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Weinsberg
Aus Kefk.
| Wappen | Deutschlandkarte | |
|---|---|---|
| Bild:Wappen Weinsberg.svg |
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| Basisdaten | ||
| Bundesland: | Baden-Württemberg | |
| Regierungsbezirk: | Stuttgart | |
| Landkreis: | Heilbronn | |
| Gemeindeverwal- tungsverband: | „Raum Weinsberg“ | |
| Koordinaten: | Koordinaten: 49° 9′ N, 9° 17′ O49° 9′ N, 9° 17′ O | |
| Höhe: | 219 m ü. NN | |
| Fläche: | 22,22 km² | |
| Einwohner: | 11.738 (30. Dez. 2005) | |
| Bevölkerungsdichte: | 528 Einwohner je km² | |
| Postleitzahl: | 74189 (alt: 7102) | |
| Vorwahl: | 07134 | |
| Kfz-Kennzeichen: | HN | |
| Gemeindeschlüssel: | 08 1 25 102 | |
| Stadtgliederung: | Kernstadt und drei Ortschaften | |
| Adresse der Stadtverwaltung: | Rathaus, Marktplatz 11 74189 Weinsberg | |
| Webpräsenz: | ||
| Bürgermeister: | Stefan Thoma (parteilos) | |
| Lage der Stadt Weinsberg im Landkreis Heilbronn | ||
| Bild:Weinsberg in HN.png | ||
Weinsberg ist eine Stadt im Landkreis Heilbronn, Baden-Württemberg, 5 km östlich von Heilbronn. Die Stadt wurde um das Jahr 1200 gegründet und hat etwa 11.700 Einwohner (Stand: 2005). Sie liegt am Eingang des nach ihr benannten, von der Sulm und ihren Zuflüssen gebildeten Weinsberger Tales zwischen Neckar und Löwensteiner Bergen. Bekannt ist Weinsberg für den Weinbau, der über Jahrhunderte hinweg zentral für die Weinsberger Wirtschaft war und immer noch eine wichtige Rolle spielt, und für die aus dem frühen 11. Jahrhundert stammende Burgruine Weibertreu, deren Name seit Jahrhunderten unzertrennlich mit den „Treuen Weibern von Weinsberg“ verknüpft ist, die im Jahr 1140 ihre zum Tode verurteilten Männer retteten. Heute ist die Stadt der Zentralort des Weinsberger Tales mit ausgeprägter Infrastruktur und ein Unterzentrum mit mittelzentralen Funktionen.
Inhaltsverzeichnis
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Geographie
| Bild:Weinsberg Panorama 4.jpg |
| Weinsberg von Süden. Links der Burgberg, rechts davon die Johanneskirche |
Geografische Lage
Weinsberg liegt im östlichen Landkreis Heilbronn im Nordosten Baden-Württembergs, zwischen dem Neckar im Westen und den Löwensteiner Bergen im Osten. In den Löwensteiner Bergen entspringt der kleine Fluss Sulm, der nach etwa 20 km in den Neckar mündet. Das von der Sulm und ihren Zuflüssen gebildete Tal wird auch Weinsberger Tal genannt. Die Stadt liegt hauptsächlich im und auf den Hängen des Tales des Stadtseebaches (auch Saubach genannt), eines südlichen Zuflusses der Sulm. Die Sulm fließt zwar durch Weinsberger Gebiet, aber nicht durch die Stadt selbst, und nur ein kleiner Teil der Stadt liegt am Rand des Sulmtales im Norden der Stadt.
Nordwestlich des Stadtkerns erhebt sich der Burgberg mit der Burgruine Weibertreu, westlich davon der Schemelsberg. Beide Berge werden intensiv für den Weinbau genutzt. Im Osten erstreckt sich das Sulmtal, südlich des bebauten Gebietes das Stadtseebachtal und das Brühltal. Im Süden und Westen grenzt das Stadtgebiet an bewaldete Ausläufer der Löwensteiner Berge, die im Osten mit dem Reisberg beginnen und sich über den Hintersberg und die Waldheide bis zum Galgenberg und Wartberg im Westen erstrecken. Die Beschreibung des Oberamts Weinsberg von 1861 vermerkt: „Die Lage der Stadt ist im Allgemeinen eine gesunde und sehr milde, gegen Nordwesten durch den Burgberg, an den sie sich anlehnt, gedeckt, gegen Süden den Sonnenstrahlen offen, vor den Nebeln des westlichen Neckarthales durch den dazwischenliegenden Jägerhaus-, Galgen- und Wartberg geschützt.“ An den Wartberg schließt sich im Nordwesten das Tal des Stadtseebaches an, nördlich davon der oben erwähnte Schemelsberg.
Das Sulmtal nördlich des Schemelsberges wird von der Autobahn A 6 dominiert, die sich nordöstlich der Stadt, unterhalb des Ranzenbergs im Nordosten, mit der A 81 im Weinsberger Autobahnkreuz trifft. Die A 81 Richtung Stuttgart verläuft ungefähr entlang der östlichen Gemarkungsgrenze Weinsbergs.
Der tiefste Punkt der Gemarkung liegt mit etwa 167 m über NN an der Sulm, in den Weißenhofwiesen an der Grenze zu Erlenbach, der höchste mit etwa 330 m über NN am Nordhang des Reisberges an der südöstlichen Gemarkungsgrenze zu Heilbronn[1].
Geologie
Weinsberg liegt am Rand der Keuperstufe der Löwensteiner Berge, deren Ausläufer sich bis nach Neckarsulm und Öhringen erstrecken. Der Burgberg und der Schemelsberg sind Zeugenberge, die von Sulm und Stadtseebach vom restlichen Gebirgsstock abgetrennt wurden. Beide haben eine Schicht aus Schilfsandstein, der auch zum Bau der Burg und der Johanneskirche verwendet wurde. Am Burgberg wurde von 1811 bis 1867 Gips abgebaut. Das Loch, das der Gipsabbau im Berg hinterlassen hatte, wurde in den 1950er-Jahren wieder zugeschüttet und in Weinberge der Weinsberger Weinbauschule umgewandelt.
Im Umkreis von Weinsberg wurden früher an die zehn Schilfsandsteinbrüche betrieben. Auch in Weinsberg gab es an der südwestlichen Grenze zu Heilbronn sowie auf dem Burgberg Steinbrüche (letzterer allerdings sehr klein).
Ausdehnung des Stadtgebiets
Das Weinsberger Stadtgebiet umfasst 22,22 km², wovon 13,95 km² auf Weinsberg, 3,36 km² auf Gellmersbach, 2,10 km² auf Grantschen und 2,79 km² auf Wimmental entfallen (Stand: Juni 2006)[2].
Seit den Eingemeindungen kann die Form des Stadtgebietes am ehesten mit einem unregelmäßigen (Griechischen) Kreuz verglichen werden, wobei Weinsberg selbst den kurzen West- und den verdickten Südbalken darstellt, Gellmersbach den Nordbalken und Grantschen und Wimmental den verlängerten Ostbalken. Die Ausdehnung in Nord-Süd-Richtung beträgt etwa 8,6 km, in West-Ost-Richtung etwa 9,3 km.
In den Jahren 1957 sowie 1988–2004 verteilte sich die Flächennutzung wie folgt (Flächenangaben in ha, Quelle 1957:[3]; 1988–2004:[4]):
| 1957 | % | 1988 | % | 1992 | % | 1996 | % | 2000 | % | 2004 | % | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Gesamtfläche | 1.429 | 100,00 | 2.223 | 100,0 | 2.222 | 100,0 | 2.222 | 100,0 | 2.221 | 100,0 | 2.222 | 100,0 |
| Siedlungs- und Verkehrsfläche | 155,9 | 10,90 | 515 | 23,2 | 546 | 24,6 | 567 | 25,5 | 595 | 26,8 | 615 | 27,7 |
| Landwirtschaftsfläche | 750,9 | 52,50 | 1.186 | 53,4 | 1.122 | 50,5 | 1.100 | 49,5 | 1.068 | 48,1 | 1.048 | 47,1 |
| Waldfläche | 496,1 | 34,70 | 494 | 22,2 | 529 | 23,8 | 529 | 23,8 | 528 | 23,8 | 528 | 23,7 |
| Wasserfläche | 6,5 | 0,45 | 10 | 0,5 | 12 | 0,5 | 12 | 0,5 | 13 | 0,6 | 13 | 0,6 |
| Übrige Nutzungsarten | 19,6 | 1,37 | 17 | 0,8 | 13 | 0,6 | 14 | 0,6 | 17 | 0,8 | 18 | 0,8 |
Die Siedlungsfläche nimmt kontinuierlich zu, da Weinsberg nach wie vor Baugebiete ausweist. Im Umkehrschluss nimmt die landwirtschaftlich genutzte Fläche ab.
Der städtische Waldbesitz beträgt insgesamt 567 ha. Neben 426 ha Wald auf den Markungen Weinsbergs und seiner Ortschaften besitzt die Stadt auch noch 141 ha Wald auf der Markung von Gemmingen, der am 29. Juli 1936 erworben wurde, als Ausgleich für Weinsberger Gebietsabgaben an den Staat für Militärzwecke (Erweiterung des Heilbronner Exerzierplatzes auf der Waldheide).
Nachbargemeinden
Nachbarorte Weinsbergs sind (im Uhrzeigersinn, beginnend im Westen): die Stadt Heilbronn (Stadtkreis) und die Gemeinden Erlenbach, Eberstadt, Bretzfeld (Hohenlohekreis), Obersulm, Ellhofen und Lehrensteinsfeld. Bis auf Heilbronn und Bretzfeld gehören alle zum Landkreis Heilbronn. Zusammen mit Eberstadt, Ellhofen und Lehrensteinsfeld bildet Weinsberg den Gemeindeverwaltungsverband „Raum Weinsberg“ mit Sitz in Weinsberg.
| Stadtteil | Eingemeindung | Einwohner[5] | Fläche |
|---|---|---|---|
| Weinsberg | — | 9106 | 13,95 km² |
| Gellmersbach | 1. Januar 1975 | 926 | 3,36 km² |
| Grantschen | 1. Januar 1973 | 820 | 2,10 km² |
| Wimmental | 1. Januar 1975 | 619 | 2,79 km² |
Stadtgliederung
Weinsberg besteht aus der Kernstadt und den 1973/1975 eingemeindeten Ortschaften Gellmersbach, Grantschen und Wimmental. Außerhalb der geschlossenen Bebauung befinden sich auch der Weißenhof (mit Klinikum), der Rappenhof und das Wohngebiet Stöcklesberg, ohne dass es sich dabei jedoch um eigene Ortschaften handelt.
