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Ungarn

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Bild:Disambig-dark.svg Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum gleichnamigen Volk siehe Magyaren.
Magyar Köztársaság

Republik Ungarn

Bild:Flag of Hungary.svg

(Details) (Details)
Amtssprache Ungarisch
Hauptstadt Budapest
Staatsform Parlamentarische Republik
Staatsoberhaupt László Sólyom
Regierungschef Ministerpräsident Ferenc Gyurcsány
Fläche 93.030 km²
Einwohnerzahl 9.981.334 (Juli 2006, CIA-Schätzung)
Bevölkerungsdichte 108 Einwohner pro km²
BIP

- Total (Nominal)
- Total (PPP)
- BIP/Einw. (Nominal)
- BIP/Einw. (PPP)

2005 (geschätzt)

(44.) 107,1 Mrd. US-$
(50.) 162,3 Mrd. US-$
(45.) 10.814 US-$
(45.) 16.823 US-$

Währung Forint
Unabhängigkeit am 31. Oktober 1918
Nationalhymne Himnusz
Zeitzone UTC+1
Kfz-Kennzeichen H
Internet-TLD .hu
Telefonvorwahl +36
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Die Republik Ungarn (ungarisch amtlich Magyar Köztársaság, Bild:Loudspeaker.svg    anhören ?/i, allgemein üblich Magyarország) ist ein Staat in Mitteleuropa, dessen Großteil das Pannonische Becken einnimmt. Nachbarstaaten sind Österreich, die Slowakei, die Ukraine, Rumänien, Serbien, Kroatien und Slowenien. Ungarn ist seit dem 31. Oktober 1918 ein eigenständiger Staat und seit 2004 Mitglied der Europäischen Union.

Die Länge der Außengrenze beträgt 2.009 km. Davon entfallen auf Österreich 366 km, die Slowakei 515 km, die Ukraine 103 km, Rumänien 443 km, Serbien 151 km, Kroatien 329 km und Slowenien 102 km.

Inhaltsverzeichnis

Staats- und Landesname

Die Eigenbezeichnung der Ungarn weicht stark von den ausländischen Namen für Ungarn ab. magyar (Aussprache /madjar/ von ung. magyar [ˈmɒɟɒr]; früher magyeri) taucht schon im 9. und 10. Jahrhundert in islamischen Quellen auf und ist wahrscheinlich ein Kompositum aus magy (< ugrisch *mańćε = „Mensch, Mann, Geschlecht“) und er(i) (ebenfalls „Mensch, Mann, Geschlecht“). Der Name bezeichnete anfangs nur einen von sieben halbnomadischen Stämmen, die im 9. sowie im beginnenden 10. Jahrhundert räuberische Überfälle in Europa, vor allem in Großmähren, unternahmen. Diese Stämme hießen Megyer (Magyar), Tarján, Jenő, Kér, Keszi, Kürt-Gyarmat und Nyék. Gegen Ende des 10. Jahrhunderts ist es dem Stamm der Magyaren – d. h. den Nachkommen Árpáds – gelungen, die restlichen Stämme unter seiner Oberherrschaft zu vereinigen. Von da an kann von Magyaren (wenn auch noch nicht im ethnischen Sinne) gesprochen werden.

Der Name „Ungarn“ gelangte aus dem Slawischen in die europäischen Sprachen. Das slawische Wort lässt sich auf die bolgarotürkische Stammesbezeichnung onogur (on = „zehn“ + ogur = „Stamm“) zurückführen, die dadurch entstand, dass die Vorfahren der Ungarn im 5. und 6. Jahrhundert in enger Verbindung mit dem Reich der Onoguren lebten, dessen führender Stammesverband „Onoguren“ hieß. Das „H-“ im lateinischen hungarus (und dadurch auch in manchen anderen Sprachen) entstand dadurch, dass der Name irrtümlicherweise mit den Hunnen (Hunni) gleichgesetzt wurde.

Siehe auch: Magyaren

Geografie

Bild:Satellite image of Hungary in December 2002 (1).jpg
NASA-Satellitenbild Ungarns im Dezember 2002

Tiefebenen

Donau und Theiß teilen Ungarn in das westliche Transdanubien mit der Kleinen Ungarischen Tiefebene (ungarisch Kisalföld) und der Großen Ungarischen Tiefebene (ungarisch Alföld). Die fruchtbare Kleine Ungarische Tiefebene im Nordwesten Ungarns besteht hauptsächlich aus dem Becken von Győr (Raab). Die abwechslungsreiche Landschaft wird bestimmt durch leicht welliges Terrain, kleine Hügel und zerschnittene Platten. Durch fruchtbare Lössböden und auf Grund des milden Klimas kann intensiv Landwirtschaft betrieben werden.

Die Große Ungarische Tiefebene nimmt nahezu die Hälfte des gesamten Staatsgebiets Ungarns ein. Sie ist eine ebene, weiträumige Fläche und ist mit in vorgeschichtlicher Zeit aufgeschütteten Geröllen und Sanden bedeckt. Das Alföld ist entlang der Theiß von Auenlandschaften durchzogen und mit einzelnen Waldinseln durchsetzt. Die Trockenlegung der Auen und die Rodung der Wälder haben zur zunehmenden Versalzung der Böden geführt. So entstand die typische Puszta mit Ziehbrunnen, Einzelgehöften und extensiver Weidewirtschaft. Auf Grund aufwendiger Bewässerungsmaßnahmen entstanden fruchtbare Böden, die den Anbau von Tabak, Mais und Sonnenblumen ermöglichen. Der Nationalpark Hortobágy wurde geschaffen, um die ursprüngliche Puszta-Landschaft zu schützen.

Siehe auch: Nationalparks in Ungarn

Gebirge

Die ungarischen Mittelgebirge verlaufen vom Bükkgebirge im Nordosten bis zum Bakonywald im Westen. Fast alle Mittelgebirge in Ungarn tragen in höheren Lagen dichten Laubwald. Die Hänge und Becken sind mit fruchtbaren Böden bedeckt, die Acker-, Obst- und Weinbau ermöglichen. Thermalquellen, die an den Rändern der Mittelgebirge auftreten, sind Zeugnisse eines vergangenen und lebhaften Vulkanismus. Dies bestätigen auch die vulkanischen Gesteine des Bakonywaldes und des Mátragebirges im Norden. Bis auf diese Ausnahmen bestehen die sonstigen Mittelgebirge in Ungarn aus Dolomit und Kalkstein. Das bewaldete Mecsekgebirge im Südwesten Ungarns erhebt sich inselartig und ist bis zu 682 m hoch. Im Mátragebirge steht auch die mit 1.014 m höchste Erhebung Ungarns, der Kékes.
Höhenverhältnisse:

Städte

Die mit Abstand größte Stadt in Ungarn ist die Hauptstadt Budapest (Ofen-Pest) mit 1,69 Millionen Einwohnern. Somit leben gut 17 % der Bevölkerung in der Hauptstadt. Die nachfolgend fünf größten Städte sind Debrecen (ca. 225.000 Einwohner), Miskolc (ca. 180.000 Einwohner), Szeged (ca. 165.000 Einwohner) und Pécs (Fünfkirchen, ca. 160.000 Einwohner) sowie Győr (Raab, ca. 130.000 Einwohner).

Alle größeren Orte sind unter Liste der Städte und Orte in Ungarn aufgelistet.

Flüsse und Seen

Der längste Fluss auf ungarischem Staatsgebiet ist die Donau (ung. Duna), an deren Flusslauf unter anderem die wichtigen Städte Komárom (Komorn), Esztergom (Gran), die Hauptstadt Budapest (Ofen-Pest), Dunaújváros, Baja und Mohács liegen. Sie fließt zunächst als Grenzfluss zwischen Ungarn und der Slowakei von West nach Ost, nach dem Donauknie bei Visegrád, einer 90°-Wendung des Flusses, fließt die Donau von Norden nach Süden Richtung Serbien. Ein weiterer langer Fluss in Ungarn ist die Theiß (ung. Tisza). Größere Städte an ihrem Lauf sind Tokaj, Tiszaújváros (früher Leninváros), Szolnok, Csongrád und Szeged. Weitere wichtige Flüsse in Ungarn sind die Drau (ung. Dráva), der Hernád, die Körös (dt. Kreisch), die Mur, die Raab (ung. Rába), Sajó und Zala.

Alle größeren Flüsse entspringen außerhalb Ungarns: Mur und Raab in Österreich, die Drau in Südtirol, die Zala in Slowenien, der Hernád in der Slowakei, die Körös in Siebenbürgen (West-Rumänien). Ungarns Hauptflüsse Donau und Theiß entspringen in Süddeutschland bzw. in der Ukraine.

