Das Kefk Network Wiki befindet sich im Testbetrieb.
Weisheitszahn
Aus Kefk.
Weisheitszähne (dentes serotini - die dritten Molaren, sapientes) werden die achten Zähne ab der Mittellinie im menschlichen Gebiss genannt. Daher verwenden Zahnärzte häufig die Bezeichnung „die Achter“. Es gibt insgesamt vier Weisheitszähne. In seltenen Fällen können es auch sechs sein (zusätzlich zwei „Neuner“ oben).
Inhaltsverzeichnis |
Allgemein
Besonderheiten und Name
Weisheitszähne entwickeln sich erst sehr spät (bei manchen Menschen ist eine Mineralisation des Weisheitszahnkeimes im Röntgenbild erst mit 14 Jahren nachweisbar) und brechen bei den meisten Menschen erst im Erwachsenenalter oder gar nicht durch. Daher der Name „Weisheitszahn“.
Möglicherweise stammt der Name auch aus der griechischen Philosophie, nach der derjenige, der an den Schmerzen leidet, auf einen langen Zeitraum hin depressiv ist (da früher Zahnschmerzen unzureichend behandelt wurden) und somit tiefer denkt und Weisheit erlangt.
Form und Aussehen
Weisheitszähne gehören zu den Molaren, haben im Gegensatz zu diesen aber keine charakteristische Form. Beispielsweise existieren Weisheitszähne mit nur drei oder auch mit fünf Höckern. Auch die Anzahl der Wurzeln ist unterschiedlich. Teilweise sind die Wurzeln auch miteinander verwachsen oder hakenförmig gebogen, so dass eine Extraktion der Zähne erschwert wird.
Evolutionäre Entwicklung
Diese starke Schwankung der Form und des Durchbruchs der Weisheitszähne resultiert aus der Verkümmerung dieser Zähne, die sich im Lauf der menschlichen Evolution entwickelt hat. Brauchten die Urmenschen noch viele Zähne, um die oft rohe Nahrung ausreichend zerkleinern zu können, so ist dies durch das meist weich gekochte Essen in heutiger Zeit nicht mehr so stark von Belang, die Zähne verkümmerten. Beim heutigen Menschen sind Weisheitszähne also als Rudiment zu betrachten.
Gesundheitliche Folgen
Andererseits hat sich das Verhältnis zwischen Zahn- und Kiefergröße stark verschoben. Beim heutigen Menschen ist der Kiefer im Durchschnitt deutlich kleiner als bei unseren Urmensch-Vorfahren. Ein Platzmangel wirkt sich auf den Weisheitszahn am meisten aus, weil dieser als letzter durchbricht. Häufig tritt er nur unvollständig durch (Teilretention). Durch die partielle Bedeckung mit Zahnfleisch und die daraus resultierende unzureichende Reinigungsmöglichkeit kommt es bei teilretinierten Zähnen häufig zu Entzündungen bis hin zu Abszessen. Da Weisheitszähne auch im fortgeschrittenen Stadium kaum eine Mineralisation aufweisen, sind sie nicht so stark und fest wie andere Zähne und können so schnell wegbrechen.
Weisheitszähne sind daher sehr oft ein Problem im menschlichen Gebiss. Sei es durch die erschwerte Pflege oder weil sie die anderen in der Zahnreihe stehenden Zähne verschieben können. Diese müssten dann erst kieferorthopädisch geradegerichtet werden. Deswegen müssen Weisheitszähne sehr oft gezogen werden. Immer häufiger werden sie auch bereits vor ihrem Durchbruch operativ entfernt.
Retinierte Weisheitszähne
„Retiniert“ heißt „zurückgehalten“ (lat. re - zurück, tenere -haben, halten), bezeichnet also einen Weisheitszahn, der nicht altersgerecht durchgebrochen ist. Ob ein Weisheitszahn retiniert ist, hängt von mehreren Faktoren ab, so beispielsweise stark vom Alter. Die Beurteilung anhand eines Röntgenbildes ist nicht immer eindeutig.
