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Wandmalerei
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Wandmalerei ist eine Form der Malkunst, bei der das Bild nicht auf eine Holztafel oder Leinwand aufgetragen wird (Tafelmalerei), sondern direkt auf eine Wand. Dieselben Techniken wie bei der Wandmalerei kommen auch bei der Deckenmalerei zum Einsatz.
Die Farben werden bei der Wandmalerei entweder auf den noch feuchten Putz der Wand aufgetragen (Freskomalerei) oder auf den bereits trockenen Putz (Seccomalerei). Es ist ebenfalls möglich, das Gemälde erst auf einer Leinwand oder einer Tafel vorzufertigen und dann in die Wand einzulassen, was allerdings nicht als klassische Wandmalerei gilt.
Entweder versucht der Künstler dabei, das charakteristisch Flächige der Wand zu wahren (strenge Wandmalerei) oder den Eindruck von Dreidimensionalität zu erzeugen (illusionistische Wandmalerei).
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Geschichte
Frühzeit
Die frühesten Zeugnisse von Wandmalerei sind die Höhlenmalereien. Mit Hilfe der Radiokarbonmethode sind Höhlenbilder auf etwa 31.500 Jahre datiert.
Älteste Zeugnisse von Wandmalereien aus dem Neolithikum fanden sich in Catal Hüyük (ca. 6000 v. Chr.), wo diese Malereien besonders gut erhalten sind und wohl kleine Kapellen oder Kulträume schmückten. Auch an anderen Orten im Nahen Osten fanden sich Wandmalereien, doch selten so gut erhalten.
Zahlreiche Wandmalereien haben sich in Grabkappellen und Grabkammern der Alten Ägypter erhalten. In den ägyptischen Grabkapellen scheint vieles, was für das 'Überleben' in der Unterwelt wichtig war, dargestellt worden zu sein. Darunter befinden sich viele Darstellungen von Nahrungszubereitung oder von Werkstätten. Sie sollten das Überleben im Jenseits garantieren, als Statussymbol den Wohlstand des Verstorbenen repräsentieren, und letztlich waren Gartendarstellungen religiöse Symbole für die Wiedergeburt des Toten. Oftmals hatten diese Wandmalereien auch religiöse und zeremonielle Bedeutung und ersetzten auch teilweise die Hieroglyphenschrift (besonders für die Leseunkundigen).
Auch die Wohnbauten und Paläste in Vorderasien sind ausgemalt worden, doch ist, von einigen Zufallsfunden (Mari) abgesehen, davon nur wenig erhalten. Eine besondere Blüte erlebte die Wandmalerei schließlich auch im ägäischen Raum (ab ca. 1650 v. Chr. bis 1250 v. Chr.), wo die Paläste (Knossos auf Kreta) und Wohnhäuser (Akrotiri auf Santorini) oftmals farbenfroh ausgemalt worden sind.
Klassische Antike
Auch die Griechen bemalten Tempelwände, doch ist davon im Gegensatz zur Vasenmalerei so gut wie nichts erhalten, und man erfährt davon nur von den klassischen Autoren.
Etruskische Wandmalereien fanden sich meist in den Grabkammern und stellen die Freuden des Lebens (z.B. Bankette) dar, die damit sicherlich in der Unterwelt weitergeführt werden sollten.
Im römischen Reich leistete sich fast jeder Hausbesitzer, der einem gehobenen Stand angehörte, die Bemalung der Wände seines Hauses. So verbreitet wie im römischen Reich war die Wandmalerei sonst nie wieder. Diese Entwicklung begann schon bei den Griechen, erlebte aber ihren Höhepunkt im ersten nachchristlichen Jahrhundert, wo selbst in den abgelegensten Provinzen Häuser ausgemalt waren. Die Entwicklung der römischen Wandmalerei wird in verschiedene Stile (1.-4. Stil) unterteilt. Durch den Ausbruch des Vesuv im Jahr 79 n. Chr. haben sich viele Wandmalereien in Pompeji und Herculaneum erhalten. Im dritten nachchristlichen Jahrhundert erlebt diese Form der Wandmalerei einen Niedergang, um später ganz zu verschwinden. In der Folgezeit finden sich Wandmalereien fast nur noch im religiösen Bereich. Im alten Rom und Byzanz wurde die Wandmalerei oftmals durch das Mosaik ersetzt und /oder ergänzt.