Der größte See in Ungarn ist der Plattensee (ungarisch Balaton) im hügeligen Westungarn. Er ist zugleich der größte See in Mitteleuropa. Der Plattensee ist neben der Hauptstadt Budapest das wichtigste Tourismusgebiet Ungarns, vor allem wegen seiner Strände und Thermalquellen.
Ein weiterer wichtiger See ist der Velencer See (ungarisch Velencei-tó), der trotz seiner Ähnlichkeit zum Balaton touristisch wenig erschlossen ist. Im Nordosten des Sees erstreckt sich ein unbegehbares Vogelschutzgebiet, das vielen bedrohten Vogelarten Schutz bietet.
Der Neusiedler See (ungarisch Fertő-tó) liegt nur zu einem Teil in Ungarn. 75 % der Wasserfläche gehören zum Staatsgebiet Österreichs. Der Nationalpark Fertő-Hanság umfasst den ungarischen Teil des Sees sowie die Sümpfe im Süden und den Hanság und wurde 2001 zusammen mit dem österreichischen Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel zum UNESCO-Welterbe ernannt.

Klima, Flora und Fauna

Wegen der Binnenlage und der abschirmenden Wirkung der Gebirge hat Ungarn ein relativ trockenes Kontinentalklima mit kalten Wintern und warmen Sommern. Die mittleren Temperaturen liegen im Januar zwischen –1 °C und –3 °C sowie im Juli zwischen +21 °C und +23 °C. Im Frühsommer sind die ergiebigsten Niederschläge zu verzeichnen. Die mittlere Niederschlagsmenge beträgt im Westen auf Grund der vorherrschenden, Regen bringenden Westwinde rund 800 Millimeter, während in den östlichen Landesteilen in trockenen Jahren 500 Millimeter unterschritten werden können. Die Höhe der Niederschläge nehmen insgesamt von Westen nach Osten ab.

In Ungarn sind etwa 45.000 Tierarten und 2.200 Pflanzenarten beheimatet. Vereinzelt gibt es nord-, ost- und südeuropäische Arten, die Mehrheit sind aber mitteleuropäische Arten. 855 Tierarten und 535 Pflanzenarten stehen unter Schutz. Seltene geschützte Blumen sind beispielsweise die mediterrane Nieswurz, die wilde Pfingstrose im Hügelland vom Mecsek und die ungarische Windblume in der Nyírség-Gegend. Wildschweine, Hirsche, Rehe und Füchse sind ebenfalls in den ungarischen Wäldern beheimatet. Auf den landwirtschaftlichen Landflächen und im Tiefland leben vor allem Hasen, Fasane, Rebhühner und Wachteln. Im Frühling ziehen riesige Vogelschwärme von Norden nach Süden. Zu ihnen gehören Schwalben und Störche, die in Afrika den Winter verbringen. Geschützte Vogelarten sind beispielsweise der Stelzenläufer, die Trappe, die vor allem in der südlichen Tiefebene verbreitet ist, und der Säbelschnäbler. Die ungarischen Flüsse und Seen sind sehr fischreich. Beheimatet sind Brassen, Karpfen und Hechte. Aale und Amuren wurden aus fremden Seen und Flüssen übergesiedelt und leben mittlerweile zahlreich in ungarischen Gewässern. Um die ungarische Tier- und Pflanzenwelt zu schützen, hat man auf einer Gesamtfläche von 816.008 ha 9 Nationalparks, 38 Landschaftsschutzgebiete und 142 Naturschutzgebiete eingerichtet.

Bevölkerung

Demografische Struktur

Bild:Bevölkerungsentwicklung Ungarn.png
Bevölkerungsentwicklung Ungarns (1995–2006)
Bild:Bevölkerungsprognose Ungarn.png
Bevölkerungsprognose nach Eurostat (2005–2050)

Wie in anderen westlichen Industrienationen zeigt sich auch in Ungarn eine Alterung der Gesellschaft. So sind 15,9 % der Bevölkerung unter 15 Jahre, die Mehrheit der Einwohner 15 bis 65 Jahre (68,6 %) und 15,5 % über 65 Jahre alt. Die zusammengefasste Geburtenziffer ist ähnlich wie in Mitteleuropa extrem niedrig und beträgt pro Frau 1,3 Kinder. Die Lebenserwartung lag 2005 bei der männlichen Bevölkerung bei 68,3 Jahren und bei der weiblichen Bevölkerung bei 76,5 Jahren.

Hatte Ungarn laut Volkszählung 2001 [1] in jenem Jahr noch knapp 10,2 Millionen Einwohner, so setzt sich der seit den 1980er Jahren zu verzeichnende Rückgang der Einwohnerzahl auch nach den Zahlen des Statistischen Bundesamts [2] fort. Gemäß der jüngsten Schätzung der CIA [3] leben in Ungarn inzwischen weniger als 10 Millionen Menschen.

Ethnien

Die Bevölkerung Ungarns laut Volkszählung 2001[4]:

Alle anderen Ethnien sind laut dieser Statistik mit weniger als 10.000 Personen vertreten. Zahlenmäßig folgen Rumänen, Ukrainer, Serben, Slowenen und Wenden, Polen, Griechen, Bulgaren, Russinen und Armenier. Weitere Auswahlmöglichkeiten waren nicht vorhanden. Über 27.000 Personen gaben „Unbekannt“ an. Allerdings wurde die Frage von über 5 % der Befragten nicht beantwortet.

Für 2001 wurde ein Bevölkerungsrückgang von 0,32 % geschätzt. Ursache ist die niedrige Geburtenrate (rund 10 Geburten auf 1.000 Einwohner). Vor dem Zweiten Weltkrieg war die Minderheit der Roma stärker vertreten.

Außerhalb Ungarns leben im Karpatenbecken etwa 2,4 Millionen Magyaren. Ihre Siedlungsgebiete liegen auf Grund des Vertrages von Trianon als Folge des Ersten Weltkrieges jenseits der heutigen Staatsgrenzen. Dies führt noch heute gelegentlich zu politischen Verstimmungen zwischen den Nachbarländern und Ungarn. Zu weiteren Informationen zu den einzelnen Siedlungsgebieten siehe Magyaren.

Roma in Ungarn

Hauptartikel: Roma in Ungarn

Nach verbindlichen Schätzungen beträgt ihre Anzahl gegenwärtig 400.000 bis 600.000 Personen. [4] Einige Schätzungen gehen jedoch von 800.000 bis 1.000.000 in Ungarn lebenden Roma aus. [4]

Religionen und Konfessionen

Die Mehrheit der Bevölkerung (54,5 %) bekennt sich zur römisch-katholischen und zur ungarischen griechisch-katholischen Kirche. 15,9 % der Bevölkerung sind Calvinisten, 3 % Lutheraner. Im Land lebten vor dem Holocaust rund 800.000 Juden. Auch wenn in Ungarn rund 80.000 Juden – meist in der Hauptstadt – leben sollen, bekannten sich bei der letzten Volkszählung nur knapp 13.000 zum jüdischen Glauben.

14,5 % der Bevölkerung gehören keiner Religionsgemeinschaft an; doch nur ganze 280 Personen gaben bei der Volkszählung 2001 ausdrücklich an, dass sie Atheisten seien. Im Gegensatz zum Gebiet der ehemaligen DDR, wo etwa 70 % der Bevölkerung keiner Religionsgemeinschaft angehören, und anderen ehemaligen Ostblockstaaten ist der Anteil an Atheisten in Ungarn gering. Dies rührt vor allem daher, dass die kommunistische Regierung Ungarns vor der Wende 1989 Religionsgemeinschaften vergleichsweise nur wenig unterdrückte. Siehe auch: Baptisten in Ungarn, Evangelisch-Lutherische Kirche in Ungarn

Alle Zahlen in diesem Abschnitt beziehen sich auf die Volkszählung 2001, siehe nepszamlalas.hu (ungarisch).