Klima
Das Klima ist durch die geschützte Tallage meistens mild und begünstigt den ausgiebig betriebenen Weinbau. Die durchschnittliche Jahrestemperatur lag lt. Jahresberichten der Weinbauschule Weinsberg 1961–1990 bei 9,6 °C, der jährliche Niederschlag bei 740 mm. Für die Periode 1971–2000 liegen diese Werte bei 10,0 °C und 738,4 mm, 2002 bei 11,1 °C und 959 mm. Der Januar hatte von 1961 bis 1990 durchschnittlich 0,6 °C bei 57 mm Niederschlag, 1971–2000 1,4 °C bei 51,7 mm und 2002 0,8 °C bei 21 mm. Der Juli hatte von 1961 bis 1990 durchschnittlich 18,7 °C bei 65 mm Niederschlag, 1971–2000 19,2 °C bei 74,5 mm und 2002 18,8 °C bei 92 mm.
Nach Wetterdaten der Weinbauschule hat sich die mittlere Jahrestemperatur in Weinsberg von 1900 bis 2006 von 9,2 °C auf 10 °C erhöht.[6]
Geschichte
Vorgeschichte und Altertum
Die früheste bekannte Siedlungsspur in Weinsberg ist eine bislang nicht näher erforschte Gruppe von Grabhügeln, die sich im Wald des Gewanns Jungberg befindet, nahe der sogenannten Kaiserforche an der Stadtgrenze zu Heilbronn. Es wird vermutet, dass die Grabhügel der Hallstattzeit zuzuordnen sind.[7]
Im 19. Jahrhundert wurde auf Weinsberger Gemarkung eine keltische Silbermünze (Typ Kreuzmünze) aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. gefunden. Die Münzinschrift „V,O,L,C“ kann dem keltischen Stamm der Volcae zugeordnet werden, die damals u. a. in Süddeutschland lebten. Damit ist zu vermuten, dass sich zu dieser Zeit Kelten zumindest zeitweise im Gebiet des heutigen Weinsberg aufgehalten haben.[8]
Die ersten sicher bekannten Siedler auf Weinsberger Gebiet jedoch waren die Römer. Durch das heutige Stadtgebiet verlief im 2. Jahrhundert eine Römerstraße, die vom (ehemaligen) Kastell Böckingen des Neckarlimes zum Kastell Öhringen des Obergermanischen Limes führte. An dieser Straße wurde unterhalb des späteren Burgberges zwischen 148 und 161 n. Chr. ein römischer Gutshof (villa rustica) errichtet, der bis zur Zerstörung durch Alamannen 234 oder 259/260 bestand. Das Badehauses dieses Gutshofes (in Weinsberg bekannt als Römerbad) wurde 1906 ausgegraben und konserviert, Teile des restlichen Gutshofes 1977.
Mittelalter
Die Alamannen wurden um 500 von den Franken verdrängt, die im 7. Jahrhundert auf Weinsberger Gemarkung westlich des Weißenhofes, zwischen Erlenbach und Gellmersbach, siedelten. 778 wurde die Gegend um Weinsberg als Sulmanachgowe (Sulmgau, Hauptort vermutlich Neckarsulm) in einer Schenkungsurkunde Karls des Großen an das Kloster Lorsch erstmals erwähnt. Auf dem heutigen Gebiet der Stadt Weinsberg sind mehrere mittelalterliche Siedlungen (Bodelshofen, Burchardeswiesen, Lyndach u. a.) nachweisbar, die teilweise auch nach der Stadtgründung noch weiterbestanden, dann aber nach und nach aufgegeben wurden.
Vermutlich um das Jahr 1000 wurde die Burg Weinsberg als Reichsburg auf einem Berg an der Handelsstraße von Heilbronn nach Schwäbisch Hall errichtet. 1140 wurde die Burg von König Konrad III. im Zuge der Auseinandersetzung zwischen Staufern und Welfen belagert und musste sich, nachdem das zu ihrer Befreiung herangeführte Entsatzheer Welfs VI. von den Staufern in einer Schlacht besiegt worden war, schließlich am 21. Dezember 1140 ergeben. Dem Bericht der Kölner Königschronik zufolge wurde den Frauen auf der Burg freier Abzug gewährt unter Mitnahme von dem, was jede tragen könne. Sie trugen ihre Männer herab, denen sie so das Leben retteten, da der König sich an sein Wort hielt. Die Frauen wurden als Treue Weiber bekannt. Die Burg (heute Ruine) heißt aufgrund dieser Begebenheit Weibertreu.
Die Staufer setzten eine Ministerialenfamilie aus dem Gmünder Raum (Sitz in Lindach) als Verwalter auf der Burg ein, die sich bald nach ihrem Sitz „von Weinsberg“ (Herren von Weinsberg) nannte und bis 1450 die Burg als Reichslehen innehatte (mit Unterbrechungen im Nutzungsrecht). Es entstand eine Vorburgsiedlung an den Hängen des Burgberges. Eine an der Handelsstraße im Tal gelegene Marktsiedlung diente der Versorgung der Burg und der umliegenden Ortschaften. Um 1200 wurde auf Veranlassung der Herren von Weinsberg auch mit dem Bau der Johanneskirche zwischen diesen beiden Siedlungen begonnen.
Zur gleichen Zeit wurde vermutlich auch die Stadt Weinsberg gegründet und mit einer Stadtmauer umgeben. 1241 setzt die schriftliche Überlieferung ein mit der Erwähnung der Stadt in einem staufischen Einkünfteverzeichnis (sogenannte Reichssteuerliste), in dem Weinsberg an 29. Stelle aufgeführt ist, ebenbürtig mit Donauwörth, Wiesbaden, Offenburg und Konstanz. Wann Weinsberg das Stadtrecht erlangte, ist unbekannt. Es muss aber vor 1283 gewesen sein, da in diesem Jahr König Rudolf I. der Stadt Löwenstein das Stadtrecht verleiht nach dem Vorbild des Stadtrechtes, das seine Vorgänger der Stadt Weinsberg verliehen hatten. Zu Beginn war Weinsberg zur Hälfte Reichsstadt, zur anderen Hälfte im Besitz der auf der Burg Weinsberg residierenden Herren von Weinsberg, die in der Stadt umfangreiche Rechte wie etwa das Kelterrecht, das Badstubenrecht und das Recht auf die Besetzung des Schultheißenamtes hatten. Diese Rechte und das Beharren der Stadt auf ihrem Status als Reichsstadt, den sie durch Beitritt zu verschiedenen Städtebünden bekräftigte, führten zu zahlreichen Streitereien zwischen Stadt und Herren.
Die im frühen 13. Jahrhundert errichtete Stadtmauer um die Stadt schloss ursprünglich durch Schenkelmauern auch die Burg im Nordwesten mit ein. Im Gebiet zwischen diesen Schenkelmauern, unmittelbar unterhalb der Burg, standen Häuser für Priester, Ministeriale und Leibeigene der Herren. Vermutlich 1332 zerstörten die Weinsberger Bürger diesen Stadtteil und schlossen die Stadt im Westen gegenüber der Burg ab, wie Urkunden aus dem Jahr 1375 aussagen. In Ausnutzung der Abwesenheit zweier der drei Burgherren und gegen den Widerstand des dritten errichteten sie eine Mauer zwischen Burg und Stadt mit einem davorliegenden Graben, der als Burgweg heute noch existiert. Die Schenkelmauern wurden vermutlich gleichzeitig abgebrochen.[9]
Die Streitereien mit den Herren dauerten an. Schließlich, am 22. Mai 1417, belehnte König Sigismund seinen Reichserbkämmerer Konrad IX. von Weinsberg mit der Stadt Weinsberg, die damit vom Status einer Reichsstadt zu einer den Weinsberger Herren unterstellten Landstadt abgewertet worden wäre. Die Stadt suchte Schutz in einem weiteren Städtebund, dem Weinsberger Bund vom 27. November 1420, in dem sich 33 Reichsstädte zum Schutz der Stadt Weinsberg zusammenschlossen.
Weil die Stadt sich weigerte, seine Herrschaft anzuerkennen, und auch die ihm zustehenden Abgaben nicht mehr zahlte, bewirkte Konrad IX. beim königlichen Hofgericht die am 10. Februar 1422 vom König bestätigte Acht über die volljährigen Bürger. Weil diese nichts bewirkte, folgte 1425 die Aberacht. Außerdem verhängte der Papst – vermutlich Martin V. – 1424 den Kirchenbann über sie. All das nutzte jedoch nichts, und Konrad griff zu drastischeren Maßnahmen. Er wollte die mit Weinsberg verbündeten schwäbischen Städte schädigen und erwarb zu diesem Zweck (durch Tausch gegen Weikersheim mit Pfalzgraf Otto I. von Pfalz-Mosbach) die Stadt Sinsheim, durch die einer der Hauptwege zur Frankfurter Messe führte, an dem er damit Rechte erwarb. Im August 1428 überfiel er in Sinsheim zur Messe ziehende Kaufleute und setzte 149 Kaufleute aus 20 mit Weinsberg verbündeten Städten fest, davon allein 37 aus Ulm. Die Frankfurter Messe musste ausfallen. Der König empfand das als persönliche Beleidigung und entzog Konrad seine Gunst. Die Städte einigten sich zwar im Oktober 1428 in Heidelberg mit Konrad, der König verbot ihnen aber diese Einigung. Erst 1430 kam es zu einem neuerlichen Vergleich der Parteien auf Grundlage der zwei Jahre zuvor in Heidelberg erzielten Einigung, dem der König nun zustimmte. In diesem Vertrag musste Konrad die Stadt Weinsberg als (ungeteilte) Reichsstadt anerkennen.
