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Wicca
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Bild:Pentagram circumscribed.svg Wicca [ˈwɪkə] ist eine Mysterientradition und Religion im Hexentum und gehört zu den mitgliederreichsten Gruppierungen im Spektrum des Neopaganismus. Wicca ist im angloamerikanischen Raum besonders stark verbreitet. Der Begriff 'Wicca' entstammt ursprünglich dem angelsächsischen und bedeutet Wahrsager (die weibliche Form ist 'Wicce'), das englische allgemeine Wort 'Witch' im Sinne von „Hexe/Hexer“ leitet sich von Wicce/Wicca ab.
Ebenfalls üblich sind die Bezeichnungen „Alte Religion“ (teilweise zurückgeführt auf Friedrich Schlegel) und „Alter Pfad“, die ausdrücken, dass Wicca sich in der Tradition ursprünglicher Religionen sieht, die Magie und Religion nicht trennen. Einige Autoren setzen bewusstseinserweiternde Rituale und Praktiken des Wicca-Kults mit schamanischen Techniken gleich und stellen Wicca folglich als Variante des Schamanismus (im Sinne des Neoschamanismus) dar.
Es bestehen zahlreiche Parallelen zum feministischen Kult der Großen Göttin, aber entgegen der reinen Göttinnenspiritualität, sind im Wicca eine weibliche Göttin und ein männlicher Gott gleichberechtigte Partner und Repräsentanten einer polaren Natur.
Seit 1994 ist die Wicca-Religion in den Vereinigten Staaten eine staatlich anerkannte Religion.
In Deutschland war Wicca kurzzeitig ein geschützter Begriff, die Eintragung wurde jedoch nach einigen Monaten wieder gelöscht.
Inhaltsverzeichnis |
Geschichte und Struktur
Geschichte der Wicca-Bewegung
Obwohl Angehörige des Wicca-Kultes als Hexen bezeichnet werden, ist nicht jede Hexe eine Wicca. Es gibt verschiedene Teilrichtungen der Hexenkunst, in die bestimmte Glaubens- und Lebensvorstellungen nur teilweise eingebracht werden. Im Europäischen Raum arbeiten viele Hexen allein und sehen sich nicht als Wicca, sondern fühlen sich einer anderen Religion (z.B. Christentum) zugehörig.
Im Jahre 1899 brachte Charles Leland ein Buch heraus, in dem er die, angeblich von einer italienischen Hexe namens Maddalena berichteten, magischen Traditionen der Hexen niederschrieb. 1921 veröffentlichte die britische Anthropologin Margaret A. Murray ein Buch über die lange Traditionslinie der 'weisen Frauen' in Europa und bezog sich auf die Hexen als eigenen religiösen/magischen Kult, die in ständiger Konfrontation mit dem Christentum (als Antagonist) lebten und sich gegen den „Niedergang“ ihrer Tradition behaupten mussten. Wicca wurde begründet durch Gerald Brousseau Gardner (1884–1964), der 1954 (allerdings in der Schreibweise wica) den Begriff Wicca einführte. Er gab an, er sei in einen bestehenden Hexencoven, den New Forest Coven, initiiert worden, kam allerdings ursprünglich durch Aufenthalte in Malaysia zum Okkultismus wo er mit den fernöstlichen Mythen konfrontiert wurde Neben ihm wurde Doreen Valiente zu einer führenden Person. Sie schrieb sehr viele der heute als „traditionell“ bekannten Texte wie z. B. den „Charge“. Sie trennte sich wegen Unstimmigkeiten von Gardner, und Patricia Crowther trat ihre Nachfolge an. Die Alexandrische Linie wurde von Alex Sanders und Maxine gegründet, wobei nicht eindeutig geklärt ist, von wem diese initiiert wurden. Alex Sanders gründete seine eigene Linie. Alexandrians galten ursprünglich als „Rebellen“, gehören aber mittlerweile zum BTW (British Traditional Witchcraft/Wicca). Nach Amerika wurde Wicca durch Raymond und Rosemary Buckland, Initianten aus der Gardnerlinie gebracht, wo Buckland seine eigene Linie, das Seax Wicca gründete. Dort wurde das System unter anderem durch Miriam Simos mit feministischen (Dianic Wicca) Elementen angereichert, während durch Selena Fox schamanistische Einflüsse (sogenannter Wiccan Shamanism) ihren Einzug fanden.
Andere bekannte Hexen, die gelegentlich auch als Wicca angesehen werden:
- Miriam Simos, bekannt als Starhawk (Homepage http://www.starhawk.org), Mitbegründerin der Reclaiming-Tradition (http://www.reclaiming.org), einer feministischen Göttinnen-Religion, die sich in verschiedener Hinsicht von Wicca unterscheidet.
- Zsuzsanna Budapest (Homepage http://www.zbudapest.com), Begründerin des „Feminist Wicca“ oder „Dianic Wicca“.
Coven
Die traditionellen Wicca-Anhänger schließen sich üblicherweise einem Coven (englisch für Hexenzirkel) an, einem Arbeits- und Anbetungskreis, eine Organisationsform die auf den schottischen Hexenglauben zurückgeht.
Keine zwei Coven gleichen sich in ihren Glaubensansichten und selbst die beschriebene Grundstruktur ist nicht bei allen gleich. Die Stilrichtungen reichen von ägyptisch über keltisch bis hin zu indianisch oder synkretistischen Mischungen. Allerdings bemühen sich die meisten um eine Verbindung zu vorchristlichen Religionen.
Ein Coven besteht idealerweise aus fünf bis 13 Personen, die möglichst in Arbeitspaare aus Frau und Mann gegliedert sind. Ein Coven hat in der Wicca-Tradition eine Hohepriesterin und einen Hohepriester (mindestens zweitgradig, besser drittgradig initiiert) als Leiter sowie eine Maiden „das Mädchen“ oder „die Jungfrau“, die Stellvertreterin der Hohepriesterin. Allen dreien fallen in den meisten Ritualen bestimmte Aufgaben zu. Der Coven trifft sich an den Feiertagen (Sabbat), aber auch außerhalb regelmäßig und zu aktuellen Anlässen, wie z. B. Vollmond (Esbat). Einige, aber nicht alle Coven praktizieren im Himmels- oder Sternengewand, nackt, als ein Zeichen ihrer Verbundenheit zur Natur. Andere wiederum tragen besondere Gewänder oder auch nur Alltagskleidung.
Wicca hat keinen „Hohen Rat“, welcher der Hohepriesterin (dominant) zur Seite stehen soll. Alle Mitglieder eines Coven sind gleichberechtigt. Es kann auch jeder Zeit eine neue Hohepriesterin / ein neuer Hohepriester gewählt werden, welche die Rituale lenken und leiten. Ein Machtanspruch, egal welcher Art, stehen der Hohepriesterin und dem Hohepriester nicht zu.
