Das Kefk Network Wiki befindet sich im Testbetrieb.


Weinbau in Mainz

Aus Kefk.

Wechseln zu: Navigation, Suche
Bild:Schoppenstecher.jpg
Das Schoppenstecher Standbild - Denkmal der Mainzer Weinkultur

Der Weinbau in Mainz, der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt, geht bis in die Römerzeit zurück. Weinanbau und -handel waren spätestens vom Mittelalter an bis in die Neuzeit ein teilweise überregional bedeutender Wirtschaftsfaktor. Auch heute noch lebt ein - wenn auch geringer - Teil der Mainzer Bevölkerung von Weinbau und -handel. Mainz wies mit rund 451 Hektar einstmals die größte Rebfläche einer Großstadt in Deutschland auf. Heute liegt die Rebfläche bei 209 Hektar und unfasst somit einen Anteil von 2 % der Stadtfläche. Aufgrund dieser Fakten wird die Stadt auch als Weinstadt Mainz bezeichnet, ein Image, welches von der Stadt selbst, der lokalen Touristikbranche und verschiedenen Verbänden und Vereinen gefördert und gepflegt wird.

Inhaltsverzeichnis

Übersicht

Vor allem am Rhein, aber auch am Rande der Kernstadt bis ins tiefe Rheinhessen finden sich Rebpflanzungen. Die Weinbau treibenden Stadtteile liegen im Süden der Stadt, es sind Ebersheim, Hechtsheim und Laubenheim.

Der Weinbau hat in Mainz Tradition, seit die Römer vor über 2000 Jahren in Mogontiacum die ersten Reben zur Versorgung ihrer Truppen setzten. Bis weit ins 19. Jahrhundert gehörten Weinbau, Weinhandel und die Produkte der Sektkellereien zu den Haupteinnahmequellen.

Ein Plan aus dem 16. Jahrhundert zeigt die Weinberge innerhalb der Stadtmauern: Jakobsberg, Michelsberg, Fürstenbergerhof und Kästrich. Die letzten Weinbergslagen im Kernstadtbereich wurden jedoch in den 1970er Jahren aufgegeben und in Bauland umgewandelt.

Bild:Reben in Mainz.jpg
Weingärten in Mainz zur Zeit des Kurfürsten Johann Friedrich Karl von Ostein, siehe Wappen oben links, Kästrich- ganz oben, Jakobsberg, Michelsberg, Fürstenbergerhof im Osten (links)

Einrichtungen wie das Deutsche Weininstitut, zahlreiche private Weinerzeuger, die Initiative „Die Mainzer Winzer“, eine Winzergenossenschaft, ein eigenes städtisches Weingut und viele Weinstuben sind Beleg für die große Bedeutung, die der Wein in Mainz auch heute noch hat. Angebaut werden vor allem Rebsorten für Weißweine wie Silvaner, Riesling, Rivaner oder Weiß- und Grauburgunder, aber auch für Rotweine wie Merlot und Cabernet.

Die diversen Sorten können jeweils Ende August auf dem Mainzer Weinmarkt oder in den Straußwirtschaften verkostet werden, wo ein Sträußchen über der Tür signalisiert, dass hier Weinbauern ihren selbsterzeugten Wein nebst kulinarischen Spezialitäten anbieten.

Klima und Geologie

Das Klima im Rheinknie wird durch meist warme, überwiegend trockene Sommer und niederschlagsarme Winter geprägt. Das Rheintal profitiert vom mildernden Einfluss des Flusses in der Westwindzone und seiner Lage im Regenschatten von Taunus, Hunsrück und Odenwald. Es herrschen Boden- und Höhenwinde aus Westen oder aus westlichen Richtungen vor, deren Luftmassen thermisch gemäßigt und durch die abschirmenden, zum Teil über 800 m hohen Höhenzüge, relativ trocken sind, wodurch das Klima bereits fast als semiarid bezeichnet werden kann.

Rebsorten

Der Mainzer Rebsortenspiegel folgt der rheinhessischen Tradition und somit dominieren in Mainz die Weißweine. In den letzten Jahrzehnten hat der Riesling wieder an Boden gewonnen.

Unter den weißen Rebsorten ist der Silvaner zusammen mit dem Müller-Thurgau traditionell führend. Daneben werden noch Kerner, Scheurebe, Weißburgunder und Huxelrebe kultiviert. Neuerdings gewinnt auch der Chardonnay als Modesorte an Raum. Faberrebe, Juwel und Morio-Muskat werden nicht mehr nachgepflanzt.

