Das Kefk Network Wiki befindet sich im Testbetrieb.


Tur Abdin

Aus Kefk.

Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Tur Abdin (syrisch ܛܘܪ ܥܒܕܝܢ, übersetzt "Berg der Knechte [Gottes]") ist ein Gebirgszug am Oberlauf des Tigris, der vom 4. bis 7. Jahrhundert die Grenze zwischen Ostrom und dem neupersischen Reich der Sassaniden bildete, und bezeichnet ein Gebiet im heutigen Südosten der Türkei.

Die antiken Bewohner waren Aramäer. Tur Abdin hieß früher Kischyari und Mosch. Die meisten ihrer Dörfer existierten bereits vor unserer Zeitrechnung und haben aramäische Namen. In den 1930er-Jahren unter Atatürk wurden die meisten Ortsnamen türkisiert.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Bild:Midyat church.jpg
Kirche in Midyat

Die Bewohner vom Tur Abdin wurden schon im 1. Jahrhundert von den Aposteln Thomas und Thaddäus dem Missionar zum Christentum bekehrt. Zu den ältesten noch heute bestehenden Klöstern gehört Mor Gabriel (Qartmin), eine Gründung aus dem 4. Jahrhundert, sowie das Ananiaskloster („Dayr Za'faran“) mit einer Kirche aus dem 6. Jahrhundert, das für Jahrhunderte auch Sitz des Patriarchen bzw. Gegenpatriarchen der Jakobiten war. Beide Klöster sind bis heute Bischofssitze der Syrisch-orthodoxen Kirche.

Der Bischofssitz der ersten Diözese vom Tur Abdin war Hah, damals die Metropole vom Tur Abdin und Königsstadt. .

Während die Eroberung durch die Araber nach 640 zunächst die Befreiung von der Verfolgung der byzantinischen Reichskirche zur Folge hatte, verschlechterte sich die Lage der Christen nach dem Sieg der Seldschuken in der Schlacht von Manzikert 1071. Der Tur Abdin wurde von Timur Lenk um 1400 massiv geplündert und zerstört.

Besonders im 19. und 20. Jahrhundert kam es zu Massakern an den Aramäern, die von der türkischen Armee und kurdischen Banden durchgeführt wurden. 1915 kam es während des Völkermords an den Aramäern zu Belagerungen und zum Verteidigungskampf der christlichen Aramäer in Inwardo und Hah sowie im Kloster Mor Malke.

Während der letzten Jahrzehnte fand ein Exodus der Christen nach Syrien, Libanon, Irak , Nordamerika, Europa und Australien statt. Heute leben in den Gebieten noch etwa 3000 Aramäische Christen, die zum größten Teil Angehörige der Syrisch-Orthodoxen Kirche sind.

Tur Abdin heute

[[Hilfe:Cache|Fehler beim Thumbnail-Erstellen]]: convert: unable to open image `/var/www/kefk/w/images/c/c7/Mor_Hananyo.jpg': No such file or directory.
Kloster Mor Hananyo

Die Sprache der Aramäer von Tur Abdin ist Turoyo.

Trotz aller Massaker und Zerstörungen blieben einige wertvolle Handschriften erhalten, die sich zum Teil in den west- und mitteleuropäischen Bibliotheken befinden. Der Mar-Gabriel-Verein in Reinbek und die Initiative Christlicher Orient (ICO) bemühen sich um die Erhaltung dieser letzten christlichen Dörfer und Klöster in der heutigen Türkei.

Die noch von den aramäischen Christen bewohnten Dörfer sind Hah, Bequsyone, Dayro da-Slibo, Kfarze, Salah, Midyat, Aynwardo, Mizizah, Anhel, Kafro Tahtayto, Arkah, Beth Sbirino, Beth Kustan, Midun und das östlich von Tur Abdin gelegene İdil (syrisch Beth Zabday). In Mardin, das eigentlich nicht zum Tur Abdin gehört, leben ebenfalls noch Aramäer. Im Kloster Mor Gabriel residiert Mor Timotheus Samuel Aktas, der Metropolit der Syrisch-Orthodoxen Diözese von Tur Abdin und im Ananiaskloster (Dayr Za'faran) residiert Mor Philuxinus Saliba Özmen, der Metropolit von Mardin.

Weitere bewohnte Klöster sind Mor Malke, Mor Yakob in Salah, Mutter-Gottes in Hah und Mor Hananyo.

Die heutigen Aramäer lehnen die türkischen Bezeichnungen ab und protestieren dagegen. Unbeeindruckt von EU-Beitrittsverhandlungen, Appellen von Menschenrechtsorganisationen setzt der türkische Staat seine religiöse Säuberungspolitik gegen der das Land gehörenden christliche Urbevölkerung, die es schon Jahrhunderte vor der Entstehung des Islams gab, fort.[1]

Siehe auch

Literatur

  • Helga Anschütz: Die syrischen Christen vom Turabdin. Eine altchristliche Bevölkerungsgruppe zwischen Beharrung, Stagnation und Auflösung, Würzburg 1984
  • Andrew Palmer: Monk and Mason on the Tigris Frontier. The Early History of Turabdin, Cambridge 1990
  • Hans Hollerweger: Turabdin. Lebendiges Kulturerbe, Linz 1999

Quellen

  1. Kath.net: Türkei: Kein ausreichender Schutz für christliche Rückkehrer 7. September 2006

Weblinks

Koordinaten: 37.40507° N, 41.49536° O

Wikipedia
Dieses Dokument entstammt in seiner ersten oder einer späteren Version der deutschsprachigen Wikipedia. Es ist dort zu finden unter dem Stichwort Tur_Abdin, die Liste der bisherigen Autoren befindet sich in der Versionsliste; die Originalfassung kann dort auch bearbeitet werden. Alle Texte der Wikipedia und ihre Derivate stehen unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation.
Persönliche Werkzeuge