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Verlorene Illusionen

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Illusions perdues (dt. Verlorene Illusionen) von Honoré de Balzac entstand zwischen 1837 und 1843 als zeitgenössische Gesellschaftskritik in dreiteiliger Romanform. Er gehört zu seinem monumentalen Werk, der menschlichen Komödie. Anhand des Aufstiegs und Niedergangs von Lucien Chardon beschreibt Balzac exemplarisch die Mechanismen, die er im Frankreich der Restauration vorfindet, speziell im Literaturbetrieb, im Journalismus und der vornehmen Gesellschaft. Als solches ist Verlorene Illusionen nicht nur ein Roman, sondern ein Zeitdokument.

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

Die zwei Dichter

Der Romen spielt zu Anfang (1821) in der Ortschaft Angoulême, den Balzac wie folgt beschreibt: Zwischen [dem Vorort] l’Houmeau und Angoulême besteht ein sonderbarer, durch die sozialen Gegebenheiten verursachte Spannung, ja, man kann ruhig sagen: Feindschaft. L’Houmeau ist durch seinen aufstrebenden Handel, besonders durch seine Papierfabriken, reich geworden. Es liegt im flachen Land. Alles was Geld bringt, der Frachtverkehr, die Post, die Gasthäuser, die Brauereien, die Fabriken drängen sich unterhalb Angoulêmes am Ufer der Charente zusammen. Oben der Adel und die Macht, unten der Handel und das Geld. Zwei soziale Sphären, die in unaufhörlicher Gegnerschaft stehen. Der Handel ist reich, der Adel im allgemeinen arm, und jeder rächt sich am anderen durch Verachtung.

Der auffallend schöne und talentierte Lucien Chardon ist Sohn eines kleinbürgerlichen Apothekers und einer Hebamme, die aus dem altehrwürdigen Geschlecht der de Rubempré stammte und nur durch Falschaussage des Apothekers, den sie dann heitratet, vom Schafott gerettet wird. Lucien wird Günstling der Naïs de Bargenton, der ersten Dame in Angoulême und verliebt sich in die deutlich ältere Frau. Luciens Schwester Eva und sein Freund – später Schwager – David Séchard, der eine kleine, verschuldete Druckerei geerbt hat, versuchen mit ihren begrenzten Mitteln Lucien den Aufstieg so gut es geht zu finanzieren. Als in der öffentlichen Meinung Angoulêmes die Protegierung zu einem Skandal zu werden droht, fliehen Lucien und Mme de Bargenton nach Paris. Mme de Bargenton will sich dafür einsetzen, dass Lucien nicht nur Karriere als Dichter in der vornehmen Gesellschaft macht, sonder dass er auch - durch Beziehungen - per königlichem Dekret den Namen seiner Mutter annehmen darf: Lucien de Rubempré. Doch die feine Gesellschaft ist klein, der Skandal folgt ihnen nach Paris.