Bereits 1440 verlor Weinsberg im Zug der Bebenburger Fehde den Status der Reichsstadt wieder. Bei dieser Fehde, die 1435 über die Besetzung einer Pfarrerstelle in Reinsberg bei Schwäbisch Hall ausgebrochen war, standen der Würzburger Bischof und sein Stiftshauptmann Kunz von Bebenburg der Reichsstadt Hall und den mit ihr verbündeten Städten, darunter Weinsberg, gegenüber. Die Haller ließen unter Berufung auf ihre kaiserlichen Privilegien Reiter der Gegenseite als Friedensbrecher aburteilen und aufhängen, wurden dafür aber vor dem Landgericht in Würzburg und Nürnberg verurteilt. Kunz von Bebenburg warb Bundesgenossen gegen die Städte und ging in einer Kette von einzelnen Fehden, die bis 1446 andauerten, gegen sie vor. Der 1596 in Frankfurt am Main erschienenen Schwäbischen Chronik (Paraleipomenos Rerum Sueuicarum Liber) des Tübinger Professors Martin Crusius zufolge soll es einer Schar von Rittern unter Führung von Kunz von Bebenburg und Hans von Urbach am 2. September 1440 gelungen sein, einige Männer in einem großen Weinfass („Trojanisches Fass“) in die Stadt Weinsberg zu schmuggeln, die dann die Tore öffneten und so die Einnahme der Stadt ermöglichten. Am 16. September 1440 verkauften sie die Stadt für 3.000 Gulden an den Pfalzgrafen Ludwig bei Rhein. Da die mit Weinsberg verbündeten Städte die von diesem geforderte Auslöse von 7.966 Gulden nicht aufbringen konnte, wurde die Stadt Teil der Kurpfalz.[10] 1450 kaufte Pfalzgraf Friedrich den Herren von Weinsberg die Burg und die ihnen noch verbliebenen Rechte in der Stadt ab und war damit alleiniger Besitzer Weinsbergs.
Im Frühjahr 1460 konnte der kurpfälzische Amtmann Weinsbergs, Lutz Schott von Schottenstein, im Bündnis mit Bürgern der Reichsstädte Heilbronn und Wimpfen die Stadt Weinsberg gegen ein Heer des Grafen Ulrich V. von Württemberg verteidigen, der sich im Krieg mit dem Pfalzgrafen und Kurfürsten Friedrich I. befand und mit 2000 bis 3000 Mann vom Kloster Maulbronn her anrückte. Nach einem Bericht der Speyerischen Chronik verschanzten sich Schott und seine Verbündeten im Gelände und verteidigten Weinsberg erfolgreich, wobei sie außer zwei Rittern und weiteren 60 Mann auch Hans von Rechberg und einen Grafen von Helfenstein erschossen.[11]
16. bis 19. Jahrhundert
1504 eroberte Herzog Ulrich von Württemberg im Landshuter Erbfolgekrieg Burg und Stadt Weinsberg nach dreiwöchiger Belagerung. Mit dem Uracher Vertrag von 1512 zwischen der Kurpfalz und Württemberg wurde Weinsberg dann auch offiziell württembergisch. 1520 wurde es wie ganz Württemberg österreichisch (bis 1534).
Im Bauernkrieg wurden am 16. April 1525, Ostersonntag, Burg und Stadt von aufständischen Bauern eingenommen. Die Burg wurde geplündert und angezündet und ist seitdem Ruine. Der in Weinsberg gefangen genommene Graf Ludwig Helferich von Helfenstein, Amtmann von Weinsberg und Obervogt über alle württembergische Bauern, wurde vor den Stadtmauern mitsamt seinen Rittern und Reisigen von den Bauern durch die Spieße gejagt und getötet. Dieses Weinsberger Blut-Ostern zog die Vergeltung des Schwäbischen Bundes nach sich, der Weinsberg am 21. Mai niederbrennen ließ. Die Stadt verlor ihre Freiheiten und das Stadtrecht, ihre Einkünfte gingen künftig direkt an die Obrigkeit. Die Bürger mussten eine jährliche Buße von 200 Gulden zahlen. Bis 1534 wurden zudem Sühnegelder für die Hinterbliebenen Helfensteins von den Weinsbergern eingetrieben. Es wurde verboten, die zerstörten Häuser wieder aufzubauen; das Verbot wurde aber noch im selben Jahr wieder aufgehoben. Der Urfehdebrief vom 17. November 1525, der dieses Verbot aufhob, bestimmte auch, dass die gesamte Stadtmauer mitsamt Türmen geschleift werden sollte, was aber nicht geschah. Nach der Rückkehr Ulrichs nach Württemberg 1534 huldigte ihm Weinsberg und nannte sich fortan wieder Stadt, wenngleich ein (neues, württembergisches) Stadtrecht erst 1553 von Herzog Christoph wieder verliehen wurde.
Im Schmalkaldischen Krieg wurde Weinsberg am 21. Dezember 1546 von Kaiser Karl V. ohne Kampfhandlungen eingenommen. In der Folge lagen von November 1549 bis Oktober 1551 spanische Truppen in der Stadt. Danach kehrte für mehrere Jahrzehnte Ruhe ein, die nur durch den Durchzug von Infektionskrankheiten – „Englischer Schweiß“ (sudor anglicus) im Jahre 1529, Pest in den Jahren 1571, 1585, 1597 und 1612 – gestört wurde.
Im Dreißigjährigen Krieg lagen dann mehrfach Soldaten in Weinsberg. Im September 1634 fielen kaiserliche Truppen ein, plünderten die Stadt und ermordeten zehn Menschen. 1625 und 1635 suchte erneut die Pest die Stadt heim, die bis 1640 fast zwei Drittel ihrer Einwohner verlor. Ebenfalls 1635 schenkte Kaiser Ferdinand II. Stadt und Amt Weinsberg dem Grafen Maximilian von und zu Trauttmansdorff, der beide 1646 an Württemberg zurückgab. Aufgrund dieser Episode nennen sich seine Nachfahren bis heute von Trauttmansdorff-Weinsberg.
1649 bis 1742 gehörte Weinsberg (zusammen mit Möckmühl und Neuenstadt am Kocher) hälftig zur Herrschaft Württemberg-Neuenstadt. Während dieser Zeit wurde die Stadt am 19. August 1707 durch einen großen Brand zu zwei Dritteln zerstört und danach innerhalb weniger Jahre wieder aufgebaut, wobei das mittelalterliche Stadtbild mit engen Gassen wegen der Weiterverwendung der für den Weinbau wichtigen Keller weitgehend erhalten blieb – trotz anderer Wünsche der mit dem Wiederaufbau befassten herzoglichen Baumeister, die ihre barocken Ideale der geraden, breiten Straßen als Sichtachsen nur am Marktplatz durchsetzen konnten. 1755 wurde Weinsberg Sitz eines Oberamtes (Oberamt Weinsberg).
1817 setzte in der Stadt eine Auswanderungswelle vor allem nach Nordamerika ein, die bis ins späte 19. Jahrhundert anhielt. Die Gründe waren zum einen wirtschaftlicher Art (zum Beispiel durch Missernten verursachte Not), zum anderen aber auch politischer Natur. Der später berühmte Nationalökonom Friedrich List, damals noch württembergischer Rechnungsrat, wurde im Frühjahr 1817 nach Weinsberg geschickt, um die Gründe der Auswanderungswilligen zu erforschen. Ihm wurden hauptsächlich Bedrückung durch Feudalrechte (zum Beispiel Fronen) oder persönliche Bedrückung durch willkürlich handelnde Beamte genannt. Lists Bericht an die Regierung in Stuttgart findet seinen Höhepunkt in der Aussage, die Auswanderer „wollen lieber sklaven in Amerika seyn als bürger in Weinsperg“. Erst Jahrzehnte später, 1892, wurde in Weinsberg die letzte Auswanderung nach Nordamerika verzeichnet. Die Industrialisierung und der damit verbundene Wirtschaftsaufschwung verbesserten die Lage der Bürger.
Von 1819 bis zu seinem Tod 1862 lebte der Dichter und Arzt Justinus Kerner in Weinsberg. In seinem 1822 erbauten Haus, dem Kernerhaus, trafen sich oft mit ihm befreundete Dichter wie Ludwig Uhland, Gustav Schwab und Nikolaus Lenau und bescherten Weinsberg so den Ruf, ein „schwäbisches Weimar“ zu sein. Auch in der Heimat- und Denkmalpflege war Kerner tätig; er verhinderte den weiteren Abbruch der Burgruine, die im Laufe der Jahrhunderte verfallen und von den Weinsbergern als billige Steinquelle genutzt worden war. Für die weitere Instandhaltung der Burg gründete Kerner zusammen mit 142 Weinsberger Frauen den Frauenverein Weinsberg, der 1824 vom württembergischen König Wilhelm I. mit der Burgruine belehnt wurde und sie noch heute besitzt (jetzt unter dem Namen Justinus-Kerner-Verein und Frauenverein Weinsberg).
1860 bis 1862 wurde die Eisenbahnlinie von Heilbronn über Weinsberg nach Schwäbisch Hall (Hohenlohebahn) gebaut, bis 1867 deren Fortsetzung nach Crailsheim. Die Eisenbahn brachte den Fortschritt und mit einiger Verzögerung auch wirtschaftliche Prosperität in die Stadt. 1868 wurde nach jahrelangen Vorbereitungen eine Königliche Weinbauschule in Weinsberg eingerichtet, die unter anderem Namen bis heute besteht.
Seit Beginn des 20. Jahrhunderts bis zum Zweiten Weltkrieg
Das erste Viertel des 20. Jahrhunderts sah die Gründung einiger Firmen, die sich hauptsächlich in zwei neu angelegten Gewerbegebieten in der Nähe des Bahnhofs ansiedelten und Güter wie Ziegel, Tabak und Möbel produzierten. 1903 wurde etwas außerhalb des Stadtgebietes die neu gebaute Königliche Heilanstalt (für Geisteskranke) eröffnet, die als Klinikum am Weissenhof heute der größte Arbeitgeber in der Stadt ist.
Nach mehreren gescheiterten Versuchen unternahm es die württembergische Regierung 1923 erneut, die Zahl der Oberämter zu verringern. Auch diese Reform scheiterte und führte zum Rücktritt der Regierung. Die weitere politische Debatte führte schließlich zu einer Mini-Reform, der 1926 als einziges Oberamt das Oberamt Weinsberg zum Opfer fiel, das mit Wirkung vom 1. April gegen den heftigen Protest der Weinsberger aufgelöst und auf die umliegenden Oberämter verteilt wurde. Weinsberg selbst wurde dem Oberamt Heilbronn zugeteilt. Die ehemalige Oberamtsstadt verlor an Bedeutung, die Heilbronn im Gegenzug dazugewann.