Falls ein Coven zu groß wird, gründet ein Arbeitspaar (mindestens Zweitgrad, besser Drittgradig), mit beliebig vielen mitgenommenen Mitgliedern, einen neuen Kreis, traditionell mindestens 6 Meilen (ca. 10 km) vom Muttercoven entfernt. Die Entfernung soll dem Entstehen einer organisierten Religion vorbeugen.
Wicca-Traditionen
- Gardnerian Wicca
Bezeichnet die traditionellste Form des auf Gerald Gardner zurückgehenden Wicca. Man muss durch einen Coven initiiert sein wenn man diesen Weg beschreiten will.
- Alexandrian Wicca
Bezeichnet die auf Alex Sanders zurückgehende Abspaltung des Wicca. Zwar behauptete Sanders einer eigenen Linie (durch seine Großmutter) anzugehören jedoch unterscheidet sich dieser Zweig nur unwesentlich von Gardners Vorstellungen. Ebenso wie im Gardnerian Wicca muss man hier durch ein anderes Mitglied in einem Coven initiiert werden. Die Rituale werden meist unbekleidet ("skyclad") ausgeführt.
- Algard Wicca
Bezeichnet eine Verbindung der Alexandrian und Gardnerian Wicca Traditionen.
- Aquarian Tabernacle Church (ATC)
Eine amerikanische Wicca-Tradition, die auf dem Britisch Traditional Wicca basiert. Die ATC wurde 1979 von Pierre Davis gegründet und verfügt über eigene Kirchen und Ritualplätze, die meist mit Menhiren umgeben sind.
- Blue Star Wicca
Bezeichnet eine Anzahl amerikanischer Wicca Traditionen, die auf dem traditionellen Gardnerian Wicca und Alexandrian Wicca basieren.
- British Traditional Witchcraft (BTW)
Umfasst die Gardnerian Wicca und Alexandrian Wicca Traditionen sowie einige Covens britischer Herkunft, insbesondere aus der New Forest Region, wie z.B. Sybil Leek's "Horsa Coven", "Plant Bran" und der "Clan of Tubal Cain" von Robert Cochrane" sowie "The International Red Garters".
- Caledonii Wicca (Hecatine Wicca)
Eine Variante der schottischen Traditionslinie, ähnlich wie Pecti-Witta.
- Celtic Wicca (oder Celtic-Witchcraft)
Unter praktischen Bezug auf Wicca-Rituale und Philosophie wird hier hauptsächlich auf keltische, vor allem irische und walisische Symbolismen zurückgegriffen.Im Mittelpunkt steht hier die Göttin Ceridwen oder Brigid und der Gott Cernunnos.
- Celtsun-Wicca
Eine schamanische Wicca-Tradition, die durch eine Übereinkunft zwischen Druiden, Wicca und indianischen Medizinfrauen Anfang der 1980er Jahre ins Leben gerufen wurden. Das wichtigste Kennzeichen ist die Arbeit mit indianischen Medizinrädern.
- Ceremonial Witchcraft
Eine der Wicca-Religion verwandte Form magischer Praxis, die insbesondere Elemente der ägyptischen Magie, der Kabbalistik, des Gnostizismus und des Rosenkreutzertums verwendet. Dieser Tradition ist auch die hermetische Zeremonialmagie von Aleister Crowley, Thelema und dem Hermetic Order of the Golden Dawn zuzurechnen.
- Christian Wicca (Catholic Wicca)
Eine Verbindung von Wicca mit christlichen Traditionen und dem christlichen Pantheon, wobei Jesus die Rolle des geopferten Jahresgottes hat und Maria die Rolle von Gottesmutter und Gefährtin (als Maria Magdalena). Vor allem in Amerika verbreitet.
- Circle Witchcraft
Eine 1974 begonnene Tradition, die den Schwerpunkt auf Schamanismus legt.
- Convenant of the Goddess (COD)
Eine Organisation zur Förderung der Hexenreligion, die 1975 in Kalifornien von Hexen und Wiccas gegründet wurde.
- Dianic Wicca
Ist eine Abspaltung des Feminist Wicca in deren Zentrum die Traditionen der antiken römischen Göttin Diana stehen (Artemis bei den Griechen). Diana-Covens werden oft exklusiv für Frauen, einige sogar exklusiv für Lesben errichtet. Es ist wichtig zu wissen, dass nicht alle feministischen Covens unbedingt dem Diana-Kult zugehörig sind.
- Eclectic Wicca
Unter Eclectic Wiccas versteht man die Wicca-Anhänger die keiner speziellen Tradition zugehörig sind, sich aber bei verschiedenen Traditionen und Kulturen bedienen. Sie sind damit eine Untergruppe der „Solitary Wicca“. Dieser „freie“ Wicca-Stil ist einer der populärsten, da er die persönliche Freiheit garantiert und eine hierarchische Struktur vermeidet. Eklektiker können sowohl in einem Coven initiiert werden als auch eine Selbstinitiation gegenüber dem Gott und der Göttin durchführen.
- Egyptian Wicca (Kemetic Wicca, Tameran Wicca)
Eine Ausrichtung von Wicca, die den Schwerpunkt auf das ägyptische Pantheon (insbesondere Isis und Osiris) und die ägyptische Mythologie legt, und sich auf die uralte Überlieferung ägyptischer Magie beruft.
- Faery Wicca
Bezeichnet eine Wicca-Tradition, die einen Schwerpunkt auf die Arbeit mit Feen und anderen Naturgeistern legt. Formal ist Faery-Wicca auch mit Celtic Wicca eng verwandt und leitet ihren Glauben von dem mythischen, irischen Feen-Volk der Thuata de Danaan ab. Faery Wicca ist entgegen einen häufigen Missverständnis nicht identisch mit der Feri Tradition (siehe unten).
- Feri Tradition
Die Feentradition wurde von Victor und Cora Anderson begründet und gilt nicht im engeren Sinne als eine Wicca Tradition und ist nicht mit Faery Wicca zu verwechseln. Die Feentradition verehrt eine Sternengöttin und ihre göttlichen Zwillingskinder, und glaubt an eine dreiteilige Seele des Menschen. Die ekstatische Arbeit mit der so-genannten Feenenergie sowie mit Sexualmagie steht im Vordergrund. Gwydion Pendderwen und Starhawk sind die bekanntesten Nachfolger aus der Feentradition. Die Feentradition gilt als besonders offen gegenüber jeglicher sexuellen Orientierung.
- Greco-Roman Wicca (Greek Wicca, Hellenic Wicca, Roman Wicca)
Folgt vor allem den griechischen bzw. römischen Traditionen.
- Gypsy-Wicca
Bezeichnet die Verbindung von Wicca und Elementen der Roma und Sinti Kultur.
- Heredetary Wicca
Die Anhänger dieser Tradition gehen einen Weg der bereits vor Gardner existiert hat (wenngleich das Wort Wicca als solches hier nicht gebraucht wird). Es handelt sich hier um Familientraditionen, also um solche Anhänger der alten Religion in deren Familien das Wissen bewahrt wurde, die sich also quasi als „gebürtige“ Hexen oder Erbhexen bezeichnen.