Religionszugehörigkeit laut Volkszählung 2001[5]:

Bild:Diagramm religionszugehörigkeit ungarn basis volkszählung 2001.png
Religionszugehörigkeit – Hauptreligionen (2001)
  1. Christen und christlich Orientierte: 7.584.175 (74,37 %)
    1. Katholiken: 5.558.961 (54,51 %)
      • Römisch-Katholisch: 5.289.521 (51,87 %)
      • Griechisch-Katholisch: 268.935 (2,64 %)
      • Sonstige Katholiken: 505 (< 0,01 %)
    2. Evangelisch-Reformierte (Calvinisten und Mitglieder der Ungarischen Reformierten Kirche): 1.622.796 (15,91 %)
    3. Evangelisch-Lutherische: 304.705 (2,99 %)
    4. Zeugen Jehovas: 21.688 (0,21 %)
    5. Baptisten: 17.705 (0,17 %)
    6. Orthodoxe und orientalische Christen: 15.298 (0,15 %)
      • Rumänisch-Orthodoxe: 5.598 (0,05 %)
      • Russisch-Orthodoxe: 3.502 (0,03 %)
      • Sonstige Orthodoxe und Orientalische: 6.198 (0,06 %)
    7. Pfingstgemeinden: 8.428 (0,08 %)
    8. Unitarier: 6.541 (0,06 %)
    9. Adventisten: 5.840 (0,06 %)
    10. sonstige Christen und christlich Orientierte: 22.213 (0,22 %)
  2. Juden: 12.871 (0,13 %)
  3. Buddhisten: 5.223 (0,05%)
  4. Muslime: 3.201 (0,03 %)
  5. sonstige: 5.143 (0,05 %)
  6. ohne Religionszugehörigkeit: 1.483.369 (14,55 %)
  7. keine Angaben / unbekannt: 1.104.333 (10,83 %)

Sprache

Hauptartikel: Ungarische Sprache

</div> Die in Ungarn gebräuchliche Sprache ist Ungarisch. Sie gehört zum finno-ugrischen Zweig der uralischen Sprachen und ist die einzige nicht-indogermanische Sprache, die im mitteleuropäischen Raum gesprochen wird. Die Dialekte des Ungarischen unterscheiden sich weniger stark voneinander als z. B. die deutschen Dialekte. Im gesamten ungarischen Sprachraum werden neun große Dialektgruppen unterschieden. Aus der Zeit der Herrschaft der Habsburger (1699–1867 bzw. 1918) in Ungarn stammt der Einfluss der deutschen Sprache. Neben Ungarisch sind die Sprachen der Minderheiten verbreitet: Romani, die Sprache der Roma, wird von gut 5 % der Einwohner Ungarns gesprochen, 0,4 % der Bevölkerung sprechen Kroatisch.

Geschichte

Hauptartikel: Geschichte Ungarns

</div>

Herkunftstheorien

Wissenschafter um Luigi Luca Cavalli-Sforza weisen darauf hin, dass höchstens 10 % der heute in Ungarn lebenden Menschen von den landnehmenden magyarischen Sippen abstammen, was den Schluss zulässt, dass es zu einer weitgehenden kulturellen Verschmelzung mit den ursprünglichen Bewohnern (vermutlich Slawen, Awaren, Hunnen, Germanen, Romanen, Kelten usw.) des Karpatenbeckens gekommen ist. Dies würde wiederum bedeuten, dass Abstammungslegenden und Verwandtschaftsaussagen (z. B. mit den Hunnen) einen wahren Kern in sich bergen.

Diese Ansichten sind äußerst fraglich (weil spekulativ), obwohl auch im Zuge der Umwälzungen während der (recht späten) „Völkerwanderungen“ in diesem Raum (Karpatenbecken) Vermischungen durchaus möglich waren bzw. tatsächlich vorgekommen sind. Wissenschaftlich haltbare Belege für etwaige Verwandtschaften (gar untermauert mit Zahlen) gibt es nicht. Ethnologen versuchen Verknüpfungen mit Hinweis auf Gemeinsamkeiten in der Volkskunst und Sprache aufzuzeigen. Zu berücksichtigen ist jedenfalls die Bevölkerungsentwicklung während der türkischen Besatzungszeit, die immerhin ca. 150 Jahre andauerte, und während der Neubesiedlung infolge von Rückeroberungen (Südbewegung slowakischer Bauern, Nordbewegung serbischer Bauern und die Neuansiedlung deutscher Familien).

9. bis 15. Jahrhundert

Die Magyaren wanderten, angeführt von dem Großfürsten Árpád, Ende des 9. Jahrhunderts in das Karpatenbecken ein und führten Raubzüge durch ganz Europa. Diese wurden auch von Árpáds Nachfolgern erfolgreich weitergeführt, bis 955 Otto I. die Angriffe der Ungarn durch einen vernichtenden Sieg auf dem Lechfeld zurückschlagen konnte. Das Königreich Ungarn wurde im Jahr 1000 von Stephan I. gegründet, der das Land entgegen dem erbitterten Widerstand des alten Adels nach karolingischem Vorbild gestaltete (Begründung des bis heute bestehenden Komitatswesens).

Im „Mongolensturm“, wie die Angriffe der Goldenen Horde der Mongolen unter dem Heerführer Batu Khan in den Jahren 1241 und 1242 bezeichnet werden, wurde das Land verwüstet und in weiten Teilen entvölkert; 50 % der Bevölkerung Ungarns kamen dabei ums Leben. König Béla IV. rief für die Neubesiedlung deutsche Siedler (Schwaben) ins Land, die sich in der Folgezeit magyarisierten.

Im Jahre 1301 starb Andreas III., der letzte Herrscher des Hauses Árpád. 1370–1386 und 1440–1444 wurde Ungarn von den Anjou und Jagiellonen in Personalunion mit Polen regiert.

In der Folgezeit hatte Ungarn nur noch einen ungarischen König, Matthias Corvinus, der das Land von 1458 bis 1490 regierte. Unter dem hochgebildeten Matthias stieg Ungarn zur politischen Großmacht und zu einem Zentrum der Renaissancekultur sowie des Humanismus auf. Als Renaissancefürst zog er Gelehrte und Künstler aus Italien an seinen Hof, gründete die Universität in Pressburg (Pozsony, heute Bratislava, Hauptstadt der Slowakei) und die Corvina in Ofen (Budapest); sein Großreich zerfiel nach seinem Tod.

Zwischen 1490 und 1526 regierten die polnisch-litauischen Jagiellonen Ungarn und Böhmen in Personalunion.

Vom 16. bis zum 19. Jahrhundert

Das Ende der Unabhängigkeit Ungarns kam um die Mitte des 16. Jahrhunderts mit den osmanischen Eroberungen. Am 29. August 1526 besiegte bei Mohács (dort befindet sich seit 1976 eine Gedenkstätte) Sultan Süleyman II. König Ludwig II. von Böhmen und Ungarn, der auf der Flucht ertrank. Der größte Teil Ungarns kam unter türkische Herrschaft, wobei die noch nicht eroberten Teile entweder unter habsburgische Herrschaft kamen (darunter der Westen Oberungarns) oder von Ungarn getrennt wurden und als Fürstentum Siebenbürgen unter osmanische Oberhoheit gestellt wurden.

Nach 145 Jahren türkischer Besetzung Ungarns fiel Buda im Jahre 1686, und Ungarn wurde von den Habsburgern zurückerobert. Die Ungarn missbilligten aber die harte Herrschaft der Habsburger, so dass es von 1703 bis 1711 zum Kuruzenaufstand unter Fürst Franz II. Rákóczi kam, einem Adeligen aus Siebenbürgen. Da die Spannungen zwischen dem ungarischen Adel und dem Wiener Hof nicht beseitigt werden konnten, entluden sie sich (nach scheinbar einvernehmlichen Verhandlungen und Zugeständnissen des Kaisers gegenüber den Ungarn) in der Revolution von 1848/49, die mit Hilfe Russlands (mit Berufung auf die „Heilige Allianz“) blutig niedergeschlagen wurde, was das Klima in der Monarchie dauerhaft verschlechterte.

Nach anhaltenden Unruhen im Land wurde Ungarn durch den österreichisch-ungarischen Ausgleich von 1867 gleichberechtigter (autonomer) Teil der sogenannten Doppelmonarchie Österreich-Ungarn. Franz Josef I. war nun gleichrangig König von Ungarn und Kaiser von Österreich (bis dahin war der ungarische Königstitel dem Kaisertitel untergeordnet). Diese Personalunion, de jure begründet durch die Pragmatische Sanktion, wurde durch gleichlautende österreichische und ungarische Grundgesetze, Außenpolitik und Kriegsministerium sowie deren Finanzierung betreffend, zur Realunion. Eine freiwillige Zoll- und Handelsunion folgte. Führend am Erfolg des Ausgleichs für die ungarische Seite beteiligt waren Ferenc Deák und Graf Gyula Andrássy. Zur ungarischen Reichshälfte gehörten die Slowakei, Kroatien, die Vojvodina, ein Großteil Rumäniens (Siebenbürgen im weiteren Sinne) sowie kleine Teile Polens und der Ukraine (Karpatoukraine).

Allerdings hielt der Vielvölkerstaat Königreich Ungarn den inneren Unruhen (auch aufgrund von Nationalitätenkonflikten im Zuge der Magyarisierungspolitik) nicht lange stand und zerfiel nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg in seine nationalen Bestandteile.

Von 1918 bis 1945

Ungarn erklärte am 31. Oktober 1918 den Austritt aus der Realunion mit Österreich und rief die ungarischen Truppen von der italienischen Front zurück. Damit war die österreichisch-ungarische Monarchie aufgelöst. Auf dringende Forderungen der ungarischen Spitzenpolitiker erklärte König Karl IV. am 13. November 1918 auf Schloss Eckartsau (Niederösterreich) seinen Verzicht auf jeden Anteil an den ungarischen Staatsgeschäften, so wie er dies als Kaiser Karl I. zwei Tage zuvor für Österreich erklärt hatte. Er dankte aber nicht formell ab.