Siehe hierzu ausführlich: Römische Wandmalerei
Asien
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Auch bei den Parthern und Sassaniden war die Wandmalerei mit Sicherheit eine weit verbreitete Kunstform, allerdings sind diese Werke oftmals nur in Fragmenten erhalten. Die parthische Malerei ist von einer starken Frontalität geprägt, während die auf ihnen folgenden Sassaniden Darstellungen im Profil bevorzugten. Auch in Zentralasien erlebte die Wandmalerei, besonders mit der Verbreitung des Buddhismus, eine weite Verbreitung. Heiligtümer Buddhas waren oftmals reich mit Szenen aus seinem Leben ausgemalt, wobei man in Zentralasien auch zahlreiche ausgemalte Höhlenheiligtümer findet. Diese Blüte endete an vielen Orten mit dem Aufkommen des eher bilderfeindlichen Islam. In Indien gelten die buddhistischen Felsmalereien in den Höhlen von Ajanta als Meisterwerke dieser Epoche. Spätere Werke in Ajanta sowie hinduistische, jainistische und buddhistische Darstellungen in den Höhlen von Ellora setzten den Guptastil fort.
In China sind vor allem in der Tang-Dynastie die monumentalen Grabanlagen hoher Hofbeamter und von Mitgliedern des Königshauses ausgemalt worden. In China gibt es auch zahlreiche buddhistische Tempel, in Höhlen hineingebaut, die mit Wandmalereien versehen sind.
Afrika
Zahlreiche Wandmalereien sind aus Nubien bekannt. Nubien war von ca. 500 - 1500 zum großen Teil christlich und die meisten dortigen Kirchen wurden mit Szenen aus der Bibel ausgemalt. Die Malereien orientierten sich stilistisch stark an byzantinische Vorbilder. Auch hier endet die Tradition von Wandmalerei mit der Ankunft des Islam.
Altamerika
Vor allem bei den Mayas blühte die Kunst der Wandmalerei. Gut erhaltene Bespiele fanden sich in San Bartolo[1], wo sie die Wände einer Grabkammer schmückten. In Bonampak fanden sie sich in einem Tempel. Die Bilder bedecken in drei Räumen eine Fläche von 144 m². Dargestellt werden der Herrscher und sein Gefolge, Tribut- und Kriegsszenen, ein Strafgericht, Tanzszenen und Blutopfer von Adligen. Die Wandmalereien geben einen einzigartigen Einblick in das soziale Gefüge der Mayagesellschaft in der zweiten Hälfte des 1. Jahrtausends u.Z.
Mittelalter
In romanischer Zeit erlebte die Wandmalerei durch die Christianisierung einen großen Aufschwung, denn die Kirchen wurden für die Leseunkundigen mit biblischen Darstellungen geschmückt, um sie mit dem Evangelium bekannt zu machen. Auch auf Burgen befanden sich Wandmalereien, allerdings eher mit weltlichen Sujets. Eindrucksvolles Beispiel ist der Iwein-Zyklus auf Schloss Rodenegg in Südtirol.
In der Gotik wurde neben der Wandmalerei die Innenraumausschmückung durch Glasmalerei bei sakralen Gebäuden immer wichtiger. Italien blieb aber weiterhin ein Zentrum der Wandmalerei, die in der Renaissance dann einen erneuten Aufschwung erlebte, während nördlich der Alpen schon die Tafelmalerei vorherrschte.
Die Wandmalerei war damit, besonders als Vorläufer der Tafelmalerei, einer der bedeutendsten Schritte in der kulturellen Entwicklung hin zu unserer modernen visuellen Wahrnehmung.
Renaissance
Eines der bekanntesten Beispiele für Wandmalerei in der Renaissance ist Das letzte Abendmahl von Leonardo da Vinci. Es war für den Speiseraum eines Klosters gedacht. Als Höhepunkt der Malerei in Freskotechnik wird die Wand- und Deckenbemalung der Sixtinischen Kapelle durch Michelangelo gesehen.
Barock
Im Barock nahm die Bedeutung der Wandmalerei abermals zu - nun in der Spezialform der Deckenmalerei. Besonders virtuos wurde hier die Darstellung des Himmels, mit der viele Barockkirchen an der Decke ausgestattet wurden. Bereits in der Renaissance gab es einzelne Beispiele für eine "Öffnung" der Decke als Blick in den Himmel, so vor allem die Kuppelfresken von Correggio in Parma.
Im römischen Barock wurde die Deckenmalerei schließlich zu einem wesentlichen Mittel gegenreformatorischer Kirchenausstattungen. Zu Vorbildern wurden die Fresken in den Kirchen Il Gesù von Giovanni Battista Gaulli und in Sant' Ignazio von Andrea Pozzo. Die Wand- und Deckenmalerei des Barock und Rokoko versuchte, den Betrachter ganz in den Bann der Religion oder der absolutistischen Macht zu ziehen.
