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Tscheljuskin (Schiff)
Aus Kefk.
Die Tscheljuskin (russ.: Челюскин) war ein russisches Schiff, welches von 1933 bis 1934 eine Expedition ins Nordpolarmeer zur Erkundung des Nördlichen Seewegs unternahm. Dabei geriet das Schiff ins Packeis und versank nach einer unkontrollierten Drift. Die Rettung der Schiffbrüchigen wurde in der Sowjetunion propagandistisch ausgeschlachtet und führte zur Stiftung der Auszeichnung „Held der Sowjetunion“.
Das Schiff lief 1933 unter dem Namen Lena in Dänemark vom Stapel. Es wurde vom Traditionsunternehmen Burmeister & Wain in Kopenhagen gebaut und nach der Auslieferung an die Sowjetunion nach dem russischen Polarforscher Semjon Iwanowitsch Tscheljuskin benannt. Entgegen einer verbreiteten Annahme war das Schiff kein Eisbrecher.
Die Expedition ins Nordpolarmeer
Unter Kapitän Wladimir Woronin und Otto Juljewitsch Schmidt, dem wissenschaftlichen Leiter der Expedition, sollte die Tscheljuskin während der kurzen Sommermonate ohne Überwinterung durch das Nordpolarmeer in den Fernen Osten gelangen. Dies war zuvor 1932 nur dem Eisbrecher „Alexander Sibirjakow“ gelungen. Die Fahrt sollte beweisen, dass der Transport größerer Frachtmengen über die Nordostpassage auch ohne Eisbrecher möglich war.
So lichtete der Frachtdampfer am 16. Juli 1933 in Leningrad seinen Anker. Bereits im ersten Reiseabschnitt kam es zu Problemen. So konnte die Tscheljuskin aus dem Hafen der Stadt Murmansk erst mit 20-tägiger Verspätung am 10. August 1933 auslaufen. Ziel der Reise war der Hafen von Wladiwostok. An Bord des Schiffes befindet sich auch der deutschstämmige Funker Ernst Theodorowitsch Krenkel. Unter den 112 Passagieren befanden sich auch 10 Frauen und ein Kind. Eine der Frauen war schwanger und während sich das Schiff in der Karasee aufhielt, wurde ein Mädchen geboren, das nach dem damaligen Aufenthaltsort der Tscheljuskin Karina getauft wurde.
Das Schiff gelangte schließlich über die Laptewsee, die Ostsibirische See bis in die Tschuktschensee. Zwischenzeitlich verließen acht Personen das Schiff und wurden an Land gebracht. Am 4. November erreichte die Tscheljuskin die Beringstraße. Das offene Meer war weniger als eine Seemeile entfernt. Das Schiff wurde jedoch vom Packeis eingeschlossen und konnte sich aus eigener Kraft nicht mehr befreien. Der Kapitän des Eisbrechers Litke, der sich in unmittelbarer Nähe der Tscheljuskin aufhielt, bot zweimal seine Hilfe zur Befreiung des Schiffes an. Kapitän Woronin und Schmidt lehnten dies jedoch ab. Sie wollten die Reise ohne Hilfe beenden. Das Schiff trieb jedoch mit dem Eis weiter nach Norden und versank nach monatelanger Drift über mehr als 1.000 Seemeilen am 13. Februar 1934 in der südlichen Tschuktschensee.
Das Expeditionsmitglied Boris Mogilewitsch wurde beim Untergang von Fässern erschlagen, die übrigen 104 Seeleute und Passagiere konnten sich jedoch auf eine Eisscholle retten. Dort wurde von den Schiffbrüchigen das später so genannten Camp Schmidt eingerichtet. Auf der Eisscholle entstand neben mehreren Unterkünften auch ein Flugfeld. Mithilfe eines Funkgerätes wurde die Außenwelt über den Untergang des Schiffes benachrichtigt. Hilfe für die im Eis Eingeschlossenen schien zunächst aufgrund der Witterungsbedingungen unmöglich. Die von den USA angebotene Hilfe wurde von Stalin abgelehnt. Nach einem Monat wurden die Schiffbrüchigen vom Piloten Anatoli Wassiljewitsch Ljapidewski aufgespürt. Am 5. März 1934 brachte er zunächst die 10 Frauen und zwei Kinder in den kleinen Ort Uelen auf der Tschuktschen-Halbinsel. Bis zum 13. März werden dann auch die restlichen „Tscheljuskinzy“ ausgeflogen. Über Petropawlowsk-Kamtschatski gelangten die Geretteten nach Moskau, wo ihnen ein triumphaler Empfang bereitet wurde.
Nachgeschichte
Aus Anlass der Rettung der Schiffbrüchigen wurde der Titel Held der Sowjetunion auf Beschluss des Gesamtrussischen Zentralexekutivkomitees am 16. April 1934 gestiftet und an sieben beteiligte Flieger vergeben.
In den 1970er Jahren und erneut im Jahr 2004 suchten mehrere Expeditionen erfolglos nach dem Wrack der Tscheljuskin, das in ungefähr 50 Meter Tiefe vor der sibirischen Küste liegt. Im September 2006 konnten russische Taucher das Schiff lokalisieren und einige Artefakte bergen. Die geborgenen Fundstücke sollen in Dänemark, dem Ursprungsland des Schiffes, auf ihre Echtheit hin überprüft werden.
Weblinks
- "Eine Aktion, wie sie Welt noch nie sah" - Artikel in Die Welt
- "Höllenfahrt in den Himmel" - Artikel in der Moskauer Deutschen Zeitung
- Umfangreiche Bildersammlung zur Tscheljuskin
- Fotografie des Lagers auf der Eisscholle
- Fotografie der gefeierten Rückkehr der Tscheljuskin-Besatzung in Moskau
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