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Taubenschwänzchen
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| Bild:Macroglossum stellatarum01.jpg Taubenschwänzchen (Macroglossum stellatarum) | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Macroglossum stellatarum | ||||||||||||
| (Linnaeus, 1758) |
Das Taubenschwänzchen oder Karpfenschwanz (Macroglossum stellatarum; bei seiner Erstbeschreibung durch Linné Sphinx stellatarum genannt) ist ein Schmetterling (Nachtfalter) aus der Familie der Schwärmer (Sphingidae). Sein deutscher Name leitet sich vom zweigeteilten Haarbüschel am Hinterleibsende ab, das eine gewisse Ähnlichkeit mit den Schwanzfedern von Tauben hat. Als Wanderfalter ist das Taubenschwänzchen in fast ganz Europa bekannt. Wegen seines auffälligen Flugverhaltens, das dem eines Kolibris ähnelt, wird es auch Kolibrischwärmer genannt; zahlreiche „Kolibrisichtungen“ in Europa gehen auf diese Art zurück.
Inhaltsverzeichnis |
Merkmale
Falter
Die Falter erreichen im westlichen Verbreitungsgebiet eine Flügelspannweite von 36 bis 50 Millimetern und haben ein Gewicht von etwa 0,3 Gramm. Im östlichen Verbreitungsgebiet werden sie etwas größer und erreichen Spannweiten von 40 bis 76 Millimetern. Der gedrungene Körper der Tiere ist besonders am Thorax behaart und hat auf der Oberseite in etwa die gleiche graubraune Färbung, wie die Oberseiten der Vorderflügel. Nur am Ende des Hinterleibs wird die Färbung dunkler. Dort tragen die Tiere einen braun-schwarzen, zweigeteilten Haarbüschel. An den Seiten des Körpers kann man mehrere weißliche Haarbüschel erkennen, die sich, besonders von unten gesehen, von der dunkel grau und braun gefärbten Unterseite des Hinterleibes abheben. Die Körperunterseite von Kopf und Thorax ist hellgrau.
Sie haben graubraune Vorderflügeloberseiten, die unauffällig mit zwei schmalen, gewellten, dunkelbraunen Binden versehen sind. Diese verlaufen in etwa an den Flügeldritteln, die weiter außen gelegene Binde endet ungefähr in der Mitte des Flügels. Die deutlich kleineren Hinterflügel sind orangebraun und am Außenrand schwärzlich gefärbt. Ihre Unterseite ist ähnlich wie ihre Oberseite gefärbt, am Flügelansatz entlang der gesamten Innenseite ist sie aber gelblich. Die Unterseite der Vorderflügel ist komplett braunorange gefärbt. Selten kommen bei den Taubenschwänzchen helle oder dunkle Farbvarianten vor.
Wie fast alle Schwärmer haben auch die Taubenschwänzchen einen langen Saugrüssel, unter den tagaktiven Faltern ist er aber mit 25 bis 28 Millimetern der längste. Die zum Ende hin kontinuierlich breiter werdenden, keulenförmigen, fein in Ringen beschuppten Fühler sind ebenso typisch für viele Arten der Familie. Ihre Facettenaugen sind hell, haben aber einen dunklen Kern und manchmal auch weitere dunkle Bereiche. Die dunkle Mitte erweckt den Anschein einer großen Pupille.
Raupen
Die Raupen werden 45 bis 50 Millimeter lang und sind variabel gefärbt. Ihre Grundfärbung ist meist grün, es gibt aber auch braune, rotbraune oder grauviolette Exemplare. Die Kopfkapsel hat dabei jeweils die gleiche Färbung. Der Körper der Raupen ist überall fein gelblich-weiß punktiert. Sie tragen an den Seiten zwei Längslinien, eine weiße etwa auf der Körpermitte und eine gelbe unterhalb der braunen Stigmen. Nach oben haben beide Linien einen dunklen Schatten. Die obere Linie verläuft bis kurz vor die Spitze des Analhorns, einem spitzen Horn am Hinterleibsende, das bei nahezu allen Schwärmerraupen charakteristisch ist. Das Analhorn ist bei jungen Raupen rotviolett, später ist es bläulich bis blaugrau, hat eine gelbe bis orange Spitze und ist leicht dunkel gepunktet. Die Thorakalbeine sind braun, die Bauchbeine haben eine rosa gefärbte Basis auf die ein heller und ein schwarzer Bereich folgen.
Ähnliche Arten
- Nachtkerzenschwärmer, Proserpinus proserpina (Pallas, 1772); Der Außenrand der Flügel ist stark unregelmäßig, die Vorderflügel sind hell und haben eine breite dunkle Binde und sind auch um den Außenrand dunkel. Die Raupen teilen keine Ähnlichkeiten.