- Mesopotamian Wicca
Bezeichnet eine Tradition, die auf das mesopotamische / sumerische Pantheon ausgerichtet ist.
- Minoan Brotherhood / Minoan Sisterhood
Diese beiden gardnerianischen Traditionen wurden in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts gegründet von Eddie Buczynski, genannt Lord Gwydion, Lady Miw-Sekhmet und Lady Rhea, der "Hexenkönigin" von New York. Die Minoische Bruderschaft und Schwesterschaft sind jeweils auf gleichgeschlechtliche Mitglieder mit homosexueller oder bisexueller Orientierung beschränkt.
- Norse Wicca (Teutonic Wicca, Wiccatru)
Bezeichnet eine Mischung aus Wicca und dem germanischen Heidentum Asatru, wobei die meisten Vertreter des Asatru diese Art von Synkretismus strikt ablehnen. Im Wiccatru wird das germanische Pantheon der Edda und die germanischen Namen der Jahresfeste verwendet und die Ethik wird durch die so-genannten "Neun edlen Tugenden" [1] (Mut, Wahrheit, Ehre, Treue, Disziplin, Gastfreundschaft, Fleiß, Selbstständigkeit und Ausdauer) ergänzt. In der magischen Praxis werden z.B. Runen-Orakel und die schamanisch-ekstatische Seidr-Magie verwendet.
- Odyssean Wicca
Bezeichnet eine ostkanadische Wicca Tradition mit enger Verbindung zur Wiccan Church of Canada. Wie Blue Star Wicca, hat auch Odyssean Wicca seine Wurzeln in den kontinentalen Traditionen des Gardnerian und Alexandrian Wicca.
- Pecti-Witta
Bezeichnet eine dem Seax-Wicca nahestehende Ausrichtung die jedoch keine angelsächsischen, sondern schottische Symbolismen gebraucht.
- Pow-Wow
Bezeichnet eine deutschstämmige Hexentradition aus Pennsylvania, die fälschlich auch als "Pennsylvania Dutch Hexcraft" bezeichnet wird. Zu dieser Tradition zählt auch die Autorin Silver RavenWolf.
- Satanic Wicca
Bezeichnet eine Wicca-Linie, die sich einst von den Alexandrian abgespalten hat. Laut eigenen Befinden dieser Kultisten verehren sie den dunklen Gott und handeln auch dementsprechend. Ihre Hauptlinie innerhalb der Wicca-Coven wird als Baphomet-Linie bezeichnet. Diese Linie geht direkt auf Crowley zurück, der sich mit Gardner verstritt, als es darum ging, eine geeinte Linie, die direkter Handeln sollte, als Gardner für die Wicca vorsah, zu gründen.
- Seax Wicca (Saxon Wicca)
Bezeichnet eine von Raymond Buckland (ursprünglich Anhänger von Gardner) gegründete Wicca-Tradition, die auf altsächsische bzw. angelsächsische Symbolismen zurückgreift. Wichtigste Gottheiten sind Wodan und Freya. Seax Wicca ist demokratischer und offener in seinen Praktiken als die Gardnerische oder Alexandrische Linie.
- Shakti-Wicca
Bezeichnet eine vom hinduistischen Shaktismus beeinflusste Variante von Wicca, die nur mit dem hinduistischen Pantheon (insbesondere Shakti und Shiva) arbeitet.
- Solitary Wicca ("Freifliegende Hexen")
Hierunter versteht man die Anhänger, die nicht in einem Coven organisiert sind, also aus Büchern oder durch Gespräche mit anderen lernen. Sie folgen entweder einer bestimmten Tradition oder auch nicht - oder in anderen Worten - sie sind eigentlich ein Oberbegriff für die Eklektiker. Wie bei diesen wird hier eine Selbstinitiierung durchgeführt.
- Stregheria (Strega Witchcraft)
Bezeichnet eine mit Wicca verwandte italienische, mittelalterlich geprägte Form des Hexentums, die von Charles G. Leland ("Aradia, or the Gospel of the Witches" 1899) und Raven Grimassi ("The Book of the Holy Strega" 1981; "Ways of the Strega" 1994) wiederbelebt wurde. Im Zentrum steht die Verehrung der Hexengöttin Aradia.
Kultausübung
Glaubensinhalte
Wiccas verehren das Heilige als der Natur innewohnend, d.h. die Götter residieren nicht in einem transzendenten fernen Himmelsreich, sondern umgeben uns unmittelbar in der Natur und spenden Kraft. Wicca ist also keine dualistische Religion, die Gott und Schöpfung trennt. Die beiden polaren Mächte, die im Mittelpunkt stehen, werden als dreifache Mond-Göttin (Jungfrau, Mutter, Weise) oder auch Erdmutter (Gaia) sowie als dualer „Gehörnter Gott“ (geopferter Jahresgott, Himmelsvater, Sonnengott) personifiziert. Oftmals werden diese jedoch nur als Archetypen angesehen. Allgemein kann das Gottesbild im Wicca eher als panentheistisch als theistisch bezeichnet werden.
Wiccas „arbeiten“ in ihren Ritualen häufig mit verschiedenen Gottheiten. Im Gegensatz zu echten Polytheisten sehen Wiccas diese Gottheiten aber nur als verschiedene Facetten ihrer zwei großen Hauptgottheiten, dem Gott und der Göttin. Es gilt der Grundsatz „Alle Göttinnen sind eine Göttin und alle Götter sind ein Gott“. Typischerweise steht die Göttin für das passive und lunare weibliche Prinzip (Yin) und der Gehörnte Gott für das aktive und solare männliche Prinzip (Yang), wobei das Horn Zeugungskraft, Macht und Stärke symbolisiert. Diese beiden Prinzipien sind gleichberechtigt und beide notwendig, denn das allganze Göttliche wird als Vereinigung dieser Polaritäten verstanden. Wicca ist somit nur vordergründig duotheistisch, hat aber auch eindeutig monotheistische Aspekte. Individuen wählen als Identifikationspunkt ihre persönliche Gottheit aus diversen Gottheiten verschiedener Pantheone, deren Geschichte sie als besonders inspirierend erachten und auf die sie sich zur persönlichen Verehrung am meisten beziehen wollen. Ähnlich werden Coven einige Gottheiten als Gruppenfokus wählen. Manchmal werden diese spezifischen Gottheiten auch geheim gehalten.
Übliche Gottheiten sind:
- Diana und Pan
- Aradia (Herodias) und Karnayna
- Habondia/Dana und Cernunnos
- Frigg/Freya/Holda und Freyr oder Odin (Wodan)
- Lilith und Samael
- Astarte und Adonis
- Ischtar und Tammuz (Dumuzi)
- Isis (Aset) und Osiris (Asar)
- Proserpina und Pluto
- Naamah und Azael
- Shakti und Shiva
Andere folgen einem stärker pantheistischen Ansatz und verzichten auf die Verehrung personaler Gottheiten. Allen gemeinsam ist der Kern, dass eine ekstatische Vereinigung mit der Natur und die Kommunikation mit dem (personifizierten oder abstrakten) Göttlichen angestrebt wird.
