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Vergesellschaftung

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Der Begriff Vergesellschaftung stammt aus der Soziologie.

Inhaltsverzeichnis

Soziologie

„Vergesellschaftung“ wird hier mit unterschiedlichen Bedeutungen verwendet:

  • Zuerst wurde er von Max Weber aus Ferdinand Tönnies' Begriff der „Gesellschaft“ weiterentwickelt. Er bezeichnet eine soziale Beziehung „wenn und soweit die Einstellung des sozialen Handelns auf rational (zweckrational oder wertrational) motiviertem Interessenausgleich [...] beruht“. Unter Vergesellschaftung ist daraus folgend der Prozess gemeint, der aus Individuen Gesellschaftsmitglieder macht, indem er sie in unterschiedlicher Weise in den sozialen Zusammenhang integriert (oder negativ integriert). Vergesellschaftung vollzieht sich v.a. klassen-, ethnie- und geschlechtsspezifisch und unterliegt sich verändernden sozialhistorischen Bedingungen.
    Im Gegensatz dazu steht bei Weber die Vergemeinschaftung (wie bei Tönnies' die Gemeinschaft), die auf Affekt oder Tradition beruht.
  • Die vermutlich häufigste Bedeutung, in welcher der Begriff verwendet wird, ist jedoch die von Georg Simmel. Er sieht den Gegenstand der Soziologie in den Wechselwirkungen der Gesellschaft. Diese nennt er Vergesellschaftung. Simmel definiert die Geselligkeit „als Spielform der Vergesellschaftung und als - mutatis mutandis - zu deren inhaltsbestimmter Konkretheit sich verhaltend wie das Kunstwerk zur Realität.“ Geselligkeit im engeren Sinn entsteht nach ihm, wenn der Prozess der Vergesellschaftung als Wert an sich und Glückszustand jenseits der sozialen Realitäten erlebt wird.
  • Karl Marx bezeichnet mit Vergesellschaftung hingegen den Übergang (die Enteignung) der Produktionsmittel aus Privatbesitz in den Besitz der Allgemeinheit

Biologie

Außerdem findet der Begriff in der Pflanzensoziologie Bedeutung. Dort bezeichnet er die Zusammensetzung verschiedener Pflanzengesellschaften.

Archäologie

Von Vergesellschaftung in der Archäologie spricht man, wenn innerhalb eines geschlossenen Fundkomplexes Artefakte unterschiedlicher Gattung bzw. der gleichen Gattung aber von unterschiedlichen Kulturen/Regionen zusammen angetroffen werden. Zum Beispiel innerhalb eines Stratums oder eines Grabs. Eine Vergesellschaftung von Funden kann von großer Bedeutung sein, wenn z. B. datierbare mit bislang nicht datierbaren Artefakten zusammen gefunden werden. Dadurch kann für die bisher nicht zeitlich betimmbaren Objekte ein Datum gewonnen werden, unter Umständen sogar der ganze Fundkomplex datiert werden. Vergesellschaftete Gegenstände, die in unterschiedlichen Regionen hergestellt wurden, bezeugen auch Handelsbeziehungen.

Geologie

Vergesellschaftung heißt es in der Geologie wenn zum Beispiel ein Metall zusammen mit einem Mineral vorkommt. Gold ist oft mit Quarz vergesellschaftet. Weil sich die Elemente aus der Periode der Lanthanoide chemisch sehr ähnlich sind und in einem Erz gleich mehrere davon vorkommen sagt man auch sie sind vergesellschaftet.



Literatur (Soziologie)

  • Horkheimer, Max und Adorno, Theodor W (1947): Dialektik der Aufklärung. Amsterdam
  • Luhmann, Nicklas (1987): Soziale Systeme. Frankfurt a.M.
  • Marx, Karl (1961): Das Kapital. Erster Band. Berlin
  • Tönnies, Ferdinand (1982): Gemeinschaft und Gesellschaft. In: Vierkandt, Alfred (Hg.): Handbuch

der Soziologie. Stuttgart

  • Weber, Max (1956): Wirtschaft und Gesellschaft. Studienausgabe. Köln, Berlin
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