzeugen. Die ökonomische Bilanz ist nur unter besonderen Rahmenbedingungen (z.B. Duales System Deutschland plus zugehörige Gesetzgebung) positiv. Die lohn- und investitionskostenintensive stoffliche Wiederverwendung wird durch die dezentrale, getrennte Erfassung (Gelbe Tonne, Gelber Sack) zusätzlich auch ökologisch in Frage gestellt. Mit steigenden Rohölpreisen von über 60 US$/Barrel wächst zwar die Chance, dass sich in Einzelfällen automatisierte Verfahren amortisieren können. Die Zukunft liegt jedoch eher in einer rohstofflichen Verwertung des gesamten Restmülls (ohne Glas, Papier, Elektro und Schadstoffe) nach automatischer Vorsortierung und Konditionierung. Pilotprojekte laufen in einigen deutschen Gemeinden, z.B. in Dresden.
Siehe auch:
- Clean Value Plastics (CVP), ein Verfahren zur Wiederaufbereitung von Mischkunststoffen
- Recycling-Code - Kennzeichnung von Bauteilen aus Kunststoff und anderen Werkstoffgruppen
Aluminium-Recycling
Aluminium ist das häufigste bestehende Metall der Erdkruste. Es kommt jedoch nur in stark gebundener Form vor. Bei Aluminium ist die Recycling-Effizienz sehr gut, da es wesentlich schwieriger ist neues Aluminium (durch Schmelzflusselektrolyse) zu gewinnen, als reines Aluminium einzuschmelzen (Schmelzpunkt 660 °C). Des Weiteren wird bei der Aluminiumgewinnung aus Erz elektrische Energie benötigt; beim Recycling (einschmelzen) können jedoch hauptsächlich Primärenergieträger verwendet werden, womit die Effizienz des Prozesses weiter gesteigert wird.
Aluminium-Recycling ist sowohl ökonomisch als auch ökologisch sehr sinnvoll. Es ist sehr einfach zu recyceln und sehr schwer aus Aluminiumoxiden zu gewinnen. Rein ökonomisch betrachtet ist Aluminiumrecycling am gewinnbringendsten, während das Recycling anderer Stoffe meist subventioniert oder im Voraus bezahlt werden (Grüner Punkt) muss.
Kupfer-Recycling
siehe: Kupferrecycling
Altauto-Recycling
siehe: Autoverwertung
Bioabfall-Recycling
siehe: Bioabfall
Elektro-/Elektronik-Recycling
siehe: Elektronikschrott
Flächen-Recycling
Flächenrecycling ist die Wiedereingliederung nicht mehr genutzter Flächen in den Wirtschaftskreislauf.
Quellenangabe
Siehe auch
Müllverbrennung, Freecycle, Umsonstladen, Refurbishing, Remarketing, Abfall im Straßenbau
Literatur
- Heiko Doedens, Heinz-Josef Dornbusch: Entwicklungen bei den Systemen der getrennten Sammlung. in: Müll und Abfall. Fachzeitschrift für Behandlung und Beseitigung von Abfällen. Schmidt, München 37.2005,6, S. 301-308, ISSN 0027-2957
Kunststoffrecycling
- Johann Brandrup, Michaeli u. a.: Die Wiederverwertung von Kunststoffen. Hanser, München 1995, ISBN 3-446-17412-5
- VDI Gesellschaft Entwicklung Konstruktion und Vertrieb: Recycling eine Herausforderung für den Konstrukteur. VDI Verlag, Düsseldorf 1991, ISBN 3-18-090906-4
- Christian Ackermann: Recycling von Kunststoffen. Erich Schmidt, Berlin 1996, ISBN 3503039252
- H. Kindler, A. Nikles: Energieaufwand zur Herstellung von Werkstoffen. in: Kunststoffe. Werkstoffe, Verarbeitung, Anwendung. Hanser, München 70.1980, S. 802ff, ISSN 0023-5563
- F. Welle: Von Flasche zu Flasche. in: Kunststoffe. Hanser, München 97.2006,3, S.52ff, ISSN 0023-5563
Weblinks
- Theater Dimbeldu: Märchen „Die Müllkiste“ (Recycling-Bastelbuch, Projekte und Aktionen)
- Greenpeace - Papierrecycling (pdf)
- Sauberes Deutschland. Zur Psychopathologie des Entsorgungswesens
- Stiftung Gemeinsames Rücknahmesystem Batterien
- Special-Interest Wiki zum Thema Upcycling mit praktischen Tipps und Bauanleitungen
- Recyclingbasteln (Herstellung von nützlichen und hübschen Dingen aus Abfällen)
- online Spiele zu Recycling
- Umsonstökonomien als Recyclingansatz
- Scenarios and Strategies for an Extended Producer Responsibility System (Swedish Morphological Society)
- EU-Recycling Portal - Informationsdienst in deutsch und englisch für alle Themen rund um Entsorgung, Recycling, Kreislaufwirtschaft, alternative Energien
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