Am 16. November 1918 wurde eine demokratische Republik ausgerufen. Erster Präsident wurde Graf Mihály Károlyi. Die sozialen Missstände in Folge des verlorenen Krieges hielten jedoch an. Die Regierung wurde von Kommunisten unter Führung Béla Kuns gestürzt und eine Räterepublik gegründet, die allerdings nicht lange Bestand haben sollte.

Kun wurde im Dezember 1918 nach Ungarn entsandt, um dort für eine kommunistische Revolution zu wirken. Kun wurde dort bald von der Regierung des Grafen Mihály Károlyi inhaftiert, jedoch in Folge der Wirren, die nach Ende des Ersten Weltkrieges ausbrachen, am 21. März 1919 wieder freigelassen. Kun bildete darauf eine Räteregierung aus Sozialisten und Kommunisten, die Banken, Industriebetriebe und landwirtschaftliche Güter verstaatlichte. Die Regierung wurde bald von den Kommunisten dominiert und entwickelte sich zu einer Diktatur, die mit Einsatz von Gewalt regierte. Eine ungarische „Rote Armee“ marschierte in die Slowakei ein, um die Revolution nach dorthin auszudehnen, wurde jedoch von den Alliierten zum Rückzug gezwungen. Nach anfänglichen Erfolgen brach die Bewegung rasch zusammen, als tschechoslowakische, rumänische und serbische Truppen unter Billigung der Entente-Staaten Budapest besetzten und die Räteregierung am 1. August 1919 stürzten.

Kun floh nach Österreich, wo er zunächst in Drosendorf und anschließend in Karlstein an der Thaya interniert wurde. Von dort gelang ihm die Flucht in die Sowjetunion, wo er in den nächsten Jahren für die KPdSU und die Komintern in verschiedenen Funktionen tätig war. Unter anderem nahm er erfolglos an den Märzkämpfen in Mitteldeutschland 1921 teil. 1928 war er wieder in Wien, von wo aus er gleichfalls ohne Erfolg versuchte, sozialistische Strömungen in Ungarn zu organisieren. 1939 wurde er im Rahmen der Stalinschen Säuberungen in der Sowjetunion ermordet.

Am 1. März 1920 wurde Miklós Horthy von der Nationalversammlung zum Reichsverweser gewählt, die Monarchie formal wieder eingeführt. In der Folge versuchte Karl IV. von seinem Exil in der Schweiz aus zweimal, die Herrschaft in Ungarn wieder zu übernehmen, und reiste dazu persönlich an (wobei er Österreich, das ihn bis zum Thronverzicht verbannt hatte, inkognito passierte). Beide Male weigerte sich Reichsverweser Miklós (Nikolaus) Horthy, ein ehemaliger k.u.k. Admiral, dem gekrönten König die Macht zu übergeben. Nach dem zweiten Versuch wurde Karl, in Begleitung seiner Gattin Zita, von der Entente nach Madeira verbannt, wo er 1922 starb.

Eine Restauration der habsburgischen Monarchie wurde Ungarn im Zuge der Friedensverhandlungen (Pariser Vorortverträge) verboten (Vertrag von Trianon). Am 6. November 1921 beschloss der Reichstag die formelle Amtsenthebung der Habsburger. Die Regierung erkannte daraufhin den Friedensvertrag von Trianon an, nach dessen Bedingungen Ungarn zwei Drittel seines Staatsgebiets an die Tschechoslowakei, Rumänien, den südslawischen Staat und Österreich abtreten musste.

Ungarn näherte sich aufgrund wirtschaftlicher Krisen und revisionistischer Propaganda politisch immer mehr dem nationalsozialistischen Deutschland an. In den von NS-Deutschland diktierten Wiener Schiedssprüchen erhielt Ungarn 1940/41 die ungarisch bewohnte Südslowakei (entlang der Donau) und einen beträchtlichen Teil Siebenbürgens (von Rumänien) zurück. (Diese Gebietserwerbungen mussten 1945 wieder aufgegeben werden.)

Als Gegenleistung trat Horthy am 27. Juni 1941 auf Seiten der Achsenmächte in den Krieg gegen die Sowjetunion ein, musste jedoch aufgrund unzureichender Ausrüstung schwere Verluste hinnehmen. Man nahm Verbindungen mit den Westalliierten auf, die jedoch auf Moskau verwiesen. Als diese Kontakte den Deutschen bekannt wurden, besetzten sie ab Mitte März 1944 das Land und setzten eine Kollaborationsregierung unter Döme Sztójay ein, die sofort mit der Deportation der jüdischen Bevölkerung begann. Über 200.000 der auf dem Staatsgebiet von 1937 lebenden Juden kamen in Konzentrations- und Vernichtungslagern ums Leben. Weitere über 200.000 Opfer stammten aus den Gebieten, die Ungarn nach den Wiener Schiedssprüchen besetzt hatte. Nach der Kapitulation Rumäniens entschloss sich Horthy am 28.September 1944 eine Abordnung mit einem Kapitulationsangebot an Moskau zu entsenden, die Verhandlungen führten am 15. Oktober zur Proklamation des Waffenstillstandes im Rundfunk. Nach der Festnahme Horthys im Herbst 1944 wurde die Kriegsbeteiligung unter der faschistischen Bewegung der Pfeilkreuzler von Ferenc Szálasi fortgesetzt. Für Ungarn endeten die Kampfhandlungen des Zweiten Weltkriegs mit dem Einmarsch der Roten Armee, der am 4. April 1945 abgeschlossen war.

Ostblock, Ungarnaufstand und Wende

Ungarn kam auf Grund des Vertrages von Jalta unter sowjetischen Einfluss, und am 20. August 1949 wurde eine Verfassung nach russischem Vorbild beschlossen. Bis 1953 verfolgte Ungarn unter Mátyás Rákosi einen stalinistischen Kurs.

Am 23. Oktober 1956 kam es zu einem Volksaufstand, in dessen Verlauf Imre Nagy, der bereits von 1953 bis 1955 Ministerpräsident war, erneut zum Ministerpräsidenten ernannt wurde. Er bildete eine Mehrparteien-Regierung, forderte die parlamentarische Demokratie und die Neutralität Ungarns. Der Aufstand wurde jedoch durch die sowjetische Armee blutig niedergeschlagen. Viele Ungarn verließen nach dem gescheiterten Volksaufstand das Land und emigrierten nach Westeuropa und Nordamerika. Nagy wurde hingerichtet (seine Asche erst 1989 feierlich in Ungarn beigesetzt). János Kádár, bis dahin stellvertretender Ministerpräsident, wurde Generalsekretär der Ungarischen Sozialistischen Arbeiterpartei sowie Ministerpräsident und blieb bis 1988 in dieser Position.

Unter dieser Regierung erfolgten Wirtschaftsreformen, die auch unter dem Begriff „Gulaschkommunismus“ bekannt wurden. 1988 bildeten sich Oppositionsgruppen, die den friedlichen Systemwechsel vorantrieben und die Legitimität der sowjetischen (faktisch russischen) Vorherrschaft in Frage stellten (erwähnt sei Imre Pozsgay, der im Amt eines Staatsministers öffentlich der Doktrin von der „Konterrevolution von 1956“ widersprach). Auch in der kommunistischen USAP gab es oppositionelle Stimmen, die freie Wahlen und den Abzug der sowjetischen Truppen forderten. Dies leitete die Grenzöffnung nach Österreich und damit die Zerschneidung des Eisernen Vorhangs ein. Gemeinsam mit dem Außenminister Ungarns, Gyula Horn, durchtrennte Alois Mock (Außenminister Österreichs) am 27. Juni 1989 in einer symbolischen Aktion den Stacheldraht an der Grenze zwischen Österreich (Nickelsdorf) und Ungarn (Hegyeshalom).

Ungarn hatte entscheidenden Anteil an der politischen Wende von 1989 in den ehemaligen Ostblockstaaten und damit auch an der friedlichen Revolution in der DDR, die den Weg zur Wiedervereinigung Deutschlands ebnete.

Siehe auch: Liste der ungarischen Herrscher, Liste der ungarischen Staatspräsidenten

Geschichte seit 1989 und aktuelle Politik

Nach 1989/90 wurde Ungarn (politisch gesehen) Teil des westlichen Staatensystems. 1999 trat Ungarn der NATO bei, und zum 1. Mai 2004 folgte – mit der Zustimmung einer deutlichen Mehrheit der Bevölkerung – der Beitritt zur Europäischen Union im Zuge der EU-Osterweiterung. Die anfängliche Begeisterung wich aber angesichts der sich wirtschaftlich verschlechternden Lage zahlreicher Menschen (insbesondere alter Menschen) einer Ernüchterung. Die Folge sind Resignation und politisches Desinteresse, was sich auch schon in der Wahlbeteiligung des Referendums zum EU-Beitritt am 12. April 2003 ausdrückte: Zwar stimmten 84 % für den Beitritt, aber lediglich 45,6 % der acht Millionen Wahlberechtigten gingen zur Abstimmung.

