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Tiegel (Druckmaschine)
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Als Tiegel wird in der Drucktechnik eine Druckmaschine bezeichnet, bei der sowohl der Press- als auch der Gegendruckkörper je eine ebene Fläche bilden. Tiegeldruckpressen sind Handpressen oder Buchdruckmaschinen, die für den Hochdruck konzipiert sind und nach dem Druckprinzip Fläche gegen Fläche arbeiten. Der Bedruckstoff wird durch den Tiegel parallel auf die Druckform geführt und mit sehr hohem Anpressdruck bedruckt.
In einer Tiegeldruckpresse steht die Druckform senkrecht und wird durch eine rotierende Farbwalze eingefärbt. Der Bedruckstoff wird über einen mit einem Aufzug versehenen Drucktiegel mit einer großen Kraft in die Druckform gebracht. Die Einstellung der Druckstärke wird anhand eines Keilsystems, eines drehbaren Hebelsystems oder über ein Keilsystem vorgenommen. Dies hat den Vorteil, dass die Druckstärke der jeweiligen Druckform angepasst werden kann, da jede Druckform eine andere Druckstärke benötigt.
Der Tiegel ist die bewegliche Gegenplatte, die den Aufzug trägt und normalerweise auch als Papieranlage dient.
Es ist nur möglich, Formate bis DINA3 sauber auszudrucken. Deshalb werden Tiegelpressen vor allem für den Druck kleinformatiger Erzeugnisse verwendet, zum Beispiel für den Druck von Prospekten. Gusseiserne Tiegeldruckpressen finden auch im Prägedruck Anwendung.
Die Stundenleistung liegt bei etwa 5.000 Drucken. Auch der Mehrfarbdruck ist möglich. Dabei müssen Druckfarben, die in Tiegeldruckmaschinen zum Einsatz kommen, über eine geringe Zügigkeit verfügen, damit er bedruckte Bogen nach dem Druck problemlos aus der Presse genommen werden kann.
Je nach der Anordnung der Druckform, Aufbau des Fundaments und der Tiegelbewegung werden Liberty-, Gally-, Boston- und Gordon- Pressen unterschieden.
- Boston System: Sie wurde von Isaac Adam gebaut und wird vor allem in Kleinbetrieben im Accidenzdruck eingesetzt. Das Fundament steht senkrecht und fest. Der Tiegel bewegt sich um eine Welle unterhalb des Fundaments auf die Druckform zu.
- Liberty System: Das Satzfundament ist beweglich und auf einer Welle zusammen mit der Papieranlage. Der Liberty-Tiegel hat zwei gleich aufgebaute Seiten für den Tiegel und das Druckfundament, die beim Druck um einen gemeinsamen Drehpunkt aufeinander zu klappen.
- Gally System: Das Satzfundament steht fest, während die Papieranlage auf einer Gleitbahn liegt. Die Gally-Tiegelpresse hat einen frei gelagerten Tiegel, der über ein System aus Gleitschienen, Knaggen und Schub-/Zugstangen parallel an das Fundament herangeführt wird. Das Fundament steht senkrecht. Der Tiegel nimmt kurz vor dem Druck eine parallele Stellung zum Fundament ein und wird durch Zugstangen an die Druckform gepresst.
- Gordon System: Das Satzfundament ist beweglich auf einer Welle, während die Papieranlage beweglich auf einer separaten Welle liegt. Der Tiegel und das Fundament bewegen sich um getrennte Achsen aufeinander zu.
Jede Tiegelart hat spezifische Vor- und Nachteile im Druckbetrieb. In Deutschland konnten sich nur die Gally- und Bostonpresse durchsetzen.
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Sonderform Handtiegel
Als Handtiegel bezeichnet man im Druckereiwesen kleine Druckpressen nach dem Tiegeldruckprinzip die durch Muskelkraft angetrieben werden. Diese meist handangetriebenen Pressen wurden vorrangig für Akzidenzen verwendet also Visitenkarten, Briefpapier Trauerkarten. Sie waren/sind in der Anschaffung sehr viel günstiger als die automatischen Tiegel und konnten daher auch von kleinen Druckereien betrieben werden.
Handtiegel werden seit ca. 1800 bis heute gebaut und stellen zweifelsohne die Mehrzahl aller jemals gebauten Druckpressen dar. Sie werden im Formatbereich von ca. Briefmarkengröße bis A3+ gebaut. Darüber wird die zu erzeugende Druckkraft zu groß und der Tiegel mit Maschinentrieb bevorzugt. Schwungradgetriebenen Handtiegel (Schwungerzeugung durch Handantrieb und Vorgelege) sind auch bekannt (z.B. Hogenforst EXPRESS). Die Farbwalzen (bis A4 meist 2 Stück bei A3 immer 3) werden beim Handtiegel teilweise durch eine oder mehrere Vereibewalzen unterstützt. Handtiegel gibt es vorrangig in der Boston-Bauweise aber auch als Gally- oder Liberty-Tiegel. Eine Sonderbauform sind die ganz kleinen Tiegel (Visitenkarten und etwas größer), die die Boston-Bauweise ohne Kniegelenk verwendet.
