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Werturteilsstreit
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Der Werturteilsstreit hat in der Soziologie zwei Mal eine bedeutende Rolle gespielt und steht in einem Zusammenhang mit dem Positivismusstreit und dem Methodenstreit in der Soziologie. Es ging dabei um die Werturteilsfreiheit dieser Wissenschaft: Soll sie sich oder kann sie sich überhaupt solcher Urteile enthalten?
Die Frage, ob eine "Wissenschaft" nur konstatieren dürfe, was ist - also nur deskriptive Aussagen machen dürfe -, oder auch aussagen, was sein solle - normative, wertende Aussagen einschließen dürfe -, spielt in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften eine große Rolle. Im deutschen Hochschulsystem wird eine Deontologie im strengen Sinne nur der Theologie und der Ethik eingeräumt, wobei erstere auch den methodischen Zugang durch Offenbarung zulässt. Die entscheidende Frage dabei ist aber, ob sich wertende von nicht wertenden Aussagen überhaupt objektiv (nicht wertend!) trennen lassen.
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Geschichte
Die Forderung nach Werturteilsfreiheit (Objektivität) wissenschaftlicher Forschung und Begriffsbildung war bereits 1909, bei der Gründung der "Deutschen Gesellschaft für Soziologie", heftig umstritten und verbindet sich heute (2005) am nachdrücklichsten mit dem Namen Max Webers, der zwischen "empirischer Tatsachenfeststellung" und "praktischer Wertung sozialer Tatsachen" einen klaren Trennungsstrich ziehen wollte, nicht anders als der Nestor der deutschen Soziologie Ferdinand Tönnies. Dies ist vor dem Hintergrund der Debatten mit den Kathedersozialisten in der Volkswirtschaftslehre und i. w. S. mit dem "Wissenschaftlichen Sozialismus" marxistischen Ansatzes zu verstehen.
Im Zuge der Studentenbewegung seit 1967 flammte der Werturteilsstreit in der Bundesrepublik Deutschland erneut heftig auf. Die Kampflinie lag hier zwischen orthodoxen und innovativen Marxisten und Vertretern der "Kritischen Theorie" der Frankfurter Schule einerseits und traditionalen wie modernen Erkenntnistheoretikern (z.B. Hans Albert; oft in der Nachfolge von Karl Popper) andererseits.
In geringerem Ausmaß hat dieser Streit viele soziologische Auseinandersetzungen begleitet, gewöhnlich dann auffällig, wenn sich eine neue soziale Frage erhob, wie z. B. der 'Neokolonialismus', die 'neue Frauenfrage' , die Globalisierung u.a.
Hier wie häufig ergab sich (mit Kurt Tucholsky): Die großen Menschheitsprobleme werden nicht gelöst, sondern einfach liegen gelassen.
Werturteilsstreit in der Gegenwart
Gegenwärtig wird vor allem in der Theorie der Emotionalen Intelligenz mit sprachanalytischen und phänomenologischen Methoden untersucht, in welchem Sinne Werte relativ und subjektiv sind und was eigentlich das Wertvollsein von Erfahrungen konstituiert. Hier wird besonders der Gegensatz von kognitiv und emotional erfassten Werten thematisiert (vergl. dazu die Artikel Emotionale Intelligenz, Abschnitt "Kritik" und Wert, Abschnitte "Bedeutungsanalyse" und "Wertphilosophie und psychologischer Wertbegriff"). In diesem Zusammenhang wird auch die Frage untersucht, in welchem Sinne sich nicht wertende von wertenden Aussagen unterscheiden lassen.
Siehe auch
Literatur
- Max Weber: Diskussionsbeitrag im Rahmen der Werturteilsdiskussion im Ausschuss des Vereines für Socialpolitik, (1996 [1913])
- Hans Albert, Ernst Topitsch (Hrg.): Werturteilsstreit, Darmstadt 1971