Bei einem 20-Jährigen wäre nicht mehr ausreichend Kieferwachstum zu erwarten, so dass der Zahn wegen Platzmangels wahrscheinlich nicht mehr problemlos durchbricht. Bei einem 14-Jährigen ist durch das noch zu erwartende Knochenwachstum kein Platzmangel zu befürchten.
Wissenschaftliche Beweise dafür, dass die vorbeugende Entfernung symptomfreier retinierter Weisheitszähne medizinisch sinnvoll ist, existieren nicht.
Die folgenden neun Röntgenbilder sind Ausschnitte aus Orthopantomogrammen (OPG)
Weisheitszahn2.JPG
Weisheitszahn 38; retiniert und verlagert; sehr starke mesiale Kippung - fast 90° |
Weisheitszahn6.JPG
Weisheitszahn 38; fast bis zur Kauebene durchgebrochen; distale Wand vollständig im Knochen; voll ausgebildete Wurzel; Wurzelspitzen projizieren sich auf den Nervus alveolaris inferior |
Weisheitszahn4.JPG
Weisheitszahn 38; retiniert und verlagert - stark nach mesial gekippt; sehr kurze Wurzel - spitzen projizieren sich auf den Nervus alveolaris inferior |
|
Weisheitszahn5.JPG
Weisheitszähne 48 und 18; Zahn 48 - keine Kippung, Wurzel nur teilweise ausgebildet, Krone teilweise noch knöchern bedeckt |
Weisheitszahn3.JPG
Weisheitszahn 18; retiniert; Nebenbefund: Karies 17 mesial |
Weisheitszahn7.JPG
Weisheitszahn 38 angelegt; retiniert - Krone unter Zahn 37 verkeilt; Krone okklusal nicht mehr von Knochen bedeckt; nur eine Wurzel sichtbar - relativ kurz aber voll ausgebildet. |
Weisheitszahn8.JPG
Weisheitszahn 38 angelegt - fast noch keine Wurzel ausgebildet; mesial gekippt; Nebenbefund: Karies 37 und 27 |
Weisheitszahn9.JPG
Weisheitszahn 48 angelegt; okklusal noch teilweise von Knochen bedeckt; Wurzel noch nicht vollständig ausgebildet; Nebenbefund: Karies 47 und 17 |
Operative Entfernung
Operation
Bei der Entfernung von Weisheitszähnen handelt es sich weniger um einen zahnmedizinischen, als vielmehr um einen oralchirurgischen Eingriff. In der Regel wird die Operation unter Lokalanästhesie (örtliche Betäubung) durchgeführt. Auf Patientenwunsch kann in entsprechend ausgerüsteten Arztpraxen eine Analgosedierung durchgeführt werden, wodurch der Patient beruhigt und seine Wahrnehmung reduziert wird. Im Fall von besonders komplizierten bzw. schmerzhaften Eingriffen kann eine Vollnarkose in Frage kommen. Dies kann z.B. der Fall sein, wenn sich ein Zahn in die Kieferhöhle oder ins Weichteilgewebe verlagert. In diesem Fall muss ein zweiter Eingriff erfolgen, dies geschieht in der Regel unter Vollnarkose, da relativ weit in den Kiefer hineingearbeitet wird. Sollte auch dieser Eingriff fehlschlagen, weil sich der Zahn z.B. in die Wange verlagert, so muss ein weiterer Eingriff erfolgen. Dieser kann allerdings erst nach einer mehrmonatigen Pause erfolgen. Eine Gefahr durch den Zahn besteht allerdings nicht. Dieser Fall tritt selten auf, im Schnitt 1 mal pro Praxis und Jahr. Häufiger kommt es dagegen vor, dass der Zahn sehr fest im Kiefer sitzt. Um möglichen Schädigungen vorzubeugen ist es nötig, den Zahn im Kiefer zu zerlegen; was auch bei Lokalanästhesie durchgeführt werden kann. Solch ein Eingriff kann nach der Operation zu größeren Schwellungen und größeren Schmerzen führen.
