Das Kefk Network Wiki befindet sich im Testbetrieb.


Patriarchat (Soziologie)

Aus Kefk.

(Weitergeleitet von Vaterrecht)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Das Patriarchat (griechisch πατριαρχία, von πατήρ, patér - „Vater“; αρχή, arché - u. a. „Ursprung“, „Herrschaft“), auch Androkratie genannt, ist eine Herrschaftsform, die durch die Vorherrschaft von (meist älteren, vgl. Gerontokratie) Männern über Familien, Sippen, Gemeinden, Diözesen oder Völkern gekennzeichnet ist.

Gegenbegriff dazu ist das Matriarchat bzw. die Gynaikokratie.

Inhaltsverzeichnis

Einschlägige soziostrukturelle Formen

Das Patriarchat gestaltet sich u. a. in der

Diskussion über die Entstehung des Patriarchats

Die Entstehung des Patriarchats ist nach wie vor umstritten.

Je stärker die Merkmale des „Patriarchats“ ausgeweitet sind, desto schwieriger ist es zu bestimmen, wie alt es sei. James DeMeo (Geologie), Marija Gimbutas (Archäologie), Humberto Maturana (Neurobiologie) und Wilhelm Reich (Psychiatrie) haben - unabhängig voneinander - Beweisführungen vorgelegt, denen zufolge patriarchale Herrschaftsstrukturen vor ca. 7000 Jahren entstanden sind, und zwar auf Grund von Klimaveränderungen, die zu Migrationen der Menschen führten. Anhand von archäologischen, paläoklimatischen, sprachwissenschaftlichen und soziologischen Studien gehen diese Forscher davon aus, dass der Übergang von egalitären, als friedlich angenommenen Verhältnissen zu gewaltsamen, kriegerischen in spezifischen Regionen der Alten Welt, in Nordafrika, im Nahen Osten und in Zentralasien stattgefunden habe: Diese relativ feuchten Gebiete trockneten allmählich aus und wurden mit der Konsequenz verlassen, dass durch den Zusammenfall der Umwelt- und Kulturbedingungen die Bindungen zwischen Mutter und Kind sowie zwischen Frau und Mann in traumatisch prägender Weise zerstört worden seien, so wie es aktuelle Vergleichsstudien aus den Hungergebieten Afrikas plausibel gemacht hätten.

Sollte die - weiter gehende - Hypothese eines „Ur-Matriarchates“ zutreffen (vgl. dazu Urgesellschaft), so gelten die vorliegenden Forschungsergebnisse zur Entstehung des Patriarchats heute als die wahrscheinlichsten. Ein „Ur-Patriarchat“ wird zwar von zahlreichen Mythen nahe gelegt (siehe auch Adam), sie spiegeln aber lediglich eine subjektive Weltsicht im Kontext ihrer Entstehungszeit wider und stellen darüber hinaus allenfalls Hypothesen ohne beweisende Kraft dar.

Die Theorien der Matriarchatstheoretikerinnen wurden von der Feministin Cynthia Eller kritisiert. Ihr zufolge gibt es keine Beweise, dass es ein Patriarchat in Europa erst nach der Einwanderung indogermanischer Völker gegeben habe, sie zieht allerdings oben genannte Studien nicht heran, sondern beschränkt sich auf die 'Göttin-Bewegung' in den USA.

Beispiel

In modernen Gesellschaften werden die meisten Regierungen von Männern geführt. Die beginnende Frauenbewegung des 20. Jahrhunderts öffnete Frauen den Weg zur Verhütung und verbesserte deren Gleichberechtigung, dies ermöglichte es Frauen, sich der Herausforderung der traditionellen Hegemonie der androkratischen Strukturen zu stellen. Jedoch zeigen Studien aus Afrika, Australien und Europa, dass immer noch deutlich mehr Männer leitende Positionen innehaben als Frauen. Die skandinavischen Länder haben mit fast 40% die größte Zahl an Frauen in leitenden Positionen, wohin gegen die arabischen Länder nur eine Rate von rund 6% aufweisen. Auch in der Bundesrepublik Deutschland verdienen Frauen häufig noch deutlich weniger als ihre männlichen Kollegen [1].

