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Werner Krauß

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Bild:Disambig-dark.svg Dieser Artikel befasst sich mit dem Schauspieler Werner Krauß; für den gleichnamigen Romanisten siehe Werner Krauss (Romanist).

Werner Johannes Krauß (* 23. Juni 1884 in Gestungshausen bei Coburg; † 20. Oktober 1959 in Wien), war ein deutscher Schauspieler.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Der Sohn des Postbeamten Paul Krauß und dessen Ehefrau Karoline, geborene Wust, verbrachte den größten Teil seiner Kindheit und Jugend in Breslau. Dort besuchte er ab 1898 die evangelische Präparandenanstalt und ab 1901 das Lehrerseminar im oberschlesischen Kreuzberg.

Wegen seiner Auftritte als Statist beim Breslauer Lobe-Theater wurde er 1902 vom Unterricht suspendiert. Er entschied sich für den Schauspielerberuf und erhielt seine erste Rolle an der Wanderbühne Wagner in Breslau. 1903 gab er sein Debüt am Stadttheater von Guben. Ohne Ausbildung musste er sich zunächst mit kleinen Aufgaben bei Wanderbühnen zufriedengeben, dazu kamen Auftritte an den Stadttheatern von Magdeburg und Bromberg (1905/06). 1907 bis 1910 war er am Theater Aachen tätig, 1910 bis 1912 in Nürnberg, 1912/13 am Künstlertheater München.

Von Alexander Moissi empfohlen, engagierte ihn Max Reinhardt 1913 am Deutschen Theater Berlin. Zunächst nur als zweite Besetzung oder in kleineren Rollen beschäftigt, spielte er sich schnell nach vorne. 1915 wurde er einberufen, nach dreimonatigem Dienst als Seekadett in Kiel aber wieder entlassen.

Nach dem Endes des Ersten Weltkriegs stieg Werner Krauß zum bewunderten Theater- und Filmstar auf. Er verkörperte die großen Figuren des Theaters wie Hamlet oder Wallenstein, seine besondere Spezialität war aber die Darstellung von Finsterlingen wie Mephisto, Franz Moor in Die Räuber, Jago in Othello oder Shylock. Von 1924 bis 1926 war er am Staatstheater, 1926 bis 1931 am Deutschen Theater sowie 1928/29 am Burgtheater und 1931 bis 1933 wieder am Staatstheater engagiert. Danach gehörte er zum Ensemble des Burgtheaters, gleichzeitig arbeitete er von 1934 bis 1944 auch am Staatstheater.

Werner Krauß galt als einer der herausragenden Schauspieler seiner Zeit. Seinen internationalen Durchbruch schaffte er 1920 mit dem legendären Film Das Cabinet des Dr. Caligari. Als er 1934 zum deutschen Staatsschauspieler ernannt wurde, war klar, dass er sich - zumindest künstlerisch - auf das Nazi-Regime einließ. Vor allem seine Beteiligung am Propagandafilm Jud Süß, er spielte gleich sechs Juden (alle jüdischen Sprechrollen außer Joseph Süß Oppenheimer) führte zu einem zeitweiligen Berufsverbot nach dem Zweiten Weltkrieg. Nur sein überragendes Talent erlaubte ihm später eine Wiederaufnahme seiner Schauspielkarriere. Von 1948 bis 1959 war er wieder am Wiener Burgtheater tätig. Hans Söhnker sagte über ihn: „Über den einsamen Rang des Künstlers Krauß gibt es keine Diskussion. Nur an dem Menschen scheiden sich die Geister“.

1946 wurde Krauß, der in Mondsee im Salzkammergut lebte, aus Österreich ausgewiesen. Er wurde im Mai 1948 im dritten Spruchkammerverfahren als „minderbelastet“ eingestuft und zur Übernahme der Verfahrenskosten in Höhe von 5000 Mark verurteilt. Krauß kehrte nach Österreich zurück, wurde österreichischer Staatsbürger und erneut Mitglied des Burgtheaters, dem er bis zu seinem Tod angehörte. In Deutschland hatte er im Juli 1950 als König Lear seinen ersten Nachkriegsauftritt bei den Ruhrfestspielen in Recklinghausen. Da es zu Demonstrationen gegen ihn kam, wurde die Veranstaltung vorzeitig abgebrochen.