Die Glaubensinhalte im Wicca haben teilweise erhebliche Ähnlichkeiten mit den Vorstellungen der Ewigen Philosophie (Philosophia perennis), wie sie in der Theosophie, der christlichen Mystik, der jüdischen Mystik (Kabbala) und der islamischen Mystik (Sufismus) sowie im Hinduismus (Advaita Vedanta), Buddhismus (Tantra, Zen) und Taoismus zu finden sind. Weitere Parallelen gibt es mit dem Rosenkreuzertum und der Freimaurerei.
Anhänger des Wicca-Kult gehen auch von einer Wiedergeburt der Seele aus, glauben aber nicht an Prädestination. Sie vertreten im Gegenteil, dass die eigene Seele frei sei und man selbst die Verantwortung für sein Leben trage. Zwischen den Wiedergeburten soll sich die Seele für gewisse Zeit im „Sommerland“ genannten Jenseits ausruhen, was eine Jenseitsvorstellung ist, die auf keltischen, hinduistischen (Devachan) und theosophischen Wurzeln beruht, jedoch auch gewisse Anklänge an die christlichen und islamischen Paradiesvorstellungen hat.
Entsprechend dem Verständnis von eigener Verantwortung dient Magie im Wicca-Kult nur dazu, natürliche Energien zu lenken und notwendige Veränderungen zum Positiven anzustoßen. Gewaltfreiheit hat einen hohen Stellenwert. Aufgrund ihrer Verbundenheit zur Natur und zur Umwelt findet man viele Wicca-Anhänger als Aktivisten in Naturschutz-Organisationen oder Tierschutzgruppen.
Zur Lenkung göttlicher Mächte werden trainiert:
- Wille (u. a. Intensität, Disziplin, Konzentration, Unerschütterlichkeit, Beharrlichkeit, Mut)
- Imagination (Fähigkeit zur Entspannung, kontrolliertes Tagträumen)
- Glaube (Positiver innerer Zustand)
Ethik
Die ethischen Grundsätze im Wicca basieren auf der Weisung (Rede) „Solange es niemandem schadet, tu was du willst“ und der Regel der (dreifachen) Wiederkehr „Alles was von dir ausgeht fällt dreifach auf dich zurück“.
Die „Rede“ wird oft auch von Wicca-Anhängern dahingehend interpretiert, dass sie alle Handlungen verbiete, die irgendwie Schaden irgendwelcher Art bewirken könnten. Es gibt aber auch die Ansicht, dass die Freiheit zu tun was man will, nur unter der Voraussetzung gilt, dass man dabei niemandem schadet. Handlungen, die schaden sind also nicht in gleicher Weise frei, sondern müssen gegebenenfalls hinreichend gerechtfertig und in ihrem Ausmaß angemessen sein.
Die Regel der dreifachen Wiederkehr stützt sich auf das Prinzip von Ursache und Wirkung und dem Gedanken, dass alles was man tut auch Konsequenzen hat, wobei kleine Ursachen auch große Wirkungen haben können. Diese Regel ist somit verwandt mit dem östlichen Konzept des Karma.
Die Kombination von „Rede“ und der Regel der Wiederkehr erfüllen in der Wicca-Ethik weitgehend die Funktion der "Goldenen Regel" und des kantschen kategorischen Imperativs.
Die Aussage der „Rede“ ist einer der Faktoren, weshalb christliche und andere Gruppen kritisieren, dass Wicca eine hedonistische Religion für die Konsum- und Spaßgesellschaft sei. Wiccanahänger hingegen sehen Wicca als eine Religion, deren Ethik sehr stark auf dem Gedanken der Eigenverantwortung basiert. Jeder Mensch muss selbst abwägen und überlegen, um wirklich moralisch zu handeln und muss für sein Handeln auch die Konsequenzen tragen (Regel der dreifachen Wiederkehr). Diese Betonung von eigener Verantwortung unterscheidet die Ethik neopaganer Religionen im Allgemeinen grundsätzlich von der auf Gottesfurcht und Gehorsam basierenden Ethik der großen monotheistischen Religionen, aber hebt sich auch deutlich ab von denjenigen ethischen Maßstäben, die den Willen oder das Wohlergehen der Mehrheit in den Mittelpunkt stellen, wie z.B. Rechtspositivismus und Utilitarismus).
Fluffy-Bunnies
Ernsthafte Vertreter der Wicca-Religion und anderer neopaganer Kulte verwenden im englischen Sprachraum gerne den Begriff "Fluffy Bunnies" [2] als Schimpfwort für Neulinge, meist Mädchen im Teenager-Alter, die durch Fernseh-Serien wie Buffy oder Charmed zu Wicca gekommen sind und sich nur oberflächlich aus wenigen Büchern (z.B. von Silver RavenWolf) informiert haben. Kennzeichnend für Fluffy Bunnies ist u.a., dass sie eine relativ einfältige Auffassung von Magie und Wicca-Ethik haben, die Göttin "ganz toll" finden und Wicca nur mit der rosaroten Brille sehen, und immer wieder längst widerlegte Geschichtsmythen unkritisch nachplappern (z.B. Wicca sei eine uralte Göttinnenreligion aus dem vorgeschichtlichen Matriarchat [3], oder angeblich seien 9 Millionen Hexen während der "Burning Times" verbrannt worden, oder in Salem seien Hexen verbrannt worden, etc). Man könnte den Begriff Fluffy Bunny (wörtlich Kuschelhäschen) vielleicht am ehesten mit "weichgespülte Kuschelhexchen" übersetzen.
Initiation
Die Zeremonie zur Initiation, d.h. der offiziellen religiösen Einweihung in einen Hexen-Coven, wird von einem gegengeschlechtlichen Hohepriester(in) abgehalten. Wicca hat drei Grade. Im ersten Grad ist der Grad der Göttin und des Wassers. Der zweite Grad ist der Grad des Gottes. Mit dem zweiten Grad wird der Wicca zum Hohepriester geweiht. Mit diesem Rang wäre es bereits möglich einen eigenen Coven zu leiten. Die Verbindung mit der Universalenergie, die Vereinigung von Gott und Göttin - dem Animus und der Anima ist die Arbeit im Dritten Grad.
Initiierte Wicca haben ein handschriftlich angelegtes „Buch der Schatten“, innerhalb eines Covens wird dieses Buch zwar weitergegeben, ist aber nicht statisch. (Das Buch der Schatten aus der Gardner- / Sanders-Linie wurde auch in mehrere Sprachen übersetzt). In einigen Fällen wird die Urversion der jeweiligen Linie zusätzlich tradiert. Diese enthält vor allem Rituale, weniger Dogmen oder feste Richtlinien. Ferner haben viele Coven noch ein eigenes „Buch der Schatten“, in das geheimes Wissen, Rituale, Anrufungen und eigene Erfahrungen eingetragen werden können.