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989/90 wurde auch das ungarische Staatswesen erneuert. Am 23. Oktober 1989 – dem Jahrestag des Ungarischen Volksaufstands von 1956 – wurde die Republik Ungarn ausgerufen, und eine modifizierte Version der sozialistischen Verfassung von 1949 trat in Kraft. Vorbild dieser geänderten Fassung war unter anderem das deutsche Grundgesetz. Die Regierung ist dem Parlament verantwortlich, für die Regierungstätigkeit trägt der Ministerpräsident Verantwortung. Um eine möglichst große Stabilität der Regierung zu gewährleisten, wurde die Institution des konstruktiven Misstrauensvotums geschaffen. Im März 1990 fanden die ersten freien Parlamentswahlen Ungarns seit 1947 statt. Ministerpräsident wurde József Antall, Staatspräsident Árpád Göncz.

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Die Sitzverteilung im ungarischen Parlament nach den Wahlen am 9. und 23.  April 2006

Das Parlament wählt den Präsidenten der Republik, den Ministerpräsidenten, die Mitglieder des Verfassungsgerichts, den Ombudsmann der Minderheiten, den Präsidenten des Obersten Gerichts und den Generalstaatsanwalt. Das Einkammerparlament hat 386 Abgeordnete, die auf vier Jahre gewählt werden. In Ungarn gibt es ein gemischtes Wahlsystem, ähnlich wie in Deutschland. Seit August 2000 war der parteilose Ferenc Mádl als Präsident, der für fünf Jahre gewählt wird, im Amt. Im Juni 2005 gewann László Sólyom die Wahl zum Präsidenten. Er ist ehemaliger Präsident des ungarischen Verfassungsgerichts.

Die ungarische Politik war seit der Einführung freier und geheimer Wahlen 1990 von ständigen Mehrheitswechseln geprägt.

Péter Boross war der Nachfolger von József Antall als Ministerpräsident der Republik Ungarn von Dezember 1993 bis Juni 1994. Er war zuvor Innenminister. Mit der Abwahl von Boross 1994 endete die Regierungsverantwortung des Ungarischen Demokratischen Forums. Boross war in der Regierungszeit von Viktor Orbán (Fidesz) 1998–2002 als dessen Berater tätig, distanzierte sich aber später von Orbán.

Nach den Wahlen 2002 übernahm wieder die MSzP (Ungarische Sozialistische Partei) zusammen mit dem SzDSz die Regierungsverantwortung. Der aktuelle Ministerpräsident Ferenc Gyurcsány, der seit dem 29. September 2004 amtiert, ist Nachfolger von Péter Medgyessy, der nach Versuchen der Regierungsumstrukturierung zurückgetreten war. Außenminister ist Ferenc Somogyi, der am 2. November 2004 die Nachfolge von László Kovács, dem ungarischen EU-Kommissar, angetreten hatte.

Die Regierung von MSzP und SzDSz wurde bei den Parlamentswahlen vom 9. und 23. April 2006 wiedergewählt. Damit schaffte es eine Regierung erstmals, im Amt zu bleiben.

Seit September 2006 befindet sich Ungarn in einer innenpolitischen Krise. Seit Gyurcsány eingestanden hatte, vor den Wahlen im April 2006 gelogen zu haben, fordert die Opposition seinen Rücktritt. Im September und Oktober 2006 kam es vor allem in Budapest wiederholt zu gewalttätigen Ausschreitungen, die auch die Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag des Volksaufstands von 1956 überschatteten.

Außenpolitik

Mit dem Beitritt Ungarns 1999 zur NATO und 2004 zur EU wurden zwei grundlegende Ziele der ungarischen Außenpolitik erreicht. Zur Zeit setzt es sich für den Beitritt Rumäniens und Kroatiens zur EU ein. Zur Stabilität sind auf dem Balkan eigene Truppen stationiert, außerdem engagiert sich Ungarn im Irak und Afghanistan mit eigenen Truppen.

Ungarn ist an der wirtschaftlichen und politischen Stabilität seiner südlichen Nachbarn interessiert, es setzte sich schon vor dem Sturz Milošević’ für die demokratische Opposition in Jugoslawien ein. Die Infrastrukturverbindungen, insbesondere die Autobahnen zu den Nachbarn, sollen weiter ausgebaut und die wirtschaftlichen Beziehungen zu den zukünftigen EU-Mitgliedsstaaten intensiviert werden. Die Zusammenarbeit innerhalb der Visegrád-Gruppe (mit Tschechien, der Slowakei und Polen) soll fortgesetzt werden. Ungarn hatte 2001 bzw. 2002 den Vorsitz inne.

2001 wurde ein Gesetz mit Begünstigungen für Auslandsungarn verabschiedet, außerdem schloss Ungarn Minderheitenabkommen und Grundlagenverträge über freundschaftliche Beziehungen mit seinen Nachbarstaaten, um die Minderheitenfrage der im Ausland lebenden Ungarn zu lösen.

Militär

Bild:MiG der HuAF.jpg
MiG-29 der ungarischen Luftwaffe der MH.59 in Kecskemét mit der Nummer 04 bei der Landung

Hauptartikel: Ungarische Streitkräfte und Siehe auch: Liste ungarischer Militärflugplätze

Ungarn hat ein stehendes Heer aus Berufssoldaten, früher mit einer allgemeinen Wehrpflicht vom 18. Lebensjahr an, und mit einer aktiven Dienstzeit von 18 Monaten. Die Gesamtstärke beträgt (im Gegensatz zu den im Friedensvertrag von 1947 festgelegten 65.000 Mann für das Heer und 5.000 für die Luftwaffe) heute 91.000 Mann. Diese verteilen sich wie folgt:

  • 68.000 Mann im Heer (einschließlich Donauflottille)
  • 23.000 Mann bei der Luftwaffe

Hinzu kommen 15.000 Mann Sicherheits- und Grenztruppen und eine Arbeitsmiliz von 60.000 Mann. Der Oberbefehl liegt beim Verteidigungsminister.

Seit März 2006 ist in Ungarn die neue Saab JAS-39 Gripen aus Schweden im Einsatz, die ab 2009 aktiv an den NATO-Übungen teilnehmen wird. Mit der Erprobung der Flugzeuge wurde im Dezember 2005 begonnen.

Es befindet sich auch eine kleine Anzahl ungarischer Soldaten im Irak, die dort aber keine große Rolle spielen. Es ist bekannt, dass die Reservebasis der ungarischen Luftwaffe in Kaposvár vor dem Irak-Krieg von der US-Luftwaffe gemietet wurde. Allerdings wird spekuliert, ob auch US-Geheimdienstmitarbeiter auf der genannten Basis auf den Krieg im Irak vorbereitet oder ausgebildet wurden.

Verwaltungsgliederung

Ungarn ist in 19 Komitate (Gespanschaften) und 24 Städte mit Komitatsrecht (darunter die Hauptstadt Budapest) eingeteilt. 1999 wurde das Land in sieben Regionen eingeteilt, auch um die Auflagen der Europäischen Union zu erfüllen. Die Komitate wiederum sind in Kleingebiete unterteilt, die im NUTS-System der EU der Ebene LAU-1 entsprechen.

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Städte mit Komitatsrecht
(seit)
Komitate
Regionen Komitate in der Region
  • Nyugat-Dunántúl
    (Westtransdanubien)

  • Közép-Dunántúl
    (Mitteltransdanubien)

  • Dél-Dunántúl
    (Südtransdanubien)

  • Észak-Magyarország
    (Nordungarn)

  • Közép-Magyarország
    (Mittelungarn)
  • Észak-Alföld
    (Nördliche Große Tiefebene)

  • Dél-Alföld
    (Südliche Große Tiefebene)

  • Győr-Moson-Sopron
    Vas
    Zala
  • Fejér
    Komárom-Esztergom
    Veszprém (Komitat)
  • Baranya
    Somogy
    Tolna
  • Borsod-Abaúj-Zemplén
    Heves
    Nógrád
  • Budapest (Hauptstadt)
    Pest (Komitat)
  • Hajdú-Bihar
    Jász-Nagykun-Szolnok
    Szabolcs-Szatmár-Bereg
  • Bács-Kiskun
    Békés
    Csongrád (Komitat)

Siehe auch: Liste der Städte und Orte in Ungarn, Liste der Komitate Ungarns

Infrastruktur

Straßenverkehr

Die Verkehrsinfrastruktur ist relativ gut ausgebaut. Es gibt mehrere Autobahnen, die alle Richtung Budapest verlaufen. Zwei Autobahnen sind bereits fertig gestellt, die M1 und die M5. Die M1 verläuft von der österreichischen Staatsgrenze bei Hegyeshalom zur Hauptstadt Budapest, die M5 von der serbischen Grenze bei Röszke im Süden nach Budapest.

