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Wheatstone-Brücke
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Die Wheatstone-Brücke (nach Charles Wheatstone) ist eine Messeinrichtung zur Messung von
- elektrischen Widerständen ohmscher Art (Gleichstromwiderstand),
- kleinen Widerstandsänderungen.
Sie ist aufgebaut aus vier Widerständen, die zu einer geschlossenen Kette bzw. einem Quadrat zusammengeschaltet sind, mit einer Spannungsquelle in der einen Diagonalen und einem Spannungsmesser in der anderen.
Inhaltsverzeichnis |
Grundlage
Eine grafisch andere Anordnung zeigt deutlicher, dass jeweils zwei Widerstände einen Spannungsteiler bilden; zwei Spannungsteiler liegen zueinander parallel. Die Spannung über einem beliebigen Widerstand (z. B. R1) wird verglichen mit der entsprechenden Spannung im Parallelzweig (dann über R3). Falls diese Spannungen gleich groß (aber ungleich null) sind, nennt man die Brücke abgeglichen. Solange im Brückenquerzweig ein vernachlässigbar kleiner Strom fließt (bei Abgleich gilt das immer, sonst wenn R5
R1 , R2 , R3 , R4), sind die Spannungsteiler unbelastet, und es gilt
Bei der Messung dieser Spannung ist zu beachten, dass sie mit einem beträchtlichen Quellenwiderstand Rq verbunden ist. Bei idealer Quelle der Speisespannung U0 (mit verschwindend kleinem Quellenwiderstand) ist
- Rq = (R1 | | R2) + (R3 | | R4)
Zusammen mit einem nicht idealen Spannungsmesser mit einem Innenwiderstand R5 < ∞ kann das zu beträchtlichen Messfehlern führen, da die gemessenne Spannung gegenüber der Leerlaufspannung um den Faktor R5 /(R5 + Rq) kleiner ist.
Abgeglichene Brücke
Man definiert den abgeglichenen Zustand durch U5 = 0 ; dann ist
-
oder
-
-
Diese Gleichung besagt: Wenn drei Widerstände bekannt sind, kann man einen vierten berechnen. Das liefert eine Messmethode zur Widerstandsmessung, die man auch Nullabgleichsmethode der Wheatstone-Brücke nennt.
Seit es Digitalmultimeter gibt, mit denen man viel einfacher und mit Fehlergrenzen meistens deutlich unter 1 % messen kann, hat die Brücke aber nur noch zu Präzisionsmessungen Bedeutung. Wenn der zu messende Widerstand Rm auf der Position von R1 liegt, dann gilt
und man stellt bei nebenstehend gezeigter Schaltung mit R3 einen vierstelligen Wert ein und mit R2 : R4 den Messbereich, sinnvollerweise einen Zehnerpotenzfaktor, z. B. 1:1 oder 1:10 oder 100:1. Der Einsatzbereich deckt etwa die Spanne Rm = 1 Ω … 1 MΩ ab.
Die letzte Gleichung ist unabhängig von der Speisespannung U0 . Dennoch ist zu beachten:
- U0 soll so groß sein, dass bei fast abgeglichener Brücke eine Verstellung von R3 um einen Schritt auf der niederwertigsten Stelle noch eine erkennbare Änderung der Brückenquerspannung U5 hervorruft.
- U0 soll so klein sein, dass die unvermeidliche Erwärmung der Widerstände diese nicht erkennbar verändert.
Fast abgeglichene Brücke
Von erheblicher Bedeutung ist die Wheatstone-Brücke zur Messung kleiner Widerstandsänderungen aus dem abgeglichenen Zustand heraus. Dann arbeitet sie als Messumformer, z. B. in Zusammenhang
- mit temperaturabhängigen Widerständen (Widerstandsthermometer),
- mit durch Verformung beeinflussbaren Widerständen (Dehnungsmessstreifen).
Dann entsteht eine Spannung U5 als Maß für eine Widerstandsänderung ΔR ; die Brücke arbeitet nach der Ausschlagsmethode. Konkret: Wenn sich aus dem abgeglichenen Zustand heraus R1 ändert, R1 → R1 + Δ R1 , dann wird gemäß der eingangs aufgestellten Gleichung
Mit der Verstimmung
und dem Brückenverhältnis
wird
Solange
oder
gilt
-
dann ist U5 proportional zu ΔR1 !
Die Funktion
hat ein Maximum bei k = 1 und hat dort den Wert f(1) = ¼ . Das heißt, dass die Brücke ein Maximum an Empfindlichkeit hat, wenn sie symmetrisch ist (alle Widerstände gleich groß = R). Dann ist
-
.
Beispiel: Relative Widerstandsänderung = 10-3; U0 = 10 V. Dann U5 = 2,5 mV. Das sind noch 25 Digit (Ziffernschritte), falls der Spannungsmesser den Messbereich 200 mV in 2000 Digit auflöst.
Das bedeutet: Ohne den Widerstand genau zu kennen, können kleine Änderungen mit der Qualität bestimmt werden, mit der U5 bestimmbar ist. Während die Subtraktion von zwei fast gleich großen Messwerten immer zu sehr unzuverlässigen Ergebnissen führt, wird hier die Differenz in der Schaltung gebildet und als solche unmittelbar und zuverlässig messbar!
Erlaubt man allen vier Widerständen jeweils eine kleine Änderung aus dem Abgleich heraus, dann erhält man bei symmetrischer Brücke
Auf diese Gleichung wird in der Mikroelektronik in der Sensortechnik in ganz erheblichem Maße aufgebaut. Auf Dehnung empfindliche Widerstände können auf Verformung je nach Applikation der Widerstände mit positiver oder negativer Widerstandsänderung reagieren und sich in der Gleichung ergänzen, während sich Temperatureinflüsse, die auf alle gleich wirken, aufheben. Widerstände, die sich auf einer elastischen Unterlage befinden, erfassen damit Kräfte, Drücke, Drehmomente u. s. w. Kleine relative Längenänderungen unter 10-4 können damit noch erfasst werden. Das Bild zeigt einen Druckmesser in dieser Technik: Eine Membran aus Silizium, das hochwertige elastische Eigenschaften aufweist, wird durch Druck verformt; an Stellen mit besonders starker Biegung sind Widerstände eindiffundiert; mit jeweils drei Bonddrähten entsteht jeweils die Hälfte einer Wheatstone-Brücke.
Bei der Temperaturmessung mittels Widerstandsthermometer wird nur ein Widerstand der Brücke veränderbar ausgeführt. Wegen des recht komfortablen Messeffektes – der Widerstand eines genormten Platin-Widerstandsthermometers verdoppelt sich in der Spanne 0 … 266 °C – arbeitet man mit unsymmetrischer Brücke, k
1, was die Empfindlichkeit vermindert, aber den Bereich vergrößert, im dem die lineare Näherung gilt. Außerdem sorgt bei Anschluss in Drei-Leiter-Schaltung die Brückenschaltung für die Eliminierung der Temperatureinflüsse auf die Widerstände der Zuleitung.
Siehe auch
Zu historischen Anwendungen auch Wheatstonesche Messbrücke
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