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Welten im Zusammenstoß

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Welten im Zusammenstoß ist der Titel eines populären, jedoch von Fachwissenschaftlern als unwissenschftlich beurteilten Buches von Immanuel Velikovsky aus dem Jahr 1950.

Das Buch stellt eine katastrophistische Sichtweise auf geschichtliche Ereignisse der letzten 5000 Jahre vor. Velikovsky folgert darin auf besondere astronomische Ereignisse, die er aus biblischen, altägyptischen und altgriechischen Erzählungen sowie aus Ähnlichkeiten verschiedener Sagen alter Völker rund um den Globus herleitet. Ergänzungen dazu bilden seine Bücher Erde in Aufruhr (1955), worin er aus seiner Sicht geologische Zeugnisse vorstellt, und Das kollektive Vergessen (1982, post mortem), das sich mit den von ihm angenommenen psychologisch-sozialen Auswirkungen beschäftigt.

Inhaltsverzeichnis

Historie

Ab dem Jahr 1940 beschäftigte sich Velikovsky mit einer Katastrophe, die seiner Meinung nach stattfand, während die Israeliten Ägypten verließen (vgl. Exodus der Bibel). Velikovsky versuchte, u. a. wegen seiner zionistischen Überzeugung, die biblische Geschichte nicht als Metapher zu lesen, sondern als Darstellung tatsächlicher Ereignisse.

Velikovsky interpretierte das Buch Josua so, dess es beschreibe, dass Gott Hagelsteine fallen und Sonne und Mond stillstehen ließe, während die Israeliten Jahre später Kanaan eroberten[1]. Diesen Steinehagel interpretierte Velikovsky als Meteoriten-Schauer; nahm die Beschreibung anderer Geschehnisse, wie Stillstehen im Lauf von Sonne und Mond, weitestgehend wörtlich. Er kam zu dem Schluss, dass ein weltweiter Kataklysmus etwa 50 Jahre vorher, zur Zeit des Exodus der Israeliten eingetreten sein musste. In der Folge versuchte er, die biblische Geschichte, insbesondere den Exodus der Israeliten, mit der ägyptischen Geschichte in Einklang zu bringen und suchte dafür weitere Nachweise der biblischen Katastrophen auch aus anderen Quellen. Mit dem Ipuwer-Papyrus glaubte er, eine zweite, unabhängige Quelle entdeckt zu haben. Weitere Quellen fand er bei den Nordamerikanischen Indianern, den mexikanischen Maya, japanischen und altchinesischen Aufzeichnungen oder altindischen und babylonischen Schriften, die ebenfalls von einem gestörten Lauf der Sonne und anderen Katastrophen berichten.

Als Folgerung dieses Vergleichs mit weiteren Quellen, vor allem Sagen, wie auch Homers Ilias, der Edda, vermutete er die Venus als Ursache dieses Kataklysmus und fasste die Ergebnisse seiner Arbeiten in Welten im Zusammenstoß zusammen.

Aus seiner Arbeit, eine Katastrophe in historischer Zeit zu belegen, meinte er auch andere Fragen klären zu können. Beispiele dafür sind:

  • Wie konnten Planeten zu den höchstverehrten Göttergestalten aller antiken Kulturen werden?
  • Wieso haben manche antike Völker die Venus als ebenso hell wie die Sonne beschrieben?
  • Wieso ist die Sintflutsage weltweit bekannt?[1]
  • Woher kommt der Mythos der Weltzeitalter?
  • Wieso „wusste“ Jonathan Swift schon vor deren Entdeckung von zwei Monden des Mars?
  • Wieso gab es während der Eiszeit nur in Europa und Teilen Nordamerikas Vereisungen, aber nicht in Sibirien und Alaska?
  • Warum befinden sich die meisten Mammutfunde in kühlen Gebieten, von denenen Velikovsky meinte, dass in ihnen Mammuts nicht hätten überleben können?[1]