Andere bereits bestehende Autobahnen werden zur Zeit noch bis an die Staatsgrenzen verlängert, wie beispielsweise die M7 und die M3. Die M7 ist besonders aus touristischer Sicht wichtig, da sie Budapest mit dem Tourismusgebiet des Balaton und mit Kroatien (bzw. über die M70 mit Slowenien) verbindet. Die M3 wiederum ermöglicht die Durchquerung des Landes von West nach Ost, sie soll von Budapest zur ukrainischen Grenze verlaufen. Über die M3 und M30 ist Budapest mit Miskolc und mit Nordostungarn verbunden. Die nächste Teileröffnung soll 2006 zunächst bis Nyíregyháza und über die M35 bis Debrecen führen. Die erste Teilstrecke der neuen M6 Richtung Pécs wurde zwischen Budapest und Dunaújváros im Sommer 2006 eröffnet. Eine weitere wichtige Autobahn ist die M0, die bis 2015 zu einem kompletten Ring um Budapest ausgebaut werden soll. Sie soll die Verkehrssituation der Hauptstadt entschärfen, die zur Zeit neben dem Berufs- und Pendelverkehr auch den Durchgangsverkehr verkraften muss.

In Ungarn lässt sich nahezu jede Gemeinde per Bus erreichen. Zwischen größeren Städten verkehren Buslinien in einem Takt von 30–60 Minuten, kleinere Städte und Dörfer werden meist im Takt von 1–2 Stunden angefahren. Durch das relativ weitmaschige Schienennetz ist der Busverkehr für kleinere Dörfer überaus wichtig. Die größte Busverkehrsgesellschaft in Ungarn ist Volán, sie befördert pro Tag etwa 1,6 Millionen Fahrgäste.

Schienen- und Flugverkehr

Die Eisenbahnlinien laufen, wie die Autobahnen auch, sternförmig auf die zentral gelegene Hauptstadt zu. Betreibergesellschaften sind die ungarische MÁV (Magyar Államvasutak Rt.) und in Westungarn die österreichisch-ungarische GySEV/ROeEE (Győr-Sopron-Ebenfurthi Vasút Rt./Raab-Ödenburg-Ebenfurther Eisenbahn AG).

Internationale Flughäfen sind Budapest-Ferihegy südöstlich von Budapest (Terminals 1, 2a, 2b), der gleichzeitig der Sitz der größten ungarischen Fluggesellschaft Malév ist, und seit dem Frühjahr 2006 der Flughafen Balaton bei Sármellék in Südwestungarn, der seit einigen Monaten aus mehreren europäischen Ländern angeflogen wird. Darüber hinaus gibt es in Ungarn noch eine Reihe von Binnenflughäfen, von denen immer mehr für den Personenverkehr genutzt werden, wie etwa der Flughafen von Debrecen, der neuerdings auch aus Budapest regelmäßig mit Passagierflugzeugen angeflogen wird.

Siehe auch: Liste ungarischer Flughäfen

Energieversorgung

Bild:Stromerzeugung Ungarn.png
Stromerzeugung in Ungarn nach Energieträger (1993–2004)

Die Energieversorgung beruht hauptsächlich auf Wärmekraftwerken, in denen aus Kohle und größtenteils importiertem Erdöl und Erdgas Strom erzeugt wird.

Im Gegensatz zu anderen Donau-Anrainerstaaten wie beispielsweise Österreich oder der Slowakei besitzt Ungarn keine Wasserkraftwerke an der Donau. Dies liegt vor allem daran, dass der zusammen mit der Slowakei geplante Bau des Donauwasserkraftwerks Gabčíkovo-Nagymaros auf großen Widerstand seitens der ungarischen Bevölkerung stieß. Danach wurden Pläne für weitere Wasserkraftwerke in Ungarn verworfen.

Atomkraft

Ungarn deckt ca. 38 % seines Energiebedarfes über Kernenergie. Das einzige Kernkraftwerk Ungarns das Kernkraftwerk Paks 100 km südlich von Budapest ist der mit Abstand größte Arbeitgeber in der Region um Paks. Die Radioaktive Abfälle werden im Lager Püspökszilágy zwischengelagert. 1982 ging in Paks der erste und 1984 der zweite Reaktorblock in Betrieb. Eine Erweiterung um zwei weitere Blöcke fand zwischen 1986/87 statt. Diese wurden wie auch die ersten beiden Reaktor mit sowjetischer Unterstützung errichtet. Jährlich werden mit dem Kernkraftwerk Paks zwischen 11.000 und 14.000 GWh Strom erzeugt.

Das Kraftwerk machte nur einmal Schlagzeilen als sich am 10. April 2003 ein Störfall ereignete. Beim Reinigen von Brennstäben im Block 2 des Kernkraftwerkes dürfte deren Umhüllung beschädigt worden sein wodurch radioaktives Gas austrat.

Geothermie

Wie überall in Europa versucht man auch in Ungarn zunehmend die Energie aus dem Erdinneren zur Stromerzeugung zu nutzen. So prüft der ungarische Ölkonzern MOL zur Zeit nahe der Stadt Iklódbördöce im Komitat Zala ob unterirdische Thermalquellen zur Energieerzeugung nutzbar gemacht werden können. Falls das mit 1 Mrd. Forint (ca. 400.000 Euro) veranschlagte Forschungsprojekt positive Ergebnisse bringen sollte plant das Konsortium um MOL in Iklódbördöce bis 2008 das bis dahin erste geothermische Kraftwerk Mittelosteuropas zu errichten. Kalkulationen gehen davon aus das man mit dem Kraftwerk eine Leistung von 3–5 Megawatt erreichen wird.

MOLs Planung geht davon aus das in Ungarn in den nächsten 10 Jahren bis zu 6 Geothermie-Kraftwerke entstehen könnten.

Wasserwirtschaft

Wasserversorgung

Aufgrund seiner beckenartigen Struktur verfügt Ungarn im Vergleich zu anderen Staaten Mitteleuropas über relativ große Wasserressourcen, die bei ca. 120 Milliarden m³ Frischwasser im Jahr liegen. Davon entfallen jedoch 90 % auf Flüsse, die außerhalb der Staatsgrenzen entspringen (Donau, Drau, Theiß). Das bedeutet, dass die Wasserqualität dieser Flüsse nur in begrenztem Ausmaß durch nationale Maßnahmen zu beeinflussen ist. Darüber hinaus hat Ungarn nationale Probleme, die vor allem aus der langjährigen Vernachlässigung der Abwasserbehandlung resultieren.

In Ungarn stammen 90 % des Trinkwassers aus Grundwasserressourcen. Insgesamt beträgt die jährliche Wasserentnahmemenge etwa 5.500 Mio. m³, wovon etwa 85 % Oberflächenwasser und 15 % Grundwasser sind. Die durchschnittliche Gesamtwasserentnahme pro Kopf liegt in Ungarn bei etwa 550 m³ im Jahr oder 1500 Liter pro Tag, was ungefähr dem Doppelten der Werte von Polen, Rumänien oder Tschechien entspricht und leicht über dem deutschen Verbrauch (500 m³/Jahr/Person) liegt. Von dieser Menge entfallen auf die öffentliche Wasserversorgung ca. 13 % (195 l/Tag/Person), auf die Industrie und Energieerzeugung ca. 78 % und auf die Landwirtschaft ca. 9 %. Vor der Systemwende war der Wasserverbrauch noch bedeutend höher. Der deutliche Rückgang ist bedingt durch die Stilllegung von Bauxit- und Kohlebergwerken, den rückläufigen Bedarf der Industrie und den stetigen Anstieg der Wasserpreise, die seit 1990 von den Gemeinden festgelegt werden und durch den Abbau von Subventionen erheblich gestiegen sind. In Budapest z. B. betrugen im Jahre 2004 die Gebühren für Frischwasser 0,56 €/m³ und die Abwassergebühren 0,73 €/m³ (Umrechnungskurs vom 12. Mai 2004). Viele Kommunen wenden inzwischen außerdem einen progressiven Wassertarif an, der hohen Wasserverbrauch bestraft.

Von den 10,2 Millionen Ungarn sind mittlerweile 98 % an die öffentliche Trinkwasserversorgung angeschlossen. Allerdings entspricht die Trinkwasserqualität noch nicht in allen Gebieten des Landes den Mindestanforderungen der Europäischen Union. Gerade in ländlichen Gebieten bestehen oft erhebliche, teilweise regionalspezifische Schwierigkeiten bei der Versorgung. Ein großes Problem ist dabei die zum Teil auch gegen bedingte Belastung des Trinkwassers mit Arsen und Nitraten bzw. Nitriten und anderen Stoffen wie Asbest, Eisen, Mangan, Antimon, Bor, Fluoriden und Iodiden. Ein anderes Problem sind die zahlreichen wilden Mülldeponien, die in Trinkwassergebieten liegen und wegen mangelnder Abdichtung das Grundwasser verunreinigen.

