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Turin
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| Torino | |
|---|---|
| Staat: | Italien |
Turin (italienisch Torino) ist eine Großstadt im Nordwesten Italiens mit 900.608 Einwohnern im Stadtgebiet (2005) und ca. 1,7 Mio. Einwohnern in der Agglomeration (2006). Die Stadt liegt auf einer Höhe von 240 m und hat eine Fläche von 130 km². Sie ist Hauptstadt der Region Piemont und der Provinz Turin. Von Frankreich im Westen und der Schweiz im Norden sowie von Mailand im Osten ist sie jeweils gut 100 Kilometer entfernt.
Die Ebene, in der Turin liegt, wird im Westen und Norden durch die Alpen und im Süden durch die Hügel des Monferrato begrenzt. Die Dora Riparia, die Stura di Lanzo und der Sangone münden bei Turin in den Fluss Po.
Inhaltsverzeichnis |
Geschichte
Der Name Turin stammt von Tau ab, einem keltischen Wort, das "Berge" bedeutet. Der italienische Name Torino kann als "kleiner Bulle" übersetzt werden, aus diesem Grund erscheint der Bulle auf dem Wappen der Stadt. Die Gegend wurde in vorrömischer Zeit vom keltisch-ligurischen Stamm der Taurini besiedelt.
Im ersten vorchristlichen Jahrhundert (wahrscheinlich im Jahr 28 v. Chr.) errichteten die Römer hier ein Militärlager (Castra Taurinorum), das später dem Kaiser Augustus gewidmet wurde (Augusta Taurinorum). Die typische römische Stadtstruktur mit rechtwinklig zueinander verlaufenden Straßen hat sich bis in die heutige Zeit erhalten. Das Quartiere Romano ist der älteste Stadtteil. In römischer Zeit zählte Turin etwa 5.000 Einwohner, die alle innerhalb der hohen Stadtmauern lebten.
Nach dem Fall des römischen Reiches wurde die Stadt zuerst von den Langobarden, dann von den Franken erobert und wurde von Bischöfen regiert. Ende des 13. Jahrhunderts nahmen die Herzöge von Savoyen die Stadt ein. Die Gärten und Paläste entstanden im 15. Jahrhundert, als man die Stadt von Grund auf neu errichtete. 1404 wurde die Universität gegründet. Emanuel Philibert machte Turin im Jahr 1563 zur Hauptstadt des Herzogtums Savoyen.
1706 belagerten die Franzosen während des Spanischen Erbfolgekriegs die Stadt während 117 Tagen, ohne sie jedoch einnehmen zu können (Schlacht von Turin). Gemäß dem Frieden von Utrecht erhielt Savoyen das Königreich Sardinien. Architekt Filippo Juvarra begann mit der erneuten Umgestaltung der Stadt, die damals rund 90.000 Einwohner zählte.
Durch die Vereinigung Italiens im Jahr 1861 wurde Turin Hauptstadt. König Viktor Emanuel II. regierte von hier aus, 14 verschiedene Schlösser zeugen von der herrschaftlichen Vergangenheit. Die Hauptstadtfunktion war jedoch ein Status, den die Stadt schon vier Jahre später an Florenz weitergeben musste. Die Eröffnung des Mont-Cenis-Tunnels im Jahr 1871 machte Turin zu einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt.
Den Verlust der Hauptstadtfunktion machte Turin mit einer raschen Industrialisierung wett, wobei die Automobilindustrie eine überragende Bedeutung erlangte. 1899 erfolge die Gründung von Fiat, 1906 jene von Lancia. Die Weltausstellung des Jahres 1902 gilt als Höhepunkt des Jugendstils. 1911 fand erneut eine Weltausstellung in Turin statt, damals zählte die Stadt bereits 430.000 Einwohner.
Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte die Industrie einen ungeahnten Aufschwung. Zehntausende von Arbeitern, vor allem aus Süditalien, zogen jährlich nach Turin. 1960 wurde Turin eine Millionenstadt und erreichte 1975 mit 1,5 Millionen das Bevölkerungsmaximum. Die industrielle Krise der 1980er Jahre traf Turin hart und die Bevölkerung ging wieder auf unter eine Million zurück.
Wirtschaft
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Turin ist ein bedeutendes industrielles Zentrum. Die Stadt ist insbesondere bekannt als Sitz des Autoherstellers Fiat (Fabbrica Italiana di Automobili Torino), der 1899 hier gegründet wurde. Ein weiterer berühmter Fahrzeughersteller ist Lancia, 1906 gegründet, 1969 durch Fiat übernommen und danach in den Konzern eingegliedert. Das Lingotto-Gebäude war einst die größte Autofabrik der Welt und wurde zu einem Messe-, Kultur- und Einkaufszentrum umgewandelt. Andere in Turin gegründete Unternehmen sind Invicta, Lavazza, Martini, Kappa und Caffarel. Ebenfalls bedeutend ist das Luft- und Raumfahrtunternehmen Alenia.