Das Buch wurde schon vor seinem Erscheinen heftig diskutiert und oftmals, ohne den Inhalt zu kennen, abgelehnt.[1][1] Zu dieser Zeit wurde allgemein ein uneingeschränkter Aktualismus vertreten, und so kam Velikovskys Buch unbeabsichtigt einem „Frontalangriff“ gleich. 1950 veröffentlichte Velikovsky das Buch zunächst beim Verlag Macmillan, nachdem es von acht anderen Verlagen vorher abgelehnt worden war. Druck vor allem von Seiten des Astronomen Harlow Shapley[1], veranlasste den Verleger, das Buch schon nach 2 Monaten wieder aus dem Programm zu nehmen. Es erschien dann im Verlag Doubleday. 1952 erreichte Welten im Zusammenstoß in kürzester Zeit Platz 1 der Bestseller-Liste der USA. Wenige Jahre später veröffentlichte Velikovsky das Ergänzungswerk Erde in Aufruhr, das den Fokus auf die angenommenen geologischen Ereignisse und Zeugnisse dieser und anderer Katastrophen legt.

Welten im Zusammenstoß löste bei seinem Erscheinen eine heftige öffentliche Diskussion aus[1]. Während hauptsächlich Laien das Buch begeistert aufnahmen, wurde es von dem größten Teil der etablierten Wissenschaftler ignoriert oder vollständig abgelehnt.

Welten im Zusammenstoß

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1. Venus als Komet im 15 Jh. v. Chr.
Bild:Velikovsky 10JhvC.gif
2. Venus mit unregelmäßiger Bahn zwischen Erde und Mars
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3. Mars von Venus in der Bahn gestört
Bild:Velikovsky 05JhvC.gif
4. Der heutige Zustand unseres Sonnensystems
(Bilder in Anlehnung an ein Modell von Ransom & Hoffee)

Das Buch bildet einen Rahmen für die Überlegungen Velikovskys und zugleich den Ausgangspunkt, auf den sich viele weitere seiner Werke beziehen. Es ist in drei Abschnitte eingeteilt:

1. Eine allgemeine Einführung:
Velikovsky beschreibt Schwierigkeiten damaliger wissenschaftlicher Annahmen, insbesondere der Astronomie des Sonnensystems und der Eiszeit.

2. Entstehung der heutigen Venus:
Die Venus wird als kometenartig beschrieben; sie soll in „historischer Zeit“ von Jupiter stammend das innere Sonnensystem in Chaos gestürzt und dabei sowohl mit Mars als auch mit der Erde mehrere Beinahe-Kollisionen erfahren haben (siehe Bild 1). Dabei sollen sich sowohl die Umlaufbahn der Erde, des Mondes und des Mars' geändert, als auch auf der Erde verschiedene geologische Umbrüche ereignet haben. Das Jahr hatte zuvor weniger als 360 Tage und änderte sich durch diese Umbrüche im 2. Jahrtausend v. Chr. zu einem, „in dem das Jahr 360 Tage und der Mond-Monat fast genau 30 Tage hatte“[1]. Die Wechselwirkungen mit Mars, die durch den stark elliptischen Orbit der Venus verursacht wurden, sind dann laut Velikovsky als „Kampf der Götter“ in die Legenden, wie Homers Ilias eingegangen (siehe Bild 2).

3. Entwicklung des Mars zu seiner heutigen Form:
Im letzten Teil wird die Entwicklung des Mars zu seinem heutigen Erscheinungsbild beschrieben. Nachdem sich die Venus in ihrer heutigen Umlaufbahn stabilisiert haben soll, kreuzte der Mars weiterhin die Bahn der Erde und kam der Erde im 7. Jahrhundert v. Chr. nochmals nahe (siehe Bild 3). Durch diese Interaktion soll sich das Jahr nochmals zu einer Länge von 3651/4 Tagen geändert haben. Mit der Zeit stabilisierte sich auch seine Bahn zu der heute bekannten (siehe Bild 4).