1951 erhielt er wieder die deutsche Staatsbürgerschaft. Im Jahre 1954 wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet und erhielt darüber hinaus den Iffland-Ring, jedoch nicht - wie es sonst Tradition war - vom vorherigen Träger Albert Bassermann, der schon 1952 gestorben war, sondern vom Kartellverband deutschsprachiger Bühnenangehöriger. Er gab ihn an Josef Meinrad weiter, dieser wiederum an Bruno Ganz.

Auf der Sprechplatte Der alte Faust und Mephisto, die kurz vor seinem Tod veröffentlicht wurde, sprach er sowohl Goethes Faust als auch Mephisto.

Krauß war dreimal verheiratet: 1908 bis 1930 mit Paula Saenger (Sohn Egon, * 1913), 1931 bis 1940 mit der Schauspielerin Maria „Migo“ Bard und seit 1940 mit Liselotte Graf (Sohn Gregor, *1945). Grabstelle Zentralfriedhof Wien.

Auszeichnungen

Filmografie

  • 1916: Hoffmanns Erzählungen
  • 1916: Zirkusblut
  • 1916: Der Ungreifbare
  • 1916: Die vertauschte Braut
  • 1916: Das unheimliche Haus
  • 1916: Die Rache der Toten
  • 1916: Die Hand
  • 1916: Das unheimliche Haus. 2. Teil
  • 1916: Stein unter Steinen
  • 1916: Der chinesische Götze
  • 1916: Nächte des Grauens
  • 1916: Das Erbe von Het Steen
  • 1916: Die Bettlerin von St. Marien
  • 1917: Unheilbar
  • 1917: Die schöne Prinzessin von China
  • 1917: Das Bacchanal des Todes
  • 1917; Die Pagode
  • 1917: Die Fremde
  • 1917: Gesühnte Schuld
  • 1917: E, der scharlachrote Buchstabe
  • 1917: Die Tochter der Gräfin Stachowska
  • 1917: Fräulein Pfiffikus
  • 1918: Die schleichende Gefahr
  • 1918: Wenn Frauen lieben und hassen
  • 1918: Es werde Licht! 3. Teil
  • 1918: Der Prozeß Hauers
  • 1918: Das verwunschene Schloß
  • 1918: Das Tagebuch einer Verlorenen
  • 1918: Dida Ibsens Geschichte
  • 1918: Colomba
  • 1918: Madamed'Ora
  • 1918: Mazeppa, der Held der Ukraine
  • 1918: Der Friedensreiter
  • 1919: Opium
  • 1919: Prostitution / Das gelbe Haus
  • 1919: Das Mädchen und die Männer
  • 1919: Ewiger Strom
  • 1919: Totentanz
  • 1919: Die Frau mit den Orchideen
  • 1919: Die Insel der Glücklichen
  • 1919: Das ewige Rätsel
  • 1919: Rose Bernd
  • 1919: Phantome des Lebens
  • 1919: Opfer
  • 1920: Das Cabinet des Dr. Caligari (Regie: Robert Wiene)
  • 1920: Die Frau ohne Seele
  • 1920: Johannes Goth
  • 1920: Die Brüder Karamasoff
  • 1920: Die Beichte einer Toten
  • 1920: Sieger Tod
  • 1920: Die Frau im Himmel
  • 1920: Der Staatsanwalt
  • 1920: Christian Wahnschaffe (2 Teile)
  • 1920: Die Kwannon von Okadera
  • 1921: Das Medium
  • 1921: Danton
  • 1921: Scherben (Regie: Lupu Pick)
  • 1921: Die Beute der Erinnyen
  • 1921: Das Haus in der Dragonergasse
  • 1921: Sturmflut des Lebens
  • 1921: Fledermäuse
  • 1921: Der Tanz um Liebe und Glück
  • 1921: Der Roman der Christine von Herre