Abwasserentsorgung

Bild:Diagramm abwasserbehandlung ungarn.png
Abwasserbehandlung in Ungarn (1992–2002)

Der Anteil der Haushalte, die an das öffentliche Kanalnetz angeschlossen sind, liegt bei etwa 51 % und betrifft ca. 60 % der Bevölkerung. Die Quote der an das Kanalnetz angeschlossenen Haushalte schwankt jedoch je nach Größe der Stadt. In der Hauptstadt Budapest liegt sie bei etwa 90 %, in anderen Großstädten Ungarns bei 75 %. In mittelgroßen Städten erreicht die Anschlussquote 45 bis 50 %, und in Dörfern liegt sie lediglich bei 35 %. Der Anschluss ans Kanalnetz besagt allerdings noch wenig über die anschließende Aufbereitung des Wassers. Nur etwa ein Drittel der Bevölkerung ist bisher auch an Kläranlagen angeschlossen, von denen drei Viertel sowohl mit einer primären als auch sekundären Reinigungsstufe ausgestattet ist. Eine tertiäre Behandlungsstufe, in der Phosphor und Stickstoff entfernt werden, findet man nur in den wenigsten Anlagen. Die Abwässer derjenigen Haushalte, die nicht an ein öffentliches Kanalnetz angeschlossen sind, werden etwa zu einem Drittel dezentral behandelt, überwiegend in Kleinkläranlagen, meistens Mehrkammerabsetzgruben. Etwa 3200 Gemeinden in Ungarn haben überhaupt kein Abwassersystem und keine Kläranlage. Dagegen werden Industrieabwässer zu mehr als 90 % ordnungsgemäß behandelt.

Jährlich fallen in Ungarn durch kommunale Abwässer über 100.000 t Klärschlämme in Trockenmasse an, die zum Großteil auf Deponien verfüllt werden, aber auch in der Landwirtschaft als Dünger zum Einsatz kommen oder kompostiert werden.

Wirtschaft

Bild:Bruttoinlandsprodukt Ungarns 1997-2008.png
Bruttoinlandsprodukt Ungarns (1997–2008)
Bild:Beschäftige Ungarns nach Sektor2.png
Beschäftige nach Wirtschaftssektoren (1998–2004)
Bild:Jahresbruttoverdienst in Ungarn.png
Jahresbruttoverdienst eines Angestellten im Industrie- bzw. Dienstleistungssektor (1995–2005)

Ungarn erwirtschaftet ein Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 20.414 Mrd. Forint (2004, etwa 81 Mrd. Euro), was rund 8.000 Euro pro Kopf entspricht. Im Vergleich mit dem BIP der EU ausgedrückt in Kaufkraftstandards erreicht Ungarn einen Index von 60,9 (EU-25 = 100; 2005). [6] 3,8 % des Bruttoinlandsprodukts entstanden in der Landwirtschaft, 31,2 % in der Industrie und 65 % im Dienstleistungssektor. Mit einer Exportquote (Warenausfuhren in Prozent des BIP) von 65 % ist die Wirtschaft sehr offen. Ungefähr ein Drittel der Ausfuhren gehen nach Deutschland, etwa 8 % nach Österreich und jeweils etwa 6 % nach Italien, Frankreich und Großbritannien. Über die Hälfte der Ausfuhren entfallen auf Güter des Maschinenbaus und der Fahrzeugindustrie. Ein hoher Teil der Ausfuhren wird von Unternehmen in ausländischem Besitz getätigt. Wichtige Industriestandorte sind vor allem der Raum Budapest und die Grenzregion zu Österreich. Die größte ungarische Unternehmung ist der Mineralölkonzern MOL, an zweiter Stelle folgt die Audi Hungary Kft, die einiges für die ungarische Infrastruktur bewegt hat, insbesondere um Győr.

Eine wichtige Rolle als Einnahmequelle spielt der Tourismus in Budapest, in der Puszta und am Plattensee (Balaton).

Wirtschaftsdaten

  • Bruttoinlandsprodukt (BIP) (2004): 80,9 Mrd. € (1)
  • Bruttoinlandsprodukt pro Kopf (2004): 7.997 € (1)
  • Wirtschaftswachstum (2004): 4,6 % (2)
  • Monatliches Bruttoeinkommen (2004): 580 € (2)
  • Import (2004): 46 907 Mio. € (1)
  • Export (2004): 44.516 Mio. € (1)
  • Inflationsrate (2004): 6,8 % (2)
  • Arbeitslosenquote (2004): 5,9 % (1)
  • Staatsausgaben
  • Beschäftigungsverteilung (2004) (2)

(1) Quelle: Statistisches Zentralamt Ungarn (2) Quelle: Statistisches Bundesamt Deutschland

Staatsausgaben

Zwischen 1993 und 2002 lag der Anteil der Staatsausgaben für

Wirtschaftliche Entwicklung

Das Wachstum der Wirtschaft Ungarns hat sich 2004 auf knapp 4,6 % beschleunigt. Es blieb damit schwächer als der durchschnittliche Produktionsanstieg in den osteuropäischen EU-Beitrittsländern, der auf rund 5 % anzog. Das Wirtschaftswachstum in den bisherigen 15 EU-Mitgliedsstaaten (2,3 %) wurde aber klar übertroffen. Hauptantriebskraft für das Wachstum in Ungarn waren 2004 neben den deutlich höheren Exporten die Investitionen. Der private Verbrauch stieg nicht mehr so stark wie im Vorjahr. 2005 dürfte sich das Wirtschaftswachstum in Ungarn – wie in den anderen Beitrittsländern und in den EU-15-Staaten – im Zuge einer internationalen Konjunkturabschwächung etwas verringern.

Der Anstieg der Verbraucherpreise beschleunigte sich 2004 auf 6,8 %. Das Inflationstempo war damit deutlich höher als in der Gesamtheit der Beitrittsländer (+4 %). Hintergrund für den rascheren Preisanstieg als im Vorjahr waren zum Teil nur „Einmaleffekte“, die durch den Beitritt zur EU bedingt waren, aber auch – wie überall – gestiegene Rohstoffpreise. Außerdem wurden staatlich regulierte Preise angehoben sowie Umsatz- und Verbrauchsteuern erhöht. So wurden zum 1. Januar 2004 drei Mehrwertsteuersätze eingeführt. Der allgemeine Steuersatz beträgt weiterhin 25 %, während der ermäßigte Satz (beispielsweise für Zeitungen, Bücher und Lebensmittel) auf 15 % angehoben und ein weiterer Steuersatz für die bisher steuerbefreiten Medikamente von 5 % eingeführt wurde. 2005 dürften die Preise daher nur noch um rund 3½ % steigen. Zum 1. Januar 2006 wurde der Hauptsatz der Mehrwertsteuer von 25 % auf 20 % gesenkt, um das europäische Mittel von 20 % zu erreichen. Dies geschah auch vor dem Hintergrund der Bemühungen Ungarns, die Maastricht-Kriterien einzuhalten.

Die Arbeitslosenquote konnte in Ungarn bis 2001 knapp unter 6 % gedrückt werden. Sie hält sich seither mit geringen Schwankungen auf diesem Niveau. Abgesehen von Slowenien weist kein anderes ostmitteleuropäisches EU-Beitrittsland eine ähnlich niedrige Arbeitslosenquote aus. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote in den EU-Beitrittsländern lag 2004 demgegenüber bei rund 14 %, die Arbeitslosenquote in den EU-15-Staaten war mit rund 8 % auch höher. Wegen unterschiedlicher Methoden bei der Ermittlung der Arbeitslosenzahl sind die nationalen Arbeitslosenquoten international allerdings nur eingeschränkt vergleichbar.

Schwachpunkte der ungarischen Wirtschaft sind die hohen Defizite im Staatshaushalt und in der außenwirtschaftlichen Leistungsbilanz. Da die Importe 2004 erneut deutlich stärker stiegen als die Exporte, hielt sich das Defizit in der Leistungsbilanz mit rund 9 % des Bruttoinlandsprodukts auf sehr hohem Niveau.

Das Haushaltsdefizit konnte von 2002 bis 2004 von gut 9 % des Bruttoinlandsprodukts auf knapp 5 % halbiert werden. Auch 2005 wird es voraussichtlich weiter gedrückt werden können. Es dürfte aber mit rund 4 % des Bruttoinlandsprodukts noch deutlich über dem Referenzwert von 3 % des BIP liegen, den der Maastricht-Vertrag für eine Qualifikation für die Teilnahme an der Europäischen Währungsunion verlangt.

Auseinandersetzungen über die Haushaltssanierung stehen im Zentrum der ungarischen Wirtschaftspolitik. Sie waren ein Grund für den Rücktritt von Ministerpräsident Péter Medgyessy im Herbst 2004 und sind auch Teil der Kontroversen zwischen der ungarischen Regierung und der Zentralbank.

Ministerpräsident Ferenc Gyurcsány nannte in seiner Antrittsrede 2004 im Parlament als sein wirtschaftspolitisches Ziel die Übernahme des Euros bis zum Jahr 2010. Dafür wird angesichts des hohen Budgetdefizits eine konsequente Sparpolitik verfolgt werden müssen. Wirtschaftspolitische Themen spielten auch bei den Parlamentswahlen 2006 eine große Rolle, wobei keine Partei damit warb, die Staatsfinanzen mit Steuererhöhungen sanieren zu wollen.

