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Ulm

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Bild:Disambig-dark.svg Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen finden sich unter Ulm (Begriffsklärung).
Wappen Deutschlandkarte
Bild:Coat of arms of Ulm.svg Bild:Lage der kreisfreien Stadt Ulm in Deutschland.png
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Tübingen
Landkreis: Stadtkreis
Koordinaten: Koordinaten: 48° 24′ N, 9° 59′ O48° 24′ N, 9° 59′ O
Höhe: 459–646 m ü. NN
Fläche: 118,69 km²
Einwohner: 120.664 (30. Dez. 2006)
Bevölkerungsdichte: 1017 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 89073-89081 (alt: 7900)
Vorwahlen: 0731, 07304,
07305, 07346
Kfz-Kennzeichen: UL
Gemeindeschlüssel: 08 4 21 000
Stadtgliederung: 18 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Marktplatz 1
89073 Ulm
Webpräsenz:
Oberbürgermeister: Ivo Gönner (SPD)

Ulm ist eine Universitätsstadt in Baden-Württemberg und liegt an der Donau, am südöstlichen Rand der Schwäbischen Alb. Die Stadt hat etwas über 120.000 Einwohner, bildet einen eigenen Stadtkreis und ist darüber hinaus Sitz des Landratsamtes des Alb-Donau-Kreises. Nächste größere Städte sind Augsburg und München im Südosten, etwa 70 km beziehungsweise 130 km entfernt, und Stuttgart im Nordwesten, etwa 90 km entfernt.
Ulm ist nach dem Landesentwicklungsplan Baden-Württemberg eines von insgesamt 14 Oberzentren des Landes und bildet mit Neu-Ulm (zusammen über 170.000 Einwohner) eines der länderübergreifenden Doppelzentren Deutschlands. Ulm ist die größte Stadt im Regierungsbezirk Tübingen und der Region Donau-Iller, zu der auch Gebiete des bayerischen Regierungsbezirks Schwaben gerechnet werden.
Die Stadt ist bekannt für ihr gotisches Münster, dessen Kirchturm mit 161,53 Metern der höchste der Welt ist. Weiterhin bemerkenswert ist die lange bürgerliche Tradition Ulms mit der ältesten Verfassung einer deutschen Stadt und einem Stadttheater, dessen Anfänge bis ins Jahr 1641 zurückreichen. In der Vergangenheit war Ulm Ausgangspunkt der Wanderung der Donauschwaben, die donauabwärts mit so genannten Ulmer Schachteln in ihre neuen Heimatländer im Südosten Europas fuhren.
Ulm, erstmals urkundlich genannt am 22. Juli 854, war Königspfalz und Freie Reichsstadt, ab 1802 bayerisch, ist seit 1810 württembergisch und seitdem getrennt von seinem Gebiet rechts der Donau, das bei Bayern blieb und auf dem sich die Stadt Neu-Ulm entwickelte. Als berühmtester Sohn der Stadt gilt Albert Einstein, der 1879 hier geboren wurde.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Geografische Lage

Die Stadt Ulm liegt auf einer mittleren Höhe von 479 m ü. NN (Messpunkt: Rathaus). Das Stadtgebiet ist geographisch reich gegliedert und reicht von 459 m ü. NN (Donauufer) bis 646 m ü. NN (Klingensteiner Wald). Das historische Stadtzentrum liegt ca. einen Kilometer unterhalb (östlich) der Einmündung der Iller an der Mündung der Blau in die Donau am südlichen Rand der Ulmer Alb (Teil der mittleren Flächenalb) und der Hochfläche des, durch das ehemalige Tal der Urdonau (Blau-, Ach- und Schmiechtal) hiervon nach Süden abgetrennten, sog. "Hochsträß". Die durch kleinere oder größere Täler voneinander abgetrennten Erhebungen von Hochsträß und Alb (von West über Nord nach Ost: Galgenberg, Kuhberg, Roter Berg (Hochsträß), Eselsberg, Kienlesberg, Michelsberg, Safranberg (Ulmer Alb)) umgeben im Westen, Norden und Osten das Stadtzentrum. Im Süden wird dieses durch den Lauf der Donau begrenzt. Das Stadtgebiet Ulms erstreckt sich größtenteils nördlich der Donau, die hier für einige Kilometer die Landesgrenze zwischen den Bundesländern Baden-Württemberg und Bayern, mit der auf dem südlichen Donauufer gelegenen, bayerischen Schwesterstadt Neu-Ulm bildet. Im Westen, Norden und Osten greift das Stadtgebiet mit den Teilorten Harthausen, Grimmelfingen, Einsingen, Ermingen, Allewind und Eggingen auf die Hochflächen des Hochsträß, mit Lehr, Mähringen und Jungingen auf die Hochflächen der Ulmer Alb aus. Westlich des Stadtzentrums liegt der Teilort Söflingen südlich der Blau am Rande des Hochsträß. Der Teilort Böfingen schließt nordöstlich an das Stadtzentrum an und liegt an den Hängen der Alb nördlich der Donau. Lediglich oberhalb der Mündung der Iller in die Donau greift das Stadtgebiet Ulms mit den Stadtteilen Wiblingen, Gögglingen, Donaustetten und Unterweiler auf die südwestlich von Donau und Iller gelegenen Flussauen aus.

Historische Geografie

Zahlreiche, teils international bedeutsame prähistorische Funde aus nahezu allen Epochen der europäischen Ur- und Frühgeschichte in nächster Nähe Ulms weisen darauf hin, dass die Gegend Ulms bereits in vorrömischer Zeit am Schnittpunkt mehrerer überregional bedeutsamer Verkehrs- und Handelswege lag (Donau und Iller, sowie der zwischen Ulm und Geislingen besonders leicht zu bewältigende Übergang über die Schwäbische Alb mittels der von Süden und Norden weit in die Albhochfläche einschneidenden Täler von Blau, Kleiner Lauter, Lone, Brenz, Kocher und Fils).

Die nahe Ulm zwischen den römischen Kastellen Unterkirchberg und Burlafingen bzw. Nersingen verlaufende Römerstraße, und das am hiervon nach Norden abzweigenden Römerweg ins Filstal in Lonsee-Urspring gelegene Kastell "Ad Lunam", sowie der überaus dichte Nachweis römischer Fundplätze und Gutshöfe auf der Ulmer Alb unterstreichen die strategisch wie verkehrsgeographisch wichtige Lage des Ulmer Gebietes bereits in der Antike.

Die aus dem 6. und 7. Jhdt. n. Chr. stammenden, teils reich mit Importgütern aus dem Ostsee- und Mittelmeerraum ausgestatteten Bestattungen des großen allamannenzeitlichen Gräberfeldes am Kienlesberg (unmittelbar nordwestlich des Stadtzentrums), sowie die frühmittelalterliche karolingische Königspfalz auf dem Weinhof bzw. im Bereich des Hl. Geist Spittals (gegründet 854 n.Chr.) unterstreichen die herausragende Lage Ulms als strategisch bedeutsamer Verkehrsknotenpunkt auch während des Frühen Mittelalters.

Dank seiner Lage am Knotenpunkt mehrerer internationaler Handels- und Pilgerrouten zu Lande und zu Wasser stieg Ulm während des Hoch- und Spätmittelalters als freie Reichsstadt zu einem der führenden Handels- und Kunstzentren Süddeutschlands auf. (z.B. die Handelsrouten: Krakau-Prag-Nürnberg-Ulm-Konstanz-Venedig/Mailand-Rom; Skandinavien/Norddeutschland-Frankfurt-Heilbronn-Esslingen-Ulm-Konstanz-Frankreich/Italien; Paris-Dijon-Strassbourg-Freiburg-Ulm-Regensburg-Wien-Budapest-Konstantinopel/Istambul), sowie der international bedeutsame Pilgerweg nach Santjago de Compostella zum Grab des hl. Jakobus (Jakobsweg), welcher von Krakau über Prag nach Nürnberg, Ulm, Konstanz, Basel, Dijon und Vézlay nach Santiago de Compostella (Spanien) führte).

Auch heute spielen diese weitgespannten geistigen wie kommerziellen Verbindungen im Bewußtsein vieler Ulmer als Basis gegenwärtigen und zukunftsorientierten Denkens und Handelns eine zentrale Rolle. So wurde vor einigen Jahren der historische Jakobsweg als Zeichen der europäischen Einigung auch in der seit 1531 mehrheitlich protestantischen Stadt Ulm durch internationale Wegzeichen neu kenntlich gemacht und wird seither von Pilgern rege begangen. Das seit 1994 alle 2 Jahre stattfindende internationale Donaufest mit Vertretern aller Donauanreinerstaaten, der "lebende Kreuzweg" der großen italienischen Gemeinde, oder ein alljährlich stattfindendes "französisches Weinfest" unterstreichen die engen und über Jahrhunderte hinweg gewachsenen und im Alltag gelebten gegenseitigen Verbindungen.

Nachbargemeinden

Auf der rechten Seite von Donau und Iller grenzt die bayerische Kreisstadt Neu-Ulm an. Auf der linken Seite ist Ulm fast gänzlich vom Alb-Donau-Kreis umgeben. Die baden-württembergischen Nachbargemeinden sind hier (von Süden über Westen nach Norden): Illerkirchberg, Illerrieden, Staig, Hüttisheim, Erbach (Donau), Blaubeuren, Blaustein, Dornstadt, Beimerstetten und Langenau, sowie im Osten die bayerische Gemeinde Elchingen mit dem Ortsteil Thalfingen.

Stadtgliederung

Bild:DE BW Ulm-Innenstadt1.jpg
Blick von der mittleren Plattform des Ulmer Münsters Richtung Westen. Links der historische Neue Bau, praktisch alle anderen hier erkennbaren Bauten sind nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges entstanden

Das Stadtgebiet von Ulm ist in 18 Stadtteile eingeteilt. In den Stadtteilen, die im Zuge der jüngsten Gemeindereform der 1970er Jahre eingegliedert wurden (Eggingen, Einsingen, Ermingen, Gögglingen, Donaustetten, Jungingen, Lehr, Mähringen und Unterweiler), wurden Ortschaftsräte eingerichtet. Diese Gremien sind zu wichtigen, den Stadtteil betreffenden Angelegenheiten, zu hören. Endgültige Beschlüsse über eine Maßnahme fasst dann allerdings der Stadtrat der Gesamtstadt Ulm.
Die 18 Stadtteile von Ulm sind Mitte, Böfingen, Donaustetten, Donautal, Eggingen, Einsingen, Ermingen (mit Allewind), Eselsberg, Gögglingen, Grimmelfingen, Jungingen, Lehr, Mähringen, Oststadt, Söflingen (mit Harthausen), Unterweiler, Weststadt und Wiblingen.

Klima

Im Volksmund wird Ulm als „Hauptstadt des Nebelreiches“ bezeichnet. Diese Aussage ist gar nicht so falsch, denn in den Übergängen vom Herbst zum Winter bzw. vom Winter zum Frühling liegt die Stadt meistens in den Morgenstunden bis ca. 12 Uhr mittags im dichten Nebel.