Feste und Feiertage
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Die 8 Haupt-Feiertage, genannt Sabbats, richten sich nach dem Jahreslauf (vier Feste als reine Sonnenfeste, vier welche teils nach festen Daten, teils nach natürlichen oder astrologischen Ereignissen berechnet werden). Die Feste werden gerne im großen Stil gefeiert, und wenn man den Platz hat, mit anderen Coven zusammen zu feiern, wird die Gelegenheit wahrgenommen. Daneben gibt es die Esbats, die zu Ehren der Göttin bei Vollmond (manchmal auch Schwarzmond) veranstaltet werden. Bei ihnen handelt es sich um Arbeitstage.
Diese Feste wurden von unterschiedlichen frühen Kulten und Religionen übernommen. Bei Festen, die auch eine christliche Überformung erhielten, wird jeweils darauf hingewiesen.
Samhain
Samhain [ˈsawənʲ] irisch (Halloween, christl. Allerheiligen) wird am 31. Oktober und 1. November gefeiert. Es war ursprünglich das keltische Neujahrsfest und ist heute noch der erste Tag des Hexenjahres. An diesem Tag werden Ritualgegenstände geweiht und neue Hexen initiiert. Das Fest ist eventuell nach einer Göttin Samhain oder einem Gott Sawan benannt.Da in dieser Nacht die Tore zur Anderswelt offen standen wurden Schutzfeuer entzündet, um die Geister zu bannen. In dieser Nacht soll es auch möglich sein, mit den Seelen der Verstorbenen zu kommunizieren. Daher gilt Samhain auch als Totengedenktag der Hexen und ist das Schattenfest im Stregheria. Irische Einwander brachten diese Traditionen mit nach Amerika, wo heute noch am 31. Oktober Halloween gefeiert wird. Im Hexenglauben stirbt der gehörnte Gott an diesem Tag, doch die Göttin trägt bereits seinen Samen in sich.
Jul
Jul (Mittwinter, Wintersonnenwende, Feill Fionnain im Pecti-Wita, Alban Arthan im Caledonii-Wicca, christl. Weihnachten) wird vom 20. bis zum 25. Dezember gefeiert – meist am 21., in der längsten Nacht des Jahres. Die Wicca-Anhänger feiern die Geburt des Gottes Sol durch die Göttin, welche während des Winters in den Wehen lag und sich nun nach ihrer Niederkunft ausruht. Es ist schon seit langen Zeiten überliefert, dass in dieser Nacht zahlreiche Feuer und Kerzen entzündet wurden, um die Rückkehr des Lichts herbeizubeschwören. Der Wicca-Kult setzt seine Feierlichkeiten oft kurz vor Sonnenaufgang an, so dass das Aufgehen der Sonne wie eine Antwort auf die rituellen Bemühungen erscheint. Der Vorgang soll auch daran erinnern, dass auf jeden Tod eine Wiedergeburt folgt. Viele der christlichen Traditionen stammen ursprünglich von diesem Fest ab (Mistelzweig, Dekoration eines Baumes mit Kerzen als Symbol der Rückkehr des Lichtgottes)
Imbolc
Imbolc (ausgesprochen: „Imbolk“) (Brigid, Brigantia, Tag der Birgit, Lupercalia, Panfest, Oimelc, Fest der Fackeln, Candelaria in Mexiko, kathol. Mariä Lichtmess) wird am 1. und 2. Februar gefeiert. Es ist ein Fest der Reinigung und des Lichts und ist der Göttin Brigid (auch Bride, Brigitte, Bridget) gewidmet. Die Göttin ist zu dieser Zeit im Jahreszyklus eine Jungfrau. Im alten Rom wurde der Tag zu Ehren der Göttin Februa mit Fackel Festzügen und Kerzen als Zeichen der Reinigung und Sühne begangen. Manche Wicca-Anhängerinnen setzen sich eine Krone mit brennenden Kerzen auf den Kopf. Da der Tag die Kräfte der Sonne und des Feuers, und damit Licht und Inspiration symbolisiert, wird er gern für Initiationsrituale genutzt. Im katholischen Glauben wurde der Tag als Lichtmess übernommen – dem Tag, an dem die Kerzen geweiht werden, während die Tradition der brennenden Krone noch heute bei uns als Adventskranz bekannt ist.
Ostara
Ostara (Frühlingstagundnachtgleiche, Alban Eiler im Caledonii-Wicca, christl. Ostern) wird vom 20. bis zum 23. März gefeiert. Das Frühlingsfest symbolisiert die Zeit des Neuanfangs. Mit ihm im Zusammenhang stehen der Frühjahrsputz und die Frühlingsdiät (zur Reinigung und Entschlackung des Körpers), sowie die heute noch bekannte Tradition des Ostereieranmalens. In der Wicca-Religion bedeutet die gleiche Länge von Nacht und Tag, dass das Licht nun die Dunkelheit überholt und die Göttin erwacht und Fruchtbarkeit über die Erde bringt. Bei den Germanen war dieser Tag möglicherweise der Göttin Ostara gewidmet – Ostermond ist als altdeutscher Begriff für April überliefert. Die tatsächliche Authentizität einer germanischen Göttin namens Ostara ist jedoch überaus umstritten [4].
Beltane
Beltane (Bealtinne im Caledonii-Wicca, Walpurgisnacht / Walburga im Wiccatru, Tana im Stregheria, Rudemas in Mexiko), eines der wichtigsten Feste, wird in der Nacht vom 30. April zum 1. Mai gefeiert. Man entzündet Beltane-Feuer (Maifeuer), um die Fruchtbarkeit der Göttin und ihre Vereinigung mit dem Gehörnten zu feiern. Die Verbindung des Maibeginns mit Fruchtbarkeit kennt nicht nur der Wicca-Kult: auch der traditionelle deutsche Maibaum wird als Phallussymbol gedeutet. Die Sexualität wurde an diesem Fest als etwas natürliches angesehen. Im Zuge der Missionierung wurde im Mittelalter daraus die Walpurgisnacht gemacht in der die Hexen sich angeblich auf dem Blocksberg versammelten, ihren Hexensabbat abhielten und mit dem Teufel buhlten.
Litha
Litha (Mittsommerfest bzw. Mittsommernacht im Wiccatru, Sommersonnenwende, Feill Sheathain im Pecti-Wita, Alban Hefin im Caledonii-Wicca, christl. Johannistag) wird zwischen dem 20. und 26. Juni gefeiert, weil am 21. Juni die Sonne an ihrem höchsten Punkt steht und diese Nacht somit die kürzeste des Jahres ist. Es wird um Freudenfeuer getanzt oder über Feuer gesprungen, um Fruchtbarkeit, Reinigung, Gesundheit und Liebe zu fördern. Das Christentum kennt den 24. Juni als Johannistag oder Johannisfest.
Lughnasadh
Lughnasadh (ausgesprochen: „Lunasa“) (Lammas, Lúnasa, Conucopia im Stregheria, Thingtide im Wiccatru, Fest des Lichtgottes, Fest des Brotes, Kräuterweih, Fest des Wassers) wird am 1. und 2. August gefeiert. Ursprünglich wurde es nicht an genau diesem Datum gefeiert, sondern mit der ersten Reife, also der ersten Ernte. Es ist das Fest der Fülle und des Überflusses, bei dem man den Göttern mit Opfergaben für die blühende Natur und das reife Korn dankt und sie um eine reiche Ernte bittet. Neben Beltane diente das Fest auch dazu, menschliche Bindungen zu weihen.