Verkehr
Turin ist gut an das italienische Autobahn- sowie an das Eisenbahnnetz angebunden. Durch eine Hochgeschwindigkeitsstrecke von Mailand nach Novara, die 2005 eröffnet wurde, konnten die Fahrtzeiten nach Mailand und zum Großflughafen Mailand-Malpensa deutlich verringert werden. Bis 2009 soll dann die komplette Strecke befahren werden und die Fahrtzeit nach Mailand von derzeit 1h 30 min auf 50 min halbiert werden. Auch eine Verbindung ins französische Lyon ist geplant. Die wichtigsten Bahnhöfe in Turin sind Torino Porta Nuova, Torino Porta Susa und Torino Lingotto. Der derzeitige Hauptbahnhof Porta Nuova wird diese Funktion vermutlich in den nächsten Jahren an den Durchgangsbahnhof Porta Susa verlieren, der seit einigen Jahren von Grund auf erneuert wird.
Die drei Bahnhöfe sind auch wichtige Haltepunkte der ersten Linie der U-Bahn Turin. Das erste Teilstück wurde am 4. Februar 2006 eröffnet. Der öffentliche Nahverkehr wird durch ein gut ausgebautes Netz von Straßenbahn- und Buslinien bewältigt. Nördlich der Stadt liegt der internationale Flughafen Torino-Caselle.
Sehenswürdigkeiten
Eines der Wahrzeichen von Turin ist die Mole Antonelliana, errichtet 1863–1880 nach Plänen von Alessandro Antonelli.Damals war sie als Synagoge geplant. Der Verlegung der italienischen Hauptstadt von Turin nach Florenz und die Kosten machte dem Plan jedoch ein Ende. Heute befindet sich darin das nationale Filmmuseum. Eine spektakuläre Aufzugskonstruktion zieht den gläsernen Lift frei schwebend an Führungskabeln durch den Hauptraum unter der Kuppel hindurch zu der Aussichtsplattform.
Die Kathedrale Duomo di San Giovanni, gebaut in den Jahren 1491–1498, beherbergt das Turiner Grabtuch, ein Leinentuch, das das Abbild eines Mannes zeigt. Von Pilgern wird es verehrt als das Tuch, in das Jesus im Grab gewickelt war.
Das berühmte Lingotto-Gebäude, einstmals die größte Autofabrik der Welt, wurde nach Plänen des Architekten Renzo Piano transformiert in ein Kongresszentrum, Einkaufszentrum, Konzerthalle und Hotel. Auf dem Dach des Gebäudes befindet sich das Kunstmuseum Pinacoteca Giovanni e Marella Agnelli.
Das Museo Egizio besitzt eine der international wichtigsten Sammlungen antiker ägyptischer Kunst. Es ist nach dem Louvre und dem Britischen Museum die drittgrößte in Europa.
Die Schlösser und Residenzen der Herzöge von Savoyen zählen zum Weltkulturerbe. Im Zentrum von Turin ist der Palazzo Reale gelegen, der Königspalast der Könige von Piemont-Sardinien und später Sitz des Königreichs Italien.
In direkter Nachbarschaft dazu befindet sich der Palazzo Madama, der aus einem alten Teil und einem barocken Anbau besteht. Der alte Teil ist in der Römerzeit als Stadttor entstanden und im Mittelalter zu einer Festung ausgebaut worden. Der neue Teil ist ein Werk des Barock-Meisters Filippo Juvarra. Dieser war auch Baumeister mehrerer Residenzschlösser der Herzöge von Savoyen, später Könige von Piemont-Sardinien und schließlich von Italien.
Die Wallfahrtskirche Superga auf dem Berg Sassi in einer Höhe von 672 Metern wird von der Superga-Zahnradbahn angefahren.
Universitäten
- Universität Turin (Università degli Studi di Torino)
- Polytechnische Universität Turin (Politecnico di Torino)
- Europäisches Design-Institut (Istituto Europeo di Design)
Sprache
Die Turiner sprechen einen gallo-romanischen Dialekt, Pedemontano genannt. Dieser Dialekt, manchmal auch Torinese genannt, ist im ganzen Piemont verbreitet, wird aber in Italien allgemein mit der Stadt Turin identifiziert.