Bei den roten Rebsorten entfallen allein auf den Dornfelder 17 ha, weitere 17 ha beanspruchte der Blauer Portugieser. Wachsende Bedeutung gewinnt inzwischen der Spätburgunder. Daneben sind noch Regent, Dunkelfelder und Schwarzriesling zu nennen.

Aufgrund der urban geprägten Laufkundschaft gewinnen inzwischen auch vermehrt Rotweine aus internationalen Rebsorten an Bedeutung. So werden in jüngster Zeit Merlot, Acolon und Cabernet Sauvignon gepflanzt - eine Reaktion auf die wachsende Nachfrage nach körperreichen Rotweinen. Das typischerweise trockene und sonnige Herbstwetter und der schleichende Klimawandel lassen auch diese aus weit südlicher gelegenen Weinbaugebieten stammenden Rebsorten noch ausreifen. Ihr langfristiges Qualitätspotenzial ist derzeit allerdings schwer zu beurteilen, da diese Rebanlagen noch sehr jung sind.

Weinlagen

Der letzte Weinberg in der Innenstadt war der Michelsberg, am Volkspark gelegen, welcher im Rahmen des Deutschen Weinbaukongresses 1963 in Mainz, zu einem Musterweinberg umgestaltet wurde. Die heutigen Mainzer Weinbergslagen befinden sich alle im Bereich Nierstein des Weinbaugebietes Rheinhessen. In 4 von 15 Stadtteilen wird Weinbau betrieben. Die Anbaufläche verteilt sich auf mehrere Einzellagen, die zu den Großlagen Sankt Alban und Domherr gehören, die jedoch heute kaum noch auf dem Etikett erscheinen. Bewirtschaftet werden überwiegend Direktzuglagen, die eine Bewirtschaftung in Falllinie mit radgetriebenen Traktoren zulassen. Es werden auf 160 Hektar Rebfläche weiße Sorten angebaut, 49 Hektar sind mit roten Rebsorten bestockt.

Mainz, Stadt des deutschen Weines

Wein und Wissenschaft

An der Mainzer Johannes-Gutenberg-Universität gibt es ein Institut für Mikrobiologie und Weinforschung, das die Einflüsse von Terroir, Spontangärung und biologischem Säureabbau erforscht. Die Hochschule prüft auch die Auswirkung sogenannter Killerhefen auf die Weinflora. Maßgeschneiderte Starterkulturen bringen spezifische Aromanoten und helfen dem Säureabbau im Wein. Das Verfahren zur gezielten Isolierung und zum spezifischen Nachweis bestimmter weinrelevanter standortspezifischer Mikroorganismen wurde patentiert. Als Service wird die Isolierung und anschließende Beimpfung mit Winzer-eigenen Starterkulturen angeboten, um die alkoholische Fermentation und den biologischen Säureabbau im Wein zu unterstützen und gleichzeitig den individuellen Charakter eines Weines und seiner Aromakomponenten auszuprägen. Der Lehrauftrag der Forschungsanstalt Geisenheim am Rhein zur Ausbildung von Nachwuchsönologen ist per Staatsvertrag zwischen dem Land Hessen und dem Land Rheinland-Pfalz geregelt.

Wein und Selbstverwaltung

Das Haus des Deutschen Weines gibt der Selbstverwaltung der Weinwirtschaft Raum.

Wein und Politik

In der Landeshauptstadt Mainz ist das Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau für zwei Drittel der deutschen Anbaufläche zuständig, denn sechs der elf deutschen Weinanbaugebiete liegen in Rheinland-Pfalz und erzeugen etwa 70 Prozent der deutschen Weine: Ahr, Mittelrhein, Mosel-Saar-Ruwer, Nahe, Pfalz und Rheinhessen, das im näheren Mainzer Umfeld liegt.

Wein und Genuss

Weck, Worscht un Woi heißt das deftige und einfache „ganzjährige Nationalgericht“ der Mainzer, wobei der Weck vorzugsweise ein Paarweck, die Worscht vorzugsweise Fleischwurst der besten Qualität und der Woi Wein aus Rheinhessen oder dem Rheingau sein sollte.

