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Vereinigte Staaten von Groß-Österreich
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Die Vereinigte Staaten von Groß-Österreich waren eine nie umgesetzte Idee einer Gruppe von Gelehrten um den österreichischen Erzherzog Franz Ferdinand. Seine konkrete Ausarbeitung wurde durch Aurel Popovici erdacht und 1906 veröffentlicht.
Mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts wurde das Problem der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn immer deutlicher. Sie bestand aus elf großen Volksgruppen, von denen aber nur die Deutschen und Ungarn mit zusammen etwa 44% Anteil an der Gesamtbevölkerung die Macht und Kontrolle im Staat ausübten. Die anderen neun Volksgruppen (Tschechen, Polen, Ruthenen/Russinen, Rumänen, Kroaten, Slowaken, Serben, Slowenen und Italiener) hatten hingegen fast überhaupt keine Teilhabe an der Macht, denn die Doppelmonarchie Kaiser Franz Josephs (er war der Onkel Franz Ferdinands) basierte auf der Idee, das alte Kaiserreich Österreich in zwei Nationen, ein österreichisch-dominiertes und ein ungarisch-dominiertes zu teilen.
Es wurde jedoch auf Grund zahlreicher Demonstrationen, Aufstände und Terrorakten gegen den Staat offenkundig, dass der Gedanke von zwei ethnischen Gruppen die über neun andere bestimmen realistischerweise auf Dauer nicht durchführbar war.
Franz Ferdinand plante so eine radikale Neuaufteilung der Karte von Österreich-Ungarn durch die Bildung einer Reihe von ethnisch und sprachlich bestimmten halbautonomen „Staaten“ welche jedoch alle Teil einer größeren Konföderation, die „Vereinigte Staaten von Groß-Österreich“ genannt werden sollte, sein sollten. Durch dieses Vorhaben sollte Identifizierung mit Sprache und Kultur mehr gestärkt werden und die unausgewogene Machtverteilung im Staat korrigiert werden.
Die Idee musste allerdings fast zwangsläufig auf den starken Widerstand des ungarischen Teils der Doppelmonarchie treffen, da eine direkte Folge der mit dem Umbau einhergehenden Reformen einen starken Machtverlust für den ungarischen Adel bedeutet hätte.
Der Erzherzog wurde jedoch im Attentat von Sarajevo 1914, welches zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges führte, erschossen. Österreich-Ungarn verlor an der Seite von Deutschland den Krieg und zerfiel in einige neue Staaten beziehungsweise wurden Teile der Monarchie aufgrund der Friedensverträge den Nachbarstaaten zugesprochen.
Aufteilungsvorschlag von Aurel Popovici
Die folgenden Gebiete sollten nach der Reform zu Staaten vereinigt werden:
- Deutsch-Österreich (ungefähr heutiges Staatsgebiet Österreichs und Südtirol)
- Deutsch-Böhmen (nördlicher Teil des heutigen Tschechien)
- Deutsch-Mähren (Mähren, nordöstlicher Teil des heutigen Tschechien)
- Böhmen (südlicher und zentraler Teil des heutigen Tschechiens)
- Slowakenland (ungefähres Staatsgebiet der heutigen Slowakei)
- West-Galizien (Teil des heutigen Polen)
- Ost-Galizien (Teil der heutigen Ukraine)
- Ungarn (ungefähres Staatsgebiet des heutigen Ungarn)
- Seklerland (Szeklerland, Teil des heutigen Rumänien)
- Siebenbürgen (Teil des heutigen Rumänien und der Ukraine)
- Trento (Trentino, Teil des heutigen Italien)
- Triest (Teil des heutigen Italien)
- Krain (ungefähres Staatsgebiet des heutigen Slowenien)
- Kroatien (ungefähres Staatsgebiet des heutigen Kroatien)
- Woiwodina (Vojvodina, Teil des heutigen Serbien)
Dazu kamen noch einige, zumeist deutschsprachige Enklaven im östlichen Siebenbürgen und anderen Stellen in der Monarchie, die einen beschränkten Autonomiestatus haben sollten.
Quellen
- Kowalski, Erich: Die Pläne zur Reichsreform der Militärkanzlei des Thronfolgers Franz Ferdinand im Spannungsfeld von Trialismus und Föderalismus; Wien 2005
- Aurel Popovici: Die Vereinigten Staaten von Groß-Österreich, Leipzig 1906
Weblinks
- Karte mit der vorgeschlagenen Aufteilung (englisch)
- Karte mit der vorgeschlagenen Aufteilung (ungarisch)
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