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Walter Serner

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Walter Serner (* 15. Januar 1889 in Karlsbad, Böhmen; August 1942 verschollen, zuletzt Theresienstadt, vermutetes Todesjahr 1944; eigentlich Walter Eduard Seligmann) war ein Essayist, Schriftsteller und Dadaist. Sein Manifest Letzte Lockerung gilt als einer der wichtigsten Dada-Texte. Er schrieb auch unter anderen Pseudonymen: Seinen ersten Prosatext unterzeichnete er mit Wladimir Senakowski, einen Brief an seinen Verleger mit A.D., eine Rezension seines eigenen Geschichtenbandes Zum blauen Affen unter dem Namen seines Freundes Christian Schad.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Der junge Walter Seligmann konvertierte kurz nach seinem Abitur 1909 zum katholischen Glauben und nahm den Nachnamen Serner an. Im gleichen Jahr begann er ein Jurastudium in Wien und veröffentlichte parallel Beiträge zu Theater und Bildender Kunst in der väterlichen Karlsbader Zeitung. 1912 siedelte er nach Berlin um und schloss 1913 sein Studium an der Universität Greifswald ab. Zu dieser Zeit publizierte er bereits regelmäßig in der Berliner Zeitschrift Die Aktion.

1914, kurz nach seiner Übersiedlung in die Schweiz arbeitete er zuerst an der Zeitschrift Der Mistral mit. Die letzte Ausgabe erschien unter seiner Leitung; anschließend gab er eine eigene Publikation unter dem Titel Sirius heraus. Seit seiner Übersiedelung nach Zürich hatte er vereinzelt Kontakt zu den Dadaisten. Nach Hugo Balls Abschied von den Dadaisten und nachdem Tristan Tzara die Bewegung übernahm, verstärkte sich Serners Mitarbeit. Er pendelte zwischen Italien, Paris, Genf und Zürich, schrieb Geschichten und Romane und verfasste 1918 das dadaistische Manifest Letzte Lockerung, manifest Dada, für Jörg Drews eine „glänzende Analyse des Zeitalters des vollendeten Nihilismus“. 1920 wird das Manifest veröffentlicht; im gleichen Jahr wird Serner von einigen der Hauptvertreter des Dadaismus wie Tzara als „größenwahnsinniger Außenseiter“ bezeichnet.

Am 9. April 1919 trug Serner Teile aus Letzte Lockerung vor. Dabei kam es auf der Dada-Soiree Non plus ultra in Zürich zu einem Aufruhr des Publikums, und Serner wurde von der Bühne gejagt. Sein Manifest steht in eindeutigem Zusammenhang mit dem von Tristan Tzara verfassten Manifest Dada 1918 – jedoch hatte Serner sein Manifest bereits vor dem Erscheinen von Tzaras Text verfasst. Wer wen beeinflusste lässt sich letztlich nicht mehr nachweisen.

Nach seiner Abkehr von der dadaistischen Bewegung wandte sich Serner dem Schreiben von Kriminalgeschichten zu. Sein Roman Die Tigerin erschien 1925 (verfilmt von Karin Howard 1992) und sorgte aufgrund des zwielichtigen Milieus und der sexuell offensiven Sprache für einen kleinen Skandal. Nur ein Gutachten von Alfred Döblin verhinderte, dass das Buch der Zensur zum Opfer fiel. Seine Erzählsammlung Der Pfiff um die Ecke wurde zeitweise beschlagnahmt. Sein nächster Erzählband, Die tückische Straße erschien zuerst als Privatdruck, ebenso sein „Gauner-Stück“ Posada, das am 6. März 1927 zum ersten (und letzten) Mal aufgeführt wurde: im Berliner Theater am Zoo.

1925 gab es erste antisemitische Anwürfe gegen Serner, der einen tschechischen Pass hatte und sein Reiseleben über die nächsten Jahre kontinuierlich fortsetzte; seine Bücher befanden sich zum Teil auf der „Liste der Schund- und Schmutzschriften“ und wurden nur privat per Post vertrieben. Nach 1933 wurden Serners Arbeiten in Deutschland endgültig auf die „Liste 1 des schädlichen und unerwünschten Schrifttums“ der Reichsschrifttumskammer gesetzt.