Durch eine Aufwärtsbewegung des Handgriffs öffnet sich der Tiegel. Anschließend wird das Papier von Hand in die Presse eingelegt. Das Färben wird über zwei Auftragswalzen vorgenommen. Die Druckform wird mit zwei Schließwerkzeugen in den Rahmen geschlossen. Anschließend wird sie in das Formbett des Tiegels gegeben und dort befestigt. Der Drucktiegel wird mit der Hand über das Kniehebelsystem an die Druckform gepresst. Nach dem Druck wird der Handgriff nach oben gedrückt und der Tiegel öffnet sich. Der bedruckte Bogen kann entnommen werden.
Klapptiegel
Im April 1789 stellte der Hofdrucker Philippe-Denis Pierres die erste Konstruktion einer Klapptiegelpresse in Paris vor. In einem kastenförmigen Holzgestellt ruhte das Fundament mit der Druckform. Darunter war ein Exzentersystem angebracht. Dieses erzeugte anstelle der Spindel den Anpressdruck. Der Tiegel war durch Eisenscharniere am Gestell befestigt. Der Druckvorgang gestaltete sich genauso wie bei vorherigen Pressen, allerdings wurde ein stärkerer Anpressdruck ausgeübt. Dies ermöglichte das volle Ausdrucken der Druckform. Außerdem war mit dieser Presse ein leichteres Zurückschwenken in die Ausgangsposition möglich.
Tiegeldruckmaschine von Friedrich König
Am 29. März 1810 erhielt Friedrich König ein Patent auf seine Tiegeldruckmaschine. Im April 1811 erfolgte der erste Druck des „Annual Registers“ für 1810 in einer Auflage von 3.000 Exemplaren. Die Druckleistung dieser Maschine lag bei 400 Bogen pro Stunde.
Im Vergleich zu vorherigen Tiegeldruckmaschinen konnte diese einige Neuerungen vorweisen.
Das Gestell aus Holz wurde durch eines aus Eisen ersetzt. Des Weiteren war ein Mühlwerk eingesetzt worden, das den Antrieb gewährleistete. Es gab zwei Auftragswalzen, wobei eine die Druckform bei ihrem Hinlauf und die andere bei ihrem Rücklauf einfärbte. Dieses wurde durch ein abwechselndes Heben und Senken erreicht. Die Färbung wurde durch den Einsatz einer Farbbüchse mit einer dreifachen Führung verbessert.
Die Vorwärts- und Rückwärtsbewegung des Karrens erfolgte durch Treibriemen oder eine Kette über ein Schnurenrad und Endrollen. Das mechanische System wurde insofern verändert, als dass eine Bewegung des Tiegels und des Karrens erreicht wurde, die ein zweimaliges Stillstehen des Karrens während der Auf- und Abbewegung des Tiegels ermöglichte
Diese erste Tiegeldruckmaschine von Friedrich König konnte sich nicht durchsetzen und ein Jahr später wurde sie neu entwickelt.
Siehe auch
Literatur
- Funke, Fritz: Buchkunde. 6. Auflage. München: K.G. Saur Verlag, 1999. ISBN 3-598-11390-0
- Gerhardt, Claus W.: Geschichte der Druckverfahren. Teil II. Der Buchdruck. Stuttgart: Anton Hiersemann Verlag, 1975. ISBN 3-7772-7521-2
- Gutenberg Museum Mainz (Hrsg.): Von Gutenberg zum WorldWideWeb. Wien: Dachs Verlag, 2002.
- Hiller, Helmut und Füssel, Stephan: Wörterbuch des Buches. 6. Auflage. Frankfurt am Main: Vittorio Klostermann Verlag, 2002. ISBN 3-465-03220-9
- Liebau, Dieter und Weschke, Hugo: Polygraph Fachlexikon der Druckindustrie und Kommunikationstechnik. Frankfurt am Main: Polygraph Verlag, 1997.
- Wolkes, Walter: Buchdruck-Schnellpressen und Endlos-Rotationsmaschinen des 19. Jahrhunderts. Band1. Darmstadt: Technische Universität Darmstadt, 2004. ISBN 3-88607-152-9
- Wolfsturm, Hans-Jürgen und Burkhardt, Hermann: Hochdruck. Ravensburg: Ravensburger Buchverlag, 1994. ISBN 3-473-48382-6
Weblinks
Hebelbewegungen beim Antrieb eines Bostontiegels
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