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Transdisziplinarität
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Transdisziplinarität ist ein wissenschaftliches Vorgehen, das wissenschaftliches Wissen und Praxis verbindet. Im Gegensatz zur Interdisziplinarität arbeiten nicht nur mehrere Disziplinen fächerübergreifend miteinander, sondern es wird auch auf das lebensweltliche Wissen von Praxisbeteiligten zurückgegriffen. Transdisziplinäre Forschung befasst sich nicht mit Fragen, die wissenschaftsinternen Diskursen entspringen, sondern mit gesellschaftlichen Problemstellungen.
Probleme der Wissensgesellschaft erfordern transdisziplinäre Forschung, wenn das vorhandene Wissen unsicher ist, wenn umstritten ist, worin die Probleme genau bestehen, und wenn für die direkt oder indirekt Involvierten bzw. Betroffenen viel auf dem Spiel steht (Funtowicz & Ravetz 1993). In einer solchen Situation besteht die Herausforderung darin, die relevanten Probleme allererst zu identifizieren und adäquat in Forschungsfragen zu strukturieren. Relevante Fragestellungen betreffen erstens empirische Prozesse, welche zur bestehenden Lage geführt haben und die künftige Entwicklung beeinflussen können (‚Systemwissen’). Zweitens gehören dazu Fragestellungen, die Argumente für und gegen Ziele zum Gegenstand haben (‚Zielwissen’). Drittens sind Fragestellungen relevant, welche sich damit befassen, inwiefern die bestehenden Verhältnisse im Sinne der Ziele veränderbar sind (‚Transformationswissen’). Zu den Anforderungen an ein transdisziplinäres Vorgehen gehört es, Probleme in ihrer relevanten Komplexität zu erfassen, die vielfältigen Sichtweisen in der Wissenschaft und der Wissensgesellschaft dabei angemessen zu berücksichtigen, abstrahierende Wissenschaft und fallspezifisch relevantes Wissen zu verbinden, und zwar mit dem Ziel, Wissen zu einer am Gemeinwohl orientierten praktischen Lösung von Problemen zu erarbeiten (Pohl & Hirsch Hadorn 2006, Jaeger & Scheringer 1998).
Transdisziplinarität entsteht nur dann, wenn die beteiligten Fachpersonen in offenem und transparentem Dialog interagieren und dabei die unterschiedlichen Perspektiven auf Wirklichkeit gegeneinander relativiert werden. Transdisziplinäre Arbeitssituationen sind unter anderem auf Grund der Informationsfülle im Alltagsgeschäft, sowie der sich oftmals gravierend unterscheidenden, fachspezifischen Sprache, Begriffe und Definition nur schwer herzustellen. Es bedarf der Fähigkeit von Personen die moderierend, in Mediation, Assoziation und Vermittlung einen kritischen Dialog initiieren und fördern können. Solche Personen sollten über vertiefte Kenntnisse und Handlungskompetenzen der beteiligten Wissenschaften verfügen.
Ausgehend von systemtheoretischen Überlegungen (vergleiche Niklas Luhmann) "kann man davon ausgehen, dass an den Peripherien von gesellschaftlichen Subsystemen vor allem ästhetische Kriterien von Belang (beispielsweise erfahren objekt- und bildhafte Manifestationen in den Schnittmengen und Übergangsbereichen der Subsysteme autarkisch geprägte Umwertungen) und in diesen Bereichen wertebasierende Diskurse anzusiedeln sind. Für diese gesellschaftliche Aufgabe können insbesondere auch Künstlerinnen und Künstler, soferne sie nicht am traditionellen Verständnis der Kunstproduktion orientiert sind, einen wertvollen Beitrag leisten." (vgl. John, Ruediger; "Systemic Art as an Approach for the Aesthetic Worker"; limited edition publishers; NYC; 1998)
Literatur
- Balsiger, Phillipp W.: Transdisziplinarität. 2005 ISBN 3770540921
- Bergmann, Matthias; Bettina Brohmann; Esther Hofmann; M. Céline Loibl; Regine Rehaag; Engelbert Schramm; Jan-Peter Voß (2005): Qualitätskriterien transdisziplinärer Forschung. Ein Leitfaden für die formative Evaluation von Forschungsprojekten. ISOE-Studientexte, Nr. 13.
- Defila, Rico; Di Giulio, Antonietta (1998): "Interdisziplinarität und Disziplinarität". In: Olbertz, J.-H. (Hg.): Zwischen den Fächern – über den Dingen? Universalisierung versus Spezialisierung akademischer Bildung Opladen: Leske & Budrich, S.111-137.
- Defila, Rico; Di Giulio, Antonietta; Scheuermann, Michael. "Forschungsverbundmanagement - Handbuch für die Gestaltung inter- und transdisziplinärer Projekte", vdf Hochschulverlag an der ETH Zürich, 2006
- Funtowicz, S.O. & Ravetz, J.R. (1993). Science for the Post-Normal Age. Futures 25, September: 739-755.
- Erich Hamberger, Kurt Luger (Hrsg.): Transdisziplinäre Kommunikation. Aktuelle Be-Deutungen des Phänomens Kommunikation im fächerübergreifenden Dialog. (Österr. Kunst- und Kulturverlag), 2005
- Doris Hayn/Diana Hummel: Transdisziplinäre Forschung im Feld Gender & Environment, 2002
- Jaeger J., Scheringer M. 1998. Transdisziplinarität. Problemorientierung ohne Methodenzwang. GAIA 7(1): 10-25.
- Jantsch E. 1972. Towards interdisciplinarity and transdisciplinarity in education and innovation. In: Leo Apostel L, Berger G, et al., ed. Problems of Teaching and Research in Universities. Paris, Organisation for Economic Cooperation and Development (OECD) and Center for Educational Research and Innovation (CERI), pp 97-121.
- Mittelstraß, Jürgen: Transdisziplinarität - wissenschaftliche Zukunft und institutionelle Wirklichkeit. 2003 ISBN 387940786X
- Bernhard von Mutius (Hrsg.): Die andere Intelligenz. Wie wir morgen denken werden. Stuttgart, Klett-Cotta 2004. ISBN 3-608-94085-5
- Pohl, Ch. & Hirsch Hadorn, G. (2006): Gestaltungsprinzipien für die transdisziplinäre Forschung. Ein Beitrag des td-net. München: Ökom.
- Thompson Klein, Julie; Grossenbacher-Mansuy, Walter; Häberli, Rudolf; Bill, Alain; Scholz, Roland W.; Welti, Myrtha (Hrsg.) (2001). Transdisciplinarity: Joint problem solving among science, technology, and society. An effective way for managing complexity. Basel: Birkhäuser
Weblinks
- Transdisziplinäre Fallstudien an der ETH Zürich
- Internationale Transdisziplinaritäts-Networks
- Interfakultäre Koordinationsstelle für Allgemeine Ökologie (IKAÖ), Forschungsgruppe Inter-/Transdisziplinarität; Universität Bern
- Gerhard Medicus: Transdisziplinarität in den Humanwissenschaften PDF
- transdisciplinarity-net der Akademien der Wissenschaften Schweiz [1]
Siehe auch
- Systemtheorie
- Interdisziplinarität (Kooperative Zusammenführung und Zusammenarbeit der Methoden und Kenntnisse unterschiedlicher Disziplinen)
- Multidisziplinarität (auch Pluridisziplinarität: Verständnis mehrerer Disziplinen; Nebeneinander verschiedener Disziplinen)
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