Sport
Die Stadt ist Heimat der Fußballclubs Juventus Turin und AC Turin und war Austragungsort der Olympischen Winterspiele 2006.
Söhne und Töchter der Stadt
- Giuseppe Baretti (1719-1789), italienischer Dichter
- Carlo Allioni (1728-1804), italienischer Arzt und Botaniker
- Joseph Louis Lagrange (1736-1813), Professor der Mathematik, 1766 Direktor der Akademie in Berlin
- Marie Thérèse Louise von Savoyen-Carignan (1749-1792), Prinzessin von Lamballe
- Amedeo Avogadro (1776-1856), Physiker und Chemiker
- Sergio Balbinot (1789-1853), italienischer Staatsmann und Schriftsteller
- Alberto La Marmora-Ferrero (1789-1863), General und Gegenspieler Napoleons in Italien, Generalkommandeur auf Sardinien
- Massimo D'Azeglio (1798-1866), italienischer Schriftsteller, Maler und Politiker
- Giovanni Cavalli (1809-1879), italienischer Generalleutnant
- Alessandro Martini (1812-1905), Geschäftsmann, Gründer von Martini
- Johannes Bosco (1815-1888), Priester und Mitgründer der Gesellschaft des heiligen Franz von Sales, die Salesianer. Wurde 1923 vom Papst heilig gesprochen.
- Viktor Emanuel II. (1820-1878), König von Piemont und erster König des geeinten Italiens
- Cesare Bonelli, (1821-1904), italienischer Kriegsminister
- Umberto I. (1844-1900), eigentl. Rainer Karl Emanuel Johann Maria Ferdinand Eugen, 1878-1900 König von Italien*
- Giuseppe Peano (1858-1932), Mathematiker
- Luigi Lavazza (1859-1949), Geschäftsmann
- Giovanni Agnelli (1866-1945), Gründer von FIAT
- Arturo Ambrosio (1869-1960), italienischer Produzent und Regisseur
- Vittorio Ambrosio (1879-1958), italienischer General
- Vincenzo Lancia (1881-1937), Rennfahrer und Automobilkonstrukteur, Gründer von Lancia
- Alfredo Casella (1883-1947), Komponist
- Amadeus, 3. Herzog von Aosta (1898-1942), Herzog von Apulien, 3. Herzog von Aosta und Gouverneur von Italienisch-Ostafrika
- Giuseppe Saragat (1898-1988), italienischer Präsident und Gründer der sozialistischen Arbeiterpartei Italiens (PSLI)
- Piero Sraffa (1898-1983), Wirtschaftswissenschaftler
- Piero Gobetti (1901-1926), Publizist und Politiker
- Carlo Levi (1902-1975), Schriftsteller, Maler und Politiker
- Giuseppe Farina (1906-1966), Rennfahrer, erster Formel-1-Weltmeister
- Norberto Bobbio (1909-2004), Rechtsphilosoph und Publizist
- Rita Levi-Montalcini (* 1909), Physikerin und Medizinerin, Nobelpreisträgerin
- Salvador Edward Luria (1912-1991), Mikrobiologe, 1940 ausgewandert in die USA, 1969 Nobelpreisträger für Medizin.
- Robert Fano (* 1917), Ingenieur
- Primo Levi (1919-1987), Schriftsteller und Chemiker
- Gianni Agnelli (1921-2003), Industrieller, Geschäftsführer von FIAT
- Giuliano Amato (* 1938), ehemaliger italienischer Ministerpräsident
- Giovanni Pinna (* 1939), Professor für Paläontologie und Museologie, 1997-2000 Präsident des ICOM International Council of Museums.
- Franco Cagnotto (* 1947), italienischer Turmspringer
- Roberto Bettega (* 1950), Fußballspieler
- Umberto Tozzi (* 1952), Sänger
- Alessandro Baricco (* 1958), Schriftsteller
- Valeria Bruni Tedeschi (* 1964), italienische Schauspielerin und Filmregisseurin
- Carla Bruni Tedeschi (* 1967), Sängerin, ehemaliges Top-Model
- Roberto Molinaro (* 1972), Musiker, Produzent und DJ
- Gabry Ponte (* 1973), Musikproduzent und DJ
- Gigi D'Agostino (* 1967), Musiker und DJ
- Roberto Rolfo (* 1980), Motorradrennfahrer
- Federico Balzaretti (* 1981), italienischer Fußballspieler
- Giovanni Visconti (* 1983), Radrennfahrer
- Claudio Marchisio (* 1986), italienischer Fußballspieler
- Dario Venitucci (* 1987), italienischer Fußballspieler
Städtepartnerschaften
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- Chambéry
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- Köln
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