Dagegen liegen die Werte des Mittels von Jahresdurchschnittstemperatur und Niederschlagsmenge im deutschen Durchschnitt. Mit 745 Millimeter (mm) Niederschlagsdurchschnitt und einer Durchschnittstemperatur von 8 Grad Celsius (°C) im Jahr (von 1971 bis 2000) fällt die Stadt nicht aus dem Rahmen der gemäßigten Klimazone.

Hochwasser werden in Ulm in der Regel erst dann zu einem ernsten Problem, wenn beide Flüsse, Donau und Iller, gleichzeitig viel Schmelz- oder Regenwasser mit sich führen. Gerade schlagartiges Schmelzwetter kann innerhalb von einem halben Tag zu starken Überschwemmungen führen.

Geologie

Auf der Gemarkung von Ulm-Ermingen befindet sich die untermiozäne "Erminger Turritellenplatte", die sich durch ihren Fossilreichtum auszeichnet. Die Ablagerung wurde vor rund 18,5 Millionen Jahren (Unteres Ottnangium) unter flachmarinen küstennahen Bedingungen gebildet.

Geschichte

Archäologische Geschichte

Bild:Ulm1493.png
Ansicht von Ulm um 1490

Die älteste Besiedlung des Ulmer Raumes datiert aus der frühen Jungsteinzeit, um 5000 v. Chr. Nachgewiesen sind Siedlungen dieser Zeit, beispielsweise bei Eggingen (Grabungen des Landesdenkmalamtes Baden-Württemberg) und Lehr (Lesefunde verschiedener Sammler).

Zahlreiche Ausgrabungen im Rahmen der seit den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts betriebenen Stadtarchäologie (zunächst durch die Stadtgeschichtliche Forschungsstelle, zuletzt vom Landesdenkmalamt Baden-Württemberg) belegen: Das Gebiet des späteren Ulm war in Form der durch Schenkungsurkunden des Klosters Reichenau belegten Orte "Westerlingen" und "Pfäfflingen" besiedelt, bevor es als "Ulm" erstmals namentlich erwähnt wurde (854 n.Chr.). Die ältesten Funde datieren aus dem Endneolithikum (Bestattung der Glockenbecherkultur auf dem Münsterplatz). Es wurden allamanische Gräber der Merowingerzeit am Bahnhof entdeckt und Beweise für Siedlungen auf dem Weinhof und im Bereich des Grünen Hofes (eventuell: Westerlingen und Pfäfflingen) gefunden.

Als Ergebnis neuester Forschungen des Landesdenkmalamtes in der Neuen Straße (Denkmalpflege in Baden-Württemberg 2006, Heft 1) wurde jüngst eine vollständige Umschreibung der Ulmer Stadtgeschichte bis ins 14. Jahrhundert skizziert. Wesentlichste Thesen sind hierbei: Die Pfalz befand sich etwa auf Höhe der heutigen Spitalhofschule/Adlerbastei. Der bisher angenommene Standort am Weinhof soll eine ottonische Gründung gewesen sein. Demnach geht die Kernstadt auf eine ottonische Stadtgründung zurück.

Beim bisherigen Grabungs- und Diskussionsstand sind die vorgebrachten Argumente jedoch nicht vollständig überzeugend, da das neue, in einigen Punkten sehr bedenkenswerte Modell den archäologischen Befunden im übrigen Stadtgebiet weniger gerecht wird, als die bisherigen Vorstellungen, die den hier folgenden Kapiteln zugrunde liegen.

Städtische Geschichte

Vor 1200

Im frühen Mittelalter, wohl um 850, wurde Ulm zur Königspfalz. Die erste urkundliche Erwähnung datiert vom 22. Juli 854. König Ludwig der Deutsche besiegelte eine Urkunde in „Hulma“. Die Bedeutung des Namens ist umstritten, wahrscheinlich lässt er sich mit „sumpfiger Stelle“ (von hulmig – sumpfig) übersetzen. Ulm war in den nächsten 50 Jahren ein wichtiger Pfalzort, was sich in den zahlreichen Königsbesuchen widerspiegelt. Zur Pfalz – von der nur die Reste der Pfalzkapelle (im Schwörhaus) und verschiedene Befestigungsgräben bekannt sind – gehörte eine Wirtschaftssiedlung, in der zahlreiche eingetiefte Handwerkerhütten nachgewiesen worden sind. Im Schutz der Pfalz entstand ein Markt, der dann offenbar Ausgangspunkt für die Stadtbildung wurde: Hier entstanden frühe Steinbauten und hier wurde schließlich das Rathaus der Stadt errichtet. Seine Bedeutung als Ort von Königsaufenthalten verlor Ulm während der Zeit der sächsischen Könige im 10. und 11. Jahrhundert. Erst unter den Saliern – beginnend mit dem Hoftag Konrad II. im Jahr 1027 – sind wieder vermehrt königliche Aufenthalte nachweisbar. 1079 wurde Friedrich von Staufen mit dem Herzogtum Schwaben belehnt; nach Festigung ihrer Macht in diesem Raum konnten die Staufer Ulm zu einem ihrer Hauptstützpunkte ausbauen. Das Aussterben der Salier führte zu Kämpfen um die Reichsgüter aus diesem Erbe, in dessen Folge Ulms Umland 1131 niedergebrannt wurde, 1134 traf es dann auch die komplette Stadt.[2]

Unter den Staufern wurde die Siedlung 1140 wieder aufgebaut und im Gefolge weiter ausgebaut, rund 100 Jahre später scheint Ulm komplett befestigt gewesen zu sein, da es einer Belagerung des Gegenkönigs Heinrich Raspe standhalten konnte. Zur Verfassungsentwicklung in der Frühphase Ulms ist wenig überliefert. „Eine Urkunde über die Erhebung Ulms zur Stadt ist nicht überliefert“. Die Stadtwerdung scheint seit dem 11. Jahrhundert etappenweise stattgefunden zu haben, ohne jedoch schriftliche Überlieferungen zu hinterlassen. Die Verleihung Esslinger Stadtrechts durch Rudolf von Habsburg 1274 war wohl mehr „eine Verlegenheitslösung, um eine […] Lücke auszufüllen“.[3]

1200 bis 1500

Bild:Seccomalerei am ulmer Rathaus.jpg
Seccomalerei an der Südseite des Rathauses, auf der die Handelsbeziehungen Ulms zu sehen sind.
Bild:Ulm-muenz.jpg
Ulmer Münz und Schiefes Haus (rechts)

Mit dem Ende der staufischen Herrschaft gelang es Ulm eine Königsstadt zu bleiben, was möglicherweise daran lag, dass die die Reichsvogtei innehabenenden Grafen von Dillingen fast zeitgleich ausstarben und Graf Ulrich von Württemberg als neuer Vogteiinhaber keine Ambitionen bezüglich Ulm hatte. Ende des 13. Jahrhunderts ist ein städtischer Ammann fassbar, der jährlich von den Bürgern gewählt wurde.

In das 14. Jahrhundert fällt dann die Vervierfachung des Stadtgebiets auf 66,5 Hektar, was bis ins 19. Jahrhundert die Größe der Stadt bleiben sollte. Einher ging mit der Erweiterung auch die Neubefestigung der Stadt, die möglicherweise in Zusammenhang mit einem im Ergebnis misslungenen Überfall von Ludwig dem Bayern 1316 steht.[4] Innerstädtisch war die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts von Unruhen geprägt, die im Zusammenhang mit den Zünften standen. 1345 kam es zu einer Zwischenlösung in Form des Kleinen Schwörbriefs, der erst einmal zu einer Befriedung der Situation führte.

Unter Ulmer Führung wurde 1376 der Schwäbische Städtebund als Bündnis von 14 schwäbischen Reichsstädten gegründet. Am 30. Juni 1377 begann der Bau des Ulmer Münsters, da die alte Kirche vor den Stadtmauern lag und die Einwohner während einer Belagerung nicht zur Kirche gehen konnten. Nach der Niederlage im Ersten Städtekrieg 1388 fiel der Schwäbische Städtebund auseinander. Ulm verlor dadurch an Einfluss auf die anderen schwäbischen Städte.

Der Große Schwörbrief, die Ulmer Verfassung, trat 1397 in Kraft, nachdem der Kompromiss des Kleinen Schwörbriefs „immer unbefriedigender wurde“[5]. Er regelte die Machtverteilung und die Aufgaben des Bürgermeisters. Die Zünfte hatten nun 30, die Patrizier nur noch 10 Ratssitze. Gleichzeitig wurde den Patriziern das aktive Wahlrecht verweigert. Der Bürgermeister musste den Einwohnern Rechenschaft ablegen. Der Schwörmontag (vorletzter Montag im Juli) ist seither ein Ulmer Feiertag.

1480 wurde mitten „im reißenden Fluss“ eine neue Stadtmauer errichtet. Sie reichte vom 1348 erbauten Herdbruckertor bis zum, an der heutigen Wilhelmshöhe gelegenen, Fischertor. Diese heute noch existierende Stadtmauer entlang der Donau löste die alte, nur noch in Teilen übrig gebliebene, Mauer ab, welche vom Fischerturm über den Schweinemarkt und die beiden Blauarme (Reste in der heutigen Häuslesbrücke erhalten) in einem fast rechten Winkel auf die Buckelquadermauer der staufischen Pfalz stieß und dieser dann in östlicher Richtung folgte (die mittelalterliche Mauer wurde dann 1527 nach Albrecht Dürers Befestigungslehre (im selben Jahr in Nürnberg erschienen unter dem Titel „Etliche underricht/zu befestigung der Stett/Schlosz/und flecken“) vom Nürnberger Baumeister Hans Beham d. Ä. umgebaut.

Dürers Ideen, die von Beham umgesetzt wurden: Die an die Stelle der Mauer tretende Mauer-Wall-Grabenwehr sollte dem Beschuss der damals modernen Feuerwaffen besser standhalten und dem Verteidiger zusätzlich ermöglichen, eigene Artillerie besser zu positionieren. Für die Artillerie wurden von der Stadtseite her auch Auffahrrampen gebaut. Nach außen wurde eine Brustwehr mit großen Schießscharten errichtet. Dürers Befestigungs-Ideen wurden weiterhin umgesetzt, indem die durch ihre Höhe bei Artilleriebeschuss besonders gefährdeten Türme der Stadttore radikal abgetragen und mit niedrigen Achteckgeschossen versehen wurden. Zudem sah Dürers System vor, dem Wall runde Basteien vorzulagern, von wo aus der Graben flankierend beschossen werden konnte. Auch die Stadtbefestigung beim Glöcklertor, Neuen Tor und beim Frauentor wurde dann demgemäß modernisiert. Die Anfang des 17. Jahrhunderts dann von Gideon Bacher im italienischen Stil realisierte Bastionärbefestigung, welche die Verteidigungslinien weit in das Vorfeld hinaus verlagerte, veränderte das Stadtbild noch entscheidender als Behams Umbauten. Und gleich anschließend (ab 1617 bis 1622) setzten der holländische Ingenieur Johan van Valckenburgh und diverse Nachfolger mit ihren Um- und Neubauten nach niederländischem System, das damals als Nonplusultra der Festungsbaukunst galt, nochmals neue Maßstäbe. Überbleibsel ihrer Tätigkeit ist im Wesentlichen der Bereich Wilhelmshöhe/Promenade. Diese neuen Arbeiten kosteten rund zwei Millionen Gulden, welche durch Steuern aufgebracht werden mussten.

