Viktoriasee

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Viktoriasee
Geografische Lage: Tansania, Uganda und Kenia
Zuflüsse: Kagera-Nil
Abflüsse: Viktoria-Nil
Größere Städte am Ufer: Entebbe, Mwanza,
Jinja, Kisumu
Daten
Höhe über Meeresspiegel 1.134 m
Fläche 68.870 km²
maximale Tiefe 81 m / 85 m
Besonderheiten größter See in Afrika, Beckensee, umgewandelter Natursee
Wikipedia
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Der Viktoriasee (auch Victoriasee, Victoria Nyanza, früher Ukerewesee) liegt in Ostafrika in den Staaten Tansania, Uganda und Kenia.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Bild:Rift.svg

Bild:Hydrography-graph-Lake Victoria.svg
Entwicklung des Wasserpegels des Viktoriasee
Bild:Density evolution Victoria.png
Bevölkerungsdichte um den Viktoriasee
Bild:Human density Lake Victoria.png
Bevölkerungswachstum um den Viktoriasee
Bild:Victoriasee Inseln.jpg
Inseln vor Muansa

Der See befindet sich in der ostafrikanischen Hochebene auf der Grenze der zuvor genannten Staaten, wovon sein größter Anteil auf Tansania und der zweitgrößte auf Uganda entfällt. Er ist das Überbleibsel eines Sees, der vor vielen Millionen Jahren noch viel größer war, als es seine heutigen Ausmaße erahnen lassen.

Während der Viktoriasee im Westen vom Kagera-Nil gespeist wird, befindet sich sein Abfluss im Norden - dies ist der Viktoria-Nil (daher wird der See als dessen Quelle betrachtet, nicht aber als die Nilquelle). Die größte Insel ist mit 560 km² Ukerewe vor dem Südufer. Weite Strecken seines Ufers werden von ausgedehnten Papyrussümpfen gesäumt.

Vom natürlichen See zum Stausee

Mit 68.870 km² Fläche ist der Viktoriasee der größte See in Afrika und nach dem Kaspischen Meer und dem Oberen See auch der drittgrößte See (und der zweitgrößte Süßwassersee) der Erde. Damit ist er etwa so groß wie Irland oder Bayern. Das Stausee-Volumen beträgt 204.800.000.000 m³ und sein Gesamt-Volumen 2.760 km³.

Seine ehemalige natürliche Größe wurde jedoch durch den Bau des Owen-Falls-Damms, der 1954 bei Jinja am Viktoria-Nil fertiggestellt wurde, künstlich vergrößert, so dass der natürliche See vom Wasser des dadurch entstandenen Stausees - "Victoria Reservoir" genannt - überflutet wurde. Seitdem sind auch die etwas nördlich seines ehemaligen Nordufers bis dahin freiliegenden Owen- und Ripon Falls überflutet. Der See, dessen Wasseroberfläche bei Vollstau 1.134 m ü. NN liegt, ist verschiedenen Angaben zufolge maximal 81 m oder 85 m tief.

Nachdem im Jahre 2002 Uganda ein zweites Wasserkraftwerk in diesem Gebiet in Betrieb genommen hatte, erreichte im Jahre 2006 der Wasserspiegel des Sees einen Rekordtiefstand, der zum letzten Male vor 80 Jahren gemessen wurde [1].

Geschichte

Der Viktoriasee ist erdgeschichtlich ein sehr junger See und sein Alter wird auf weniger als eine Million Jahre geschätzt. Vor 14.700 Jahren ist er das letzte Mal komplett ausgetrocknet. Trotz oder wegen dieses geringen Alters hat er einen erstaunlichen Artenreichtum aufzuweisen. Aber es gibt noch weitere Zuflüsse wie der Pindibo oder der Adabo-Fluss, aus Burundi.

Der Viktoriasee wurde 1858 vom britischen Entdecker John Hanning Speke für die westliche Welt entdeckt und nach der damaligen Königin von Großbritannien Victoria benannt. 1875 bereiste Sir Henry Morton Stanley den See mit einem Schiff, wobei er ihn einmal komplett umrundete.

Fauna und Flora

Neben dem Flusspferd gibt es im Viktoriasee ca. 550 verschiedene, bekannte Fisch-Arten in zwölf Familien und in 28 Gattungen. Demgegenüber leben in ganz Europa nur etwas mehr als 200 Süßwasserfischarten.

Ein großer Teil des Artenreichtums betraf die Buntbarsche (Cichliden), die gemessen an der relativ kurzen Zeit seit der letzten Austrocknung einen außerordentlich hohen Artenreichtum aufwiesen. Dieser war deshalb auch ein beliebtes Forschungsobjekt der Evolutionsbiologie. Für die 1970er schätzte man die Zahl der Buntbarscharten auf etwa 500. Viele Arten waren damals jedoch noch nicht beschrieben oder hatten erst vorläufige Namen erhalten. Jedes Jahr kamen damals neue Arten hinzu, bis dann der Nilbarsch in den 1990ern immer schneller Arten auslöschte, bevor sie wissenschaftlich beschrieben werden konnten. Bis 1995 wurden mehr als 400 Buntbarscharten im Viktoriasee beschrieben.

Ökologisches Desaster

Der Nilbarsch wurde in den 1960ern bewusst in den Viktoriasee eingesetzt, um einen kommerziell gut verwertbaren Speisefisch im See zu haben. Seine rasante Vermehrung führte zwar anfangs zu einem Aufschwung der Fischindustrie, kehrte sich aber bald in ein Desaster um, als man bemerkte, dass der Nilbarsch für das Aussterben eines Großteils der Buntbarscharten verantwortlich ist. Der Nilbarsch ist heute als Viktoriabarsch im Fischhandel erhältlich.

Siehe auch: Neozoen, Darwin's Nightmare

Ein weiteres Problem ist die ebenfalls nicht natürlich im Viktoriasee vorkommende Wasserhyazinthe, die heute weite Flächen überwuchert. 1995 war 90% der ugandischen Küste mit dieser Pflanze bedeckt.

Durch die dichte Besiedlung an seinen Ufern hat der See heute mit massiven Umweltproblemen wie z. B. Verschmutzung und Sauerstoffmangel zu kämpfen. Diese Krisenerscheinungen bewogen den Global Nature Fund, den Lake Victoria zum „bedrohten See des Jahres 2005“ zu erklären.

Siehe auch

Literatur

  • Tijs Goldschmidt: Darwins Traumsee. Nachrichten von meiner Forschungsreise nach Afrika. C.H.Beck, München 1997, ISBN 3-406-42881-9

Film

  • Darwins Alptraum“, Dokumentarfilm; Buch und Regie: Hubert Sauper, zeigt die verheerenden Folgen der Ansiedlung und kommerziellen Zucht des Nilbarschs im Victoriasee; Koproduktion von „Mille et une productions“ (Paris), „Coop99“ (Wien) und „Saga film“ (Brüssel), 2004. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren; 107 Min.

Weblinks

zur Ökologie

zur Fauna

Koordinaten: 01° 04' S, 32° 52' O

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