Die Veränderung von Staat und Gesellschaft zur Zeit des Nationalsozialismus blieb auch in Weinsberg nicht ohne Folgen. Die Stadt versuchte, den 1926 durch die Auflösung des Oberamtes erlittenen Bedeutungsverlust durch neue Funktionen im nationalsozialistischen Staat zu kompensieren. So wurde 1934 der Plan verfolgt, Weinsberg zur „Hauptstadt der deutschen Frauentreue“ ernennen zu lassen. Ein diesbezüglicher Vorstoß bei Joseph Goebbels scheiterte jedoch. Ebenso wenig von Erfolg gekrönt war der 1936 von Bürgermeister Weinbrenner an die Reichsfrauenführerin Gertrud Scholtz-Klink gerichtete Vorschlag, auf der Burgruine Weibertreu eine Schulungsstätte der NS-Frauenschaft einzurichten und die Burg so „gleichsam zur Walhalla der deutschen Frauen“ zu erheben. Zum 800. Jahrestag der Treu-Weiber-Begebenheit im Jahr 1940 wurden ab 1938 große Festlichkeiten geplant, anlässlich derer die Burg doch noch als „Walhalla der deutschen Frau“ an die Reichsfrauenführerin übergeben werden sollte. Der Beginn des Krieges am 1. September 1939 machte die Planungen zunichte.[12]
Das Militär ließ sich verstärkt in und um Weinsberg nieder. 1934 sollte der Exerzierplatz auf der Waldheide zwischen Heilbronn und Weinsberg vergrößert werden, wozu Weinsberg 80 ha Wald unentgeltlich abgeben sollte. Die Stadt konnte jedoch erreichen, dass zwar 66 ha Wald abgegeben werden mussten, aber nicht umsonst, sondern im Wege des regulären Verkaufs. Vom Erlös wurden 1936 141 ha Wald auf Gemarkung Gemmingen gekauft, die auch 70 Jahre danach noch im Besitz der Stadt Weinsberg sind. Im gleichen Jahr wurden auch im Brühltal im Süden des Stadtgebietes 14 ha Privatgrundstücke beschlagnahmt, um dort einen Militärschießplatz anzulegen. 1937 wurde schließlich am damaligen Stadtrand ein Landwehrübungslager errichtet, das dann zu Kriegszeiten ab 1940 bis Ende März 1945 als Offiziersgefangenenlager (Oflag V A) diente. 1940 erreichte die Reichsautobahn von Stuttgart kommend Weinsberg, wo sie für die folgenden Jahrzehnte endete.
Wie fast überall in Deutschland fanden auch in Weinsberg Verbrechen an Behinderten und Juden statt. Im Rahmen der Aktion T4 wurden im Jahr 1940 mindestens 422 Personen aus der Weinsberger Heilanstalt nach Grafeneck gebracht, wo sie ermordet wurden. Später war die Heilanstalt eine der der Anstalt Hadamar zugeordneten Zwischenanstalten, wo Geisteskranke gesammelt und dann zur Tötung nach Hadamar gebracht wurden. 1942 wurden zwei Juden aus Weinsberg ins Ghetto Theresienstadt deportiert.
Im Zweiten Weltkrieg kam Weinsberg lange Zeit relativ ungeschoren davon und konnte sogar viele Ausgebombte aus dem am 4. Dezember 1944 stark zerstörten Heilbronn aufnehmen. Es „war so übervölkert, daß es mehr Flüchtlinge zählte als Einheimische“.[13] Die Heilanstalt wurde zum Notlazarett und Ersatz für das zerstörte Heilbronner Krankenhaus umfunktioniert. In der Endphase des Krieges, am 12. April 1945, wurde die Stadt dann doch noch durch Artilleriebeschuss und Bombardierung und die daraus resultierenden Brände großteils zerstört. Insgesamt starben 15 Menschen. 330 Häuser brannten ab, auch das Rathaus und mit ihm das Stadtarchiv, das schon bei den Bränden 1525 und 1707 dezimiert worden war. Weitere wichtige Quellen zur Stadtgeschichte gingen verloren.
Nach dem Zweiten Weltkrieg
Im vormaligen Landwehrübungs- und Kriegsgefangenenlager wurden von den Siegermächten nach Kriegsende ehemalige Zwangsarbeiter und andere Displaced Persons untergebracht. 1953 wurde das DP-Lager umfunktioniert zu einem Landesdurchgangslager für Flüchtlinge aus den ehemals deutschen Ostgebieten, das noch bis zum 30. November 1972 existierte. Auch Bundespräsident Horst Köhler lebte als Kind für einige Tage hier. Viele Flüchtlinge aus dem Lager ließen sich permanent in Weinsberg nieder und trugen zum Wiederaufbau der Stadt in den späten Vierziger- und den Fünfzigerjahren bei. Bis 1955 war der Wiederaufbau mit 450 Neubauten oder wieder aufgebauten Gebäuden im Wesentlichen abgeschlossen.
In den 1960er- und 1970er-Jahren veränderte der Bau zweier Autobahnen und des Autobahnkreuzes die Stadt in bis dahin ungekanntem Ausmaß. Weinsberg war nun aus allen Himmelsrichtungen bequem und schnell per Automobil zu erreichen, musste dafür aber Flächenabgaben für den Autobahnbau hinnehmen, die von 1936 bis 1972 zusammen 113 ha ausmachten, der Großteil davon ab 1963. Zudem sah sich die Stadt zunehmend Verkehrslärm in bislang unbekanntem Ausmaß ausgesetzt, was Lärmschutzmaßnahmen notwendig machte.
Ab Ende der 1960er-Jahre wurde in Baden-Württemberg eine Kreis- und Gemeindereform diskutiert. Die Zielplanung der Landesregierung für diese Reform sah die Eingemeindung der Gemeinden Eberstadt (mit Hölzern), Ellhofen, Gellmersbach, Grantschen und Lehrensteinsfeld in die Stadt Weinsberg vor. Besonders in Eberstadt, Ellhofen und Lehrensteinsfeld stieß dies auf Widerstand. Als Alternative zur Eingemeindung gründete Weinsberg zusammen mit diesen Gemeinden am 21. Dezember 1971 den Gemeindeverwaltungsverband „Raum Weinsberg“ mit Sitz in Weinsberg. Grantschen wurde zum 1. Januar 1973, Gellmersbach zum 1. Januar 1975 nach Weinsberg eingemeindet. Die Gemeinde Wimmental, die nach der ursprünglichen Zielplanung Teil der neu zu bildenden Gemeinde Obersulm hätte werden sollen, entschied sich stattdessen lieber für die Eingemeindung nach Weinsberg, die ebenfalls zum 1. Januar 1975 erfolgte.
Der Beginn der 1970er-Jahre war eine Zeit, in der allenthalben Veränderungen anstanden und auch Zuschüsse dafür zu erhalten waren. Der Autobahnbau und die Verwaltungsreform kamen von außen. Die Stadt nutzte ihre Chancen, auch intern Neues anzustoßen. Schon ab den 1960ern waren Neubaugebiete ausgewiesen worden, dies wurde verstärkt fortgesetzt und hält mit Pausen bis in die Gegenwart (Stand: 2006) an. Auf der „grünen Wiese“ südlich des Friedhofes entstand im Verlauf dreier Jahrzehnte ab 1971 das Schulzentrum Rossäcker mit Gymnasium, Hauptschule, Realschule, zweiter Grundschule und zwei Hallen. Wenige Jahre später war es schon wieder von Wohngebieten umgeben. 1977 wurde angrenzend an Ellhofen ein großes neues Gewerbegebiet an der A 81 ausgewiesen, dem 2000 ein weiteres folgte. Die Sanierung und Umgestaltung innerstädtischer Gelände wurde vorangetrieben (unter anderem Traubenplatz mit Weinbauschule, 1972 bis 2002, Alte Ziegelei, 1984 bis 1990, und ehemaliges Gelände der Karosseriewerke Weinsberg, 1986 bis 1994). Die Schließung des Flüchtlingslagers 1972 ermöglichte zum einen die Überbauung des Geländes mit Wohnhäusern, zum anderen die Realisierung des Naherholungsgebietes Stadtseebachtal. Rebflurbereinigungen in den Weinsberger Weinbergen ab Mitte der 1970er-Jahre bis 1990 ermöglichten zeitgemäßen Weinbau.
Der verstärkte Zustrom von Spätaussiedlern machte 1990 den Bau des Übergangswohnheimes Grabenäcker an der Straße nach Gellmersbach notwendig. Im gleichen Jahr erfolgte die Freigabe der Umgehungsstraße der B 39, die schon seit 1964 in Planung gewesen war. Dem Hochwasserschutz, der im Sulmtal seit dem großen Hochwasser vom Mai 1970 mit Millionenschäden bei Audi in Neckarsulm große Priorität genießt, wurde mit dem Bau zweier Rückhaltebecken 1988 und 1999 Rechnung getragen.
Für Streit mit den Nachbargemeinden im Gemeindeverwaltungsverband sorgte die Ansiedlung eines Handelshof-Marktes der Kaufland-Gruppe. Die Nachbargemeinden wollten die Ansiedlung nicht genehmigen, da sie Kaufkraftabflüsse befürchteten. Am 21. Februar 2001 genehmigte der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg letztinstanzlich den Bau, die Eröffnung wurde am 10. Oktober 2002 gefeiert. Das in die Jahre gekommene Weinsberger Freibad wurde 2002/2003 mit Baukosten von 3,76 Millionen Euro grundlegend überholt und erweitert. Am 10. Dezember 2005 schließlich erfüllte sich nach über zehnjähriger Planungszeit mit der Eröffnung der Strecke der Stadtbahn Heilbronn nach Öhringen ein lange gehegter Wunsch von Stadtverwaltung und Bevölkerung.
Religionen
Weinsberg ist seit der Reformation überwiegend evangelisch. Nach Zahlen der Stadtverwaltung waren am 30. Juni 2006 von 9.132 Einwohnern der Kernstadt 4.310 (47,2 %) evangelisch und 2027 (22,2 %) katholisch.[5]
Die Stadt war Hauptort des 1291 erstmals erwähnten Landkapitels Weinsberg des Bistums Würzburg, das 52 Pfarreien umfasste, unter anderem Heilbronn. 1510 bis 1518 hatte Johannes Oekolampadius, der spätere Reformator Basels, eine Prädikantenstelle an der Weinsberger Johanneskirche inne. In Weinsberg erregte er mit seinen reformorientierten Predigten aber Anstoß und verließ die Stadt daher.
