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Karl Heinrich Ulrichs
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Karl Heinrich Ulrichs (* 28. August 1825, Westerfeld, Aurich (Ostfriesland); † 14. Juli 1895, L'Aquila, Italien) war ein Vorkämpfer der Homosexuellen-Bewegung.
Von 1844 bis 1846 Studium der Theologie und Jurisprudenz an der Universität Göttingen, anschließend bis 1848 Studium der Geschichte an der Universität Berlin, Dissertation (auf Lateinisch) zum Thema Westfälischer Frieden. Eintritt in in öffentlichen Dienst. 1857 tritt er aus dem öffentlichen Dienst aus, um einem Disziplinarverfahren zuvorzukommen: Wegen „Erregung öffentlichen Ärgernisses“ (Homosexualität) droht ein Berufsverbot.
1864 veröffentlicht Ulrichs die erste von insgesamt 12 Schriften Forschungen über das Räthsel der mannmännlichen Liebe, die in einigen deutschen Staaten verboten werden. In ihnen stellt Ulrichs die Hypothese von der weiblichen Seele im männlichen Körper auf. Gleichgeschlechtliche Liebe nennt er Uranismus (der Begriff Homosexualität wird erst 1869 durch den österreichisch-ungarischen Schriftsteller Karl Maria Kertbeny geprägt). Ulrichs bekennt sich öffentlich als Urning. Er geht von einer natürlichen, nicht krankhaften Veranlagung aus und fordert daher die Straflosigkeit homosexueller Handlungen.
Im Jahre 1867 trägt er diese Forderung erstmals öffentlich vor: Auf dem deutschen Juristentag in München vor 500 Mitgliedern ruft diese jedoch tumultartige Szenen vor, in denen seine Rede untergeht. Mit diesem Tag beginnt die Geschichte der Homosexuellen Emanzipation.
Mit seiner Forderung der urnischen Ehe und seiner Idee für einen Urnings-Bund hat er die Forderungen einer emanzipatorischen lesbisch-schwulen Bürgerrechtsbewegung vorweggenommen.
Auch Friedrich Engels hat in Briefen an Karl Marx heftig gegen Ulrichs polemisiert.
Erbittert und resigniert über seine Erfolglosigkeit geht Ulrichs 1880 nach Italien ins Exil, wo er sich in Neapel niederlässt. Im Juni 1883 zieht er nach L'Aquila, wo er zwölf Jahre später stirbt.
Jahre später greift der Sexualforscher Magnus Hirschfeld die Thesen von Ulrichs auf.
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Urninge und Dioninge
Weil die bis dato benutzten Ausdrücke für die Vertreter des „Dritten Geschlechts“ ihm zu sehr negativ gefärbt erschienen, führte Ulrichs seine eigenen Begriffe ein. Seine Terminologie baute sich auf der Rede Pausanias in Platons Gastmahl, in der zwei Formen von Liebesgöttin angeführt werden. Den heterosexuellen Mann bezeichnete Ulrichs als Dioning – nach der Göttin Aphrodite Dionea, die Zeus als Vater und Dione als Mutter hatte, und somit verschiedengeschlechtliche Liebe repräsentierte. Den homosexuellen Mann bezeichnete Ulrichs als Urning – nach der Göttin Aphrodite Urania, die nach der Legende aus abgetrennten Körperteilen ihres Vaters Uranus entstand, also eingeschlechtliche Liebe repräsentierte. Ulrichs’ Systematik sah auch den Begriff Urninde für eine homosexuelle Frau vor.
Ulrichs war überzeugt, dass die Urninge und die Dioninge von verschiedener Natur wären, und daher der Ausdruck „widernatürliche Unzucht“ auf Liebe zwischen Urningen nicht anwendbar war. Die Liebe zwischen zwei Urningen war nach Meinung Ulrichs in höchstem Maße ethisch, weil sie die beiden Individuen ihrer Natur gemäß entwickeln lässt. In seinen Schriften erörterte Ulrichs auch die Frage einer Ehe zwischen einem Urning und einem Dioning und inwieweit diese ethisch vertretbar sei.
Urningsbund
In seinem Entwurf zu den „Satzungen für den Urningsbund“ hat Ulrichs unter ‚Zwecke‘ angegeben[1]
- a) die Urninge aus ihrer bisherigen Vereinzelung zu reißen und sie zu einer solidarisch verbundenen compacten Masse zu vereinigen.
- b) gegenüber der öffentlichen Meinung und den Organen des Staats die angeborenen Menschenrechte der Urninge zu zu verfechten, ihnen namentlich Gleichstellung mit den Dioningen vor dem Gesetz und in der menschlichen Gesellschaft überhaupt zu vindiciren.
- c) eine urnische Literatur zu gründen.
- d) geeignete urnische Schriften auf Bundeskosten zum Druck zu befördern.
- e) für die Zwecke der Urninge in der Tagespresse zu wirken.
- f) den einzelnen Urningen, welche ihres Uranismus wegen zu dulden haben, in jeder Noth und Gefahr beizustehn, ihnen wenn thunlich, auch zu angemessener Lebensstellung zu helfen.
Siehe auch
Weblinks
- Literatur von und über Karl Heinrich Ulrichs im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- ostfriesischelandschaft.de: Hubert Kennedy: ULRICHS, Karl Heinrich (Pseudonym: Numa Numantius) in Biographisches Lexikon für Ostfriesland (gesehen am 01. August 2006)
- joerg-hutter.de: Jörg Hutter: Ein Straßenname für den schwulen Vorkämpfer Karl-Heinrich Ulrichs, 29. Dezember 2005
- Erster Schwuler der Weltgeschichte Wiener Zeitung
Quellen
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Ulrichs, Karl Heinrich |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Vorkämpfer der Schwulen-Bewegung |
| GEBURTSDATUM | 28. August 1825 |
| GEBURTSORT | Westerfeld, Aurich (Friesland) |
| STERBEDATUM | 14. Juli 1895 |
| STERBEORT | L'Aquila, Italien |
