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Weichseleiszeit
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Die Weichseleiszeit, auch Weichselkaltzeit oder Weichselglazial, ist die bisher jüngste der in Nord- und Mitteleuropa aufgetretenen Vergletscherungsphasen durch das skandinavische Inlandeis. Das zeitliche Pendant der Vergletscherungen des Alpenraumes wird dort als Würmeiszeit bezeichnet. Namensgeber ist der Fluss Weichsel in Polen.
Die Weichseleiszeit begann vor etwa 115.000 Jahren nach dem Ende der Eemwarmzeit mit einer Reihe von aufeinanderfolgenden leichteren Abkühlungen und Erwärmungen, der Zeit des Weichselfrühglazials. Die darauf folgende Zeit des Weichselhochglazials, die Periode massiver Vergletscherungen, setzte erst vor ca 30.000 Jahren ein und endete vor ca 14.500 Jahren (Angaben beziehen sich auf den norddeutschen Raum). Mit dem Weichselspätgazial, einer Periode abwechselnder Erwärmungen und Abkühlungen (Tundrenzeiten), klang die Weichseleiszeit vor 11.500 Jahren aus.
Der Eisvorstoß des skandinavischen Inlandeises war, verglichen mit der Gesamtdauer der Weichseleiszeit, eine eher kurze Episode, die aber die norddeutsche Landschaft entscheidend geformt hat. Noch vor ca. 25.000 Jahren war das Gebiet südlich der Ostsee nicht vergletschert; vor etwa 20.000 bis 21.000 Jahren erreichte das Eis seine maximale Ausdehnung ca. 50 km südlich von Berlin. Die heutige Ostseeküste Mitteleuropas war vor etwa 13.000 Jahren und der Berliner Raum schon vor mehr als 17.000 Jahren wieder eisfrei.
Der lange Zeit umstrittene frühweichselzeitliche Eisvorstoß vor ca. 60.000 bis 70.000 Jahren, der zumindest die südliche und südwestliche Ostseeküste erreicht hat, gilt mittlerweile als gesichert. Unklar ist allerdings nach wie vor, wie weit dieser Vorstoß über die heutige Ostseeküste hinaus nach Süden reichte.
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Ausdehnung des Inlandeises
Die Ausdehnung des Eisschildes war in der Weichseleiszeit, verglichen mit den älteren Eiszeiten (Elster- und Saaleeiszeit), deutlich geringer. In Deutschland endete der maximale Eisvorstoß des Weichselglazials etwa an der Linie der heutigen Städte Flensburg, Rendsburg, Ahrensburg, südlich Schwerin, Havelberg, Brandenburg an der Havel, Luckenwalde, Lübben und Guben, also innerhalb des nordostdeutschen Tieflandes. Die Elbe sowie der warthestadiale (saaleeiszeitliche) Südliche Landrücken wurden von dem weichselzeitlichen Inlandeis nicht überschritten, wohl aber periglazial beeinflusst, unter anderem durch Bildung von Niederterrassen und Aufwehungen von Binnendünen und Löss.
Gliederung
Während des Hochglazials der Weichseleiszeit gab es in Norddeutschland drei große Vorstoßphasen des Eises, das Brandenburger, das Pommersche und das Mecklenburger Stadium, welche kurz aufeinander folgten. Jedes der Stadien hat einen eigenen Geschiebemergel abgelagert. Die kleineren Staffeln wie die Frankfurter Staffel haben keinen eigenen Geschiebemergeltyp. Während des Brandenburger Stadiums erreichte das Eis seine maximale Ausdehnung (siehe oben). Diese Linie wird auch als Brandenburger Eisrandlage bezeichnet. Zum Brandenburger Stadium gehört auch die Frankfurter Staffel, die nordöstlich von Berlin verläuft. Die zweite große Vorstoßphase ist das Pommersche Stadium mit der sehr gut ausgebildeten Pommerschen Eisrandlage nördlich von Eberswalde. Der dritte große Vorstoß, die Rosentaler Staffel erreichte nur noch Mecklenburg-Vorpommern. Umstritten ist nach wie vor, wie weit das Inlandeis zwischen den einzelnen Stadien nach Norden zurückschmolz.
Landschaftsbild im Vereisungsgebiet
Diese letzte Kaltzeit hat durch ihr Vordringen und Zurückweichen eine vielfältige Jungmoränenlandschaft hinterlassen. Typisch dafür sind frische, gut ausgebildete Formen der Glazialen Serie. Dazu gehören die Urstromtäler mit Talsandflächen, in denen sich auch Abschnitte der heutigen Flussläufe von Elbe, Oder, Havel und Spree befinden. Zu nennen ist das Glogau-Baruther Urstromtal das die Brandenburger Eisrandlage entwässerte, das Warschau-Berliner Urstromtal mit der zugehörigen Frankfurter Staffel und das Thorn-Eberswalder Urstromtal, welches die Pommersche Eisrandlage entwässerte.
Relikt aus der Zeit ist auch die fast unüberschaubare Seenlandschaft der Mecklenburgischen Seenplatte (vgl. u. a. Müritz). Auch Brandenburg und das Schleswig-Holsteinische Hügelland (Ostholstein) sind reich an weichselglazialen Seen (vgl. u. a. Plöner See in der Holsteinischen Schweiz). Einige Seen sind in Gletscherzungenbecken entstanden (Beispiele: Schweriner See, Ratzeburger See). Besonders der Baltische oder Nördliche Landrücken besteht aus lebhaft gegliederten und vielfach hintereinander gestaffelten Endmoränenwällen. Er begleitet die heutige Ostseeküste bis nach Nordpolen. In Pommern und Masuren werden dabei stellenweise Höhen bis über 300 m NN erreicht (329 m, südwestlich von Danzig; 312 m, südlich von Osterode). Die höchsten Erhebungen im deutschen Teil sind aus dem Pommerschen Stadium die Helpter Berge (179 m, nordöstlich von Neubrandenburg) in Mecklenburg-Vorpommern.
Ausklang der Weichseleiszeit
Der Ausklang der bisher jüngsten Eiszeit in Mitteleuropa ist außerdem gekennzeichnet durch die zunehmende menschliche Wiederbesiedlung des Raumes in verschiedenen Siedlungswellen, die als Jäger- und Sammlerkulturen zu bezeichnen sind.
Siehe auch
- Würmeiszeit
- Eiszeitalter
- Glaziologie
- Elstereiszeit (um 350.000 bis 250.000 Jahre vor heute)
- Saaleeiszeit (um 230.000 bis 130.000 Jahre vor heute)