1500 bis 1800

Bild:Ulm 1597.jpg
Vogelschaubild von Ulm, um 1597
Bild:De Merian Sueviae 262.jpg
Ulm von oben um 1650, Kupferstich von Merian
Bild:De Merian Sueviae 267.jpg
Ulm in drei Blickrichtungen um 1650, Kupferstich von Merian

Ihren Höhepunkt erreichte die Stadt um 1500: Ulm besaß das nach Nürnberg zweitgrößte reichsstädtische Territorium auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik Deutschland. Drei Städte (Geislingen, Albeck und Leipheim) sowie 55 Dörfer gehörten zum Gebiet. Die Stadt war wichtiger Umschlagplatz für Eisen, Holz und Wein. Aus dieser Zeit stammt auch der Reim, der die Stellung der Stadt in der damaligen Welt untermauerte:

Venediger Macht,
Augsburger Pracht,
Nürnberger Witz,
Straßburger Geschütz,
und Ulmer Geld
regier’n die Welt.

Mit dem Ulmer Geld im Vers ist jedoch weniger das Münzgeld, sondern wohl eher das gemeint, was den Reichtum Ulms ausmachte – das Barchent, ein Mischgewebe aus Baumwolle und Leinen, welches von solcher Qualität war, dass es, da in ganz Europa begehrt, so gut wie Geld war.

Die Entdeckung Amerikas (1492) sowie des Seeweges nach Indien (1497) ließen jedoch bald neue Handelszentren entstehen, welche den wirtschaftlichen Niedergang der Stadt einleiteten. Die Stadt gehörte 1529 zu den Vertretern der protestantischen Minderheit (Protestation) am Reichstag zu Speyer. Ihre Bürgerschaft forderte die ungehinderte Ausbreitung des evangelischen Glaubens. 1531 trat die Stadt dem protestantischen Glauben bei. Bis 1546, zur Zeit des Schmalkaldischen Krieges, verlor Ulm 35 seiner Dörfer durch Plünderung oder Brandschatzung und musste sich zuletzt doch dem katholischen Kaiser Karl V. (HRR) unterwerfen.

Im Laufe der nächsten Jahrhunderte wurde der Reichtum der Stadt durch weitere Kriege, besonders während des Dreißigjährigen Kriegs, durch Seuchen, Reparationszahlungen und Erpressungen verschiedener Besatzer derart verringert, dass die Stadt um 1770 bankrott war und weiteren Grund veräußern musste. 1786 umfasste das Ulmische Gebiet noch folgende Verwaltungen: Obervogteiamt Geislingen, Oberämter Langenau, Albeck und Leipheim sowie die Ämter Süßen, Stötten, Böhringen, Nellingen, Weidenstetten, Lonsee, Stubbersheim, Bermaringen und Pfuhl.

1800 bis 1945

Bild:Ulm.jpg
Ulm (etwa 1890 bis etwa 1900)

Die Neuordnung Europas durch Napoleon wirkte sich auch in Ulm aus. Durch den Reichsdeputationshauptschluss 1802 verlor die Stadt ihre Unabhängigkeit und wurde dem Kurfürstentum Bayern eingegeliedert. 1805 fand in Ulm und seiner Umgebung eine entscheidende Schlacht statt. Nachdem Marschall Ney die Österreicher in der Schlacht von Elchingen (14. Oktober) geschlagen hatte, zogen sich die Österreicher nach Ulm zurück, wo sie belagert wurden und kurz darauf kapitulierten. Nun war für Napoleon der Weg frei für die Entscheidungsschlacht gegen die Russen und Österreicher bei Austerlitz. 1810 gelangte Ulm durch einen bayerisch-württembergischen Gebietsaustausch an das Königreich Württemberg. Der größte Teil des vormals Ulmer Territoriums jenseits der Donau blieb bayerisch und bildete den Grundstock der künftigen Stadt Neu-Ulm. Ulm war damit Grenzstadt geworden.

Was der Verlust seines Hinterlandes für Ulm ausmachte, lässt sich dadurch verdeutlichen, dass rechts der Donau wichtige Ulmer Versorgungs- und Entsorgungseinrichtungen lagen. Von der zentralen Herdbrücke aus flussaufwärts zur Illermündung hin landeten die Illerflöße an, die meist Ulm als Endpunkt ansteuerten, aber bisweilen auch bis Wien fuhren. Es waren überwiegend reine Baumflöße aber auch so genannte Bäderische, die aus bereits vorgearbeiteten Brettern bestanden. Die Flößer brachten nicht nur Bauholz für die Stadt sondern auch Brennholz und Köstlichkeiten wie Käse (aus der Schweiz und dem Allgäu), Weinbergschnecken oder Kirschwasser. Es gab einen Zimmerplatz für das Bauholz, einen Holzhandelsplatz und einen weiteren Holzmagazinplatz für das Lagern und den Verkauf des Brennholzes.

Des Weiteren war ein Schiffbauplatz benachbart, auf dem die Ulmer Schachteln für die hier einsetzende Donauschifffahrt gebaut wurden. Daneben lag der Einladeplatz. Etwas weiter flussabwärts unterhielt die Gärtnerzunft einen Düngerplatz, der vor allem wichtig für die stattliche Anzahl der ebenfalls südlich gelegenen Baum-, Obst- und Lustgärten war. Zum Steinhäule zu lagen die Einrichtungen des Scharfrichters, welcher zugleich Wasenmeister (Abdecker, Schinder, Kleemeister) war.

Und auch das Schützenhaus lag rechts der Donau, wo die Schützengesellschaft mehrmals in der Woche zu schießen pflegte. Zu der Zeit bildete das rechte Donauufer auch das Naherholungsgebiet der Ulmer, wo man spazieren ging, promenierte und in den Schänken einkehrte. Als die Donau dann durch Napoleon Grenzfluss zwischen den neuen Königreichen Württemberg und Bayern wurde, gab es plötzlich einen Passzwang fürs Spazieren gehen und auch für die Ulmer, welche jenseits der Donau ihren Arbeitsplatz hatten.

Bild:Ulm-in-Germany-year-1916.jpg
Ansichtskarte Ulm 1916

Zeitgleich mit dem Anschluss an Württemberg wurde Ulm Sitz eines Oberamtes. Ein Jahr später erhielt die Stadt die Bezeichnung „Unsere gute Stadt“ und damit das Recht auf einen eigenen Landtagsabgeordneten. 1811 sollte „der Schneider von Ulm“ anlässlich des Antrittsbesuchs des württembergischen Königs das von ihm entworfene Fluggerät vorführen. Als Startplatz war das hohe Ufer der Adlerbastei nahe der Herdbrücke ausgesucht worden. Berblinger scheute die Demonstration, weil er die Thermik als ungünstig einschätzte. Am Tag darauf, der König war nicht mehr anwesend, dafür aber sein Sohn, stand der Ulmer Flugpionier wieder am Start. Einem Ondit zufolge soll der Zögernde dann gestoßen worden sein und landete, statt am bayerischen Ufer, in der Donau. Neuzeitliche Flugwettbewerbe zeigten denn auch, dass die Stelle in jedem Falle für ein Hinübergleiten sehr problematische Bedingungen bietet. Man stellte auch durch Nachbau und Ausprobieren fest, dass Berblingers Fluggerät tatsächlich tauglich war. Sein gescheiterter Versuch machte ihn aber damals für die Ulmer zur lächerlichen Figur. Er selbst gab seine Experimente auf, zog sich zurück und starb verkannt und verarmt.

1819 wurde Ulm Sitz des württembergischen Donaukreises (etwa einem Regierungsbezirk vergleichbar). Mit der Eröffnung der „Schwäbischen Eisenbahn“ von Stuttgart über Ulm nach Friedrichshafen am 1. Juni 1850 und dem Neu- und Wiederbeginn von zwei Großbaustellen, erwachte das Provinznest mit 12.000 Einwohnern wieder zu neuem Leben: Durch die Errichtung der Bundesfestung mit 41 Festungswerken um Ulm und Neu-Ulm herum, sowie die Vollendung des Münsters, welches dann von 1885 an den bis heute höchsten Kirchturm der Welt erhielt (die Einweihung des neuen Westturms war am 31. Mai 1890) und bis 1889, als es vom Eiffelturm abgelöst wurde, das höchste Gebäude der Welt war, zog wieder der Wohlstand ein.

1913 zählte die Stadt bereits 60.000 Einwohner, davon rund 10.000 Soldaten, da das Militär in Ulm eine lange Tradition hat. Ulm war praktisch von Anfang an Objekt verschiedener Begierden, die mit kriegerischen Mitteln verfolgt wurden, war Jahrhunderte hindurch auch Garnisonsstadt, wurde aber jetzt im Zuge der Industrialisierung ein Standort bedeutender Unternehmen: Magirus, Wieland und Kässbohrer trugen den Namen der Stadt in die Welt. Während der Weltwirtschaftskrise gab es um 1931 eine eigene Regionalwährung, das Markengeld Wära.

Zwischen den Weltkriegen blieb es ruhig um Ulm. Doch der Nationalsozialismus machte auch vor Ulm nicht halt. 1933 bis 1935 wurde am Oberen Kuhberg, in einem der Festungswerke der Bundesfestung, ein KZ, vorwiegend für politische Gefangene wie Kurt Schumacher, eingerichtet. Allerdings wählte Ulm überproportional die NSDAP. Doch auch erster Widerstand regte sich bald: Am 22. April 1934 gaben Vertreter der evangelischen Kirche aus ganz Deutschland im Münster die Ulmer Erklärung ab, in der sie sich offen gegen Hitler wandten. In der „Kristallnacht“ (9./10. November 1938) brannte auch die Ulmer Synagoge. Sie wurde aber nicht ein Opfer durch den Brand selbst, der kaum einen Schaden verursachte sondern vielmehr durch den willkürlichen Abriss danach.

Einen Teil seiner alten Freiheit konnte sich Ulm im selben Jahr „zurückerobern“, als die Stadt kreisfrei wurde und zudem Sitz des aus dem alten Oberamt hervorgegangenen Landkreises Ulm. 1942 trat eine weitere Widerstandsgruppe in Aktion: Eine Gruppe Abiturienten um Hans und Susanne Hirzel sowie Franz J. Müller bildete den Ulmer Ableger der bekannten Münchner Widerstandsgruppe Weiße Rose, in welcher die beiden Ulmer Hans und Sophie Scholl aktiv waren. 1943 wurden die beiden Gruppen gefasst und teils zum Tode, teils zu Gefängnisstrafen verurteilt. Ende 1944 begannen die schweren Bombardierungen von Ulm. Nach dem Großangriff am 17. Dezember 1944 waren 81 % der Altstadt zerstört, das Münster jedoch blieb – dank raschen Eingreifens des Luftschutzes – verschont.