Durch die Entfernung der Weisheitszähne entstehen Wunden, die meist mittels chirurgischer Nähte geschlossen werden. Zusätzlich kommt es, bedingt durch die Lage des entfernten Zahnes, zu einer Kieferknochenwunde.
Verhalten nach der Operation
Die Öffnung schließt sich meist im Laufe der ersten Wochen nach der Behandlung. In der ersten Zeit nach der Operation ist das richtige Verhalten wichtig für eine gute Wundheilung und die Minderung der unvermeidbaren OP Folgeerscheinungen. Gleich nach der Operation und die folgenden Tage sollte von außen zum Beispiel mit einem kalten Waschlappen (kein Eis!) gekühlt werden. Mundpflege sollte am OP-Tag nicht, die folgenden Tage nur vorsichtig betrieben werden, wobei der operierte Bereich vorerst ausgespart werden sollte. Nachdem die Wirkung der Spritzen nachgelassen hat, sollte man wieder trinken und weiche Kost zu sich nehmen, da die verschriebenen Medikamente, in der Regel ein Schmerzmittel und gegebenenfalls ein Antibiotikum, dadurch besser vertragen werden. In jedem Fall ist nach der Behandlung auf eine schonende Ernährung zu achten. Das bedeutet, dass man keine zu heißen, scharfen oder belagbildenden Speisen verzehren sollte. Weiter ist mindestens die ersten zwei Tage nach der OP auf Alkohol, Koffein, Nikotin, Fruchtsäfte und körperliche Anstrengung zu verzichten. Die Empfehlung, auf Milchprodukte zu verzichten, gilt als überholt, jedoch sollte nach dem Verzehr der Mund gespült werden. Unter Umständen sollte man auch das Schnäuzen in den ersten Wochen nach der Operation vermeiden, da es durch den Druck, der dabei auf die Kieferhöhle ausgeübt wird, zu stärkeren Blutungen aus der vernähten Wunde kommen kann.
Einige Zahnärzte und Apotheker empfehlen zum schnelleren Abschwellen der geschwollenen Wange zusätzlich die Einnahme von Arnika-Präparaten.
Wissenschaftlicher Hintergrund
Bis heute ist wissenschaftlich nicht eindeutig geklärt, ob Weisheitszähne tatsächlich verantwortlich sind, wenn sich Zähne verschieben, insbesondere ist der Zusammenhang zwischen Frontzahn-Engstand und Weisheitszähnen nicht eindeutig belegt. Die vorbeugende Entfernung symptomfreier Weisheitszähne beruht daher bislang auf empirischen (erfahrungsmäßigen) Grundlagen, ist aber wissenschaftlich evidenzbasiert bislang nicht bewiesen. Zur Zeit laufen hierzu großangelegte Studien.
Weblinks
| <imagemap>-Fehler: Bild ist ungültig oder nicht vorhanden | Commons: Weisheitszahn – Bilder, Videos und/oder Audiodateien |
- GesundheitPro - Artikel zur operativen Entfernung von Weisheitszähnen
- Entfernung gesunder retinierter Zähne. Informationen vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen.
- Tipps zum richtigen Verhalten vor und nach einer oralchirurgischen OP
- www.wissenschaft.de: Forscher finden schon bei 15.000 Jahre altem Skelett steckengebliebene Weisheitszähne
| Bild:Erste hilfe.svg | Bitte beachten Sie den Hinweis zu Gesundheitsthemen! |
| Dieses Dokument entstammt in seiner ersten oder einer späteren Version der deutschsprachigen Wikipedia. Es ist dort zu finden unter dem Stichwort Weisheitszahn, die Liste der bisherigen Autoren befindet sich in der Versionsliste; die Originalfassung kann dort auch bearbeitet werden. Alle Texte der Wikipedia und ihre Derivate stehen unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. |