Erde in Aufruhr

Erde in Aufruhr kann als Ergänzungswerk zu Welten im Zusammenstoß gesehen werden. Velikovsky versucht darin, Beweise hauptsächlich aus Geologie, Biologie und anderen Naturwissenschaften vorzubringen.

So zeigt er in einer „Rundreise“ von Alaska bis Australien Funde und Untersuchungen, die seine Hypothese stützen, indessen von der Standardtheorie einer langsamen Entwicklung nicht oder nur unzureichend erklärt werden können. Beispiele sind große Ansammlungen von tierischen Überresten u. a. in Großbritannien, wie Mammuts, Nashörner, Flusspferde, Büffel und Hyänen, die alle zusammen in 440 m Höhe über dem Meer unter 4 m starken Lehmablagerungen gefunden wurden. Oder es wird von Funden von Walknochen mitten im US-Bundesstaat Michigan in nacheiszeitlichen Schichten berichtet. Auch gekippte Seen, mehrere hundert Meter dicke Lavaschichten, eine über den gesamten Südosten der USA verstreute Meteoritenzone und kilometerweit zurückgedrängte Strände sind Zeugen, die Velikovsky für seine Hypothese ins Feld führt. Diese Aufzählungen aus der Paläontologie, Geographie, Geologie etc. setzen sich weiter fort.

Das kollektive Vergessen

Im Buch Das kollektive Vergessen untersucht Velikovsky die möglichen individuellen, wie gesellschaftlichen Auswirkungen, die das Miterleben der von ihm postulierten Katastrophe auf die Psyche hatte und noch hat. Ähnlich wie Freud sieht er einen Verdrängungsmechanismus wirken, allerdings im Gegensatz zu Freud eher gesamtgesellschaftlich und in Bezug auf soziale Aspekte.

Velikovskys Theorie

Nach Katastrophen forschend, stellte Velikovsky seine Theorien zunächst privat in Manuskripten und später öffentlich vor. Zusammengefasst besagt seine Theorie, dass…:

  • das Universum weit mehr von Elektromagnetismus beeinflusst sei, als nur durch die nach heutigem Forschungsstand verantwortliche Gravitation [1]
  • die Erde in früheren Zeiten mehrfach Katastrophen von globalem Ausmaß überstanden hätte und dies – im Unterschied zu anderen wissenschaftlichen Annahmen – bis in die Zeit der ersten menschlichen Aufzeichnungen passierte (vgl. insb. Welten im Zusammenstoß);
  • es geologische Indizien und Beweise gäbe, die man bis heute nachweisen könnte (vgl. insb. Erde in Aufruhr);
  • eine reine Evolutionstheorie nach Darwin nicht ausreicht, sondern diese durch eine Theorie des Katastrophismus ergänzt oder gar ersetzt werden müsste;
  • die Interpretation der Geschichtsschreibung der antiken Welt grundlegende Fehler aufwiese und völlig neu erstellt und interpretiert werden müsse (vgl. insb. Zeitalter im Chaos);
  • die frühen Mythen und Legenden als Echos dieser Katastrophe im Unterbewusstsein der Menschen bis heute existieren und kollektiv nachwirken, aber verdrängt oder nur verzerrt wahrgenommen würden (vgl. insb. Das kollektive Vergessen);
  • der Ursprung dieser Katastrophen Bahnverschiebungen und -störungen der Planeten Venus, Mars und Erde gewesen wären, die erst danach zu ihren heutigen Orbits gefunden hätten (vgl. insb. Welten im Zusammenstoß).