1945 bis Heute

Bild:Ulm-herdbruecke-aufwaerts.jpg
Ulmer Donauufer flussaufwärts von der Herdbrücke aus gesehen
Bild:Ulm-herdbruecke.jpg
Ulmer Herdbrücke mit dem beherrschenden Reichenauer Hof (rechts)
Bild:Ulm-herdbruecke-abwaerts.jpg
Ulmer Donauufer flussabwärts von der Herdbrücke aus gesehen

Die zu großen Teilen zerstörte Innenstadt Ulms wurde in den Jahrzehnten nach Kriegsende wieder aufgebaut. Die Frage, ob der Wiederaufbau historisch oder modern erfolgen sollte, führte zu heftigen Auseinandersetzungen. Der größte Teil der Stadt wurde im Stil der Fünfziger- und Sechzigerjahre wiederaufgebaut; um große Verkehrsprojekte wie die „Neue Straße“ als Ost-West-Magistrale zu verwirklichen, wurde sogar noch erhaltene historische Bausubstanz geopfert. Es kam allerdings auch zu Rekonstruktionen einzelner, für die Stadtgeschichte bedeutender Gebäude, und zahlreiche moderne Bauten orientierten sich mehr oder weniger an historischen Formen, z. B. an den für Ulm typischen Spitzgiebeln. (Siehe auch unter 4.4.1 – Bauten – Historische Entwicklung des Stadtbildes)

Der Wiederaufbau war aber nicht begrenzt auf die alte Ulmer Innenstadt. So war das neu ausgewiesene Industriegebiet im Donautal (1951) von großer Bedeutung für die weitere wirtschaftliche Entwicklung der Stadt. Im neuen Stadtteil Eselsberg konnten zahlreiche Vertriebene aufgenommen werden, was die Einwohnerzahl schnell wieder auf den Stand von vor dem Krieg und darüber hinaus anschwellen ließ.

1953 begann die Geschichte der für die Fünfziger- und Sechzigerjahre stilbildenden, inzwischen aber wieder geschlossenen Hochschule für Gestaltung. Eine Ingenieurschule eröffnete 1960 ihren Lehrbetrieb und ging 1972 in der Fachhochschule für Wirtschaft und Technik auf. Ein wichtiger Impuls für die Stadt war die Gründung der Universität Ulm (1967), der 1982 das aus bisher städtischen Kliniken gebildete Universitätsklinikum angeschlossen wurde.

Bild:Ulm vom sprollheim aus.jpg
Blick auf Ulm vom Safranberg aus

Am 1. Januar 1973 trat die Kreisreform in Baden-Württemberg in Kraft. Ulm wurde Sitz des neu gebildeten Alb-Donau-Kreises, blieb selbst aber kreisfrei. 1980 überschritt Ulm erstmals die 100.000-Einwohner-Marke und wurde somit Großstadt. Im gleichen Jahr war Ulm Gastgeber der ersten Landesgartenschau in Baden-Württemberg, an der sich auch die bayerische Nachbarstadt Neu-Ulm beteiligte.

Die Überwindung der Wirtschaftskrise Anfang der 1980er Jahre machte aus der bisherigen Industriestadt auch ein Dienstleistungs- und Wissenschaftszentrum, welches 1987, bei einer Einwohnerzahl von 104.000, stolze 84.000 Arbeitsplätze aufweisen konnte.

2004 feierte die Stadt gleich mehrere bedeutende Ereignisse: Zum einen den 1150. Jahrestag der ersten urkundlichen Erwähnung von Ulm, zum anderen den 125. Geburtstag von Albert Einstein, der am 14. März 1879 in der heutigen Bahnhofstraße geboren wurde. Die Familie zog allerdings bereits kurz nach der Geburt Alberts 1880 nach München (an Stelle seines Geburtshauses steht heute eine Skulptur zu seinen Ehren).
Ein weiteres Großereignis war der 95. Deutsche Katholikentag vom 16. bis zum 20. Juni unter dem Motto „Leben aus Gottes Kraft“, an dem ca. 30.000 Gläubige teilnahmen.

Religionen

Bild:DE BW Ulm-Muensterturm.jpg
Der Turm des Ulmer Münsters von Nordwesten
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Die katholische Georgskirche

1529 trat Ulm auf dem Reichstag in Speyer den protestantischen Reichsständen bei. 1531 wurde die Reformation zwinglischer Richtung eingeführt, doch näherte man sich bald Martin Luther an, als 1533 die Stadt eine lutherische Kirchenordnung erhielt. Somit war Ulm über Jahrhunderte eine protestantische Stadt. Um die Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert sank der Anteil der Katholiken an der Bevölkerung Ulms (rund 20.000) auf ein Prozent (200 bis 250 im Jahre 1624) ab. Diese Zahl blieb bis Mitte des 18. Jahrhunderts konstant. Predigen durften die verbliebenen katholischen Priester nicht, katholische Taufen durften nur noch in den Privathäusern stattfinden, zur katholischen Trauung (in Ulm verboten) gingen die wenigen Paare daher ins katholische Söflingen. Seit der Mitte des 17. Jahrhunderts blieben Katholiken vom Bürgerrecht ausgeschlossen. Die stärksten Gruppen unter den Katholiken waren die Patrizier und vor allem die Gesellen, Dienstboten und Taglöhner. Anfang des 19. Jahrhunderts gab es wieder eine starke katholische Gemeinde (1805 erste katholische Stadtpfarrei).

Nach dem Übergang an Württemberg (1810) wurde Ulm Sitz eines Generalats (heute Prälatur) innerhalb der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, welcher die evangelischen Gemeindeglieder – sofern sie nicht Mitglied einer Evangelischen Freikirche sind – angehören. Des weiteren besteht in Ulm an der Adlerbastei – neben der Evangelischen Prälatur – ein Dekanat, dessen Stelleninhaber dem evangelischen Kirchenbezirk Ulm mit insgesamt 55.408 Protestanten vorsteht (Stand 2005). Die evangelische Gesamtkirchengemeinde Ulm ist die Nachfolgeeinrichtung der historischen eigenständigen Ulmer Reichsstadtkirche und bildet zurzeit einen Verbund aus sechs Kirchengemeinden und sieben Kirchen: Auferstehungskirche, Christuskirche, Lukaskirche, Martin-Luther-Kirche, Münster, Paul-Gerhardt-Kirche und Pauluskirche. Die gewählten Vertreter dieser sechs Kirchengemeinden bilden den Gesamtkirchengemeinderat Ulm. Dieser repräsentiert 21.561 Gemeindeglieder (Stand 2006) und trägt die Verantwortung für das evangelische kirchliche Leben in der Stadt.

Die römisch-katholischen Christen in der Stadt gehörten anfangs zum Bistum Konstanz, später zum Bistum Augsburg und 1817 zum Generalvikariat Rottenburg, aus dem später das Bistum Rottenburg und dann das bis heute bestehende Bistum Rottenburg-Stuttgart hervorgingen.

Mit der Eingemeindung umliegender katholischer Orte veränderte sich das Gewicht zwischen evangelischen und katholischen Christen. Heute beträgt der Anteil der Katholiken an der Gesamtbevölkerung 38,1 %, zum protestantischen Glauben bekennen sich 27,5 % (Stand: 2004).

Des Weiteren gibt es eine Anzahl von Christen, welche sich zur Evangelisch-methodistischen Kirche bekennt; zwei Gotteshäuser (Zionskirche und Erlöserkirche) beherbergen diese evangelische Freikirche. Ebenfalls in Ulm beheimatet ist die Neuapostolische Kirche.

Seit dem Mittelalter gab es zudem in Ulm eine jüdische Gemeinde (1241/42 erstmals belegt) mit einer Synagoge im Judenhof. Während der Pest 1349 wurden die Juden verfolgt und ihre Gemeinde vernichtet. In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts siedelten sich erneut Juden an, doch 1499 wurden sie wiederum aus der Stadt gewiesen. Erst ab 1806 konnten Juden wieder zuziehen. Seit 1889 war Ulm Sitz eines Rabbinats. Die höchste Zahl wurde um 1880 mit 694 jüdischgläubigen Personen erreicht. 1933 lebten rund 530 Juden in Ulm. Durch Deportationen starben davon mindestens 118. Nach Kriegsende befanden sich Tausende Juden unter den „Displaced Persons“, welche sich in mehreren Flüchtlingslagern in und um Ulm aufhielten, bevor die Lager 1948 aufgelöst wurden. Fast alle Juden wanderten in den neu gegründeten Staat Israel aus. Schon seit 1990 zogen mit den Aussiedlern aus Osteuropa wieder vermehrt Juden nach Ulm, die seit 1999 auch wieder von einem Rabbiner betreut werden. 2002 wurde die jüdische Gemeinde als Filialgemeinde von Stuttgart neu gegründet und am 5. Mai des gleichen Jahres ein neues jüdisches Gemeindezentrum mit einem Gebetsraum eingeweiht, der erste seit Zerstörung der Synagoge 1938. Die jüdische Gemeinde umfasst heute ca. 450 Ulmer Bürger. In Ulm besteht außer dem stillgelegten alten jüdischen Friedhof heute noch eine jüdische Abteilung auf dem Stadtfriedhof. Der Neubau einer Synagoge in der Stadt wird angestrebt.

Ein nicht geringer Teil der Bevölkerung sind Anhänger des muslimischen Glaubens, welche ein missionsorientiertes Informationszentrum unterhalten.

Eingemeindungen

Ehemals selbständige Gemeinden beziehungsweise Gemarkungen, die in die Stadt Ulm eingegliedert wurden. Die Zuwachsfläche gibt die hinzukommende Fläche zur Gesamtfläche der Stadt im Jahr der Eingliederung an.

