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Versandhandel
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Der Versandhandel (oft auch als Mailorder bezeichnet) ist eine Art des Einzelhandels (Distanzhandels), bei dem die Produkte per Katalog, Prospekt, Internet, Fernsehen oder Vertreter angeboten werden.
Die Bestellung der gewünschten Produkte kann mündlich (z. B. per Telefon oder Vertreter), schriftlich (z. B. per Brief oder Fax) oder auch online getätigt werden. Die anschließende Bezahlung kann per Kreditkarte, Nachnahme, Vorabüberweisung oder auch auf Rechnung erfolgen. Die Bonität des Kunden kann das Versandunternehmen vorab bei bestimmten Auskunfteien erfragen (z. B. Schufa bei Privatkunden oder Creditreform bei gewerblichen Abnehmern)
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Geschichte des Versandhandels in Deutschland
Als besondere Form des Einzelhandels kam der Versandhandel gegen Ende des 19. Jahrhunderts auf, zunächst für den Vertrieb von speziellen Artikeln für die ländlichen Gebiete. Als erster Versandhändler in Deutschland gilt August Stukenbrok Einbeck (ASTE) der 1888 in Einbeck einen Fahrradversandhandel betrieb.
In der Weimarer Republik erweiterte sich das Sortiment und viele bekannte Versandhändler wurden gegründet: Baur Versand in Burgkunstadt (1925), Klingel in Pforzheim (1925), Wenz (1926), Quelle-Versand in Fürth (1927), Schöpflin in Lörrach (1929) und BADER Versand in Pforzheim (1929). Nach dem Zweiten Weltkrieg begann in der Bundesrepublik eine weitere Gründungswelle: Otto-Versand in Hamburg (1949), Neckermann Versand in Frankfurt am Main (1950) und Schwab Versand in Hanau (1955).
Durch das "Wirtschaftswunder" und der immer größer werdenden Kundenzahl wuchs der Versandhandel und die Sortimente wurden stetig erweitert. Zudem wurden spezialisierte Versandhändler gegründet: Heine-Versand in Karlsruhe (1951) und Junghans-Wollversand in Aachen (1954). Der Anteil am gesamten Einzelhandelsumsatz in den 1960er Jahren betrug für die Versandhandelsunternehmen bis zu 5 Prozent.
Aufgrund der konjunkturellen Situation in den 1970er Jahren wurden mehrere Versandhändler aufgekauft. So erwarb Karstadt den Neckermann-Versand, der Otto-Versand übernahm den Heine-Versand und Schwab-Versand und bereits 1964 kaufte die Quelle-Gruppe den Versandhandel von Schöpflin auf. Zudem begannen die großen Versandhändler mit den Ausbau von Logistikzentren und eigenen Transportsystemen um die Transport- und Postgebühren für die Deutsche Bundespost zu minimieren.
1997 wurde die Quelle-Gruppe zweitgrößter Aktionär der Karstadt AG (mit Neckermann-Versand). Der Quelle-Versand und der Otto-Versand wurden zum weltweit führenden Versandhandlesunternehmen.
Mit der Verbereitung von Versandhändlern und Auktionsplattformen im Internet (u.a. Amazon, Ebay), der Ausbau des Filialnetzes von größeren Fachmärkten (Obi, Praktiker, Media-Markt, Saturn) und der Aktionswarenentwicklung in Discountermärkten schrumpfte der Anteil des Vesandhandels am gesamten Einzelhandeslumsatz, so dass sich viele Versandhändler auch als Internetanbieter profilieren mussten.
Unterscheidung nach Zielgruppe
Man unterscheidet im Versandhandel grundsätzlich zwei Arten:
- B2C (oder BtC), Business to Consumer: direkt an den privaten Endverbraucher (Konsument) gerichtet.
- B2B (oder BtB), Business to Business: an gewerbliche Endverbraucher (Unternehmen, Behörden etc.) gerichtet.
Unterscheidung nach Sortiment
Es wird unterschieden zwischen:
- Spezialversender: Versandhandelsunternehmen, die sich auf einen Sortimentsbereich spezialisieren (Textilien/Mode, HiFi, Tonträger, Möbel etc.). Beispiele sind Conrad Electronic, Walbusch, Borek Briefmarken, und Calevo Reitsport.
- Universalversender: Versandhandelsunternehmen, die meist mit einem oder mehreren saisonal erscheinenden Hauptkatalogen, gestützt durch mehrere Spezialkataloge, ein "Kauf- oder Warenhaus"-Sortiment (Bekleidung, Unterhaltungselektronik, Möbel, Haushaltswaren, ...) anbieten (z. B. Baur-Versand, Otto-Versand, Quelle-Versand, Neckermann.de).
Nach einer erfolgten Bestellung und darauf folgender Einigung auf einen Bezahlvorgang werden die Produkte durch Zustelldienste oder Logistikdienstleister an die Endabnehmer versendet. Dabei unterscheidet sich die Privatkundenlogistik von der Handelslogistik durch die Herausforderungen der sogenannten letzten Meile zum Kunden.
Beim Versandhandel gibt es zum Schutz des Verbrauchers ein Widerrufssrecht (siehe Widerruf) vom Kaufvertrag, das häufig durch ein Rückgaberecht ausgeübt wird, u. a. geregelt in der Fernabsatzrichtlinie der EU.
Teilweises Verbot des Versandhandels
Für jugendgefährdende Produkte besteht ein grundsätzliches Verbot des Versandhandels, § 15 Abs. 1 Nr. 3 JuSchG. § 1 Abs. 4 JuSchG definiert hier den Begriff des Versandhandels, danach liegt allerdings kein verbotener Versandhandel vor, wenn durch geeignete Vorkehrungen verhindert wird, dass die bestellte Ware in die Hände von Kindern und Jugendlichen gerät.
Siehe auch
- Handel
- Verkauf
- Direktverkauf
- Streckengeschäft (Direktversand, Drop-Shipping)
- Stukenbrok, erster Versandhandel in Deutschland
Weblinks
- Bundesverband des deutschen Versandhandels
- Der österreichische Versandhandel im Handelsverband
- Verband des schweizerischen Versandhandels (VSV)
- European Distance Selling Trade Association (EMOTA)
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