1520 kam der Heilbronner Erhard Schnepf als erster ausgesprochen evangelischer Prediger nach Weinsberg. 1522 wurde er von der österreichischen Regierung vertrieben. Nach der Rückkehr Herzog Ulrichs nach Württemberg, 1534, führte Schnepf im Auftrag des Herzogs die Reformation in Württemberg durch. In Weinsberg kam diese Aufgabe dem Pfarrer Johann Geyling zu, der 1548 als Folge des Interims (Versuch einer Rekatholisierung mit geringfügigen Zugeständnissen) abgesetzt wurde. Nach dem Ende des Interims 1552 setzte sich die Reformation in Weinsberg endgültig durch.
Weinsberg wurde Teil und zunächst auch Hauptort eines evangelischen Kirchenbezirks. 1586 wurde dessen Hauptort nach Möckmühl, 1612 nach Neuenstadt am Kocher verlegt, bis schließlich 1710 ein neuer Kirchenbezirk mit Hauptort Weinsberg errichtet wurde. Von 1752 bis 1759 war der Pietist Friedrich Christoph Oetinger Dekan in Weinsberg. Während dieser Zeit entstand sein Weinsberger Predigtbuch.
Nach verschiedenen Änderungen entsprach der evangelische Kirchenbezirk Weinsberg ab 1812 dem politischen Oberamt Weinsberg und blieb von dessen Auflösung 1926 unberührt, so dass die heutigen Grenzen des Dekanats Weinsberg der Evangelischen Landeskirche in Württemberg die früheren politischen Grenzen widerspiegeln. Die sich nur auf Weinsberg selbst (einschließlich Klinikum) erstreckende Evangelische Kirchengemeinde Weinsberg hat heute 4.700 Mitglieder (Stand: Oktober 2004). Ihre Kirche ist die Johanneskirche. Gellmersbach bildet eine eigene evangelische Kirchengemeinde mit etwa 530 Mitglieder. Grantschen (530 Mitglieder) und Wimmental (170 Mitglieder) gehören zur Evangelischen Kirchengemeinde Sülzbach, die insgesamt etwa 1.700 Mitglieder hat. Beide Kirchengemeinden (Gellmersbach und Sülzbach) gehören ebenfalls zum Kirchenbezirk Weinsberg.
In Weinsberg wurden erst nach Ende des Zweiten Weltkriegs, durch Zuwanderung von Flüchtlingen, Katholiken in nennenswerter Anzahl ansässig. Als Folge wurde die Katholische Kirchengemeinde St. Josef Weinsberg gegründet, die auch für Gellmersbach, das Klinikum am Weissenhof und die Nachbargemeinde Eberstadt zuständig ist. 1951 bis 1954 wurde die katholische Josefskirche neu gebaut. Gegenwärtig hat die Kirchengemeinde St. Josef 2.877 Mitglieder (Stand: 2003).
Eine jüdische Gemeinde gibt und gab es in Weinsberg nicht; es sind in der Weinsberger Geschichte aber vereinzelt Juden nachgewiesen. 1298 waren Weinsberger Juden von der Rintfleisch-Verfolgung betroffen. 1418 zahlten Juden in Weinsberg 100 Gulden Judensteuer an Konrad von Weinsberg. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurden wieder vereinzelt jüdische Familien ansässig, es gab aber keine jüdische Gemeinde. Die jüdischen Patienten der 1903 erbauten Heilanstalt wurden von Rabbinern aus Heilbronn betreut. Am 22. August 1942 wurden mit einem großen Eisenbahn-Transport zumeist betagte Juden aus dem Stuttgarter Raum und dem Kreis Heilbronn ins Ghetto Theresienstadt gebracht, darunter auch zwei Juden aus Weinsberg.
Neuapostolische Christen sind seit etwa 1920 in Weinsberg ansässig. Eine eigene Kirchengemeinde wurde 1931 gegründet, ein neugebautes Kirchengebäude am 29. Mai 1965 eingeweiht. Die neuapostolische Kirchengemeinde Weinsberg gehört zum Kirchenbezirk Heilbronn-Pfühl der Neuapostolischen Kirche Süddeutschland und hat 177 Mitglieder (Stand: Jahresende 2006)[14].
Die Evangelisch-methodistische Kirchengemeinde Weinsberg hat ein Einzugsgebiet von Neckarsulm bis ins Sulmtal und etwa 70 Mitglieder (Stand: 2003). Erste methodistische Prediger kamen 1851 von Heilbronn nach Weinsberg; ein eigener Gemeindebezirk wurde 1884 geschaffen, eine eigene Kapelle 1887 errichtet. Diese 1934/1935 und 1967 erweiterte und renovierte Kapelle wurde im Jahr 2000 durch die neue Christuskirche mit Gemeindezentrum ersetzt.
Weitere in Weinsberg vertretene Konfessionen und Religionen sind unter anderen die Zeugen Jehovas mit einem eigenem Königreichssaal, Baptisten, die seit der Aufnahme der Spätaussiedler in den 1990er-Jahren in nennenswerter Anzahl hier wohnen, sich in der Evangeliumschristen-Baptisten Brüdergemeinde organisiert und ein eigenes Kirchengebäude errichtet haben, und Muslime, in der Regel Türken bzw. türkischstämmige Deutsche und seit Ankunft der türkischen Gastarbeiter hier ansässig.
Eingemeindungen
Im Zuge der baden-württembergischen Gemeindereform wurden die bis dahin selbstständigen kleinen Gemeinden Gellmersbach, Grantschen und Wimmental als Ortschaften in die Stadt Weinsberg eingemeindet. Alle drei Gemeinden hatten schon in früheren Jahrhunderten zum Besitz der Herren von Weinsberg gezählt. Die Zielplanung der Landesregierung sah für Gellmersbach und Grantschen die Eingemeindung nach Weinsberg, für Wimmental hingegen die Zuordnung zur neu zu bildenden Gemeinde Obersulm vor. Den Anfang machte Grantschen, dessen Bürger sich in einer Bürgeranhörung am 26. März 1972 für die freiwillige Eingliederung in die Stadt Weinsberg entschieden. Der Ort mit damals 652 Einwohnern wurde am 1. Januar 1973 eingemeindet. Die Wimmentaler Bürger stimmten in einer Bürgeranhörung am 20. Januar 1974 statt für Obersulm lieber für die freiwillige Eingliederung in die Stadt Weinsberg. Gellmersbach schließlich entschied sich im Dezember 1974 für die freiwillige Eingliederung. Beide Orte wurden am 1. Januar 1975 eingemeindet, Gellmersbach mit damals 691 Einwohnern, Wimmental mit 477.[15]
| Jahr | Einwohner |
|---|---|
| 1525 | 1.200 |
| 1620 | 1.600 |
| 1640 | 540 |
| 1670 | 1.060 |
| 1800 | 1.450 |
| 1810 | 1.634 |
| 1820 | 1.770 |
| 1830 | 1.904 |
| 1840 | 2.039 |
| 1845 | 2.148 |
| 1858 | 2.080 |
| 1900 | 2.479 |
| 1907 | 3.097 |
| 1920 | 3.389 |
| 1930 | 3.600 |
| 1939 | 4.555 |
| 1947 | 5.665 |
| 1952 | 5.837 |
| 1955 | 8.249 |
| 1960 | 6.979 |
| 1965 | 6.993 |
| 1970 | 7.392 |
| 1975 | 8.287 |
| 1980 | 8.799 |
| 1985 | 9.155 |
| 1990 | 10.009 |
| 1995 | 11.070 |
| 2000 | 11.350 |
Einwohnerentwicklung
Konkrete Bevölkerungszahlen werden erstmals mit einem überlieferten Herdstellenverzeichnis von 1525 zugänglich, das 224 Haushalte verzeichnet. Bei einer angenommenen durchschnittlichen Haushaltsgröße von fünf Personen plus Gesinde entspricht das etwa 1.200 Einwohnern. Trotz der Heimsuchung durch mörderische Infektionskrankheiten – „Englischer Schweiß“ (sudor anglicus) im Jahre 1529, Pest 1571, 1585, 1597 und 1612 – zählte die Bevölkerung im Jahr 1620 1.600 Personen. Durch den Dreißigjährigen Krieg und weitere Pestepidemien 1625 und 1635 schrumpfte sie auf 540 Einwohner im Jahre 1640. 1670 zählte die Stadt etwa 1.060 Bewohner, und erst 1810 wurde die Zahl von 1600 Einwohnern wieder überschritten. 1840 wurden dann 2.000 Personen erreicht, woran sich in der Folgezeit nicht viel änderte: Die Beschreibung des Oberamts Weinsberg vermeldet für den 3. Dezember 1858 2.080 Bewohner. 1907, nach der 1903 erfolgten Eröffnung der Königlichen Heilanstalt, lebten 3.097 Einwohner in Weinsberg, davon 654 in der Heilanstalt.
Die Eröffnung des Lagers für Displaced Persons, später Landesdurchgangslager für Ostflüchtlinge, ließ die Einwohnerzahl in die Höhe schnellen; zeitweise lebten noch einmal halb so viele Flüchtlinge in Weinsberg wie eigentliche Stadteinwohner, 1955 zum Beispiel 2.616 Lagerbewohner gegenüber 4.982 eigentlichen Stadteinwohnern und 651 Einwohnern des Landeskrankenhauses. Etliche dieser Flüchtlinge ließen sich auch in Weinsberg nieder, was zu Beginn der 1960er-Jahre bei abnehmendem Bevölkerungsstand im Lager zu einer Zahl von etwa 7.000 Einwohnern führte. Es folgte ein stetiges Wachstum, bis Ende 1972 durch die Schließung des Landesdurchgangslagers ein leichter Rückgang eintrat, der aber 1973 und 1975 durch die Eingemeindungen kompensiert wurde. In den 1990er-Jahren wurde erstmals die Zahl von 11.000 Einwohnern erreicht. Bis heute verzeichnet Weinsberg einen leichten Bevölkerungszuwachs durch Zuzug und weist deshalb noch neue Baugebiete aus.
