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Thick As A Brick
Aus Kefk.
Das Album „Thick As A Brick“ von der Rock Band Jethro Tull kam im Jahre 1972 auf den Markt.
Es wird von vielen als eines der Karriere-Highlights dieser ungewöhnlichen Band gesehen, wahrscheinlich als das kleinere neben dem herausragenden und innovativen „Aqualung“ von 1971.
Es war das erste Album der Jethro Tull, das Nummer Eins in den Billboard Pop Albums Charts wurde.
Es besteht eigentlich aus nur einem Song, einer sinphonischen Oper, die sich über beide Albumseiten erstreckt. Komponisten und Urheber sind Frontmann Ian Anderson und ein fiktiver „Gerald Bostock“ (siehe unten). Produziert wurde es von Ian Anderson, dem spiritus rector der Band und dem einzigen Bandmitglied, das zu der Zeit der Aufnahme noch von Anfang an dabei war (und auch bis zur bisher letzten Platte 2003 blieb)
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Die Musik
„Thick As A Brick“ wird gern dem sogenannten „progressive Rock“ zugerechnet, Kritiker und Systematiker mögen sich ansonsten nicht recht einigen, welches Etikett sie dem Schaffen der Band insgesamt verpassen wollen. Ganz sicher ist „Thick As A Brick“ neben melodischen Hardrock stark von Folk-Rock-Elementen, Jazz und in Teilen der klassischen symphonischen Musik beeinflußt. Im letzten Punkt passt es gut in einen der Zeitrends. Ekseption, seit den letzten Jahren der 1960er und vor allem die vor allem in England und Deutschland sehr bekannten Hard Rocker Deep Purple mit den von Jon Lord beeinflußten Kompositionen brachten anfang der 1970er Jahre Rockmusik mit zum Teil langen Passagen Barockmusik heraus, die ihr interessiertes Publikum fanden.
Jedenfalls ist „Thick As A Brick“ ein sogenanntens Konzeptalbum oder in der Terminologie der klassischen Musik ein wunderbares Stück Programmmusik, die „Darreichungsform“ als „Beilage“ einer immerhin 12-seitige Zeitung und der parabelartige Aufbau machen dies auch äßerlich deutlich.
Die Musik wechselt vielfach zwischen unterschiedlichen Stilen und Tempi und wirkt im Ganzen wie eine sinfonische Dichtung oder - wegen des Gesangs - eine Kurzoper. Der klassiknahe Eindruck ist nicht zuletzt Andersons brilliantem Flötenspiel geschuldet; aber zugleich er ist es, der damit regelmäßig aus Rahmen fällt und überraschende Brücken zwischen den unterschiedlichen Stilrichtungen schlägt. Skurrile Einfälle prägen die Komposition, finden sich genauso im Libretto und in der Gestaltung der Plattenhülle der Erstausgabe. Sie sind eingebettet in scheinbar Normales, vom Stil her Erwartbares. Die einzelnen Sätze ähneln etwas einzelnen Stücken oder Liedern, sind aber fast immer ohne wirkliche Pausen durchgespielt. Ganz im Sinne der klassischen Sinfonie sind sie mit Wechseln des Themas oder der Sichtweise selben Themas verbunden.
Wie auch die Texte zeigen, geht es um die Welt eines Kindes, dessen Weltsicht durch Erziehungsvorgaben und sogenannte Tabuthemen verbogen und lückenhaft ist, das zwischen altklug und ahnungslos, die Zeit unbeschwerten Spiels sicher hinter sich gelassen hat, aber von vorpubertären Erwartungen bedrückt, ganz sicher noch weit vom Erwachsenen entfernt ist, dabei jedoch von der aufdringlich ambitionierten und missionarischen englischen Umwelt der unteren Mittelklasse in „erwachsene“ Muster gedrängt wurde.
So hält das Album in einigen Punkten scharf, fast zynisch, zugleich mit viel Humor, der Gesellschaft einen Spiegel vors Gesicht.
Der Text, Gedicht eines Achtjährigen?
Laut Covertext wurde der gesamte Text von einem achtjährigen Schuljungen ursprünglich aus Manchester, damals in St. Cleve, geschrieben und an die Band gesandt, die daraus ein Album machte. Dies ist eine absichtlich plazierte Legende.
Gerald Bostock
Ist eine Kunstfigur, hinter der sich ziemlich sicher Ian Anderson verbrigt, zu der möglicherweise auch seiner damaligen Freunde, Bandkollegen und andere beigetragen haben. Vor allem, meinen viele, sei der gedankliche Einfluß von Monty Python unverkennbar. Sohn braver kirchentreuer bürgerlicher Eltern, soll der Junge ein dichterisches Talent entwicklt haben, weshalb er den Spitznamen „Little Milton“ - der kleine Milton, nach dem gleichnamigen Dichter - bekam. Allerdings hat er schon mit acht Jahren unverständliche und angeblich anstößige Dinge gesagt und wird in der Presse gleich in die Nähe der angeblich immer randalierenden und unflätigen Rockmusiker seiner Zeit gestellt und sogar ins Irrenhaus eingewiesen, um einen Preis für kindliche Dichtkunst an ein angepaßteres kleines Mädchen geben zu können.