Jahr Orte Zuwachs in ha
1828 Böfingen, Örlingen und Oberthalfingen  ?
6. November 1905 Söflingen 1.448
1. April 1926 Grimmelfingen 471
1. April 1927 Wiblingen 809
1. September 1971 Jungingen 1.354
1. Januar 1972 Unterweiler 452
1. Februar 1972 Mähringen 891
1. Mai 1974 Eggingen 810
1. Juli 1974 Donaustetten 598
1. Juli 1974 Einsingen 651
1. Juli 1974 Ermingen 837
1. Juli 1974 Gögglingen 514
1. Januar 1975 Lehr 614

Einwohnerentwicklung

Hauptartikel: Einwohnerentwicklung von Ulm

Zwischen 1890 (36.000 Einwohner) und 1939 (75.000) Einwohner verdoppelte sich die Bevölkerung der Stadt. Durch die Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges verlor Ulm bis 1945 rund 30 Prozent (20.000) seiner Bewohner. 1951 hatte die Bevölkerungszahl wieder den Stand von vor dem Krieg erreicht. 1980 überschritt die Einwohnerzahl der Stadt die Grenze von 100.000, wodurch sie zur Großstadt wurde. Ende September 2005 lebten in Ulm nach Fortschreibung des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg 120.574 Menschen mit Hauptwohnsitz – historischer Höchststand. Mit Stand vom 31. Dezember 2004 haben 19.570 Einwohner (16,3 Prozent) einen ausländischen Pass (über 100 Nationen). 14,4 Prozent der Einwohner sind unter 15 Jahre alt, 17,5 Prozent sind 65 Jahre alt oder älter. Damit hat Ulm, ähnlich wie andere deutsche Städte, eine relativ niedrige Geburtenrate, die Einwohnerzahl steigt aber durch Zuwanderung noch um jährlich 0,5 Prozent.
Laut einem Bericht des Statistischen Landesamtes von Baden-Württemberg wird die Stadt bzw. der Stadtkreis Ulm im Jahr 2025 der jüngste Landkreis in Baden-Württemberg sein. So wird das Durchschnittsalter der Stadt von derzeit 41,3 Jahre auf 44,5 Jahre steigen, was aber immer noch deutlich unter dem Durchschnittsalter von anderen Stadt- und Landkreisen im Land liegt.[6]

Eine grobe Übersicht über die Bevölkerungsentwicklung der Stadt Ulm bietet folgende Tabelle:

Jahr Einwohner von Ulm (Hauptwohnsitz)
1890 36.000 Einwohner
1939 75.000 Einwohner
1945 55.000 Einwohner
1951 75.000 Einwohner
1980 100.000 Einwohner
2005 120.574 Einwohner

Politik

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Ulmer Rathaus, neue Zentralbibliothek (Glaspyramide)

An der Spitze der Stadt Ulm standen anfangs der „Ammann“ sowie der „Rat der Stadt“. Seit dem 13. Jahrhundert gab es neben dem Ammann einen Bürgermeister als Geschäftsführer des Rates, der ab 1345 den Vorsitz im Rat und die Leitung der Stadt übernahm. Die Bürgermeister wurden vom Rat gewählt und waren oft nur ein bis zwei Jahre im Amt. Im Laufe der Jahrhunderte wurden die Modalitäten im Rat und an der Spitze der Verwaltung mehrmals geändert. 1802 wurde die reichsstädtische Verfassung aufgehoben. Heute hat der Gemeinderat 40 Mitglieder. Der Oberbürgermeister wird direkt gewählt, jeweils für acht Jahre. Mit 68 scheidet er automatisch aus dem Amt.

Gemeinderat

Ergebnis der Wahl zum Gemeinderat am 13. Juni 2004:

Partei Stimmen in Prozent Anzahl der Sitze
CDU 28,2 % (−2,2) 12 Sitze (−1)
SPD 21,2 % (−4,6) 9 Sitze (−2)
Bündnis 90/Die Grünen 16,1 % (+5,6) 7 Sitze (+3)
Freie Wähler/FWG 8,4 % (+1,3) 3 Sitze (=)
UWS 7,5 % (−0,7) 3 Sitze (=)
WWG 6,5 % (+1,7) 2 Sitze (=)
UVL 6,1 % (+0,6) 2 Sitze (=)
FDP/DVP 4,8 % (+1,6) 2 Sitze (+1)
Andere 1,1 % (−3,4) 0 Sitze (−1)

Oberbürgermeister seit 1819

Wappen

Das Wappen der Stadt Ulm zeigt einen von Schwarz und Silber (Weiß) geteilten Schild. Die Stadtflagge trägt die Stadtfarben Schwarz-Weiß.

Das Stadtwappen ist seit 1351 in den Stadtsiegeln belegt, und zwar in der Form, dass es entweder vom Reichsadler, dem Zeichen der freien Reichsstadt, in den Fängen gehalten wurde, oder später als dessen Brustschild abgebildet war. Nach 1803 fiel der Reichsadler weg. Seither zeigt das Stadtwappen nur noch die Farben Schwarz und Silber, die bereits seit dem 15. Jahrhundert nachweisbar sind. Die genaue Bedeutung dieses recht einfachen Wappens ist nicht bekannt.

Städtepartnerschaften

Ulm hat keine offizielle Partnerstadt, unterhält aber über einen Partnerschaftsverein seit 1986 eine de-facto-Städtepartnerschaft mit Jinotega in Nicaragua. Im Juli 1998 haben in Ulm Repräsentanten aus 15 Donaustädten aus Anlass des „Ersten Internationalen Donaufestes“ eine gemeinsame Erklärung unterzeichnet, Motto: „Die Donau und ihre Städte – ein europäisches Netzwerk der Zukunft”. Darin haben sie sich zu einer dauerhaften und grenzüberschreitenden Zusammenarbeit verpflichtet. Daraus wurden feste Kontakte insbesondere zu folgenden Städten und Regionen in Südosteuropa (Donau-Partnerschaften):

Eine wichtige Rolle für das Anlaufen der Zusammenarbeit mit den oben genannten Städten und Regionen spielte und spielt das Donau-Büro Ulm. Es wurde ins Leben gerufen mit dem Ziel: von Ulm, der ersten Großstadt am Lauf der Donau, aus – anknüpfend an traditionelle Beziehungen (Donauschwaben) – die Zusammenarbeit mit den Städten und Regionen entlang der Donau zu verstärken, vorhandene Kontakte zu pflegen, neue Verbindungen zu knüpfen und dauerhafte Partnerschaften zu begründen – als konkreten Beitrag zur Gestaltung eines künftigen Europas der Städte und Regionen. Politik und Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft, Bildung und Kultur sind die Felder, auf denen das Donau-Büro tätig ist – zum einen in Gestalt konkreter Projekte, Veranstaltungen, Workshops, Seminare und (Ko-) Produktionen, zum anderen im Vermitteln von Kontakten, Herstellen von Verbindungen und Synergien. Nach Ulmer Vorbild gibt es inzwischen in einem halben Dutzend dieser „Partner“-Städte ebenfalls Donaubüros.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Theater

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Das Ulmer Münster und die Dächer der Innenstadt vom Xinedome-Kino aus gesehen
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Das Ulmer Münster mit dem Stadthaus (rechts)
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Das Ulmer Münster mit der Donau von Neu-Ulm her gesehen

In Ulm gibt es mehrere Theater, die unabhängig voneinander arbeiten. Das mit 840 Sitzplätzen größte, nämlich das städtische Theater Ulm hat eine bis ins 17. Jahrhundert zurück zu verfolgende Geschichte und ist somit das älteste städtische Theater Deutschlands. Das „Theater Ulm“ am Herbert von Karajan-Platz 1 ist, erstaunlich für die Größe der Stadt, ein Dreispartenhaus (Oper/Operette, Schauspiel und Ballett).

Ein weiteres Theater ist das Theater in der Westentasche, akut gefährdet, weil die Stadt Ulm ihre Zuschüsse nennenswert gestrichen hat. Die „Weste“ ist ein auch vom Land Baden-Württemberg gefördertes Privattheater (Mitglied im Deutschen Bühnenverein) in deren maximal 80 Zuschauern Platz bietenden Spielstätte, einem früheren Ladenlokal in der innerstädtischen Herrenkellergasse, freie Akteure überwiegend Sprechtheater aufführen. Derzeit wird zusätzlich ein Ensemble professioneller, aus Osteuropa stammender und jetzt in der Region ansässiger Künstler gebildet.

Im zur Akademie für darstellende Kunst (s. u.) gehörenden Akademietheater am Kuhberg stellen angehende Regisseure und Darsteller ihre Bühnenkünste dar, wobei auch auf andere Spielstätten wie das Roxy ausgewichen wird.

Etwas Besonderes bietet auch das Theater Ulüm, welches das einzige professionelle türkische Theater in Süddeutschland ist. Auch dieses bietet einen regelmäßigen Spielplan und besitzt eine feste Spielstätte (Donaubastion Schillerstraße).

Museen und Freiluftgalerien

Das Festungsmuseum Fort Oberer Kuhberg wurde 1974 vom „Förderkreis Bundesfestung Ulm e. V.“ gegründet. Ziel dieses Vereines ist die Restaurierung, die Dokumentation und die Präsentation der erhaltenen Bauwerke. Noch vor der Vereinsgründung im Jahr 1974 begannen im Fort Oberer Kuhberg (Teil der Bundesfestung Ulm) die ersten Erhaltungsarbeiten. In der Zwischenzeit ist es das am besten erhaltene Fort und kann bei Führungen besichtigt werden. Die Aktivitäten des Vereins haben sich in den letzten Jahren auf andere Festungswerke ausgeweitet, welche ebenso im Rahmen von Führungen der Öffentlichkeit präsentiert werden

Das Ulmer Museum ist als Museum für Kunst, Archäologie und Heimatgeschichte konzipiert. Es zeigt Informationen und auch Ausstellungsstücke zur Stadtgeschichte von Ulm und zu bekannten Ulmer Persönlichkeiten, wie zum Beispiel Albert Einstein. Im Ulmer Museum steht mit dem Löwenmenschen die älteste Mensch-Tier-Plastik der Welt (ca. 30.000 Jahre alt). Die Kunstsammlung beinhaltet überwiegend Werke zeitgenössischer Kunst des 20. Jahrhunderts.

Im Museum der Brotkultur wird die Geschichte der Brotherstellung, aber auch die Kultur- und Sozialgeschichte des Brotes dargestellt. Dieses Museum ist in dieser Art einzigartig in Deutschland.

Die KZ-Gedenkstätte Ulm im „Fort Oberer Kuhberg“, Teil der Bundesfestung, wurde von November 1933 bis Juli 1935 vom NS-Regime als Konzentrationslager benutzt. Hier waren über 600 politische und weltanschauliche Gegner aus dem Land Württemberg-Hohenzollern eingekerkert. Unter ihnen auch Kurt Schumacher, der Wiederbegründer der SPD in Deutschland. Das ehemalige KZ ist heute Gedenkstätte. Sie wurde 1994 vom Regierungspräsidium Tübingen als „vorbildliches Heimatmuseum“ ausgezeichnet. Besichtigt werden kann das einzige KZ in Süddeutschland, das in seiner baulichen Substanz erhalten ist. Dazu gehören die unterirdischen Verliese, in denen die Häftlinge untergebracht waren, das Freigelände mit der Haftzelle von Kurt Schumacher und die Räume der KZ-Kommandantur.

Im Donauschwäbischen Zentralmuseum (dzm), welches in einem Teil der Festungsanlage Obere Donaubastion (Teil der Bundesfestung Ulm) untergebracht ist, wird seit dem Jahr 2000 die Geschichte von deutschen Auswanderern nach Südosteuropa erzählt. Das Zentralmuseum umfasst die Zeit von vor 250 Jahren bis heute. Diese Wechselausstellungen informieren hierbei über die Prägung der Kultur und Wirtschaft durch die Donauschwaben vor allem in den neuen Siedlungsgebieten. Das dzm wird nicht ausschließlich von der Stadt Ulm, sondern auch vom Land Baden-Württemberg und dem Bund finanziert und unterstützt.