Ausländer sind in Weinsberg in nennenswerter Anzahl erst seit Eintreffen der Gastarbeiter in Deutschland ansässig. Die meisten von ihnen kommen aus klassischen Gastarbeiter-Ländern wie der Türkei, Italien und Griechenland. Ihr Anteil hat sich seit Jahren um die 10 % eingependelt und betrug am 30. Juni 2006 in der Gesamtstadt 9,1 %[5], nicht mitgezählt jene, die inzwischen die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen haben. Ebenfalls in dieser Zahl nicht berücksichtigt sind die seit 1989 in größerer Zahl auch in Weinsberg aufgenommenen Spätaussiedler, die zwar aus dem Ausland kommen, rechtlich gesehen aber Deutsche sind. In der Kernstadt Weinsberg ohne Ortschaften lag der Anteil etwas höher bei 10,4 %.[5]
Zur Tabelle: Frühe Zahlen sind Schätzungen, Geschichtsquellen oder der Beschreibung des Oberamts Weinsberg von 1861 entnommen. Spätere Zahlen entstammen amtlichen Zählungen oder Fortschreibungen und sind im Wesentlichen dem Jahrbuch für die Stadt Weinsberg entnommen. Ab 1907 mit Heilanstalt bzw. Krankenhaus/Klinikum, 1947 bis 1970 mit Landesdurchgangslager, ab 1975 mit eingemeindeten Ortsteilen.
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Politik
Gemeinderat und Ortschaftsräte
Der Weinsberger Gemeinderat hat regulär 22 Sitze, wie in der Gemeindeordnung Baden-Württembergs für eine Kommune der Größe Weinsbergs vorgesehen. 16 Sitze sind für die Kernstadt und jeweils zwei für die drei Ortschaften Gellmersbach, Grantschen und Wimmental reserviert. Die Wahlvorschläge der Parteien und Wählervereinigungen enthalten getrennte Listen für die vier einzelnen Wohnbezirke (Weinsberg, Gellmersbach, Grantschen, Wimmental) oder auch nur Listen für manche der Wohnbezirke, etwa wenn sich für die anderen keine Kandidaten finden. Jeder Wahlberechtigte kann aber nicht nur über Kandidaten seines jeweiligen Wohnbezirks abstimmen, sondern über die Kandidaten aus allen Wohnbezirken (sogenannte Unechte Teilortswahl). Konkret heißt das, dass auch die Wahlberechtigten der Kernstadt darüber abstimmen, wer jede der Ortschaften im Gemeinderat vertritt, und umgekehrt.
Durch dieses komplizierte Kommunalwahlrecht können sich Ausgleichssitze ergeben, wenn ein Wahlvorschlag in einem Wohnbezirk eine bedeutend höhere Zustimmung erfährt als im Gesamtergebnis. So auch bei der Gemeinderatswahl 2004 in Weinsberg: Die CDU war in den Ortschaften erfolgreicher als insgesamt und konnte jeweils einen der zwei pro Ortschaft reservierten Sitze erringen. Freie Wähler und SPD erhielten jeweils einen Ausgleichssitz, so dass der Gemeinderat in der Wahlperiode 2004–2009 24 Mitglieder hat. Die Mitglieder des Gemeinderats tragen als Person jeweils den Titel Stadtrat (StR) oder Stadträtin (StR'in).
Dominierende Fraktion im Weinsberger Gemeinderat ist seit ihrem ersten Antreten im Januar 1951 die Freie Wählervereinigung Weinsberg 1950. Auch SPD und CDU sind seit Jahrzehnten vertreten. Die SPD, seit 1909 mit einem Ortsverein vertreten und in den 1950ern und 1960ern zweitstärkste Fraktion (von zweien) mit bis zu 40 % der Mandate, war noch bis 1975 stärker vertreten als die CDU, die 1971 zum ersten Mal überhaupt zu Gemeinderatswahlen angetreten war, von den Eingemeindungen dann aber stark profitieren konnte und seitdem die zweitstärkste Fraktion stellt. Vierte Fraktion waren von 1984 bis 1994 Die Grünen und in deren Nachfolge ab 1994 die Unabhängige Liste Weinsberg, die aber bei der Wahl 2004 nicht mehr genügend Kandidaten fand und deswegen nicht mehr antrat. Die Wahl am 13. Juni 2004 erbrachte folgendes Ergebnis:
| Partei | Anteil | * | Sitze | * |
|---|---|---|---|---|
| Freie Wählervereinigung Weinsberg 1950 (FWV) | 46,6 % | +9,1 | 11 | +2 |
| CDU | 32,7 % | −0,6 | 8 | ±0 |
| SPD | 20,7 % | +3,2 | 5 | +1 |
| Unabhängige Liste Weinsberg | 0,0 % | −11,6 | 0 | −2 |
| Gesamt | 100 % | 24 |
* Veränderung zur letzten Gemeinderatswahl
Weiteres Mitglied des Gemeinderates und dessen Vorsitzender ist der Bürgermeister.
In jeder der drei Ortschaften gibt es einen bei jeder Kommunalwahl von der wahlberechtigten Bevölkerung zu wählenden Ortschaftsrat. Die Ortschaftsräte haben jeweils sechs Mitglieder. Auf ihren Vorschlag hin wählt der Gemeinderat für jede Ortschaft einen ehrenamtlichen Ortsvorsteher. Diese Gremien sind zu wichtigen die Ortschaft betreffenden Angelegenheiten zu hören.
Bürgermeister
Der Weinsberger Bürgermeister ist gemäß der baden-württembergischen Gemeindeordnung Vorsitzender des Gemeinderats und Leiter der Stadtverwaltung. Er ist hauptamtlicher Beamter auf Zeit und wird von den wahlberechtigten Weinsberger Bürgern direkt für eine Amtszeit von acht Jahren gewählt. Vor dem 1. Dezember 1930 führte das Weinsberger Stadtoberhaupt den Titel Stadtschultheiß, seither Bürgermeister.
Am 13. Februar 1820 wurde Heinrich Pfaff Stadtschultheiß, der Justinus Kerner bei dessen Bemühungen um die Rettung der Burgruine Weibertreu unterstützte und 1832 bis 1838 das Oberamt Weinsberg als liberaler Abgeordneter im württembergischen Landtag vertrat. Nach Pfaffs Tod am 23. November 1845 wurde am 9. Dezember Franz Fraas zu seinem Nachfolger gewählt, der sich im November 1853 einer drohenden Zwangsversteigerung durch Flucht nach Amerika entzog. Ihm folgte Johann Jakob Haug, der sich erfolgreich für die Anbindung Weinsbergs an das Eisenbahnnetz einsetzte, aber die Einweihung der Bahnstrecke nicht mehr erlebte, da er am 14. Juli 1862 verstarb, wenige Tage vor der Eröffnungsfeier am 2. August 1862. (Johann) Franz Käpplinger, schon seit 1833 Weinsberger Ratschreiber, nach dem Tod Pfaffs Amtsverweser und bei Haugs Wahl dessen Gegenkandidat, wurde erneut Amtsverweser und mit königlichem Dekret am 3. Oktober zum Stadtschultheißen ernannt. In seiner Amtszeit bis zum 30. Juni 1875 vergrößerte sich die Stadt über die von der Stadtmauer vorgegebenen mittelalterlichen Grenzen. Von 1875 bis 1914 war Carl Seufferheld Stadtschultheiß, der Vater des Künstlers Heinrich Seufferheld. In der Amtsperiode Adolf Strehles (1914 bis 1924) gab Weinsberg 1923 eigene Notgeld-Scheine heraus. Karl Weinbrenner, dessen Amtszeit von 1924 bis 1945 dauerte, war vor allem damit beschäftigt, die Folgen der 1926 erfolgten Auflösung des Oberamts für die Stadt abzumildern. Nach 1945 durfte er nach dem Willen der amerikanischen Besatzungsmacht nicht Bürgermeister bleiben, wurde 1963 aber dennoch ebenso zum Weinsberger Ehrenbürger ernannt wie sein kurzzeitiger Nachfolger Karl Rebmann (1945/1946). Nach einer Übergangszeit mit verschiedenen jeweils für einen kurzen Zeitraum eingesetzten Bürgermeistern wurde 1948 Erwin Heim gewählt, in dessen bis 1972 reichende Amtszeit ein großer Teil des Wiederaufbaus der Stadt und der Beginn großer Umgestaltungsmaßnahmen ab Mitte der 1960er-Jahre fällt (beispielsweise Autobahnbau, Flurbereinigung und Gemeindereform). Jürgen Klatte führte die Umgestaltung ab 1972 bis 1996 fort. Nach der achtjährigen Amtsperiode Walter Kuhns ist seit April 2004 Stefan Thoma Bürgermeister der Stadt Weinsberg, der am 15. Februar 2004 im zweiten Wahlgang mit 43,36 % der Stimmen gewählt wurde. Noch im ersten Wahlgang hatte er auf dem dritten Platz gelegen, konnte sich bei der Wiederholung, bei der einige Kandidaten nicht mehr antraten, dann aber durchsetzen.[16]
Wappen und Flagge
Das Weinsberger Wappen zeigt: In gespaltenem Schild vorne in Silber ein rotbewehrter und rotbezungter halber schwarzer Adler am Spalt, hinten in Blau auf goldenem Berg ein goldener Rebstock an goldenem Pfahl.
Die Bestandteile des Weinsberger Wappens (Weinstock als redendes Zeichen, Reichsadler als Zeichen der Reichsunmittelbarkeit) waren beide als Symbole der Stadt im Gebrauch, bis sie im 16. Jahrhundert in einem Wappen vereinigt wurden. In seiner heutigen Form wurde das Wappen 1958 von der Stadt festgelegt und am 12. Februar vom Innenministerium des Landes Baden-Württemberg bestätigt.
Die Weinsberger Stadtfarben sind Blau-Weiß.
