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Victor Adler

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Victor Adler (auch Schreibweise Viktor; * 24. Juni 1852 in Prag; † 11. November 1918 in Wien) war ein österreichischer Politiker.

Adler wurde als Sohn eines wohlhabenden jüdischen Kaufmanns geboren und studierte bis 1881 Medizin an der Universität Wien. Er arbeitete dann kurze Zeit als Armenarzt und seit 1883 als Nervenarzt, ehe er sich journalistisch betätigte.

Politisch stand Adler zunächst der deutschnationalen Bewegung um Georg von Schönerer nahe und beeinflusste ihr 1882 aufgestelltes Linzer Programm. Nach dem Scheitern des Programms und weil er seine sozialen Forderungen in der deutschnationalen Bewegung kaum noch berücksichtigt sah, schloss sich Victor Adler nach 1882 der Sozialdemokratie an. 1886 gründete er in Wien die Zeitung "Gleichheit". Während einer Reise nach Deutschland traf er sich unter anderem mit Friedrich Engels, August Bebel und Karl Liebknecht.

Auf dem Hainfelder Parteitag vom 30./31. Dezember 1888 vereinigte Victor Adler die verschiedenen sozialdemokratischen Gruppen Österreichs und gilt damit als Begründer der Sozialdemokratischen Partei Österreichs (SPÖ, seinerzeit SDAP). Er wurde auch zum ersten Vorsitzenden der neuen Partei gewählt, jedoch später von den österreichischen Behörden verfolgt und zu neun Monaten Gefängnis verurteilt. Im gleichen Jahr erschien die von ihm gegründete "Arbeiter-Zeitung" zum ersten Mal, deren Chefredakteur er von 1889 bis 1918 war. Adler gehörte zum gemäßigten Flügel der Partei. Besonders setzte er sich für die Zusammenarbeit mit der ungarischen und balkanischen Arbeiterbewegung im Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn ein.

1899 war Adler maßgeblich an der Erstellung des Brünner Programms beteiligt, in welchem zur Lösung des Nationalitäten- und Sprachproblems der österreichisch-ungarischen Monarchie die Bildung eines Bundesstaates gefordert wurde.

Seit 1905 war er Vorsitzender der SDAPÖ und Abgeordneter im Landtag von Niederösterreich. 1906 trug er als Vermittler zwischen den Parteien maßgeblich zur Verabschiedung einer Wahlrechtsreform bei. Adler bemühte sich um die Einheit der Sozialisten im österreichisch-ungarischen Vielvölkerstaat, konnte aber die Abspaltung der tschechischen Sozialisten 1911 nicht verhindern. Auf der II. Internationale, dem Basler Kongress, setzte er sich für eine einheitliche Friedenspolitik in Europa ein. Beim Ausbruch des Ersten Weltkrieges trat er allerdings für die Annahme der Kriegskredite ein, da er Österreich-Ungarn in einem Verteidigungskrieg sah. Für diese Politik, von seinen Gegnern als "Burgfriedenspolitik" bezeichnet, wurde er heftig angegriffen.

Am 21. Oktober 1916 erschoss einer der Söhne Victor Adlers, Friedrich, den österreichischen Ministerpräsidenten Karl Reichsgraf von Stürgkh und wurde später zum Tode verurteilt, dann aber begnadigt.

In der provisorischen Regierung Renner war er vom 30. Oktober 1918, als er bereits schwer krank war, bis zu seinem Tod am 11. November 1918 Staatssekretär für Äußere Angelegenheiten (Außenminister). Dort vertrat er, nachdem sein ursprünglicher Vorschlag eines demokratischen Nationalitätenbunds gescheitert war, den Anschluss von Deutsch-Österreich an das Deutsche Reich.

Anfang der 1920er Jahre wurde Adlers Privatbibliothek von der Sozialwissenschaftlichen Studienbibliothek der Kammer für Arbeiter und Angestelle für Wien erworben.

Literatur

  • Julius Braunthal: Victor und Friedrich Adler. Zwei Generationen Arbeiterbewegung Wiener Verlagsbuchhandlung, 1965
  • Thomas Lau (Hg.), Österreichische Familien. Machthaber, Mimen und Magnaten. Böhlau Wien, 2006, ISBN 978-3-205-77543-0. (enthält ein Kapitel über die Familie Adler).

Weblinks

Wikipedia
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