Eine besondere lokale Form der Wandmalerei ist die Lüftlmalerei in den Ortschaften der Alpentäler. Einige der berühmtesten Malereien, die im 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts geschaffen wurden, befinden sich in Mittenwald, Garmisch sowie in Unter- und Oberammergau.
Moderne
Besonders im Sozialistischen Realismus wurde die Wandmalerei auch in der Moderne für Propaganda genutzt. Auf großer Fläche, etwa in Betriebskantinen oder auf öffentlichen Plätzen, wurden plakative politische Aussagen dargestellt. Politische Botschaften kontroversen Inhalts werden aber in vielen Ländern auch von anonymen Künstlern auf öffentliche oder private Wände gemalt.
In Mexiko entstand nach der mexikanischen Revolution eine besondere Schule der Muralistas, die berühmtesten Vertreter dieser Schule sind Diego Rivera, David Alfaro Siqueiros und Jose Clemente Orozco. Die mexikanischen Muralistas waren politische Künstler, teilweise dem Marxismus verpflichtet, bezogen sich künstlerisch allerdings sowohl auf einheimische mexikanische als auch auf europäische Traditionen der Malerei.
Auf Sardinien finden sich, hauptsächlich in Gebirgsdörfern, viele Murals. In manchen Dörfern dort, vor allem in Orgosolo, sind die Bildnisse allgegenwärtig. Die ältesten Wandgemälde dort verweisen direkt auf den moderaten Freiheitskampf, den die um ihre Eigenständigkeit bemühten Sarden gegen die Zentralmacht Italien führten. Orgosolo war ein Hauptwiderstandsnest. Neuere Bildnisse dort kommentieren eher die Weltpolitik (z.B. den 11. September 2001) oder enthalten sogar Werbebotschaften.
Berühmt für seine als Murals bezeichneten Wandmalereien sind unter anderem auch die Städte Belfast und Derry in Nordirland. In den dortigen rein katholischen und protestantischen Wohnvierteln kam es in der Vergangenheit immer wieder zu politisch motivierten Unruhen, den sogenannten Troubles. Die Geschichte und die politischen und geschichtlichen Hintergründe zu diesen Auseinandersetzungen sind in diesen Murals festgehalten.
Die modernste Form der Wandmalerei ist das Graffiti. Auch großflächige Graffiti werden manchmal als Murals bezeichnet.
Techniken
Es lassen sich grundsätzlich zwei Arten von Maltechniken unterscheiden. Bei dem Fresko wurden die Farben auf den noch feuchten Putz aufgetragen. Diese Technik erforderte schnelle und sehr geübte Maler, da die Bilder vor dem Trocknen des Putzes fetiggestellt werden müssen. Diese Technik hat den Vorteil hoher Haltbarkeit. Die Farben dringen in den Putz ein und werden kaum abblättern. In der Seccomalerei werden die Farben dagegen auf den trockenen Putz angebracht. Für Bilder dieser Technik kann sich ein Künstler mehr Zeit lassen, doch kann es Probleme mit der Haltbarkeit geben. In der Praxis sind viele Wandmalereien aus einer Kombination beider Techniken hergestellt.
Anmerkungen
Siehe auch
Liste wichtiger Wandmaler
- Andrea Pozzo
- Gottfried Bernhard Göz
- Oskar Schlemmer
- Charles Crodel
- Jose Clemente Orozco
- Diego Rivera
- David Alfaro Siqueiros
- August Braun (Kirchenmaler im Süddeutschen Raum)
- Toni Schönecker (lebte in Wangen im Allgäu und hat dort zwischen 1950 und 1965 mehrere sehr schöne Wandmalereien gemacht wo bei er mit farbigem Putz gearbeitet hat und Schichten abgetragen wurden so das die gewünschte Farbe dann zur Geltung gekommen ist)
Literatur
- Kurt Wehlte: Wandmalerei. Berlin 1938
- Kurt Wehlte: Werkstoffe und Techniken der Malerei. Stuttgart/Ravensburg 1967
- Norbert Martins: Giebelphantasien – Berliner Wandbilder. HetStein-Verlag, Berlin 1989, ISBN 3-926976-07-1
Weblinks
| <imagemap>-Fehler: Bild ist ungültig oder nicht vorhanden | Commons: Wandmalerei – Bilder, Videos und/oder Audiodateien |
Historische Wandmalerei
Moderne Wandmalerei
- Wandbilder in Berlin (Internetseite von Norbert Martins)
- Mural Conservancy of Los Angeles (englisch)
- Political Murals in Ireland Bildergalerie und erläuternde Texte (englisch)
- Wandmalerei und anamorphose, mehr als 400 Photos und ein Titel auf dem anamorphotischen Bild, französisch
- CityPoems: online Ausstellung von Wandmalerei Gedichte (englisch)