Städtepartnerschaften
Partnerstädte bzw. -gemeinden Weinsbergs sind Carignan in Frankreich (seit 9. April 1995) und Costigliole d'Asti in Italien (seit 23. September 2000). Die Beziehungen zu Carignan hatten schon in den frühen 1960er-Jahren mit einem Schüleraustausch des damaligen Justinus-Kerner-Progymnasiums mit dem Collège d′enseignement général in Carignan begonnen; erste Kontakte zu Costigliole kamen dagegen erst 1998 auf einer Weinbautagung in Brackenheim zustande. Beziehungen (ohne offizielle Städtepartnerschaft) bestehen auch zu Cossebaude bei bzw. in Dresden. Das Justinus-Kerner-Gymnasium unterhält darüber hinaus Beziehungen (Schüleraustausch) zur South Wolds Community School in Keyworth (Nottinghamshire), Großbritannien, die Realschule Weinsberg zur Wellcome Memorial High School in Lake Crystal (Minnesota), USA.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Als langjährige Wirkungsstätte des Dichters und Arztes Justinus Kerner versteht sich Weinsberg als Kernerstadt. Von daher gilt das Interesse der Stadt besonders der Bewahrung von Kerners Erbe und Andenken. Dies ist auch Vereinszweck des Justinus-Kerner-Verein und Frauenvereins Weinsberg, der sich auch um Kerners Wohnhaus und die von ihm vor dem Verfall gerettete Burgruine Weibertreu kümmert, die Werke Kerners und seines Sohnes pflegt und neu herausbringt und Veranstaltungen zu entsprechenden Anlässen organisiert. Die Stadt stiftete 1986 aus Anlass des 200. Geburtstages Kerners den Justinus-Kerner-Preis, der seit 1990 alle drei Jahre verliehen wird. Im Jahr 2001 fanden vom 28. September bis zum 21. Oktober die 18. Baden-Württembergischen Literaturtage mit einer Vielzahl von Veranstaltungen, Lesungen, Vorträgen und Aufführungen in Weinsberg statt. Neben Kerners Erbe pflegt die Stadt auch das Image Weinsbergs als Treu-Weiber-Stadt und Stadt des Weines, was in dem Slogan „Die Stadt der Treuen Weiber, des Dichters Justinus Kerner und des Weines“ zusammengefasst wird.
Theater
Der 1994 gegründete Theaterverein Weinsberg zeigt jedes gerade Jahr im Rahmen der Weibertreu-Festspiele Freilichttheater auf der Burgruine Weibertreu und in unregelmäßigen Abständen auch Zimmertheaterproduktionen. Bei den Festspielen kamen sowohl Stücke, die Stadtgeschichtliches wie die Treuen Weiber oder den Bauernkrieg behandeln, als auch damit nicht verbundene Stücke von Autoren wie Carl Zuckmayer oder William Shakespeare zur Aufführung. Auch Kinderstücke und musikalische Gastspiele haben den Spielplan schon bereichert.
Musik
Mit der Schaffung der Stelle eines besoldeten Stadtmusikus auf einen Ratsbeschluss aus dem Jahre 1835 hin nahm das Musikleben in Weinsberg einen Aufschwung. 1839 wurde der Liederkranz, 1845 der Gesangverein Urbanus Weinsberg gegründet, die nach Fusion als Liederkranz Urbanus Weinsberg heute noch bestehen. Weitere Musikvereine sind die auf das Jahr 1883 zurückgehende Stadtkapelle – Musikverein Weinsberg und die 1891 als Männergesangverein Weinsberg gegründete Singvereinigung Weibertreu Weinsberg. Den diversen Kirchengemeinden sind verschiedene Chöre und Orchester angegliedert oder lose angeschlossen, unter anderem der Coro Allegro und der Herrenchor Weinsberg. Seit 1993 verfügt Weinsberg über eine städtische Musikschule.
Auch der international bekannte Jazzkontrabassist und Bandleader Jan Jankeje wohnt in Weinsberg.
Museen
Das am 11. Dezember 1988 eröffnete Weibertreu-Museum im Rathaus beherbergt eine große Anzahl von Kunstwerken zu Weinsberg und seiner Geschichte. Das Kernerhaus ist das 1822 erbaute Wohnhaus Justinus Kerner und später seines Sohnes Theobald Kerner, das 1907 vom Justinus-Kerner-Verein gekauft und im Folgejahr als Museum zugänglich gemacht wurde. In der Nähe des Kernerhauses befindet sich das Alexanderhäuschen, Justinus Kerners Gästehaus, benannt nach Alexander von Württemberg.
Die Dokumentationsstätte Lager Weinsberg ist in der letzten noch erhaltenen Baracke des ehemaligen Lagers Weinsberg untergebracht, das von 1937 bis 1972 nacheinander als Landwehrübungslager, Kriegsgefangenenlager, Lager für Displaced Persons und Flüchtlingslager diente.
Bauwerke
Weinsberg war von Beginn an als Stadt gegründet worden. Es diente schon den Herren von Weinsberg als Verwaltungsmittelpunkt für ihre in der Umgebung befindlichen Besitzungen der Herrschaft Weinsberg, und auch die neuen Besitzer ab 1440, die Pfalzgrafen bei Rhein und die württembergischen Grafen und Herzöge, verfuhren ebenso. Letztere machten die Stadt zum Sitz eines Oberamtes, die mit dem Staat eng verbundene Landeskirche machte sie zum Sitz eines Kirchenbezirkes. Im Lauf der Jahrhunderte entstanden so repräsentative Amtsbauten, die auch nach den Zerstörungen der Stadt im Bauernkrieg 1525 und beim Stadtbrand 1707 wieder errichtet oder ersetzt wurden. Auch die jüngste Zerstörung 1945, die große Teile der Altstadt vernichtete, überstanden dennoch einige Bauwerke.
Die Pläne, nach dem Brand von 1707 das mittelalterliche Stadtbild mit den engen Gassen durch neue, breite Straßen zu ersetzen, ließen sich wegen der für den Weinbau lebensnotwendigen großen Gewöbekeller, die erhalten geblieben waren, nicht durchsetzen, nur der Marktplatz wurde großzügiger gestaltet. Auch heute verfügt Weinsberg noch über eine Vielzahl dieser alten Weinkeller, die allerdings zum allergrößten Teil nicht mehr als solche benutzt werden. Der Wiederaufbau 1946 musste nicht mehr so sehr auf sie Rücksicht nehmen, was an manchen Stellen deutlich breitere Straßen ermöglichte, so zum Beispiel in der Hauptstraße, die Jahrzehnte als durch den Ort führende Bundesstraße 39 diente.
Römerbad (Überreste einer römischen villa rustica)
Das Weinsberger Römerbad, das 1906 beim Pflanzen eines Baumes zufällig entdeckt und ausgegraben wurde, war im 2. und 3. Jahrhundert n. Chr. Teil eines römischen Gutshofs an der Römerstraße zwischen Heilbronn-Böckingen und Öhringen und zählt heute zu den ältesten Zeugnissen römischer Geschichte in Baden-Württemberg. 1977 wurde die restliche Anlage, soweit nicht überbaut, freigelegt und von der Stadt restauriert. Sie kann ganzjährig kostenlos besichtigt werden.
Burgruine Weibertreu
Hauptartikel: Burgruine Weibertreu
Die Weinsberger Burg, auf dem Burgberg oberhalb der Stadt gelegen, wurde als Reichsburg wahrscheinlich im 11. Jahrhundert erbaut. 1504 wurde sie bei der Eroberung der Stadt beschädigt, im Bauernkrieg 1525 zerstört und verfiel im Laufe der Jahrhunderte. Justinus Kerner stoppte ab 1823 den weiteren Verfall. Die Burgruine kann gegen Eintritt besichtigt werden.
Stadtmauer und Wachturm
Schon bald nach der Stadtgründung, vermutlich im frühen 13. Jahrhundert, wurde die Stadt mit einer Stadtmauer aus Buckelquadern umgeben, die ursprünglich auch die Burg einschloss, im 14. Jahrhundert (vermutlich 1332) aber gegenüber der Burg abgeschlossen wurde. Sie wies sechs Türme und zwei Tore auf: das Obere Tor im Osten, an der Straße nach Ellhofen und Öhringen, und das Untere Tor im Südwesten, an der alten Straße nach Heilbronn. Nach dem Bauernkrieg und der Zerstörung der Stadt 1525 sollte die Mauer mitsamt ihren Türmen geschleift werden, was aber nicht geschah. 1784 wurde nach verheerenden Stadtbränden in anderen Städten mit der Einrichtung eines (offenen) Feuertores beim südlichen Wachturm erstmals eine Bresche in die bis dahin lückenlose Stadtmauer geschlagen. 1803 wurden die noch vorhandenen Teile des Wehrgangs abgebrochen, ab 1805 in einem jahrzehntelangen Prozess nach und nach fast die gesamte restliche Stadtmauer. In zwei Schritten wurde 1811 und 1844/1845 die Straße nach Heilbronn am westlichen Stadtausgang auf eine neue, weniger steile Trasse verlegt, wozu weitere Teile der Stadtmauer und auch einige Häuser abgerissen wurden. Reste der Stadtmauer existieren noch im Norden und Nordosten des alten Stadtkerns; im Süden ist nur noch ein kleines Stück zu finden. Drei der Türme – Wolfsturm, Diebsturm (später Geisterturm genannt) und Küh-, Säu- oder Wachturm – sind ebenfalls noch erhalten, vom Wolfsturm in der Nordwestecke der Stadtbefestigung gleich bei der Kirche allerdings nur der Turmstumpf.
Der Wachturm wurde als Teil der südlichen Stadtmauer um 1200/1210 aus für die Stauferzeit typischen Buckelquadern erbaut. Andere Namen des Turms waren Kühturm, Säuturm oder Saubachturm. Er ist eines der ältesten erhaltenen Bauwerke der Stadt und wurde errichtet, um die Stadtverteidigung an dieser Stelle zu verbessern, die sich außer auf die Stadtmauer nur auf einen oft fast ausgetrockneten Wassergraben stützen konnte, der vom Stadtseebach bzw. Saubach gespeist wurde. Die der Stadt zugewandte Nordseite des Turms wurde vermutlich zunächst offen gelassen und erst später mit einer Fachwerkwand geschlossen. Beim großen Stadtbrand von 1707 blieb der Turm unversehrt. Für 1784 ist seine Nutzung als Unterkunft für Arme überliefert. 1853 geriet er in Brand und brannte aus, wurde aber noch im selben Jahr wieder instandgesetzt. Noch bis 1857 befand sich hier auch die Wachstube der städtischen Nachtwächter. Im Lauf der Jahre wurde er außerdem als Wohnung des Hochwächters, Gefängnis, Armenunterkunft und Jugendherberge genutzt. Im Glockenstuhl im obersten Stockwerk hängt heute die Glocke der ehemaligen, 1975 abgerissenen evangelischen Kirche des Lagers Weinsberg. Nach einer umfassenden Sanierung des Turms in den Jahren 1986/1987 sind im Wachturm heute u. a. verschiedene Vertriebenen-Landsmannschaften untergebracht. Sie unterhalten im Turm eine Heimatstube, die besichtigt werden kann.