  • 1921: Lady Hamilton
  • 1921: Zirkus des Lebens
  • 1922: Othello (Regie: Dimitri Buchowetzki)
  • 1922: Der brennende Acker
  • 1922: Luise Millerin
  • 1922: Nathan der Weise
  • 1923: Alt-Heidelberg
  • 1923: Der Schatz
  • 1923: Fridericus Rex. 3. Teil: Sanssouci
  • 1923: Der Menschenfeind
  • 1923: Adam und Eva
  • 1923: Der Puppenmacher von Kiang-Ning
  • 1923: Zwischen Abend und Morgen
  • 1923: Der Kaufmann von Venedig
  • 1923: Fräulein Raffke
  • 1923: Der unbekannte Morgen
  • 1923: Das alte Gesetz
  • 1923: I.N.R.I.
  • 1924: Das Wachsfigurenkabinett (Regie: Paul Leni)
  • 1924: Dekameron-Nächte
  • 1925: Ein Sommernachtstraum
  • 1925: Reveille, das große Wecken
  • 1925: Die freudlose Gasse (Regie: Georg Wilhelm Pabst)
  • 1926: Tartüff (Regie: Friedrich Wilhelm Murnau)
  • 1925: Eifersucht
  • 1925: Der Trödler von Amsterdam
  • 1925: Die Moral der Gasse
  • 1925: Das Haus der Lüge
  • 1925: Die Dame aus Berlin
  • 1925: Nana
  • 1926: Geheimnisse einer Seele
  • 1926: Kreuzzug des Weibes
  • 1926: Maria, die Geschichte eines Herzens / Das graue Haus
  • 1926: Der Student von Prag (Regie: Henrik Galeen)
  • 1926: Überflüssige Menschen
  • 1926: Man spielt nicht mit der Liebe!
  • 1927: Unter Ausschluß der Öffentlichkeit
  • 1927: Laster der Menschheit / Laster
  • 1927: Da hält die Welt den Atem an / Maquillage
  • 1927: Die Hose
  • 1927: Der fidele Bauer
  • 1927: Funkzauber
  • 1927: Die Hölle der Jungfrauen
  • 1928: Looping the Loop
  • 1929: Napoleon auf St. Helena
  • 1931: Yorck
  • 1932: Mensch ohne Namen
  • 1935: Hundert Tage
  • 1936: Burgtheater (Regie:Willi Forst)
  • 1939: Robert Koch, der Bekämpfer des Todes (Regie: Hans Steinhoff)
  • 1940: Jud Süß (Regie: Veit Harlan)
  • 1941: Annelie
  • 1942: Zwischen Himmel und Erde
  • 1942: Die Entlassung
  • 1943: Paracelsus (Regie: Georg Wilhelm Pabst)
  • 1949: Prämien auf den Tod
  • 1950: Der fallende Stern
  • 1955: Sohn ohne Heimat
  • 1958: Das verräterische Herz (TV)

Literatur

  • Herbert Ihering: Werner Krauß. Ein Schauspieler und das neunzehnte Jahrhundert. Vorwerk 8, Berlin 1997, ISBN 3-930916-15-0
  • Carl Zuckmayer: Geheimreport (Dossiers über deutsche Künstler, Journalisten und Verleger im 'Dritten Reich'), hrsg. von Gunther Nickel und Johanna Schrön, Göttingen: Wallstein 2002, S. 146-152
  • Gunther Nickel / Johanna Schrön: »Wenn man einen Schauspieler braucht, muss man ihn auch vom Galgen schneiden«. Die Spruchkammerakte Werner Krauß. In: Zuckmayer-Jahrbuch, Bd. 6, Göttingen: Wallstein 2003, S. 221-370.
  • Gunther Nickel / Johanna Schrön: Nachtrag. Zur Edition der Spruchkammerakte Werner Krauß. In: Zuckmayer-Jahrbuch, Bd. 7, Göttingen: Wallstein 2004, S. 441-457.

Weblinks

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