Auf dem Wochenmarkt vor dem Martinsdom ist Weinverkauf in Flaschen seit kurzer Zeit genehmigt. Etwas länger existiert das Mainzer Marktfrühstück. Hier servieren Winzer der Region ihren Wein und der Gast verspeist dazu seine gerade erstandenen Viktualien.

Im Jahr 2006 fand in Mainz ein Erstes Taste-Tival als „Festival des Geschmacks“ statt. Hier taten sich Winzer und Gastronomen zusammen und boten innerhalb kurzer Zeit eine Fülle kulinarischer Ereignisse.

Wein und Ökonomie

Weinhandel, Weinkellereien und Weinspeditionen haben in Mainz eine lange Tradition. Unter den großen Häusern am Kästrich und in der Kaiserstraße befinden sich beachtliche Kelleranlagen. Die Sektkellerei Kupferberg weist mit sieben Etagen die tiefstgeschichteten Kellereianlagen weltweit auf. Die Sektkellerei Henkell wurde in Mainz gegründet, bevor sie aus Platzgründen über den Rhein wegzog.

Wein und Kultur

Das Museum der Sektkellerei Kupferberg verfügt über die weltweit größte Sammlung von Sekt- und Champagnergläsern und eine große Sammlung von Werbemedien aus der 150jährigen Geschichte. Auf dem Weinforum Rheinhessen präsentieren der Verein Rheinhessenwein e. V. und die Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz neben römischen Exponaten die besten prämierten Weine aus Rheinhessen. Gleichzeitig wird diese Plattform für die Ideen aus Wein (ausgewählte Sonderprodukte auf Basis des Weinbaus aus Rheinhessen) genutzt.

Als weinkulturelle Vereinigung präsentiert sich Die Ehrbare Mainzer Weinzunft von 1443, und verpflichtet sich, sich nach besten Kräften dafür einzusetzen, dass Rheinhessenwein in der Mainzer Gastronomie möglichst oft in der Mainzer Stange zum Ausschank kommt. Unter den jüngeren Honoratioren bildet sich derzeit mit dem Weinkonvent eine weitere weinkulturelle Vereinigung.

Weinköniginnen

Die Rheinhessische Weinkönigin 2003/2004, Eva Vollmer, stammt aus Mainz, wo sie auch Mainzer Weinkönigin war. Die Wahl der Rheinhessischen Weinkönigin 2005/2006, Eva Pauser aus Flonheim, fand in der Alten Lokhalle in Mainz statt. Im November 2006 wurde die Mainzer Jungwinzerin Mirjam Schneider, vom Weingut Lothar Schneider, zur rheinhessischen Weinprinzessin gewählt. Sie ist einziges weibliches Mitglied der Winzergruppe "Rheinhessen Five", die sich dem Ausbau von Weinen auf höchster Qualitätssufe verschrieben hat. Neue rheinhessische Weinkönigin 2006/2007 wurde die 24-jährige Julia Metzler aus Dittelsheim-Heßloch. Sie hat im Mai 2006 ihr Studium »Internationale Weinwirtschaft« in Geisenheim abgeschlossen.

Weingut der Stadt Mainz

1906 schenkte der Bürger Joseph Schick sein Weingut in Harxheim dem Mainzer Oberbürgermeister Dr. Karl Göttelmann. Seitdem ist die Stadt Mainz Besitzerin dieses historischen Herrschaftsgebäudes aus dem Jahre 1725, einschließlich der dazugehörigen Weinberge. Das Weingut wird jeweils auf 30 Jahre verpachtet.

Weinprobierkeller der Stadt Mainz

[[Hilfe:Cache|Fehler beim Thumbnail-Erstellen]]: convert: unable to open image `/var/www/kefk/w/images/3/35/Ratsweinkeller_Mainz.jpg': No such file or directory.
Weinprobierkeller

Im Mainzer Rathaus findet sich auch ein zeitgenössischer Weinkeller aus den 1970er Jahren.

Veranstaltungen

Literatur

  • Mainz, Stadt des deutschen Weines, Adam Michael Reitzel, Krach (1964)

Weblinks

Wikipedia
Dieses Dokument entstammt in seiner ersten oder einer späteren Version der deutschsprachigen Wikipedia. Es ist dort zu finden unter dem Stichwort Weinbau_in_Mainz, die Liste der bisherigen Autoren befindet sich in der Versionsliste; die Originalfassung kann dort auch bearbeitet werden. Alle Texte der Wikipedia und ihre Derivate stehen unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation.
Persönliche Werkzeuge