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Wiedertaufe

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Wiedertaufe ist die erneute Taufe eines bereits getauften Menschen. Die meisten christlichen Kirchen betrachten die Taufe als ein einmaliges Geschehen, wobei die Begründungen dafür unterschiedlich sind.

Inhaltsverzeichnis

Exegetische Unterschiede

Insbesondere die Kirchen, die die Kindertaufe praktizieren, gehen in ihrer Tauflehre davon aus, dass in der Taufe nicht der Mensch, sondern der dreieinige Gott der Handelnde ist. Bei einer erneuten Taufe, so die Argumentation, werde damit die Handlung Gottes bei der Ersttaufe verworfen. Aus dieser Sicht heraus wird die Wiedertaufe als gegen Gott gerichtetes Handeln verstanden, das zu Zeiten der Reformation mit dem Tod geahndet wurde.

Befürworter der Gläubigentaufe hingegen verstehen die biblische Taufe als ein Zeugnis und ein einmaliges Festmachen der eigenen Glaubensentscheidung vor der Gemeinde. Eine Kindertaufe erfülle diese Voraussetzungen nicht.

"Wiedertaufe" im Neuen Testament

Die neutestamentliche Stelle in der Apostelgeschichte 19,1-7 wird zuweilen als Beleg für eine Wiedertaufe angeführt. Sie schildert die Begegnung zwischen dem Apostel Paulus und Jüngern des Täufers Johannes. Paulus fragt sie, auf welchen Namen sie getauft seien. Sie antworten, dass sie die Johannes-Taufe empfangen hätten. Daraufhin tauft sie Paulus erneut, allerdings auf den Namen Jesus. Dieser Abschnitt wirft die Frage nach dem Verhältnis von Johannes-Taufe und christlicher Taufe auf. Man hat diese Frage unter anderem so beantwortet: Johannes habe sich als Wegbereiter Jesu verstanden. Die Johannes-Taufe sei eine Taufe zur Vergebung der Sünden, eine Bußtaufe. Die christliche Taufe hingegen erfolgt auf den Namen des Dreieinigen Gottes bzw. auf den Namen Jesu. Beide Taufen sind also theologisch voneinander zu unterscheiden. In der interkonfessionellen Taufdiskussion gebrauchen zuweilen die Vertreter der Gläubigentaufe diese Deutung: Die Kindertaufe sei eine "Weg bereitende" Taufe auf Christus hin und könne deshalb "noch einmal" vollzogen werden, wenn der als Kind Getaufte Christus persönlich gefunden habe. Diese Analogie ist allerdings nicht schlüssig, da die Johannes-Taufe die bewusste Umkehr (Buße) eines Menschen voraussetzt. Eine Annäherung in der Tauffrage zwischen Vertretern der Erwachsenentaufe und der Kindertaufe ist derzeit nicht erkennbar.

Konditionaltaufe

Die Römisch-katholische Kirche und die Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche kennen die so genannte Konditionaltaufe. Hier werden Menschen getauft, die sich nicht sicher sind, ob sie bereits gültig getauft wurden. Die Konditionaltaufe wird mit den Worten eingeleitet: Unter der Bedingung, dass du nicht gültig getauft bist, taufe ich dich ..... So wird die als streng verboten angesehene Wiedertaufe vermieden.

Innerhalb der katholisch-charismatischen Bewegung wurde hin und wieder von der Möglichkeit der Konditionaltaufe Gebrauch gemacht, um als Säugling getauften Menschen eine persönliche Tauferfahrung zu ermöglichen.

Heutige Kontroverse

Kirchen, in denen die Praxis der Kindertaufe die Regel ist, erheben gegenüber taufgesinnten Freikirchen manchmal den Vorwurf, sie seien Wiedertäufer. Freikirchen dieser Prägung betrachten jedoch die Kindertaufe als unbiblisch und deshalb ungültig. Ihr fehlt nach dieser Auffassung ein wesentliches Element: die persönliche Entscheidung des Täuflings für ein Leben in der Nachfolge Jesu. Wenn sie also einen Menschen nach seiner Entscheidung taufen, betrachten sie dies als biblisch begründete Ersttaufe. Dabei spielt es aus dieser Sichtweise heraus keine Rolle, ob der Täufling bereits als Unmündiger getauft worden war (Menschen, die bereits aufgrund einer bewussten Glaubensentscheidung für Christus getauft wurden, werden auch in taufgesinnten Freikirchen in der Regel nicht erneut getauft).

Verfolgungsgeschichte

In den lutherischen Bekenntnisschriften (BSLK) werden die Wiedertäufer mit dem Anathema belegt, so beispielsweise im grundlegenden Bekenntnis der lutherischen Kirchen, dem Augsburger Bekenntnis Artikel 9:

Von der Taufe wird gelehrt, dass sie nötig sei, und dass dadurch Gnade angeboten werde; dass man auch die Kinder taufen soll, welche durch die Taufe Gott überantwortet und gefällig werden. Derhalben werden die Wiedertäufer verworfen, welche lehren, dass die Kindertaufe nicht recht sei.

Im 16. Jahrhundert kam es durch römisch-katholische und reformierte Machthaber zu Verfolgungen der sogenannten Wiedertäufern, die in Zentraleuropa bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts andauerten. Tausende ließen hierbei ihr Leben.

Weblinks

Wikipedia
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