Mabon
Mabon (Herbsttagundnachtgleiche, Erntedankfest, Alban Elued bzw. Alban Elfed im Caledonii-Wicca, Winterfinding im Wiccatru) wird vom 20. bis zum 23. September gefeiert. Man feiert den Abschluss der Ernte, die Lughnasadh eingeleitet hatte. Mabon ist das zweite Haupt-Erntefest. Es beginnt bei Sonnenuntergang an dem Tag, an dem die Sonne in das Tierkreiszeichen Waage eintritt. Mittelpunkt des Festes ist eine üppige Mahlzeit, mit der man für die reiche Ernte dankt. Als Zeichen der Dankbarkeit wirft man drei Früchte zu Ehren der Kornmutter über die Schulter. Bei der Getreideernte bleibt die letzte Garbe zusammengebunden stehen oder wird überhaupt nicht geschnitten. Das Fest steht auch für den feierlichen Abschied vom Sommer und dient der innerlichen Vorbereitung auf den Winter. An diesem Tag wird dann auch innegehalten und darüber reflektiert was im vergangen Jahr geschehen ist, um sich für das kommende Jahr neu vorzubereiten.
Zu einem Mabon-Mahl gehören in erster Linie Wild, rote Weine, Melonen, Kuchen und alles was man aus Äpfeln zubereiten kann.
Rituale und Utensilien
Häufige Ritual-Utensilien sind:
- Beseom: der Besen
- Bolline: das weiße Messer (für praktische Tätigkeiten wie Pflanzenschnitt)
- Athame: das zweischneidige schwarze Messer (zur Lenkung von Energie, fast nie zum Schneiden benutzt)
- Buch der Schatten: (auch Grimoire) ein Buch mit magischen Ritualen, Zauberformeln, Rezepten u.ä., das dem Novizen bei der Initiation übergeben wird
- Labrys: eine Doppelaxt, die links am Altar gelagert wird
- Pendel: ein schwerer Gegenstand an einer Schnur, der durch Kontakt mit dem medialen Bewusstsein Weissagungen ermöglicht
- Pentakel: ein ritueller Gegenstand, auf dem ein Pentagramm (fünfzackiger Stern) abgebildet ist
- Weihwedel: ein Kräuterbündel o. ä., mit dem man vor oder während eines Rituals Wasser versprengt.
- Kelch: Wird bei Gelöbnis- und Einweihungszeremonien benutzt
- Kessel: Dabei handelt es sich normalerweise um einen schmiedeeisernen Kochtopf, der enorme Hitze verträgt.
- Kuchen und Wein: Wird für eine Art Kommunionsritual verwendet.
Athame und Zauberstab werden mit der rechten Hand (bei Linkshändern der linken Hand) gehalten. Diese Hand, die auch „Schutzhand“ genannt wird, steht symbolisch für den Punkt, an dem die persönliche Kraft aus dem Körper strömt. Die linke Hand (bei Linkshändern die rechte Hand) dagegen heißt „Rezeptive Hand“, weil durch sie Energie in unseren Körper strömt.
Zwei zentrale magische Rituale sind das "Erden" und das "Zentrieren". Erden bedeutet sich mit der Erde zu verbinden. Zentrieren bedeutet sich in der Körpermitte sammeln.
Große Bedeutung hat auch das Ziehen des magischen Kreises. Der Kreis ist definiert als die Stelle, an der eine durch Visualisierung und Magie geschaffene kugelförmige Sphäre in die Erde tritt. In der Regel werden im magischen Kreis die Kreisviertel angerufen, denen als Korrespondenzen die vier Himmelsrichtungen und vier Elemente zugeordnet sind.
Bei Bewegungen im Kreis spielt die Richtung eine große Rolle. Deosil, die Bewegung im Uhrzeigersinn (die gleichzeitig dem Lauf der Sonne folgt) steht für das Gute und positive Energien. Widdershins, die Bewegung gegen den Uhrzeigersinn steht für negative Energien, dient aber auch zur Schadensabwehr. Da sich in der südlichen Hemisphäre (z.B. in Australien) die Sonne gegen den Uhrzeigersinn bewegt, werden die Bewegungen von dortigen Wicca-Anhängern konsequenterweise in umgekehrter Bedeutung verwendet.
Ein wichtiges und beliebtes Vollmond-Esbat-Ritual ist das "Herabziehen des Mondes" (Drawing down the moon), bei dem die Göttin herbeigerufen und von der Hohepriesterin verkörpert wird, indem sie die Kraft der Mondin zu sich herabholt und in sich aufnimmt.
Im traditionellen Wicca werden Rituale oftmals nackt ("skyclad") ausgeführt, da Kleidung die magischen Energien und die Verbindung mit der Erde behindern soll.
Der sogenannte "Große Ritus" ist ein symbolischer oder (seltener) tatsächlicher Geschlechtsakt zwischen Hohepriesterin und Hohepriester, der jedoch in keinem Fall öffentlich vollzogen wird. Es handelt sich hierbei um eine rituelle Verbindung der traditionellen "Heiligen Hochzeit" (Hieros gamos) mit Elementen der tantrischen Sexualmagie.
Kräuteranwendung bei Ritualen
Beim Ernten von Blumen, Kräutern usw. wird zunächst durch die Kraft der Visualisierung eine Verbindung mit der Pflanze hergestellt. Erst dann wird das Benötigte (niemals mehr als ein Viertel der Pflanze) mit einem weißen Messer geschnitten. Zum Abschluss wird eine kleine Opfergabe vor die Pflanze gelegt (z. B. ein schöner Stein, ein Schuss Wein) und diese bedeckt.
Einsatzmöglichkeiten:
- Dekoration für den magischen Kreis und Altar (je nach Zeitpunkt und Anlass, beim Vollmondritual: Nachtblumen, weiße Blumen, alle mit fünf Blütenblättern)
- Opfergaben für die Göttin (wässrige und erdige Blumen und Samen) und den Gott (feurige und luftige Kräuter und Blumen)
- Körper- und Haarschmuck bei Ritualen, z.B. Blumenkränze bei Frühlings- und Sommerritualen, Eichen- und Fichtenkränze bei Winterritualen, oder Kräuter- und Samenketten aus Anissamen, Eicheln, Fichtenzapfen, Muskatnüssen, Tonkabohnen o.ä.
- Ritualfeuer (Apfelbaum, Eberesche, Eiche, Fichte, Hornstrauch, Mesquitebaum, Pappel, Wacholder, Zeder)
- Weihung des Kelchs, Kessels und anderer magischer Werkzeuge, z.B. Einreiben der Klinge des magischen Messers (mit Basilikum, Rosmarin oder Eichenblättern), des Zauberstabs (mit Lavendel-, Eukalyptus- oder Pfefferminzblättern), des Besens (mit Kamillen-, Weiden- und Limonenbalsam), der Kristallkugel (mit Beifuß) u.v.a.