Im speziellen formuliert Velikovsky folgenden Ablauf historischer Ereignisse:

  1. Venus kommt als Fremdkörper ins innere Sonnensystem; später konkretisierte er die Annahme: durch eine kosmische Katastrophe wird Masse von Jupiter „abgesprengt“ und sammelt sich in einer Proto-Venus (Die in diesem Zusammenhang oft angeführte Behauptung, Venus bedeute auf Latein „der (An-)Kommende“, ist allerdings falsch);
  2. diese kreist als „Komet“ auf einer unregelmäßigen Bahn durch das innere Sonnensystem;
  3. dabei soll die Venus sowohl mit ihrem „Kometenschweif“ als auch durch ihre Gravitation und ihre elektromagnetische Wirkung die Erde mehrfach verwüstet haben, zuletzt im 2. Jahrtausend v. Chr.;
  4. ebenfalls wurde die Bahn des Mars in seiner Umlaufbahn von der Venus gestört, was als „Kampf der Götter“ in die Mythen, wie zum Beispiel die Ilias, einging;
  5. Mars kam danach der Erde mindestens zweimal im 7. Jahrhundert v. Chr. nahe und richtet ebenfalls globale Verwüstungen an;
  6. über die Jahrhunderte stabilisierten sich dann die Bahnen der Planeten und Venus wurde zu einem weiteren „normalen“ Planeten.

Aus dieser Theorie leitete Velikovsky eine Reihe von Aussagen ab:

  • als junger Planet müsste die Venus immer noch sehr heiß sein und daher Wärme abstrahlen[1] - die Oberflächentemperatur der Venus wurde mit 464 °C gemessen;
  • ähnlich des postulierten „Kometenschweifs“ muss die Atmosphäre der Venus hauptsächlich aus Kohlenwasserstoffen bestehen – die Atmosphäre besteht zu 96,5 % aus Kohlendioxid
  • in Folge der ungewöhnlichen Perturbationen, denen die Venus ausgesetzt gewesen sein soll, muss sie eine anomale Rotation haben – die Venus rotiert retrograd

Weitere Annahmen oder Ableitungen aus Welten im Zusammenstoß sind:

  • Jupiter sendet Radiowellen aus – Burke und Franklin von der Carnegie Institution gaben am 5. April 1955 das Auffangen von Radiostrahlung vom Jupiter bekannt;
  • die Magnetosphäre der Erde reicht mindestens bis zum Mond – James van Allen entdeckt 1958 die Magnetosphäre, die bis zu 600.000 km in den Weltraum reichen kann;
  • für elektromagnetische Wechselwirkungen innerhalb des Sonnensystems muss die Sonne ein Ladungspotenzial von etwa 1019 Volt haben – 1960 errechnete A. Bailey ein entsprechendes Potential für die Sonne[1];
  • die Drehung der Erde kann durch elektromagnetische Felder beeinflusst werden werden – 1960 berichtete A. Danjon, Direktor des Pariser Observatoriums, von einer Tageslängenänderung von 0,85 Millisekunden, die er mit einer Sonneneruption und den damit zusammenhängenden elektromagnetischen Kräften erklärte[1].

Velikovsky versuchte wiederholt, Wissenschaftler zur Unterstützung von Experimenten zu gewinnen, die er als entscheidend für eine Validierung seiner Theorie ansah. So wandte er sich z. B. im April 1946 mit einem Brief an Harlow Shapley, ebenso an den Philosophen Horace M. Kallen. Im Sommer 1946 richtete er auch Anfragen an die Astronomen Rupert Wildt und Walter S. Adams. Vor allem auch im Rahmen des aufkommenden Raumfahrtprogramms meinte er Möglichkeiten zu erhalten, die ihm jedoch meist verwehrt wurden. In den darauffolgenden Jahrzehnten brachten die Erkundungen von Venus, Mars, Saturn und Jupiter durch Raumsonden Ergebnisse, die Velikovsky aufgrund seiner Studien in allgemeiner Form Jahre zuvor postuliert hatte, und die zu der Zeit auf den erbittertsten Hohn u. a. von Harlow Shapley gestoßen waren. Diese so gesehenen Bestätigungen wurden aber von der anderen Seite als Zufallstreffer angesehen. Seit den 80er Jahren sind Theorien über Naturkatastrophen als Bestandteile der frühen Erdgeschichte allgemein akzeptiert (siehe auch: Entstehung des Mondes), werden für die frühe Zivilisationsgeschichte aber abgelehnt.