Ein großer Mann aus der Provinz in Paris

Bei erster Gelegenheit unternimmt Mme de Bargenton ihren Versuch, Lucien bei der beziehungsreichen Marquise d’Éspard einzuführen, indem sie ihn in die Oper mitnimmt. Dort trifft sich alles was Rang und Namen hat, jedoch macht Lucien eine schlechte Figur, sodass auf Anraten von Marquise d’Éspa Mme de Bargenton ihn fallen lässt. Zu allem Überfluss kostet die Ausstattung für den ersten Auftritt das dreifache eines bescheidenen Lebensunterhaltes. Den drohenden Ruin vor Augen verschwindet er in ärmlichsten Verhältnissen, wo er aber neue Freunde trifft: der Kreis “cénacle“ um den Philosophen und Literaten d'Arthez, Eingeweihte des Literaturbetriebes. Sie predigen ihm, dass ein echtes Talent letztlich zu Ruhm gelangt, selbst wenn es Jahre dauert. Der Journalist Etienne Lousteau hingegen kennt die Spielregeln der Zeitungen, speziell die der Literaturkritik, Theaterkritik und der Regenbogenpresse. Um Geld zu verdienen lässt dich Lucien auf den Journalismus ein, naiv glaubend, er könne sich selber treu bleiben. Doch mit seinem Talent und unter detaillierter Regie Etienne Lousteau’s erfährt er die wahre Macht der Medien, und kann sich nicht bremsen, sich an Mme de Bargenton und Marquise d’Éspard zu rächen – deren Revanche wird sein Untergang. Sein Erfolg bringt Geld, macht ihn aber unvorsichtig. Denn die kleine feine Gesellschaft ist in der Lage ein Komplott zu schmieden, in dem alle ihre Rolle sauber spielen. Lucien wird mitgeteilt, dass das heiß ersehnte königliche Dekret in greifbare Nähe rückt, wenn er sich dazu entschlösse, statt wie bisher für die liberalen nun für eine neue royalistische Zeitung zu schreiben. An seiner Eitelkeit gepackt, verlässt Lucien das liberale Lager und seine Protektion, um schließlich im royalistischen Lager dann fallen gelassen zu werden. Wegen seines aufwendigen Lebens völlig verschuldet, ohne Aussicht auf entsprechende Einkünfte fällt er in den Bodensatz der Gesellschaft. Um seine Schulden zu begleichen, fälscht er Wechsel seines Schwagers David, wodurch er jenen und seine Schwester Eva mit ins Unglück reisst. Schließlich kehrt er nach Angoulême zurück.

Die Leiden des Erfinders

Währenddessen ist es David gelungen, das Verfahren zur verbesserten Papierherstellung zu entwickeln, das mit seinem Vater verloren ging. Aber den Gebrüdern Cointet, Konkurrenten Davids, ist es inzwischen gelungen diesen zu ruinieren, insbesondere indem Ideen Davids mit Hilfe eines Spions in dessen Druckerei erkundet und verwertet werden. David macht bankrott und ins Gefängsnis gesteckt. Lucien trägt Mitschuld an dieser neuerlichen Katastrophe und beschließt, Selbstmord zu begehen. Doch während er sich ertränken will, erscheint ein spanischer Abt, Carlos Herrera, der ihn daran hindert. Er bietet ihm Geld an und verspricht Erfolg unter der Bedingung, dass er ihn blind gehorcht werde. Lucien akzeptiert diesen Pakt. Er sendet dann David die nötige Summe, damit er aus dem Gefängnis herauskommen kann, und geht mit dem fremden Priester nach Paris. David erreicht ein Abkommen mit Cointet, die seine Erfindung nutzen, so dass David und Eva davon leben können. Die sich anschließenden Ereignisse im Leben Luciens werden in dem Roman Glanz und Elend der Kurtisanen erzählt.

Brisanz

Die Problematik der medialen Macht und der Deutungshoheit von Ereignissen beim Konsumenten, die einen großen Platz bei Balzac einnehmen, wurden nun ebenfalls in der Medienöffentlichkeit aufgegriffen:

  • So veröffentlicht Harald Staun in faz.net einen Antwortbrief auf die Verlautbarung von Natascha Kampusch, die im Tenor das beschreibt, was Balzac in seinem Roman verarbeitet.
  • Ebenso zeigt der Satiriker Stephen Colbert anhand des Wortes Truthiness eine neue Entwicklung der Berichterstattung: statt Fakten zu bringen an das Gefühl der Zuschauer zu appelieren.
  • Die Wortkreation „grünwaschen” aus der ökologischen Bewegung bezeichnet gezielte PR-Maßnahmen von Konzernen, die die Medien-Berichterstattung von den ökologischen Verfehlungen der Firmen ablenken oder umkehren sollen.
  • Die embedded Journalist als fragwürdige Informationsquelle im Golfkrieg, weil sie zu einer einseitigen proamerikanischen Berichterstattung führte.

Literatur

Wikipedia
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