Ganz im Stile des Monty Pythons flying circus haben die Musiker und ihr Umfeld 1972 beim Erscheinen der Platte öffentlich über ihn gesprochen, ohne die (offenkundige) Legende ausdrücklich zu lüften. Selbst heute taucht gelegentlich der Name Bostock noch in Interviews mit Ian Anderson auf und es wird nach ihm gefragt oder über ihn gesprochen, als ob er eine reale Person sei.
Dick, wie ein Ziegelstein
Das Gedicht „Thick As A Brick“ ist in einzelne Strophen oder Passagen gegliedert.
Das Cover der Erstausgabe
Es handelt sich dabei um eine typische englische Kleinstadtzeitung ihrer Zeit. Der Titel: the „St. Cleve Chronicle“ & Lindwell Advertizer; die Hauptschlagzeile läuft gleich unter der Kopfleiste quer über die erste Seite und ist der Albumtitel: „Thick As A Brick.“ Ein rotes Feld im Seitenkopf weist auf einen „Tethro Tull“ Feature Artikel auf Seite 7 hin. Ansonsten gibt es keine sichtbaren Hinweise auf die Schallplatte, und selbst diese fügen sich so in das Erscheinungsbild als Zeitung ein, daß sie einem Unkundigen auf den ersten Blick wahrscheinlich nicht auffallen.
Der „Feature Artikel“ über Jethro Tull erweist sich als ein relativ kleines Artikelchen, das man ganz unten innen eingeklemmt zwischen Comik, Horoskop und Radioprogramm leicht übersehen könnte. Inhaltlich soll es auch eher den Eindruck eines dieser typischen schlecht gemachten Beiträge aus der Feder von public relations Abteilungen machen, die fast nichts mitzuteilen haben und dieses wortreich mit unnützen Details und Namensnennungen bis hin zum Kaffeträger tun. So heißt es da über das Album: „Jeffrey Hammond-Hammond spielte die Bassgitarre und sprach ein paar Worte“ („Jeffrey Hammond-Hammond played bass guitar and spoke some words“) — wie einiges Andere im „St. Cleve Chronicle“ — doppelbödiger Humor mit einer verflixten Nähe zur Realsatire. Viel wichtiger ist der eigentliche Hauptartikel der Doppelseite, der über die halbe Blatthöhe den gesamten Text des Platte wiedergibt. Unter der Überschrift „Thick As A Brick. By Gerald "Little Milton" Bostock“ heißt es in der Einleitung: „… drucken wir hier zum Nachlesen für Jedermann … Gerald Bostock's umstrittenes Gedicht ab, das so viele Kontroversen ausgelöst hat (Der Herausgeber)“
Die Mitwirkenden
- Ian Anderson (Querflöte und Gesang, ferner akustische Gitarre, Violine, Saxophon und Trompete)
- Martin Barre (elektrische Gitarre, Laute)
- John Evan (Tasteninstrumente: Klavier, Hammond-Orgel, Harpsichord)
- Jeffrey Hammond-Hammond (Bass und Gesang)
- Barriemore Barlow (Schlagzeug, Tympani)
Jethro Tull spielte in dieser Besetzung von etwa Mai 1971 bis Ende 1975 und nahm fünf Alben auf. Neben „Thick As A Brick“ (1972) noch „Living In The Past“ (1972), „A Passion Play“ (1973), „WarChild“ (1974) und „Minstrel In The Gallery“ (1975)
Trackliste
- Seite - Thick As A Brick, Part I (22:31)
- Seite - Thick As A Brick, Part II (21:06)
Historie der Ausgaben
Das Album, eine LP, kam zuerst im Jahre 1972 bei Chrysalis heraus, in eine nachgemachte Zeitung verpackt. Es wurde mehrfach in verschiedenen Covern neu aufgelegt, ist auch als (digitally remastered) CD erhältlich und war ab 1997 noch einmal mit einem Reprint des originalen Zeitungscovers der LP-Erstauflage erhältlich.
Wenigstens die Außenseiten des Chronicle wurden zwischen verschiedenen Ländern und bei verschiedenen Auflagen verändert, wie [1] [2] und die Fotos auf dieser Seite zeigen.
Weblinks
- Der vollständige Gesangstext bei Cup of Wonder, the annotated Jethro Tull Lyrics page.
- http://www.cupofwonder.com/thickas2.html
- http://www.cupofwonder.com/thickas3.html
- http://www.j-tull.com/discography/thickasabrick/index.html
