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Totaler Krieg

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Als Totaler Krieg wird allgemein eine Kriegführung bezeichnet, die auf eine vollständige Ausnutzung des wirtschaftlichen und personellen Potentials auf Kosten der allgemeinen Lebenshaltung abzielt. Die Bezeichnung wird heute meist mit der am 18. Februar 1943 von Reichsminister Joseph Goebbels während einer Propagandaveranstaltung der Nationalsozialisten im Berliner Sportpalast gehaltenen Rede in Verbindung gebracht, die unter dem Namen „Sportpalastrede” Geschichte machte. Allerdings hatte bereits Erich Ludendorff 1935 eine Broschüre mit dem Titel Der totale Krieg herausgegeben. Der Begriff selbst kann als Abwandlung dessen verstanden werden, was Carl von Clausewitz 1832 mit dem „absoluten Krieg” bezeichnet hatte.

Goebbels appellierte mit der Rede an den Durchhaltewillen der deutschen Bevölkerung. Unter dem Eindruck des desaströsen Ausgangs der Schlacht um Stalingrad bejahten die anwesenden 10.000 ausgewählten Besucher der Frage Goebbels Wollt ihr den totalen Krieg? scheinbar begeistert und unter frenetischem Jubel. Die Versammlung, wie fast alle Propaganda-Versammlungen im Dritten Reich, kalkuliert und inszeniert, schloss mit dem Singen der ersten Strophe des Deutschlandlieds. Unter den Anwesenden waren aber auch viele von der Parteiführung dorthin bestellte Personen (z.B. Schauspieler), die später ihren Jubel als nicht spontan beschrieben.

Die Rede legte den Grundstein für die Möglichkeit des Einsatzes aller männlichen Deutschen zwischen 16 und 65 Jahren sowie für den Einsatz von Frauen zwischen 17 und 45 Jahren in der so genannten Reichsverteidigung.

Mit der Erweiterung der Wehrpflicht ab August 1943 wurden Hitlerjungen unter 18 Jahren direkt aus Wehrertüchtigungslagern in die Wehrmacht eingezogen. Dem durch Einziehung zur Armee entstandenen Arbeitskräftemangel begegnete der „Generalbevollmächtigte für den Arbeitseinsatz”, Fritz Sauckel, vor allem mit der verstärkten Anwerbung und Rekrutierung von Fremd- und Zwangsarbeitern. Eine ständig genährte Angst vor dem „jüdischen Bolschewismus” sowie Propagandaplakate und -broschüren mit einprägsamen Durchhalteparolen wie „Totaler Krieg - kürzester Krieg” oder „Nun, Volk, steh auf und Sturm brich los!” sollten aber auch die „opferbereite Heimatfront” zu Höchstleistungen animieren.

Die Folgen der Umstellung des deutschen Volkes auf den totalen Krieg waren unübersehbar und keineswegs so, wie Goebbels sie angekündigt hatte. Das Gegenteil war der Fall. Die Parole „Totaler Krieg - kürzester Krieg” entsprach nicht der Wirklichkeit, zumal sie von der sich später als illusorisch erwiesenen Prämisse des „Endsieges” ausgingen. Durch die Abwehrkämpfe Deutschlands wurden die Opferzahlen in die Höhe getrieben, so dass vom Februar 1943 bis zum Kriegsende mehr Menschen dem Krieg zum Opfer fielen, als in den Kriegsjahren zuvor. Die Zerstörung Deutschlands wurde weiter forciert.

Vorgeschichte zu Ludendorffs Broschüre und der Sportpalastrede

Zu Unrecht gelten Ludendorff und Goebbels bzw. „Deutschland” als „Väter” und Urheber des „Totalen Krieges”, auch wenn mit diesem Ausdruck medial der Begriff einer rücksichtslosen, inhumanen, verbrecherischen Kriegführung verbunden wird.

„Diese Ehre gebührt den französischen Zivilbehörden des Ersten Weltkrieges, die 1917 die Ausdrücke la guerre totale und la guerre integrale prägten, um ihrer Absicht Nachdruck zu verleihen, sämtliche Ressourcen der Nation zu mobilisieren.”
Militärhistoriker Prof. Roger Chickering vom Center for German and European Studies der Georgetown University Washington in seinem Vortrag „Globaler Konflikt und die Politik der Zerstörung” in Hamburg

Nach 1918 habe „die Idee des totalen Krieges” dann insbesondere hinsichtlich des Luftkrieges „festere Gestalt angenommen” (Chickering weiter). Hierbei waren nicht deutsche, sondern vor allem englische, aber auch italienische Vordenker maßgeblich.</br> Chickering fährt fort: „Vor diesem Hintergrund möchte ich vorschlagen, den Beginn des totalen Krieges auf den Ersten Weltkrieg zu verlegen, und zwar auf seine zweite Hälfte. Damals begannen die Zeitgenossen, den Begriff in der Absicht zu benutzen, die bisherigen Grenzen der Mobilmachung zu überwinden.” Eben nicht nur (Privatier) Ludendorff, sondern auch Lloyd George (britischer Premierminister bis 1922) und Georges Clemenceau (französischer Ministerpräsident bis 1920; genannt „Der Tiger”) hätten den „totalen Krieg” im Sinne „rücksichtsloser Reglementierung sämtlicher Produktivkräfte” als „kriegsentscheidend” erkannt.

Weitere wenig bekannte Aspekte

Verschwiegen wird, dass dem deutschen Volk „totaler Krieg” von der NS-Diktatur als Ausdruck für die Anspannung aller Kräfte und daher als „kürzester Krieg” propagandistisch verkauft wurde. „Totaler Krieg - kürzester Krieg” ­ mit derlei Transparenten war der Sportpalast damals drapiert.

Regelmäßig fehlt in gängigen Darstellungen zur Zeitgeschichte auch der Hinweis, dass der Goebbels-Rede die Konferenz von Casablanca (14. -­ 25. Januar 1943) unmittelbar vorausgegangen war. Auf ihr hatten Präsident Roosevelt (USA) und Premier Churchill (Großbritannien) „uncontional surrender” (= bedingungslose Kapitulation), mithin den kategorischen Ausschluss eines jeden Kompromissfriedens, verkündet. Diese Linie behielten die Alliierten auch gegenüber deutschen Widerständlern gegen die NS-Gewaltherrschaft bis Kriegsende bei. Deren vielfache Versuche, anständige Friedensbedingungen für den Fall des Sturzes bzw. der Beseitigung Hitlers genannt zu bekommen, wurden abgewiesen.

In Casablanca hatten die alliierten Kriegsherren ferner die Arbeitsteilung im Luftkrieg beschlossen: Royal Air Force-Angriffe bei Nacht, Angriffe der US Air Force bei Tage.

Schließlich fehlen in den gängigen Darstellungen zur Sportpalast-Rede folgende nicht belanglose Tatsachen:</br> US-Präsident Franklin Delano Roosevelt hatte schon am 6. Januar 1942, also über ein Jahr zuvor, in einer Rede öffentlich ausdrücklich den „totalen Kriegseinsatz” ausgerufen; knapp eine Woche vor der Goebbels-Rede, nämlich am 12. Februar 1943, proklamierte das US-Staatsoberhaupt, Führer der „Anti-Hitler-Koalition”, in Washington expressis verbis den „totalen Krieg”. (Quelle für beide Roosevelt-Reden das 1946 von der US-Regierung herausgegebene und im besetzten Deutschland verbreitete Buch „Präsident Roosevelt -­ Amerika und Deutschland 1936 ­- 1945.”)

Weblinks

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