Die Naturkundlichen Sammlungen der Stadt Ulm werden auch als lebendiges Museum bezeichnet, da es außer das Auge auch noch andere Sinne ansprechen soll. So lassen sich die Themen Mineralogie, Geologie, Paläontologie, Botanik, Zoologie und Ökologie auf eine ganz andere Art und Weise erforschen. Durch Informationen in Blindenschrift können auch sehbehinderte Menschen das Museum ohne Führung besuchen.

Das Setra-Museum im Ulmer Fischerviertel (Fischergasse 3) zeigt die Geschichte der Marke Setra (Omnibusse mit selbstragender Karosserie, entwickelt Mitte des letzten Jahrhunderts vom damaligen Ulmer Unternehmen Karl Kässbohrer GmbH). Außerdem gibt es eine Ausstellung von Omnibusmodellen.

Der Kunstpfad der Universität zeigt Werke von teils weltweit anerkannten Künstlerinnen und Künstlern, unter anderem von Niki de Saint-Phalle.

Kulturelle Vereine

Museumsgesellschaft Ulm e. V.

Die Museumsgesellschaft Ulm e. V., eine kulturelle Bürgerinitiative, ist traditionell in der Oberen Stube, Neue Straße 85/Ecke Kramgasse, unmittelbar dem historischen Rathaus gegenüber, beheimatet. Sie organisiert Ausstellungen, bietet Versammlungsraum für die Künstlergilde oder die Freunde des Ulmer Theaters und sie betätigt sich mäzenatisch. So vergibt sie jährlich den mit 5000 Euro dotierten Preis der Museumsgesellschaft Ulm zur Förderung der Geisteswissenschaften an der Universität Ulm an junge Wissenschaftler, Studenten, Assistenten und sonstige Mitglieder des Lehrkörpers der Universität Ulm, welche das 32. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Gefördert werden sollen, so ist zwischen Universität und Museumsgesellschaft vereinbart, herausragende Leistungen im Bereich der Forschung auf dem Gebiet der Geisteswissenschaften, vornehmlich im Grenzbereich zu den an der Universität Ulm gelehrten Fächern. Die zur Bewerbung vorgelegten Arbeiten müssen also Abhandlungen zu einschlägigen wissenschaftlichen Einzelfragen oder zu ethischen Problemen der Wissenschaften darstellen.

Die Museumsgesellschaft ist aus der ältesten Ulmer Bürgergesellschaft, der 1789 gegründeten Lesegesellschaft, hervorgegangen. Diese Lesegesellschaft hatte die „Obere Stube“ im Jahre 1815 bezogen, nachdem das Haus von 1548 bis 1803 der „ehrbaren Gesellschaft der Herren Geschlechter“ gehört hatte. Im Gegensatz zur „Unteren Stube“, wo sich die Zunft der Kaufleute traf, war die „Obere Stube“ Versammlungsort des Patriziats gewesen. Um 1900 war die Museumsgesellschaft gesellschaftlicher Mittelpunkt des gehobenen Bürgertums. Sie besaß eine (von der Lesegesellschaft schon aufgebaute) Bibliothek, zu der nur Mitglieder Zutritt hatten; angeschafft wurde, was die Mitglieder wünschten. Zuletzt umfasste die Bibliothek der Museumsgesellschaft etwa 30.000 Bände, als sie wenige Monate vor Ende des II. Weltkrieges beim großen Bombenangriff am 17. Dezember 1944 mit dem größten Teil der Ulmer Innenstadt auch vollständig vernichtet wurde. Die „Obere Stube“ ist dann an historischer Stelle wieder aufgebaut worden, wobei allerdings dieser Neubau dem Rathaus seine Traufseite zeigt. Das soll sich nun ändern. Die Museumsgesellschaft will die Obere Stube nach altem Vorbild neu erstehen lassen, in zeitgemäßer Architektur und mit modernen Baumaterialien. Dabei soll das Gebäude zum Rathaus hin nach historischem Vorbild wieder einen Doppel-Giebel zeigen. Dieser Umbau reagiert auf die unmittelbare Nachbarschaft, wo anstelle der bisherigen breiten Schneise „Neue Straße“ drei moderne Neubauten „Ulms neue Mitte“ bilden. Der Umbau der „Oberen Stube“ wird mehr als drei Millionen kosten. Bauherr ist die Museumsgesellschaft. Der Umbau hat bereits begonnen. Im Erdgeschoss wird es Läden geben, darüber Büros und Praxen. Im vierten Stock und im Dachgeschoss wird die Museumsgesellschaft ihre Versammlungs- und Tagungsräume einrichten.

Freunde des Ulmer Theaters

Der Verein Freunde des Ulmer Theaters wurde am 2. Oktober 1979 hauptsächlich von Michael C. Wieland gegründet, wobei noch einige andere wie zum Beispiel Volkmar Clauß, der damalige Intendant, mitgeholfen haben. Der Verein bezeichnet sich selber als „Bindeglied“ zwischen dem Ulmer Theater und dem Publikum und versucht somit die Kommunikation zwischen diesen beiden Seiten herzustellen und zu stärken. Die „Freunde des Ulmer Theaters“ helfen mit, außergewöhnliche Produktionen zu realisieren, besondere Anschaffungen (neues Gestühl im Zuschauerraum, neuer Bühnenvorhang) zu machen, sie sammeln Verbesserungsvorschläge und helfen, sie umzusetzen; sie organisieren Konzerte und Auktionen, und sie haben eine Theatermedaille herausgegeben, um damit die für ihre Zwecke notwendigen Gelder hereinzuholen. Und: Die „Freunde“ rufen zum Spenden auf. In 25 Jahren konnte der Verein dem Ulmer Theater mehr als 750.000 € zuschießen. Einmal monatlich lädt er zu einem Treff mit einem vom Verein ausgesuchten Gesprächsteilnehmer aus dem Theater ein.

Der Verein ist ein offener: Jeder kann einer der „Freunde des Ulmer Theaters“ werden und mit seinem Mitgliedsbeitrag und seinem Engagement den Verein und seine kunst- und kulturfördernden Ziele unterstützen.

Gesellschaft 1950

Wie viele Vereine im Jahre 1950 gegründet; (Gründungs-) Mitglieder waren und sind namhafte Persönlichkeiten der (bürgerlichen) kulturellen Szene. Die tonangebende Rolle der früheren Jahre ist allerdings verloren gegangen.

Söflinger Vorstadtverein

Der Söflinger Vorstadtverein (SVV) dient als Dachverein der Söflinger Vereine und verwaltet zentral die Interessen der Mitglieder, um sie der Stadt Ulm gegenüber besser vertreten zu können. Seit der Gründung am 14. März 1956 durch Eugen Strauss und Udo Botzenhart ist der SVV ein wichtiger Bestandteil der Vorstadt Söflingen geworden. Weitere wichtige Aufgaben des SVV: die Förderung von Kunst und Kultur, Koordination, Unterstützung und Beratung der beigetretenen Vereine sowie Landschafts- und Denkmalschutz. Seit der Reformation, als Ulm protestantisch wurde, gab es immer wieder Spannungen zwischen dem katholischen Söflingen und der Reichsstadt. Als zum Beispiel in Ulm katholische Trauungen nicht mehr erlaubt waren, gingen die Katholiken zum Heiraten nach Söflingen. Auch nach der Eingemeindung vor 100 Jahren haben die Söflinger es verstanden, eine eigene Identität zu wahren. Die Söflinger haben ein geschichtlich gewachsenes, besonderes Selbstverständnis und Selbstbewusstsein. Mit der Gründung des SVV wurde einerseits Söflingens Eigenständigkeit gestärkt, andererseits wurde ein Scharnier gebildet, das gute Dienste leistet, wenn es um den Zusammenhalt Ulms mit seinem eigenwilligen Stadtteil Söflingen geht.

Insgesamt 26 Musik-, Sport- und Gesangsvereine und viele kleinere Gesellschaften umfasst der SVV. Er organisiert Höhepunkte im gesellschaftlichen Leben Söflingens, die im Sommer unter freiem Himmel im idyllischen Söflinger Klosterhof über die Bühne gehen; außerdem hilft der SVV seinen Mitgliedsvereinen beim Planen von Aktivitäten, ist kooperierender Ansprechpartner der Stadtverwaltung und Bindeglied der angeschlossenen Vereine untereinander. Einige dem SVV beigetretene Vereine sind unter anderen der Arbeiterverein Söflingen, der ESC Ulm, der Schützenverein Söflingen, der Verein für Geflügelfreunde, der Reitverein Söflingen sowie der Harmonikaverein Söflingen.

Große Karnevalsgesellschaft Ulm/Neu-Ulm e. V.

Die „Große Karnevalsgesellschaft Ulm/Neu-Ulm e. V.“ (GKG U/NU) ist ein eingetragener Verein, der sich um den Erhalt und die Pflege des karnevalistischen Treibens in der Region Ulm bemüht. Gegründet wurde die Gesellschaft 1905 durch Zusammenschluss der Vorgängergesellschaften „Gesellschaft der Elfen“ und einem weiteren, 1885 gegründeten, Karnevalsverein. Aktuelle Präsidentin ist Gabriele Pollinger, Vize-Präsident Brauchtum ist z. Z. Thomas Mack. Teilbereiche der GKG U/NU sind die Garden in ihren verschiedenen Altersklassen, Clowns und die Maskengruppe „Donauhexen“.

Bauwerke

Historische Entwicklung des Stadtbildes

Bis zum Zweiten Weltkrieg war das Stadtbild Ulms geprägt von einer jahrhundertealten reichsstädtischen Baukultur mit zahlreichen Baudenkmälern vor allem aus Gotik, Renaissance und Historismus und einigen barocken und klassizistischen Bauten. Die mittelalterliche Altstadt Ulms zählte zu den größten und bedeutendsten in Süddeutschland. Diese Traditionslinie brach mit der weitgehenden Zerstörung Ulms durch Luftangriffe im Jahre 1944 abrupt ab: Nur etwa ein Fünftel der ursprünglichen Altstadtbebauung blieb erhalten. Die westliche Innenstadt vom Münster bis zum Hauptbahnhof wurde völlig vernichtet, während in einigen anderen Gebieten Altstadtreste überdauerten (Fischerviertel, Donaufront, einige Gassen im nördlichen und nordöstlichen Bereich des Münsters, Quartier „Auf dem Kreuz“ östlich der Frauenstraße). Einige bedeutende Gebäude, deren Inneres im Feuersturm ausgebrannt war, wurden in ihren äußeren Formen wiederaufgebaut (z. B. Rathaus, Schwörhaus, Kornhaus), viele andere sind dagegen vollkommen aus dem Stadtbild und dem Bewusstsein der Ulmer Bürger verschwunden. Weite Teile der Innenstadt wurden im Stil der Fünfzigerjahre wiedererrichtet, der heute von vielen als bieder, belanglos und gleichförmig empfunden wird. Meistens orientierte sich der Wiederaufbau am Straßennetz der Vorkriegszeit, allerdings mit zahlreichen Ausnahmen. Den größten Einschnitt in die Altstadt stellte dabei die so genannte Neue Straße dar, bei deren Durchbruch noch erhaltene historische Architektur abgerissen und der Zusammenhang zwischen Münster und Rathaus zerrissen wurde. Während in den Sechziger- und Siebzigerjahren wie in den meisten deutschen Städten durch den Wiederaufbau gemäß den Idealen der Moderne weitere irreparable Schäden am Stadtbild verursacht wurden, pflegte man später einen sensibleren, teilweise auch vorbildlichen Umgang mit der noch erhaltenen historischen Bausubstanz (z. B. behutsame Sanierung von Fischerviertel und des Quartieres „Auf dem Kreuz“ durch die stadteigene Sanierungstreuhand). In letzter Zeit ist allerdings wieder eine Tendenz zu moderner Formensprache, die auf Kontrastwirkungen und bewusste Brüche setzt, feststellbar, insbesondere bei der Bebauung des Münsterplatzes (Stadthaus von Richard Meier) und der Neuen Straße (Bauten von Stephan Braunfels in Sichtbeton in unmittelbarer Nähe des mittelalterlichen Rathauses). Aufgrund der Kriegszerstörungen und des Verlustes der baukünstlerischen Traditionen Ulms scheint die vor dem letzten Krieg bestehende Ensemblewirkung einer geschlossenen, harmonischen Altstadtbebauung von europäischem Rang für immer verloren. Dennoch verfügt Ulm auch heute noch über nicht wenige beeindruckende historische (häufig nur in äußeren Formen rekonstruierte) Bauten und einzelne historische Straßenzüge, die für das Stadtbild und das Selbstverständnis Ulms von großer Bedeutung sind.

