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Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek
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Die Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek (kurz ThULB) ist die Universitätsbibliothek der Stadt Jena. Sie ist aus der Bibliotheca Electoralis des sächsischen Kurfürsten Friedrich III. und seiner Nachfolger hervorgegangen. Diese Bibliothek wurde ursprünglich von der Wittenberger Universität genutzt und kam 1549 über Weimar nach Jena.
Um 1800, in einer Zeit des letzten, sehr intensiven Aufblühens der „spezifischen Bildungskultur der Gesellschaft der deutschen Spätaufklärung“ (Otto Dann) erlebten Jena und Weimar einen heftigen Aufschwung, gefolgt von einer Krise. 1817 erhielt Goethe als zuständiger Minister den Auftrag, das „stockende Wesen“ der Bibliothek in Jena zu beleben. Er bewirkte einen umfassenden Umschwung zu einer Gebrauchsbibliothek. Gegen Ende des Jahrhunderts etablierten Carl Zeiss und Ernst Abbe die von nun an charakteristische Verbindung von Industrie und Universität.
In diesen Kosmos griffen die Nationalsozialisten ein. Sie verfügten jedoch weder über die geistige Potenz noch über die Zeit für ein neues Konzept. So zehrte der Nationalsozialismus die Hochschule aus und überließ sie nach 1945 einem schwierigen Neubeginn, schwierig aus personellen und wirtschaftlichen Gründen, schwierig jedoch auch wegen der Notwendigkeit, ethisch-moralische Konsequenzen zu ziehen.
Mit der Zerstörung ihres Gebäudes im Februar 1945 begann für die Bibliothek eine mehr als fünf Jahrzehnte währende schwierige Etappe, geprägt von dezentralen Provisorien und zahlreichen Umzügen. Zudem umfasste das Konzept eines einheitlichen sozialistischen Bildungssystems auch die Bibliothek. Es kam zu groben Fehlern, nicht nur bei der Einschätzung des essentiell nötigen geistigen Freiraums, sondern auch bei der Kapazitätsplanung. Eine lebendige Wissenschaft, die vom Austausch und der Wahrnehmung anderen Gedankenguts lebt, war unter diesen Bedingungen nicht möglich. Der Anteil der Forschung in den Universitäten wurde zu gering, auch wenn – wie in Jena – die örtliche Industrie aus wohlverstandenem Eigeninteresse dagegen ansteuerte.
Im Jahre 1991 wurde die Bibliothek in Jena zur Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek (ThULB). Wesentliche Bestandslücken wurden durch zusätzliche Erwerbungsmittel von Bund und Land geschlossen. Ein neues Bibliothekshauptgebäude konnte im Dezember 2001 eröffnet werden. Der Bestand beträgt etwa 3,9 Mio. Einheiten (Stand: 2005). Geleitet wird die Bibliothek von Dr. Sabine Wefers.
Literatur
- Sabine Wefers: Konzeptionelles zur Landesbibliothek im Informationszeitalter, in: Erland Kolding Nielson, Klaus G. Saur, Klaus Ceynowa (Hrsg.): Die innovative Bibliothek, München 2005, S. 261-270, ISBN 3-598-11731-0
Koordinaten: 50° 55′ 50″ n. Br., 011° 35′ 16″ ö. L.
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