Geschlechtsbevorzugung

Androkratie, als eine Männer bevorzugende Herrschaftsform, könnte den Entscheidungsprozess vieler Länder beeinflussen. Daraus folgend, könnte die weibliche Bevölkerung ihre Interessen nur unzureichend vertreten. Kleinberg und Boris zeigen markante Musterbeispiele auf: Frauen, welche finanziell von ihren Geld verdienenden Männern abhängig sind, der Ausschluss Homosexueller Paare und die soziale Ausgrenzung alleinerziehender Familien.

Gynokratie/Matriarchat

Die entgegengesetzte Herrschaftsform zu Androkratie ist das Matriarchat, welches durch Frauen geführt ist. Jedoch ist keine Gynokratie bekannt, einzige Anhaltspunkte für ehemalige Gynokratien sind Mythen und angebliche archäologische Aufzeichnungen.

Patriarchat als Kampfbegriff

Von feministischer Seite wird Patriarchat häufig als Kampfbegriff verwendet, um die gegenwärtige Gesellschaft pauschal als eine zu beschreiben, in der "die Männer" "die Frauen" unterdrücken. Tatsächliche Entwicklungen hin zu einer Gleichstellung der Geschlechter und komplexere soziale Beziehungen werden dabei im Interesse einer Dramatisierung außer acht gelassen.

Literatur

Deutschsprachig

  • Pierre Bourdieu: Die männliche Herrschaft, Frankfurt am Main: Suhrkamp 2005
  • Robert W. Connell: Der gemachte Mann. Konstruktion und Krise von Männlichkeiten. Opladen 1999
  • Cynthia Eller, The Myth of Matriarchal Prehistory: Why an Invented Past Won't Give Women a Future, Paperback Ausgabe, Beacon Press, 2001, ISBN 0807067938
  • Heide Göttner-Abendroth: Für Brigida. Göttin der Inspiration. Neun patriarchatskritische Essays und Thesen zum Matriarchat, Frankfurt am Main 1998.
  • Gerda Lerner: Die Entstehung des Patriarchats, München: dtv 2002
  • Gerda Lerner: Die Entstehung des feministischen Bewußtseins, Frankfurt/ New York 1993
  • Horst Herrmann, Vaterliebe. Ich will ja nur dein Bestes, Reinbek 1989, ISBN 3499182483
  • Frank Lohscheller: Typisch Junge? Kommunikations- und Konflikttraining für Jungen an Schulen. ISBN 3-89771-355-1
  • Maria Mies, Patriarchat und Kapital : Frauen in der internationalen Arbeitsteilung, Zürich : Rotpunktverlag, 3. Auflage 1990
  • Frank Wichert (2004): Der VorBildliche Mann. Die Konstituierung moderner Männlichkeit durch hegemoniale Print-Medien, ISBN 3-89771-736-0

Englischsprachig

Bücher

  • Flanders, Laura. (2004). Bushwomen: Tales of a Cynical Species. Verso. ISBN 1859845878.
  • Flanders, Laura (ed). (2004). The W Effect : Bush's War on Women. The Feminist Press at CUNY. ISBN 1558614710
  • Martin, Mart. (2001). The Almanac of Women and Minorities in American Politics 2002. Westview Press. ISBN 0813398177
  • Matland, Richard E. Montgomery, Kathleen A. (2003). Women's Access to Political Power in Post-Communist Europe. Oxford University Press. ISBN 0199246858
  • Melich, Tanya. (1996). The Republican War Against Women : An Insider's Report from Behind the Lines. Bantam. ISBN 0553378163
  • Pusey, Michael. (1989). Economic Rationalism in Canberra: A Nation-Building State Changes its Mind. Cambridge University Press. ISBN 0521336619

Aufsätze

  • Studler, Donley T. Welch, Susan. (1987). Understanding the Iron Law of Andrarchy: The Effects of Candidate Gender on Voting Scotland. Comparative Political Studies. 20. Juli. 174-191.
  • Hakim, C. (2003). Family Matters. Australian Institute of Family Studies. 52. Septemper
  • Boris, E. Kleinberg, S.J. (2003). Mothers and other workers: (re)conceiving labor, maternalism, and the state. Journal of Women's History. 15. März 1990. Septemper
  • Maddison, Sarah. (2003). Bombing the patriarchy or outfitting a cab: challenges facing the next generation of feminist activists. Women in Action. August

Weblinks

Englische Verweise:

Siehe auch

Quellen

  1. http://www.frauenlohnspiegel.de/main | Frauenlohnspiegel
Persönliche Werkzeuge