Stadtmitte

Das gotische Münster mit dem höchsten Kirchturm der Welt (161,53 Meter) beherrscht das Stadtbild. Es ist Hauptsehenswürdigkeit und Wahrzeichen der Stadt.

Weitere Sakralbauten, welche die Silhouette prägen, sind:

  • die Dreifaltigkeitskirche. Sie wurde 1616–21 auf den Grundmauern einer früheren Klosterkirche errichtet, von der noch der gotische Chor (1321) besteht; 1944 ausgebrannt, wurde der Bau stark verändert wiederaufgebaut und ist heute ein sehr frequentiertes Haus der Begegnung (für Konzerte, Seminare, Theater, Vorträge usw.)
  • die Pauluskirche, die innerhalb von zwei Jahren (1908–1910) von Professor Theodor Fischer im Jugendstil erbaut wurde. Für den Sakralbau mit seinen markanten „Granatspitzen“-Türmen wurde erstmals Eisenbeton verwendet. Die Kirche wurde ab dem Jahr 1964 durch den Bund erworben, welcher schließlich die Restaurierung des Baus angeordnet hat. Die Pauluskirche, in der auch immer wieder Konzerte stattfinden, ist evangelische Garnisonskirche und wird alljährlich für vier Wochen „Vesperkirche“.
  • die St.-Georgs-Kirche, welche 1904 durch den Erzbischöflichen Baudirektor Max Meckel als katholische Garnisonskirche erbaut wurde und später Pfarrkirche wurde. 1978–82 wurde sie restauriert, mit ursprünglicher Innenbemalung im neugotischen Stil.

Auffällig im Stadtbild sind zudem zwei Türme aus Ulms Vergangenheit:

  • der 1360 als Teil der Stadtbefestigung erbaute Gänsturm, der 1445 auf die heutige Höhe gebracht wurde. Vor dem Tor findet sich der Löwenbrunnen aus dem 16. Jahrhundert, auch „Erbiskasten“ genannt.
  • der Metzgerturm, 1345 als Teil der Stadtbefestigung erbaut. Der „Schiefe Turm von Ulm“ mit einer Höhe von 36,1 Meter neigt sich 2,05 Meter nach Nordwesten (um 3,3 Grad geneigt; zum Vergleich: Schiefer Turm von Pisa 5,1 Grad). Nach einer Anekdote hat der Turm seinen Namen von den Ulmer Metzgern, die zum Strecken der Wurst Sägespäne nutzten. Als die Bürger das erkannten, sperrten sie die Übeltäter in diesen Turm. Als sich die wohlbeleibten Metzger beim Eintreten des zornigen Bürgermeisters aus Angst in einer Ecke zusammendrängten, neigte sich der Turm. Tatsächlich ist der Turm schief, da der Untergrund ehemaliges Sumpfgebiet ist, so wie auch beim „Schiefen Haus“.

Es sind viele Bauten erhalten (und restauriert worden), welche in Ulms Geschichte wichtige Funktionen hatten:

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Astronomische Uhr (1520) am Ostgiebel
  • Da ist an erster Stelle das Rathaus zu nennen, 1370 als Kaufhaus erbaut, seit 1419 Rathaus. Um 1420 erhielten die Fenster des Ratsaales ihren figürlichen Schmuck. Am Ostfenster Kaisergruppe von Hans Multscher (1527–33); die astronomische Uhr am Ostgiebel entstand 1520. 1539 wurde der Nordflügel mit seinen Renaissance-Arkaden angefügt. 1540 wurde das Rathaus mit Fresken von Martin Schaffner bemalt; im Treppenhaus hängt eine Nachbildung des Fluggerätes von Albrecht Ludwig Berblinger, vor dem Südgiebel Fischkastenbrunnen von Jörg Syrlin d. Ä. (1482) mit Ritterfiguren, die Michel Erhart zugeschrieben werden. 1944 brannten Teile des Rathauses nieder; die dabei zerstörten Innenräume wurden nicht rekonstruiert. Im Rathaus residiert der Oberbürgermeister mit seinen Bürgermeistern und einem Teil der Verwaltung (u. a. Standesamt); großer und kleiner Sitzungssaal für den Gemeinderat und Räume der Fraktionen; großer, gastronomisch genutzter Ratskeller erstreckt sich über den gesamten Parterre-Bereich
  • Das älteste Gebäude der Stadt ist das Steinhaus mit seinen Arkaden im Hof; es stammt aus dem 12.-13. Jahrhundert. Gleich nebenan findet sich die romanische Nikolauskapelle von etwa 1220.
  • Der Büchsenstadel, ein Fachwerkbau mit spätgotischem Backsteingiebel von 1485, beherbergt heute das Jugendhaus Mitte und das nichtkommerzielle Lokalradio „Radio freeFM“.
  • Fürstenherberge Gasthof zur Krone, ein imposanter Gebäudekomplex aus dem 16. Jahrhundert mit mittelalterlichen (14./15. Jh.) Anteilen und baulichen Ergänzungen aus dem 19. Jahrhundert. Die bedeutendste erhaltene Hofanlage Ulms wurde im 15. und 16. Jahrhundert als Pfalzersatz für Könige und Kaiser genutzt.
  • Das Kornhaus, ein Renaissancebau von 1594 mit reicher Sgraffito-Verzierung der – wie der Name sagt – als städtisches Lagerhaus für Getreide erbaut wurde, dient heute als Konzertsaal sowie Tagungs- und Ausstellungsraum (Rekonstruktion der äußeren Form nach Zerstörung 1944, moderne Gestaltung der Innenräume).
  • Das Kiechelhaus, der letzte erhaltene Patrizierbau, gehört zum Gebäudekomplex des Ulmer Museums.
  • Der 1585–1593 als Lagerhaus mit Amtszimmer und Ratsstube entstandene Neue Bau ist heute Sitz der Polizeidirektion. Die Wände des Innenhofes sind mit Sgraffitoputz verziert; im Innenhof steht der Hildegardbrunnen von Claus Bauhofer (1591).
  • Der Reichenauer Hof, auch Ehinger Hof genannt, wurde 1535 von Ulrich Ehinger erbaut; im Ostflügel findet sich ein gewölbter, mit einem Freskenzyklus ausgeschmückter Prunkraum von 1370, mehrfach von Kaiser Karl V. bewohnt.
  • Der Salzstadel, reichsstädtisches Lagerhaus von 1592, dessen Portal von Claus Bauhofer stammt, ist seit 1991 Sitz des Museums der Brotkultur.
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Ulmer Schwörhaus
  • Der Ochsenhäuser Hof wurde um 1500 als Klosterhof des Klosters Ochsenhausen erbaut, im ersten Stock findet sich eine spätgotische Säulenhalle von 1498.
  • Das Schuhhaus, das ehemalige Zunfthaus der Schuhmacher, wurde 1537 hinter dem Münster(chor) errichtet. Der frühere Tanz- und Fechtsaal im ersten Stock wird heute für Kunstausstellungen genutzt. Das Parterre (heute: „Künstlerhaus“, früher einige Zeit auch Feuerwehrhaus) ist Heimat des Verbandes bildender Künstler, der es teilweise als Atelier/Werkstatt nutzt, aber vorwiegend als Ausstellungsraum. Der Georgsbrunnen von 1580 vor dem Schuhhaus erinnert an die Georgskapelle, die bis 1536 dort stand.
  • Das Schwörhaus, 1612 erbaut, Barockgiebel von 1785, ist 1944 ausgebrannt und wurde bis 1954 mit modernen Innenräumen wiederaufgebaut. Noch heute legt der Oberbürgermeister einmal im Jahr am „Schwörmontag“, dem vorletzten Montag im Juli, vom Balkon aus den Eid auf die Stadtverfassung ab. Zur Zeit wird das Gebäude zum Haus der Geschichte umgebaut, in dem auch das Stadtarchiv beheimatet sein soll.

Wenn man die jüngste Ulmer Baugeschichte betrachtet, sind zwei Bauten herausragend: die Neue Zentralbibliothek, 2004 in Form einer gläsernen Pyramide errichtet, etwa 23 Meter hoch, unmittelbar neben dem historischen Rathaus gelegen, sowie das Stadthaus am Münsterplatz, 1993 trotz der mehrheitlichen Ablehnung des Projektes in einem Bürgerentscheid nach dem Entwurf des New Yorker Architekten Richard Meier erbaut, „begehbare Skulptur“, Platz für Ausstellungen, Konzerte, Tagungen, Vorträge etc. In Kürze wird mindestens ein Haus noch zu nennen sein, welches gerade im Bau ist: der Ausstellungsbau für die Sammlung Weishaupt, unmittelbar dem Museum und dem Rathaus benachbart, in Ulms „Neuer Mitte“. Die unter anderem mit einer Ausstellung zur Geschichte Ulms ausgestattete und auch sonst ungewöhnliche Tiefgarage unter dieser „Neuen Mitte“, am 11. März 2006 eröffnet, ermöglicht es, den Marktplatz und den Judenhof autofrei zu machen.

Gern wird auch auf zwei Kirchen verwiesen: auf die Martin-Luther-Kirche als bedeutendes Bauwerk im Stil des Expressionismus, 1928 als Evangelische Konzertkirche (außen Ziegel, innen Holz) durch Prof. Theodor Veil erbaut und vom Neu-Ulmer Holzschnitzer Martin Scheible reich ausgestattet; und auf St. Michael zu den Wengen (Wengenkirche). Die ehemalige Klosterkirche von 1399 ist 1944 ausgebrannt; in der 1954 neu erbauten Kirche findet sich ein 1766 von Franz Martin Kuen gemaltes Altarbild und in der Barockkapelle von 1629 eine spätgotische Kreuzigungsgruppe.