Zur Verwendung an Wicca-Festen haben sich besondere Sabbatkräuter eingebürgert:
- Imbolc: Eberesche, Schneeglöckchen (und generell die ersten Blumen)
- Ostara: Iris, Narzisse, Olive, Osterglocke, Pfingstrose, Stechginster, Veilchen, Waldmeister (und alle Frühlingsblumen)
- Beltane: Geißblatt, Johanniskraut, Rotdorn, Waldmeister (und alle Blumen)
- Litha: Beifuß, Efeu, Eiche, Eisenkraut, Farn, Gänseblümchen, Holunder, Kamille, Lavendel, Lilie, Nelke, Rose, Schafgarbe, wilder Thymian
- Lughnasadh („Lammas“): Birne, Brombeere, Heidekraut, Holzapfel, Körner jeder Art, Schlehe, Trauben
- Mabon: aufgelesen Ähren, Eichel, Eichenlaub, Espe, Fichtenzapfen, Haselnuss, Herbstlaub, Mais, Weizenhalme, Zypressenzapfen
- Samhain: Apfel, Birne, Chrysantheme, Distel, Getreide, Granatapfel, Haselnuss, Kürbis, Mais, Nüsse, Wermut
- Jul: Efeu, Fichte, Lorbeer, Mistel, Rosmarin, Stechpalme, Wacholder, Zeder – als Baumschmuck Äpfel, Orangen, Muskatnüsse, Zimtstangen und Zitronen.
Wicca und Naturwissenschaft
Ähnlich wie im New Age stößt man bei der Beschäftigung mit Wicca recht häufig auf Hinweise auf die so-genannte "Neue Physik", die als Unterstützung oder gar Grundlage für das magische Weltbild verstanden wird. Dabei werden insbesondere folgende Autoren immer wieder zitiert: John Bell ("Speakable and Unspeakable in Quantum Mechanics"), David Bohm ("Die implizite Ordnung. Grundlagen eines dynamischen Holismus"), Fritjof Capra ("Das Tao der Physik"), Amit Goswami ("Das bewusste Universum"), Ervin Laszlo ("Zu Hause im Universum"), James Lovelock ("Gaia: Die Erde ist ein Lebewesen") und Lynn Margulis, Rupert Sheldrake ("Das schöpferische Universum"), Michael Talbot ("Das Holographische Universum"), Ken Wilber (Hrsg) ("Das holographische Weltbild") und Gary Zukav ("Die tanzenden Wu Li Meister").
Folgende wissenschaftliche Theorien spielen dabei eine besondere Rolle:
- Chaos-Theorie: Die Ergebnisse der Chaos-Theorie lehren uns, dass geringfügigste Ursachen unter Umständen enorme Wirkungen haben können, und dass die Welt ein komplexes System aus Ursachen und Wirkungen ist, wobei alles von allem beeinflusst werden kann.
- Gaia-Hypothese: Laut der Gaia-Hypothese von Lovelock & Margulis ist der Planet Erde ein komplexes System, dass sich wie ein Organismus selbst erhält. Dies ist in guter Übereinstimmung mit der Verehrung der "Mutter Erde" im Wicca-Glauben und in vielen Naturreligionen.
- Holographisches Universum (Implizite/Explizite Ordnung): Diese Interpretation der Quantenphysik nach David Bohm bestätigt die Wicca-Anschauungen, dass wir alle Teil eines riesigen Ozeans von schöpferischer Energie sind, dass es keinen grundlegenden Unterschied zwischen toter Materie und Bewusstsein gibt, das alles mit allem verbunden ist und somit jedes Teilchen im Universum über alles was im Universum geschieht "informiert" ist.
- Morphische Felder und Morphische Resonanz: Rupert Sheldrakes (umstrittene) Hypothese der morphischen Felder begründet eine Art Gedächtnis der Natur (vergl. auch Ervin Laszlos A-Feld), das unter Umständen zahlreiche Phänomene von außersinnlicher Wahrnehmung und Wahrsagerei erklären könnte.
- Multiversum bzw. Parallelwelten: Die zunehmende Akzeptanz der Existenz paralleler Welten in der modernen Physik, bestätigt ähnliche Ansichten im Wicca und New Age.
- Nichtlokalität: Durch die Komprimierung des ganzen Universums in einem Punkt beim Urknall, sind alle Teilchen in nichtlokaler Weise miteinander verschränkt. Diese in Raum und Zeit nichtlokale Verbindung von allem mit allem, wird als Erklärung für zahlreiche esoterische Phänomene herangezogen.
- Quantenpotential und Quantenvakuum (Vakuumenergie): Das Quantenpotential und die Energie des Quantenvakuums sind laut Ken Wilber die physikalische Grundlage für die subtile Energie Prana oder Qi, aus der alles Immanente hervorgeht, indem sich ständig eine unbegrenzte Potentialität in eine eindeutige Realität wandelt.
- Relativitätstheorie: Die aus der speziellen Relativität Albert Einsteins resultierende Sichtweise der Blockzeit wird als mögliche Erklärung für das Phänomen der Wahrsagerei gesehen, da Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in gewisser Hinsicht parallel existieren.
- Stringtheorie: Die Superstring- und M-Theorien bestätigen die Wicca-Sichtweise, dass alles aus der gleichen grundlegenden Substanz aufgebaut ist und sich nur in der Energiesignatur bzw. Schwingungsfrequenz unterscheidet.
Im Gegensatz zu manchen anderen Religionen ist Wicca nicht wissenschaftsfeindlich, sondern sieht sich im Einklang mit den Erkenntnissen der modernen Naturwissenschaften. Die Weltanschauung der Wicca-Religion akzeptiert völlig die kosmologischen Hypothesen zur Entstehung des Universums im Laufe von Jahrmilliarden und akzeptiert ebenso die Darwinsche Evolutionstheorie als den Mechanismus für die Entstehung der Vielfalt des Lebens und dessen Wandel im Laufe von vielen Jahrmillionen der Erdgeschichte. Im Wicca-Glauben gibt es folglich keine Tendenzen zur Förderung eines kreationistischen Weltbildes.
Magie wird von Wicca nicht als übernatürliches Wunder verstanden (deshalb führte Aleister Crowley die englische Schreibweise "magick" ein, in Abgrenzung zu "magic"), sondern als völlig natürliche Wechselwirkung von Geist und Materie in einer ganzheitlichen und dynamischen Welt, in der alles mit allem in nichtlokaler Weise über Raum und Zeit miteinander verbunden ist.