Serner zog sich ab 1927 ins Privatleben zurück:

„Dichtung ist und bleibt ein, wenn auch höherer, Schwindel. Ich lege Wert darauf, das zum ersten Mal ausgesprochen zu haben. Menschen gestalten, heißt: sie fälschen.“

Walter Serner: Aus einem Brief an seinen Verleger Paul Steegemann, in dessen Nachlass entdeckt; wird als letzter Text Serners betrachtet

Wikipedia
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Serner heiratete 1938 Dorothea Herz und lebte mit ihr in Prag. Ab 1939 betrieb er mehrere Versuche, nach Shanghai auszuwandern.

Am 10. August 1942 – Serner arbeitete inzwischen als Sprachenlehrer im Prager Ghetto – wurde er zuerst nach Theresienstadt, wenige Tage später mit unbekanntem Bestimmungsort weiter deportiert. Sein weiteres Schicksal ist unbekannt.

Ihm zu Ehren wurde der Berliner Walter-Serner-Preis gestiftet.

Werke

Einzelausgaben

  • Die Haftung des Schenkers wegen Mängel im Rechte und wegen Mängel der verschenkten Sache. Nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch für das Deutsche Reich. Berlin: Ebering, 1913 (Dissertation)
  • Letzte Lockerung. manifest dada. Hannover / Leipzig / Wien / Zürich: Steegemann, 1920
  • Zum blauen Affen. Dreiunddreißig hahnebüchene Geschichten. Hannover: Steegemann, 1921
  • Der elfte Finger. Fünfundzwanzig Kriminalgeschichten. Hannover: Steegemann, 1923
  • Der Pfiff um die Ecke. Zweiundzwanzig Spitzel- und Detektivgeschichten. Berlin: Elena Gottschalk, 1925
  • Die Tigerin. Eine absonderliche Liebesgeschichte. Berlin: Gottschalk, 1925
  • Die tückische Straße. Neunzehn Kriminal-Geschichten. Wien: Dezember, 1926
  • Posada oder Der Große Coup im Hotel Ritz. Ein Gauner-Stück in drei Akten. Wien: Dezember, 1926
  • Letzte Lockerung. Ein Handbrevier für Hochstapler und solche die es werden wollen (erweiterte Ausgabe, 1927)
  • Angst. Frühe Prosa. Hrsg., Nachw.: Thomas Milch, Ill.: Christian Schad. Erlangen: Renner, 1977
  • Hirngeschwür. Texte und Materialien. Walter Serner und Dada. Hrsg., Nachw.: Thomas Milch. Erlangen: Renner, 1977
  • Wong fun. Kriminalgeschichte. Ill.: Volker Pfüller, Nachw.: Thomas Milch. Augsburg: Maro, 1991