Ulms Stadtmauer, um 1480 in die Donau hinein („mitten im reißenden Fluss“) erbaut; später nach den Vorstellungen Albrecht Dürers vom Festungsbau durch Hans Beham d. Ä. (Nürnberger Baumeister) umgebaut, ist heute ein schöner, 600 Meter langer Promenadenweg, der flussaufwärts an der Wilhelmshöhe – Bastion Lauseck endet, einem Teil der Stadtbefestigung aus dem 16.-18. Jahrhundert. Zu diesem Teil der alten Stadtmauer gehört auch die optisch völlig unauffällige Adlerbastei, der Platz, von dem aus 1811 Albrecht Berblinger (Der Schneider von Ulm) seinen erzwungenen, gescheiterten Flugversuch über die Donau startete. Der Teil der Stadtmauer an den heutigen Straßen „Neuer Graben“, „Frauengraben“ und „Seelengraben“ wurde ab 1610 mit Soldatenunterkünften bebaut, nachdem durch den Niederländer Valckenburgh eine neue Befestigung Ulms geplant und umgesetzt wurde, welche die alte Stadtmauer praktisch in die Stadt hereinnahm. Die „Grabenhäusle“ bilden, modernisiert, heute ein begehrtes Wohnquartier mit eigenem Flair. Im Bereich des Fischerviertels findet man die Staufermauer an der Blau, ab etwa 1150 erbaut, dies sind Reste der Befestigungsanlage der Ulmer Königspfalz.

Fischer- und Gerberviertel

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Im Fischerviertel

In diesem im Mittelalter vorwiegend von Handwerkern besiedelten Quartier am Donauzufluss der Blau finden sich noch viele aus dieser Zeit stammenden und auf sie verweisende Bauten, so die Garnsiede auf der Blauinsel, das heute genauso wie die Lochmühle und das Gerberhaus gastronomisch genutzte Zunfthaus der Schiffsleute (am historischen Fischerplätzle direkt an der Donau gelegen, etwa da, von wo aus sich unter anderem die Donauschwaben für die Fahrt flussabwärts in ihre neuen Heimatländer Ungarn und Rumänien) einschifften). Weiter nennenswert sind die Ulmer Münz, das um 1500 gebaute Kässbohrersche Haus und, der Ulmer Münz direkt benachbart, das Schiefe Haus, im 14. Jahrhundert erbaut, heute ein Hotel, welches als schiefstes der Welt gilt. Die acht mit viel Fingerspitzengefühl in das alte Haus gebauten, modernst eingerichteten Zimmer haben Niveau-Unterschiede bis zu 40 cm, weshalb ans Kopfende der Hotel-Betten Wasserwaagen eingebaut wurden, um dem Gast zu demonstrieren, dass er absolut „im Wasser“ (waagerecht) liegt.

Auf dem Kreuz

Etwa die Hälfte der Bauten in diesem mittelalterlichen Altstadtviertel, welches sich in den letzten 20 Jahren zu einem bevorzugten, weil verkehrsberuhigten und zentrumnahen Wohnquartier gemausert hat, stammt aus der Zeit vor 1700. Zu den nennenswerteren gezählt werden kann die Sebastiankapelle, erstmals 1415 in der Stadtgeschichte erwähnt, jetzt ein Ausstellungsraum mit eigenem Flair. Außerdem der der Seelturm, der im 14. Jahrhundert auf der Ulmer Stadtmauer errichtet wurde und ab 1638 als Pumpwerk diente, welches Wasser in das nebenstehende – achteckige – Brunnenhaus pumpte und dort speicherte. Der Name Seelturm kam von einem Seelhaus direkt gegenüber, das im Krieg zerstört wurde. Und nicht zuletzt genannt werden sollte zum einen das Zundeltor, das 1870 unterhalb des Seelturms erbaut wurde und heute immer noch einen gotischen Stil aufweist (besonders der Dachstuhl). Der Name Zundeltor stammt von den gelagerten Materialien im Seelturm, denn dort wurde Zunder und auch Pulver gelagert. Und zum anderen wäre noch zu erwähnen das Zeughaus, das ehemalige Waffenarsenal der Reichsstadt Ulm, welches ab 1522 in mehreren Etappen erbaut wurde. Große Teile wurden 1945 zerstört. In der Säulenhalle des zum Komplex gehörenden, unzerstört durch alle Kriege gekommenen frühbarocken „Löwenbaus“ von 1667 finden wechselnde Ausstellungen statt.

Bundesfestung Ulm

Hauptartikel: Bundesfestung Ulm

Geplant und erbaut von 1838 bis 1859 vom Festungsbaudirektor und damaligem Oberst Moritz Karl Ernst von Prittwitz. Bei der Errichtung waren bis zu 10.000 Arbeiter tätig.

Weitere Bauwerke

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Bibliothekssaal im Kloster Wiblingen
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Nord-West-Ansicht des Getreidesilos der Schapfenmühle

Weitere, zum Teil markante, zum anderen Teil (architektur-)geschichtlich bemerkenswerte Bauten seien hier kurz gefasst erwähnt: das DaimlerChrysler-Forschungszentrum von Architekt Richard Meier; das Donaustadion, mit 19.500 Sitz- und Stehplätzen, Austragungsort der Heimspiele der Fußballmannschaften des SSV Ulm 1846 sowie von Fußballländerspielen (Frauennationalmannschaft) und Leichtathletikwettbewerben; das weltweit größte Bürogebäude im Passivhausstandard Energon, mit 8000 m² und ca. 420 Arbeitsplätzen; der 1964 erbaute Fernmeldeturm Ulm-Ermingen; das Getreidesilo Schapfenmühle, 2005 fertig gestellt, mit 125 m Höhe (einschließlich Antenne) der höchste noch in Benutzung befindliche Getreidesilo der Welt; und last but not least zwei Sakralbauten: einmal die Klosterkirche St. Maria in Söflingen, 1688 von Caspar Feichtmayr als Kirche des Clarissenklosters im frühbarocken Stil erbaut, mit noch erhaltenen Teilen der Anfang des 19. Jh. abgebrochenen Klosteranlage; und zum anderen das Kloster Wiblingen, ehemaliges Benediktinerkloster, (1093 gegründet, 1806 aufgehoben) mit der bedeutenden spätbarocken Klosterkirche (1772–81) mit frühklassizistischer Innenausstattung.

Oberschwäbische Barockstraße

Hauptartikel: Oberschwäbische Barockstraße

Ulm ist Startpunkt der Oberschwäbischen Barockstraße. Die Strecke ist ca. 500 km lang, beginnt am Ulmer Münster, verläuft weiter in Richtung Bodensee und besteht aus zusätzlichen Erweiterungsrouten, die durch Österreich und durch die Schweiz verlaufen.

Parkanlagen

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Hängebauchschwein im Streichelzoo

Die Friedrichsau gilt als das Naherholungsgebiet für Ulm. Sie ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln (Bus und Straßenbahn) zu erreichen, mit Fahrgastschiffen über die Donau – oder zu Fuß. Von der Ulmer Innenstadt aus gelangt man über Uferwege donauabwärts in ca. 30 Gehminuten in die Friedrichsau mit ihren drei Gesellschaftsgärten, dem Festplatz (für Volksfeste, Circus-Gastspiele und Open-Airs sowie dem sechswöchigen Kultur-Festival „Ulmer Zelt“) und dem Tiergarten.

Bemerkenswert ist die Geschichte der Friedrichsau; so sagt man in Ulm „Napoleon ist an allem schuld“. Tatsächlich fiel das rechts der Donau gelegene „Steinhäule“ als Ausflugsgebiet für die Ulmer weg, da es, nachdem im Jahre 1810 die Grenzen neu gezogen worden waren, Bayern zugeschlagen worden war. Der erst durch Napoleons Gnaden zum württembergischen König aufgestiegene, vormalige Kurfürst Friedrich I. zeigte sich bei seinem Antrittsbesuch in Ulm im Jahre 1811 großzügig und stiftete unter anderem 2000 Gulden für ein neues Erholungsgebiet im „Gänshölzle“, der deshalb nach ihm benannten Friedrichsau.
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Exotische Pflanzen im Botanischen Garten Ulm. Oben Aechmea chantinii
Dort entstanden in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die „Au-Gesellschaften“, unter denen die „Hundskomödie“ die bekannteste wurde. Sie dienten vorwiegend geselligen Zwecken. Auch Sängervereine wie der „Liederkranz“ und die „Teutonia“ fanden in der Friedrichsau ihre Heimat.

Neben der Friedrichsau kann man auch den Botanischen Garten Ulm, eine zentrale Einrichtung der Universität Ulm, besichtigen. Er dient an erster Stelle der Forschung und der Lehre. Pflanzensammlungen, Versuchsflächen im Freien sowie mehrere Gewächshäuser stehen dem Unterricht von Studenten zur Verfügung. Darüber hinaus soll der Botanische Garten der Öffentlichkeit eine Möglichkeit zur Umweltbildung bieten. Zu bestimmten Zeiten sind die Gewächshäuser und die Versuchsflächen für Besucher geöffnet.

Im nördlichen Teil des Freigeländes des Botanischen Gartens hat das pharmazeutische Unternehmen ratiopharm in Zusammenarbeit mit der Universität Ulm im Jahr 2001 den Neuen Apothekergarten Ulm eröffnet. In den angelegten Beeten sind über 200 Heil- und Nutzpflanzen zu finden. Neben bekannten Arten wie Johanniskraut, Baldrian oder auch Hopfen gibt es auch eine Vielzahl an unbekannteren Pflanzen wie den Sonnentau oder den Kampferbaum zu entdecken.

Weitere Erholungsgebiete bzw. parkähnliche Anlagen sind der alte Friedhof, das Donauufer mit Gehmöglichkeiten, der Duft- und Tastgarten mit Informationen auch für sehbehinderte Menschen sowie künftig der geplante, aber noch nicht realisierte Stadtteilpark Oberer Eselsberg.

Sport

SSV Ulm 1846

Hauptartikel: SSV Ulm 1846

Der SSV Ulm 1846 ist mit 12.000 Mitgliedern der zweitgrößte Sportverein Baden-Württembergs und der achtgrößte bundesweit. Der Verein bietet alle gängigen Sportarten an. In den Sommermonaten wird das vereinseigene Freibadgelände im Rahmen des Donauflimmern zusätzlich als Open-Air Kino genutzt.

ratiopharm Ulm

Hauptartikel: ratiopharm Ulm

ratiopharm Ulm ist derzeit das sportliche Aushängeschild Ulms. Die Basketballer spielen (wieder) in der 1. Basketball-Bundesliga, wo der Aufsteiger schon für einige Überraschung gesorgt hat.

TSG Söflingen

Die TSG Söflingen ist nach dem SSV Ulm 1846 der mitgliederstärkste Ulmer Sportverein. Sportlich erfolgreichste Abteilungen s