Im September 2006 wurden Details über eine Rede publik, die Gyurcsány nach den Parlamentswahlen im April vor seiner Fraktion gehalten hatte. In dieser Rede sprach Gyurcsány davon, dass die Regierung in den vergangen Jahren nur gelogen habe, um den wahren Zustand der Staatsfinanzen zu verschleiern. Mit dieser Rede wollte Gyurcsány seine Partei dazu bringen, die von ihm geplanten Konsolidierungsmaßnahmen mitzutragen (Mehrwertsteuererhöhung, Praxisgebühr, Entlassungen im öffentlichen Dienst …). Nach Bekanntwerden der Rede wurden in Budapest, aber auch anderen ungarischen Städten, Protestdemonstrationen organisiert, die teilweise in massive Gewalttätigkeiten mündeten.

Entwicklung des BIP und des Außenhandels

Die wichtigen Wirtschaftskennzahlen Bruttoinlandsprodukt und Außenhandel entwickelten sich in den letzten Jahren folgendermaßen:

Veränderung des Bruttoinlandsprodukts (BIP), real
in % gegenüber dem Vorjahr
Jahr 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007
Veränderung in % gg. Vj. 4,9 4,2 5,2 3,8 3,5 3,4 4,6 4,1 ~ 4,5 ~ 3,5
Quelle: bfai [7] ~ = geschätzt
Entwicklung des Außenhandels
in Mrd. Euro und seine Veränderung gegenüber dem Vorjahr in %
2003 2004 2005 2006
Mrd. Euro  % gg. Vj. Mrd. Euro  % gg. Vj. Mrd. Euro  % gg. Vj. Mrd. Euro
(1.Hj.)
 % gg.Vj.
Einfuhr 42 6 49 15 53 9 29 21
Ausfuhr 38 4 45 17 50 12 28 15
Saldo −4,2 −3,9 −2,9 −0,9
Quelle: bfai [8]

Kultur

Gastronomie

Hauptartikel: Ungarische Küche

Die ungarischen Speisen gelten im Vergleich zu anderen europäischen Speisen als relativ „schwere Kost“. Ein beliebtes Gericht der Ungarn (häufig als Nationalgericht tituliert) ist pörkölt (nicht zu verwechseln mit dem gulyás). Pörkölt wird nicht nur im deutschsprachigen Raum fälschlicherweise auch als Gulasch bezeichnet. In Ungarn gibt es dieses sowohl als disznó-pörkölt (mit Schweinefleisch) als auch als marhapörkölt (mit Rindfleisch). Pörkölni bezeichnet das Verfahren der Fleischzubereitung (Schmoren in Zwiebeln, Paprika und Fett). Die Beilagen zu diesem Gericht sind variabel und von Region zu Region verschieden.

Das in Ungarn gekochte Gulyás ist im Gegensatz zum pörkölt eine Suppe. Die deutsche Bezeichnung „Gulaschsuppe“ ist also korrekt (ungarisch gulyásleves). Traditionell wird die Suppe im Kessel (bogrács) zubereitet. Das Kochen in diesem Gerät geht auf die Nomadenzeit zurück und ist verwandt mit der chinesischen Version des Kessels: dem Wok. Das Fleisch wird zunächst wie pörkölt geschmort, jedoch nach ausreichender Garzeit mit Wasser aufgegossen. Außerdem gibt man Kartoffelstücke und Kümmel dazu (nicht so beim pörkölt). Für dieses Gericht wird traditionell nur Rindfleisch verwendet. Dass dies so ist, ergibt sich aus dem Wort gulyás. Das Wort gulya bedeutet „Rinderherde“, der gulyás ist der Rinderhirte (sozusagen der ungarische Cowboy).

Weltberühmt ist neben der Paprika, die auch gemahlen als Gewürz besonders in der ungarischen und mittlerweile auch in ausländischen Küchen verwendet wird, der Tokajer (ung. Tokaji), ein Wein aus dem Tokajer Weingebiet (ung. tokaji borvidék). Für diesen Wein werden nur spätreifende Rebsorten verwendet, so dass die Weintrauben nicht nur von den trockenen, heißen Sommern, sondern auch von den langen, warmen und nebelreichen Herbsten profitieren.

Architektur

Einige der wichtigsten erhaltenen Bauten Ungarns sind im spätromanischen Stil erbaut. Sie sind stark von westeuropäischen Einflüssen (Rheinland/Köln) geprägt, z. B. die Kirchen in Zsámbék und Ják aus dem 13. Jahrhundert. In der Gotik sind besonders zwei- und dreischiffige Hallenkirchen charakteristisch aus dem 15. Jahrhundert). Unter König Sigismund (ung. Zsigmond) entstand in Buda ein Fürstensitz, den König Matthias Corvinus in florentinischem Stil ausbauen ließ. Eines der bedeutendsten Werke dieser Epoche ist das Schloss des Fürsten Esterházy in Fertőd, dessen Vorbild das Schloss in Versailles war. Mihály Pollack, einer der Hauptbaumeister des Klassizismus in Ungarn, kam gebürtig aus Wien. Miklós Ybl, der vornehmlich im Renaissancestil baute, ließ diese Epoche in Ungarn noch einmal aufleben (z. B. beim Opernhaus in Budapest).

Imre Steindl errichtete das Parlamentsgebäude (1885–1902) in Budapest im neugotischen Stil, wodurch dieser in Ungarn wieder kurzzeitig in Mode kam. Um die Jahrhundertwende wurden vor allem in der Hauptstadt viele Bauten im Jugendstil errichtet, z. B. das Blindeninstitut in Budapest. In Kecskemét ist ein schönes Beispiel für den Jugendstil der Cifra Palota, der 1902 nach den Plänen von Géza Márkus gebaut wurde und dessen Fassade mit Zsolnay-Keramik geschmückt ist. Für den Baustil der Altbauhäuser in Budapest um die Jahrhundertwende sind Häuser mit Innenhof und offenen Gängen (gang) typisch, die Wohnungen in diesen bürgerlichen Häusern ähneln sehr den Altbauwohnungen in Wien. Sie sind vorwiegend in den Bezirken auf der Pester Seite am „Großen Ring“ (nagykörút) zu finden. In den Jahren der kommunistischen Herrschaft wurden diese Häuser (besonders im 7. und im 8. Bezirk) sehr vernachlässigt, und viele befinden sich zur Zeit in einem heruntergekommenen Zustand, die meisten Substandardwohnungen befinden sich in diesen Bezirken. In den 1930er Jahren erbaute man mehrere Mustersiedlungen im Bauhausstil, viele von ihnen sind auf dem Svábhegy (im 12. Bezirk) zu finden.

Ein architektonisches Juwel ist die erste U-Bahn-Linie in Europa, die vom Vörösmarty tér zur Mexikói út führt. Auch Bauten im Stadtwäldchen (Széchenyi-Bad, Zoo) sind erwähnenswert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg bauten ungarische Architekten vorwiegend im Sozialistischen Realismus, wodurch auch einige Plattenbauten (auf Ungarisch panelház) entstanden. Mit diesen Bauten sollte rasch eine Lösung gegen die Wohnungsnot gefunden werden. Derzeit befinden sie sich jedoch in einem sehr schlechten Zustand. Der Einfluss internationaler Strömungen nahm später immer weiter zu, da es nun erlaubt war, private Architekturbüros zu eröffnen und sich das Land wirtschaftlich zunehmend öffnete. Imre Makovecz und Dezső Ekler bauten in den 1980er Jahren in einer organischen, anthroposophischen Architektur. Andere Architekten wandten sich internationalen Trends zu oder suchten den Anschluss an die Architektur der Vorkriegszeit. Der neueste Trend ist die Errichtung von „Wohnparks“, Wohnanlagen mit guter Infrastruktur, deren Stil dem in den westeuropäischen Ländern ähnlich ist. Ein interessantes Bauprojekt war der Bau des neuen Nationaltheaters in Budapest nach den Plänen von Mária Siklós, das 2002 fertig gestellt wurde.

Die traditionelle Architektur auf dem Lande ist heute noch in einigen Ortschaften authentisch erlebbar, wie z. B. in Hollókő, das als Museumsdorf Teil des Welterbes der UNESCO ist. Die strohgedeckten Häuser in Tihany am Balaton sind ebenfalls denkmalgeschützt – im Ortskern dürfen Häuser nur in alter Bauweise errichtet werden. Die Vielfalt der ungarischen dörflichen Baukultur kann man im Freilichtmuseum in Szentendre bewundern – hier wurden abgetragene Originalhäuser aus allen Gebieten Ungarn wieder aufgebaut und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Malerei

Bild:Benczur-onarckep.jpg
Selbstporträt von Gyula Benczúr