Werkausgaben

  • Die Bücher von Walter Serner. Kassette in sieben Bänden. Berlin: Steegemann, 1927
  • Das gesamte Werk. Band 1-8, 3 Supplementbände. Hrsg.: Thomas Milch. Erlangen, München: Renner, 1979-1992
    • Bd. 1: Über Denkmäler, Weiber und Laternen. Frühe Schriften (1981)
    • Bd. 2: Das Hirngeschwür. DADA (1982)
    • Bd. 3: Die Tigerin. Eine absonderliche Liebesgeschichte (1980)
    • Bd. 4: Der isabelle Hengst. Sämtliche Kriminalgeschichten I (1979)
    • Bd. 5: Der Pfiff um die Ecke. Sämtliche Kriminalgeschichten II (1979)
    • Bd. 6: Posada oder der große Coup im Hotel Ritz. Ein Gaunerstück in drei Akten (1980)
    • Bd. 7: Letzte Lockerung. Ein Handbrevier für Hochstapler und solche die es werden wollen (1981)
    • Bd. 8: Der Abreiser. Materialien zu Leben und Werk (1984)
    • Supplementbd. 1: Die Haftung des Schenkers wegen Mängel im Rechte und wegen Mängel der verschenkten Sache (1982)
    • Supplementbd. 2: Das fette Fluchen. Ein Walter Serner-Gaunerwörterbuch (1983)
    • Supplementbd. 3: Krachmandel auf Halbmast. Nachträge zu Leben und Werk (1992)
  • Gesammelte Werke in zehn Bänden. Hrsg. von Thomas Milch. München: Goldmann, 1988
    • Bd. 1: Über Denkmäler, Weiber und Laternen. Frühe Schriften (enthält den Supplementband 1 der Renner-Ausgabe)
    • Bd. 2: Das Hirngeschwür. DADA
    • Bd. 3: Zum blauen Affen. Dreiunddreißig Kriminalgeschichten
    • Bd. 4: Der elfte Finger. Fünfundzwanzig Kriminalgeschichten
    • Bd. 5: Die Tigerin. Eine absonderliche Liebesgeschichte
    • Bd. 6: Der Pfiff um die Ecke. Zweiundzwanzig Kriminalgeschichten
    • Bd. 7: Posada oder der große Coup im Hotel Ritz. Ein Gaunerstück in drei Akten
    • Bd. 8: Die tückische Straße. Neunzehn Kriminalgeschichten
    • Bd. 9: Letzte Lockerung. Ein Handbrevier für Hochstapler und solche die es werden wollen
    • Bd. 10: Der Abreiser. Materialien zu Leben und Werk (enthält den Supplementband 2 der Renner-Ausgabe)
  • Sprich deutlich. Sämtliche Gedichte und Dichtungen. Hrsg.: Klaus G. Renner. München: Renner, 1988
  • Das Walter-Serner-Lesebuch. Alle 99 Kriminalgeschichten in einem Band. München: Goldmann, 1992
  • Das erzählerische Werk in drei Bänden. Hrsg.: Thomas Milch. München: Goldmann/btb, 2000, ISBN 3-442-90259-2
    • Bd. 1: Zum blauen Affen / Der elfte Finger
    • Bd. 2: Die Tigerin
    • Bd. 3: Der Pfiff um die Ecke / Die tückische Straße

Texte im Internet

Sekundärliteratur

  • Alfons Backes-Haase: Über topographische Anatomie, psychischen Luftwechsel und Verwandtes. Walter Serner – Autor der ‚Letzten Lockerung‘. Bielefeld: Aisthesis, 1988. ISBN 3-925670-18-1
  • Jörg Drews: Hinter jedem Satz hat man ein wildes Gelächter unmißverständlich anzudeuten. Zur geistigen Existenz Walter Serners. In: manuskripte. H. 89/90 (1985). S. 149-153
  • Jörg Drews (Hrsg.): Das Tempo dieser Zeit ist keine Kleinigkeit. Zur Literatur um 1918. München: Edition text + kritik 1981. ISBN 3-88377-081-7
  • Jonas Peters: ‚Dem Kosmos einen Tritt!‘ Die Entwicklung des Werks von Walter Serner und die Konzeption seiner dadaistischen Kulturkritik. Frankfurt am Main u. a.: Lang, 1995 (= Hamburger Beiträge zur Germanistik 19)
  • Andreas Puff-Trojan: Wien / Berlin / Dada. Reisen mit Dr. Serner. Wien: Sonderzahl, 1993. ISBN 3-85449-059-3
  • Andreas Puff-Trojan/Wendelin Schmidt-Dengler (Hrsg.): Der Pfiff aufs Ganze. Studien zu Walter Serner. Wien: Sonderzahl, 1996. ISBN 3-85449-091-7
  • Christian Schad: Relative Realitäten. Erinnerungen um Walter Serner. Mit einer Nachbemerkung von Bettina Schad Augsburg: Maro, 1999 (EA in: Walter Serner: Die Tigerin. München: Rogner & Bernhard, 1971, S. 211-312), ISBN 3-87512-661-0

Adaptionen

  • Film: Die Tigerin (Deutschland 1992; Regie: Karin Howard)
  • Hörspiel: Die Tigerin. Bearbeitung und Regie: Klaus Buhlert. Produktion: Bayerischer Rundfunk. Ursendung: 1. Oktober 1999
  • Hörbuch: Die Tigerin. Eine absonderliche Liebesgeschichte. Gelesen von Sona MacDonald. Frankfurt am Main: Kein & Aber Records / Eichborn, 2001. (4 CDs, ISBN 3036911103)

Weblinks

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