Wicca und Hexenglaube in den Unterhaltungsmedien
Durch zahlreiche Romane, Kinofilme und TV-Serien hat sich das, ursprünglich sehr negative Image von Hexen und Magie, inzwischen in ein weitgehend positives Bild verändert. Während frühere Generationen bei dem Begriff Hexe an eine böse und hässliche alte Frau dachten, die kleine Kinder braten will, assozieren die meisten heute mit diesem Begriff eher junge, hübsche und selbstbewusste Frauen, die Magie einsetzen, um anderen Menschen zu helfen und die Welt ein wenig besser zu machen. Aus diesem Grunde sind diese Medienbeiträge als positiv zu begrüßen, auch wenn die Darstellung der Kulte in der Regel nur wenig mit der tatsächlichen Praxis in Wicca gemein hat.
Hörspiele:
TV-Serien:
- Verliebt in eine Hexe
- Sabrina – total verhext!
- Charmed – Zauberhafte Hexen
- Buffy – Im Bann der Dämonen
- Angel – Jäger der Finsternis
Bücher & Kinofilme:
- Der Herr der Ringe (Trilogie) (gewisse Parallelen zu Asatru, aber nicht zu Wicca)
- Die Nebel von Avalon
- Harry Potter
Kinofilme:
- Die Hexen von Salem (1957)
- Die Hexen von Eastwick (1984)
- Der Hexenclub (The Craft) (1996)
- Zauberhafte Schwestern (1998)
- Blair Witch Projekt (1999)
- Verliebt in eine Hexe (2005)
Quellen
- ↑ http://naudhiz.info/AK%20Naudhiz%20V3/Artikel_files/asatru.pdf
- ↑ http://wicca.timerift.net/fluffy.shtml
- ↑ http://www.dersteinkreis.de/41Goettinnen.pdf
- ↑ http://www.niflungen.de/download/ostara.pdf
Literatur
- Ash: Der Kreis der Elemente, Eine praktische Einführung in die Symbolik der elementaren Kräfte in der Tradition der mitteleuropäischen Kulturen, ISBN 3-937674-00-4, Heiden-Verlag, 2003, Bezug Alraunen-Verlag
- Charles Leland: Aradia - Die Lehre der Hexen,Trikont/München 1979 (original: The Gospel of the Witches ,1899)
- Doreen Valiente: Witchcraft For Tomorrow, ISBN 0-919345-83-2
- Doreen Valiente: Natürliche Magie, ISBN 3-937674-07-1
- Frater Widar: So lernen Sie Hexen, Bürstadt 1998.
- Frederic Lamond: Naturpantheismus, Religion ohne Dogmen, ISBN 3-938994-00-2
- Frederic Lamond: 50 Jahre Wicca, ISBN 3-937674-16-0
- Gerald Gardner: Witchcraft Today, ISBN 0-8065-2593-2
- Gerald B. Gardner: Ursprung und Wirklichkeit der Hexen, ISBN 3-937674-08-X
- Janet Farrar & Stewart Farrar: Acht Sabbate für Hexen, und Riten für Geburt, Heirat und Tod, ISBN 3890942741
- Joyce Higginbotham & River Higginbotham: Paganism: An Introduction to Earth-Centered Religions: An Introduction to Earth-centered Religions, ISBN 0738702226
- Joyce Higginbotham & River Higginbotham: Pagan Spirituality: A Guide to Personal Transformation, ISBN 0738705748
- Margaret A. Murray: The Witchcult in Western-Europe (1921)
- Margot Adler: Drawing Down the Moon, ISBN 0143038192, Penguin (1979)
- Marion Zimmer Bradley: Die Nebel von Avalon, ISBN 3596282225
- Oliver Ohanecian: Wer Hexe ist, bestimme ich. Zur Konstruktion von Wirklichkeit im Wicca-Kult. EB-Verlag, Hamburg 2005, ISBN 3-936912-38-6
- Phyllis Curott: Spirituelle Magie, ISBN 3-453-70023-6, Heyne (2005)
- Rhian N Lange: Wicca und Schamanismus, ISBN 3-937674-22-5
- Riane Eisler: Kelch & Schwert, Unsere Geschichte, unsere Zukunft. Weibliches und männliches Prinzip in der Geschichte, ISBN 3936855161
- Robert von Ranke Graves: Die Weiße Göttin. Sprache des Mythos, ISBN 349955416X
- Ronald Hutton: The Triumph Of The Moon, ISBN 0-19-285449-6
- Scott Cunningham: Wicca, ISBN 3548742505
- Scott Cunningham: Wicca-Praxis. Handbuch für Fortgeschrittene, ISBN 3548742807
- Scott Cunningham: Das große Buch von Weihrauch, Aromaölen und magischen Rezepturen, ISBN 3442142172
- Sheerie the Fay: Das Buch der Hexen, ISBN 3-932928-20-2, Hartmann Esoterischer Verlag (2002)
- Silver RavenWolf: Zauberschule der Neuen Hexen. Sprüche und Beschwörungen, ISBN 3548742211
- Silver RavenWolf: Zauberschule der Neuen Hexen. Ritual und Harmonie, ISBN 3548741150
- Silver RavenWolf: Zauberschule der Neuen Hexen. Magie und Macht, ISBN 3548742203
- Silver RavenWolf: Das Zauberbuch der Freien Hexe. Zauberkraft im Alltag, ISBN 354874141X
- Silver RavenWolf: Das Zauberbuch der Freien Hexe. Übung und Meisterschaft, ISBN 3548741401
- Silver RavenWolf: Das Zauberbuch der Freien Hexe. Geschichte & Werkzeug, ISBN 3548741398
- Silver RavenWolf: Freche Hexen. Liebeszauber und Rituale für kesse Junghexen, ISBN 354874253X
- Silver RavenWolf: Freche Hexen und das Ritual der Wilden Jagd. Eine magische Geschichte für echte Junghexen, ISBN 3934647324
- Starhawk: Der Hexenkult als Ur-Religion der Großen Göttin, ISBN 3-442-12170-1
- Starhawk: Die zwölf wilden Schwäne, ISBN 3762608458
- Starhawk: Wilde Kräfte. Sex und Magie für eine erfüllte Welt., ISBN 3442121698
- Starhawk: Die Kraft der Großen Göttin , ISBN 3762607451
- Vicky Gabriel: Der alte Pfad. Wege zur Natur in uns selbst, ISBN 3935581424
- Vicky Gabriel & Jessica Hofmann: Teenwitch. Die wilde Magie der jungen Hexen!, ISBN 3935581165
- Vivianne Crowley: Wicca, Edition Ananael, ISBN 3-901134-04-2
Weblinks
<imagemap>-Fehler: Bild ist ungültig oder nicht vorhanden Wikibooks: Buch zu Wicca – Lern- und Lehrmaterialien - Ein Artikel, der sich kritisch mit Wicca auseinandersetzt.
- Kurzinformation Religion: Wicca
- RelInfo zu Wicca
- Wurzelwerk
- Boudicca
- Sternenkreis/Wiccanet
- Das Hexennet
- Wicca: For the rest of us (englisch)
Siehe auch
- Hexe
- Göttin
- Liste der weiblichen Gottheiten
- Heidentum
- Magie
- Naturreligion
- Neopaganismus
- Keltischer Jahreskreis
- Keltisches Neuheidentum
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