Evangelische Johanneskirche
Hauptartikel: Johanneskirche (Weinsberg)
Die Johanneskirche am Ökolampadiusplatz, eine romanische Basilika und Chorturmkirche, ist die Kirche der Evangelischen Kirchengemeinde Weinsberg. Mit dem Bau der Kirche wurde um 1200/1210 wahrscheinlich im Auftrag der Herren von Weinsberg begonnen. Bei der Zerstörung der Stadt im Bauernkrieg 1525 brannte die Kirche aus und wurde danach wieder aufgebaut. Die späteren Zerstörungen der Stadt durch Brände 1707 und 1945 überstand die Kirche unversehrt. An der Ostseite der Kirche befindet sich das Ehrenmal für die Toten und Vermissten des Ersten Weltkrieges. Die Kirche ist im Sommer täglich, sonst nach Voranmeldung zu besichtigen.
Sonstige Bauwerke
Die ältesten erhaltenen Gebäude der Stadt nach Burg und Johanneskirche stehen an Orten, die von den Stadtbränden 1707 und 1945 nicht erfasst wurden. An der Kirchstaffel, die den Ökolampadiusplatz an der Johanneskirche mit dem tiefer gelegenen Marktplatz verbindet, sind vier Häuser aus dem 16. Jahrhundert erhalten, darunter das ehemalige Pfarrhaus, die ehemalige Lateinschule und die ehemalige Mesnerei und Deutsche Schule. Der Marktplatz entstand in seiner jetzigen Form nach dem Stadtbrand 1707. An seinem oberen Ende überragt ihn das 1708 als Vogtei erbaute jetzige evangelische Dekanatsgebäude. Die westliche Seite des Platzes überstand die Kriegszerstörung 1945, während die Ostseite mit dem Rathaus abbrannte. Das Rathaus wurde durch einen am 29. August 1953 eingeweihten Neubau ersetzt.
Südwestlich vom Marktplatz hat in der Mönchhausgasse der ehemalige Stadthof des Klosters Schöntal die Zeiten überdauert und der Gasse den Namen verliehen. Das Kloster hatte mindestens seit dem 14. Jahrhundert Besitz in Weinsberg, sein Stadthof, der für die Verarbeitung und Einlagerung der Produkte der klösterlichen Felder und Weinberge benötigt wurde, wird erstmals 1455 erwähnt. Nach der Zerstörung im Bauernkrieg 1525 wurde das Haus an selber Stelle wieder aufgebaut. Etwas weiter südlich, am ehemaligen unteren Stadttor, erstreckte sich das städtische Spital für Arme, Kranke und Alte, von einem Engelhard von Weinsberg gestiftet und 1354 erstmals bezeugt. Nach den Zerstörungen 1525 wieder aufgebaut und 1707 nicht zerstört, blieb das Spital bis 1799 in Betrieb. Heute sind noch die ehemalige Spitalkirche und eine Hälfte des Pfründnerhauses erhalten.
Östlich des Marktplatzes steht am heutigen Seufferheldplatz die ehemalige herrschaftliche Kelter, genannt Baukelter. Sie war schon vor dem Brand 1525 entstanden und in diesem Jahr ebenso wie 1707 und 1945 ausgebrannt, konnte wegen ihrer starken Mauern aber immer wieder aufgebaut werden. Seit dem 19. Jahrhundert ist das Gebäude in städtischem Besitz. Bis 1945 diente es als Parteiheim der örtlichen NSDAP, danach bis zur Einweihung des neuen Rathauses 1953 als Sitz der Stadtverwaltung. Zuletzt wurde es Mitte der 1990er-Jahre restauriert und beherbergt heute die städtische Musikschule und den für Veranstaltungen gedachten Michael-Beheim-Saal. Im Helfensteinkeller getauften Gewölbekeller ist die Vinothek untergebracht.
Doppelt versteinte Hällische Straße
Hauptartikel: Doppelt versteinte Hällische Straße
Ein wenig bekanntes Kulturdenkmal ist die Doppelt versteinte Hällische Straße. Es handelt sich um einen etwa 1,7 km langen Abschnitt eines alten Fernhandelsweges, der hier die Markungsgrenze zwischen Heilbronn und Weinsberg bildet. Um die Grenze nach Grenzstreitigkeiten eindeutiger zu markieren, drängte Heilbronn auf eine „doppelte Versteinung“, also auf einander gegenüberstehende Grenzsteine auf beiden Seiten der Straße. Dies stellt die große Besonderheit dar und ist in Deutschland von keiner anderen Straße bekannt.
Quellen:[17]
Parks und Grünanlagen
Die älteste „Grünanlage“ Weinsbergs ist der städtische Friedhof, der 1612 nach einem Pestausbruch etwas außerhalb der Stadt angelegt wurde und den früheren Friedhof im Kirchhof rings um die Johanneskirche nach und nach ersetzte. Er befindet sich heute direkt südlich der Bahnlinie und weist einen großen Baumbestand auf. Neben den Gräbern bekannter Weinsberger Bürger wie denen von Justinus Kerner und seiner Frau Friederike befindet sich hier auch das Ehrenmal für die Weinsberger Toten und Vermissten des Zweiten Weltkrieges.
Das Tal des Stadtseebachs südlich des bebauten Stadtgebiets wurde ab 1977 zu einer parkähnlichen Naherholungsanlage umgestaltet, um den in den vorigen Jahren und Jahrzehnten durch den Autobahnbau erlittenen Verlust an Erholungsflächen wenigstens zum Teil wieder auszugleichen. Bis zur Einweihung am 17. Juli 1983 wurden Wege und ein künstlicher See neu angelegt sowie 6000 Bäume und Sträucher gepflanzt. 1986 wurde das westlich der Bahnlinie anschließende Gelände bis zur Wohnbebauung ebenso gestaltet, so dass entlang dem Stadtseebach ein geschlossener Grüngürtel bis hin zum südlichen Stadtsee- und Brühltal entstand.
Durch den Konkurs der alteingesessenen Weinsberger Ziegelei konnte die Stadt 1984 deren großes Gelände mitten im Stadtgebiet (südlich der Bahnlinie) erwerben. Nach Abbruch der Gebäude wurde das Gelände mit Pflanzung von 10.000 Bäumen und Sträuchern zur Erholungsanlage Alte Ziegelei umgestaltet und am 24. Juni 1990 der Öffentlichkeit übergeben. Der westliche Teil, in dem die Ziegelwerke den benötigten Lehm abgebaut hatten und in dem sich ein kleines Feuchtgebiet mit Tümpeln gebildet hatte, wurde als Großbiotop belassen.
Etwas außerhalb des Stadtgebiets befindet sich das Klinikum am Weissenhof, das 1903 als Königliche Heilanstalt inmitten eines 43 ha großen Parks eröffnet wurde, der heute mit 3.800 Bäumen bestanden und mit etwa 10 km Wegen erschlossen ist.
Natur
Durch die rege Bautätigkeit nach dem Zweiten Weltkrieg ist der Anteil der naturbelassenen Flächen an der Weinsberger Markung stetig zurückgegangen. Dennoch verfügt die Stadt vor allem im Süden des Stadtgebiets noch über größere Naturflächen. Das von der Bevölkerung als Erholungsgebiet genutzte Stadtsee- und Brühltal ist seit dem 17. April 1980 als ökologisch wertvolles, 89 ha großes Landschaftsschutzgebiet Brühl- und Stadtseetal (Nr. 1.25.014) eingestuft. Südlich daran anschließend befindet sich im Wald das Feuchtgebiet Hinteres Brühltal, das am 4. Dezember 2002 zum 20,4 ha großen Naturschutzgebiet Brühl (Nr. 1.254) erhoben wurde, nachdem ein Teilgebiet schon ab 1986 Naturdenkmal war. Durch militärische Nutzung seit 1936 (als Schießplatz) und die damit einhergehende Sperrung bis in die 1980er-Jahre hinein entstand hier ein Rückzugsraum für viele seltene Tier- und Pflanzenarten wie beispielsweise das Tausendgüldenkraut, das Fleischfarbene Knabenkraut, die Schlingnatter, die Gelbbauchunke oder den Großen Feuerfalter. Bemerkenswert ist auch das häufige Vorkommen der Elsbeere und des Speierlings im Wald, in den Brühl- und Stadtseetal an der Stadtgrenze zu Heilbronn übergehen. Über 50 Exemplare des seltenen Speierlings wurden hier gezählt. Das 5 ha große Elsbeerwäldle, beiderseits der Autobahn 81 direkt an der Ausfahrt Weinsberg gelegen, wurde am 2. September 1991 als Schonwald (Nr. 302) ausgewiesen, um die Elsbeer- und Speierlingbestände zu schützen.
Der Weinsberger Abschnitt des Sulmtals, in früheren Zeiten als landschaftlich sehr reizvoll gerühmt[18], wird seit dem Autobahnbau vor allem vom Autobahnkreuz dominiert. Dennoch befindet sich auch hier, in der Nordostecke des Autobahnkreuzes, ein Naturschutzgebiet, an dem Weinsberg einen kleinen Anteil hat. Das Naturschutzgebiet Wildenberg (Nr. 1.187) wurde am 16. Oktober 1992 auf dem Westteil des Wildenberges zwischen Weinsberg-Grantschen und Eberstadt, direkt südlich der A 81, eingerichtet. Der Weinsberger Anteil ist mit 1,6 ha aber ziemlich klein, verglichen mit dem 47,8 ha großen Anteil Eberstadts. Das Schutzgebiet besitzt durch mehrere geologische Aufschlüsse besondere geologische Bedeutung als Einblick in die Entstehungsgeschichte des Schilfsandsteins. Das ganze Naturschutzgebiet und ein kleines anschließendes Gebiet, insgesamt 57,5 ha, wurde zudem schon am 2. September 1991 als Schonwald (Nr. 01) ausgewiesen mit dem Ziel, die naturnahe Laubholzbestockung zu erhalten und pflegen.
Ein weiteres Landschaftsschutzgebiet ist der Burgberg mit der Burgruine Weibertreu, der seit dem 21. Juli 1978 das 17 ha große Landschaftsschutzgebiet Burgberg mit „Weibertreu“ (Nr. 1.25.002) bildet.[19]
Sport und Sportanlagen
Größter Sportverein und auch größter Verein Weinsbergs überhaupt ist der TSV 1866 e. V. Weinsberg, der mit zahlreichen Abteilungen unter anderem diverse Ballspiele (Fußball, Handball, Basketball), Tischt