Kritik

Die Auseinandersetzungen zwischen Personen, die diesen Ideen aufgeschlossen gegenüberstehen, und solchen, die sie eher skeptisch betrachten, wurde zum Teil mit erheblicher Schärfe und auch auf wenig wissenschaftliche Weise geführt. Auf der einen Seite wird beklagt, dass man an Dogmen festhalte, auf der anderen, dass man sich von Wunschvorstellungen leiten lasse. In diesem Zusammenhang wird zum Teil bestritten, dass Velikovsky wissenschaftlich arbeite und sich Wissenschaftler nennen dürfe, und seine Ideen seien keine Theorien, sondern höchstens eine Anhäufung wilder Hypothesen.

Insbesondere Astronomen und Physiker, die sich über Velikovsky äußer(te)n, halten seine Spekulationen über das Sonnensystem für unhaltbar [1]. Für Bahnverschiebungen der Planeten sehen sie keine physikalische Grundlage. Anhänger ziehen zwar elektromagnetische Kräfte in Betracht, aber Messungen elektromagnetischer Effekte im Sonnensystem liegen nicht in der Größenordnung, wie das Modell Velikovskys sie verlangt[1]. Die newtonsche Gravitationstheorie hingegen, die von Astronomen verwendet wird, liefert exakte Voraussagen der Planetenpositionen, die sogar die Voraussage der Existenz des bis dahin unbekannten Planeten Neptun an der korrekten Position ermöglichten.

Weiter wird angeführt, die heiße Venusatmosphäre sei auf einen Treibhauseffekt zurückzuführen, und für Velikovskys Schlussfolgerung gebe es keinen Beleg. Ist die Venus im thermodynamischen Gleichgewicht, könnte sie in diesem Zustand durchaus auch schon seit Millionen oder Milliarden Jahre sein. Kohlenwasserstoffe, also Verbindungen aus Kohlenstoff und Wasserstoff, seien zudem in der Atmosphäre der Venus höchstens in winzigen Spuren vorhanden, Hauptbestandteil ist Kohlendioxid. Wasserstoff ist nur in geringen Mengen vorhanden, vor allem als Wasser, schweflige Säure oder Schwefelsäure.

Auch Biologen und Geologen, die sich zu Velikovskys Thesen äußer(te)n, sehen keinen Grund, ihre Theorien, im speziellen die Evolutionstheorie, entsprechend zu erweitern.[1]

Ebenso lehnen die meisten Historiker die historischen Spekulationen Velikovskys ab und erklären beispielsweise, seine Belege seien handverlesene, durch Velikovskys willkürliche Deutung verzerrte Mythen. Sie behaupten Velikovsky zitiere aus seinen Quellen selektiv das, was zu seinen Hypothesen passe, und verschweige die Widersprüche. Robert Forrest schrieb darüber ein sechsbändiges Werk[1].

Dies sind jedoch bei weitem nicht die einzigen Argumente, die zu Velikovskys Theorien ins Feld geführt werden. Velikovsky wurde oft vorgeworfen, er habe grundlegende Zusammenhänge nicht verstanden und schwerwiegende Probleme seiner Vermutungen ignoriert. Seltener wird gegenteilig behauptet, er „sei ein Blender, der sich in den technischen Details so gut auskenne und der so geschickt die Feinheiten des wissenschaftlichen Denkens handhaben könne, daß der normale Fachmann die Schwachstellen seiner Argumentation, die zweifellos vorhanden sein müssen, nicht entdecke.“[1]

Im Speziellen werden kritisiert:

  1. das Verallgemeinern vieler historischer Umbrüche hin zu einer einzigen, gemeinsamen Ursache und damit
  2. das Aufgeben der Lyell'schen Maxime des Aktualismus (Uniformitarismus);
  3. der Fokus auf hauptsächlich „antike“ Literatur, unter Nichtbeachtung der Forschungsergebnisse und Theorien der (damaligen) letzten Jahrzehnte (diese waren allerdings stark vom Aktualismus geprägt);
  4. die Richtung der Entwicklung der Theorie: von alten Mythen ausgehend hin zu einem dazu passenden (physikalischen) Modell;
  5. das Einfügen neuer Elemente in die Himmelsmechanik;
  6. die Aussage, die Venus sei früher ein Körper mit Kometenschweif gewesen - dies sei physikalisch unmöglich, so die Behauptung, da die hohe Gravitation der Venus die Bildung eines sichtbaren Schweifes verhindert[1];
  7. dass kein Grund bekannt sei, warum der Jupiter Kometen hätte absondern sollen (neben der aktuell favorisierten Einfang-Hypothese für Kometen, die auf Laplace zurückgeht, gab es auch eine Auswurf-Hypothese von S. K. Wsechswjatski)[1];
  8. dass alle großen Jupitermonde sehr kreisähnliche Ellipsenbahnen beschreiben – es wird angenommen Venus hätte beim Auswurf zumindest einige in extremere Bahnen zwingen müssen;
  9. dass die chemische Zusammensetzung von Venus und Jupiter nach damaligem und derzeitigem Wissensstand zueinander völlig verschieden ist;
  10. es sei unwahrscheinlich, dass sich ein hochkomplexes und dynamisches System wie das Sonnensystem nach einer massiven Störung derart schnell (4000 Umläufe der Erde) in einen stabilen Zustand einpendelt bzw. dass die Bahn der Venus die kreisähnlichste Bahn im Sonnensystem ist und kein Mechanismus bekannt ist, wie sie von einer exzentrischen Bahn in die heutige hätte einschwenken können;
  11. die extreme Unwahrscheinlichkeit einer Aufeinanderfolge von fünf oder sechs Beinahe-Kollisionen von Planeten;
  12. die modellierten Abläufe, die nach allgemeinem Verständnis eine völlige Zerstörung der Erde bedeutet hätten;
  13. dass die Beinahe-Zusammenstöße die Bahn des Mondes hätten beeinflussen und den Lunarkalender der Hebräer hätten verändern müssen, der nach gängiger Datierung zu der Zeit bereits einige tausend Jahre alt war, alle Katastrophen aber unversehrt überstand; allerdings zeigt Velikovsky andere Mondkalender, die sich verändert haben sollen.

Einige Vertreter der Wissenschaft, wie zum Beispiel der damalige Vorsitzender der Abteilung Weltraumforschung der National Academy of Sciences, Harry Hammond Hess, gaben Velikovsky aber die Gelegenheit zu Vorträgen. Dieser und andere empfahlen darüber hinaus eine eingehende Prüfung seiner Vorhersagen[1]. Auch Albert Einstein soll sich gegenüber Velikovsky für eine unvoreingenommene Prüfung von dessen Hypothesen ausgesprochen haben[1], obwohl er Velikovskys Hypothesen über die Bewegungen der Venus für abwegig hielt.[1] Dennoch unterhielten beide bis zum Tode Einsteins eine freundschaftliche Diskussion darüber.

Quellen und Anmerkungen


Veröffentlichungen

  • Welten im Zusammenstoß, Oktober 2005, Julia White Publishing, ISBN 3934402917
  • Worlds in Collision, Juni 1991, Buccaneer Books, ISBN 0899667856 (englisch)
  • Worlds in Collision, Dezember 1999, Amereon Ltd, ISBN 0-8488-1500-9 (englisch)
  • Erde im Aufruhr, 1980, Umschau Verlag, ISBN 352469019X
  • Erde im Aufruhr, 1983, Ullstein TB-Vlg. Berlin, ISBN 354834125X
  • Erde im Aufruhr, Mai 2005, Julia White Publishing, ISBN 3934402909
  • Earth in upheaval, Januar 1955, Doubleday, ASIN B0007G5SQS (englisch)

Siehe auch

Weblinks

Pro Velikovskys Hypothesen

Kontra Velikovskys Hypothesen

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