- Olivgrüner Hummelschwärmer, Hemaris croatica (Esper, 1800); Die Flügel sind zur einen Hälfte olivgrün zur anderen weinrot gefärbt, die Hinterflügel sind kräftig siegellackrot, der Hinterleib wird von zwei violettroten und zwei, hell gelbbraunen bis olivgrünen, an den Seiten hellen Segmenten, dominiert. Die Raupen sind sehr ähnlich, ihnen fehlt aber die untere Längslinie.
Verbreitung und Lebensraum
Gesamtverbreitung
Bild:Distribution map Macroglossum stellatarum.svg Das eigentliche Verbreitungsgebiet der Tiere erstreckt sich über die gesamte Ost-West-Länge der Paläarktis. Die südliche Grenze verläuft dabei von Nordafrika über den Nahen Osten und Pakistan sowie die Südgrenze Chinas, östlich bis nach Japan. Die nördliche Verbreitungsgrenze ist nicht exakt abgrenzbar, verläuft aber ungefähr vom Norden Frankreichs nach Süden, um sich südlich der Alpen weiter über Südosteuropa, die Türkei, den südlichen Teil Kasachstans und die Nordgrenze Chinas zu erstrecken. Diese Grenze ist deswegen schwer festzulegen, da die Falter in immer nördlicheren Gebieten erfolgreich überwintern können. Weitere Informationen über diese Ausbreitung befinden sich im Abschnitt Wanderflüge und Flugzeiten der Falter.
Taubenschwänzchen sind aber auch als Wanderfalter bekannt und erschließen in den Sommer- bzw. Wintermonaten durch ihren ausdauernden Flug neue Areale. Sie kommen dann in Europa bis in den hohen Norden, in Großbritannien, Island und in weiten Teilen Russlands (im Osten bis Sachalin) vor. Im Winter findet man sie auch südlicher als sonst. Ihre Verbreitung reicht dann im Westen bis nach Gambia und in Asien vereinzelt in die südlichen, tropischen Bereiche, wie Indien und Vietnam.[1]
Interessant ist, dass ein Exemplar auf der Insel Unimak in Alaska gefunden wurde. Man entdeckte es im Jahre 1968 als präpariertes Tier in einer Sammlung der University of Washington. Es wird vermutet, dass es zwischen 1930 und 1950 eingefangen wurde.[2]
Neben dem Totenkopfschwärmer (Acherontia atropos) ist das Taubenschwänzchen der einzige Vertreter der Schwärmer auf den Azoren, auf denen sehr wenige kontinentaleuropäische Arten vorkommen.[2]
Vertikale Verbreitung
Die Falter findet man in allen Höhenstufen vom Meeresspiegel bis in die subalpine Vegetationszone. Die Raupen leben allerdings in geringeren Höhen, man findet sie bis in die unteren Bereiche der montanen Stufe. Für die Alpen bedeutet dies, dass Falter bis etwa 1.500 Meter Seehöhe anzutreffen sind, Raupen dagegen nur bis etwa 1.000 Meter.
Lebensraum
Das Taubenschwänzchen kann man, wie auch andere wandernde Schwärmerarten, wie beispielsweise den Windenschwärmer, nahezu überall im offenen Gelände vorfinden. Einzige Voraussetzung ist, dass genügend nektarreiche Futterpflanzen existieren. Ihr Vorkommen beschränkt sich nicht nur auf naturnahe Bereiche, wie z. B. Trockenrasen und Wiesen, sie kommen auch in Parks und Gärten und sogar in Städten an Balkonen vor, sollten dort blühende Pflanzen wachsen. Dies ist auch der Grund, warum zahlreiche Menschen diese auffällig fliegenden Tiere häufig wahrnehmen. Der einzige Biotoptyp, der von den Tieren gemieden wird, sind dichte Wälder.
Die Eiablageplätze, und damit verbunden das Raupenvorkommen, sind seltener, da die Falter ihre Eier nur an Plätzen ablegen, an denen sowohl genügend Nektarpflanzen wachsen, als auch Raupenfutterpflanzen vorhanden sind. Dies deshalb, da die Weibchen während der lange andauernden Eiablage immer wieder Nektar zu sich nehmen müssen. Ideale Habitate sind warme und sonnige Wiesen oder Acker- und Waldränder mit Labkrautbewuchs und vielen blütenreichen Pflanzen.
Lebensweise
Die Taubenschwänzchen sind, unüblich für Schwärmer, tagaktiv. Darüber hinaus fliegen sie auch bei Dämmerung und manchmal sogar auch nachts, was vereinzelte Lichtfänge dokumentieren. Auch an stark bewölkten Tagen, bei Regen und bei Temperaturen um 10 °C sind sie aktiv. Bei Kälte vibrieren sie sitzend (Wärmezittern), anders als andere Schwärmer nicht mit ausgebreiteten, sondern mit flach über dem Körper versetzten Flügeln. Sie nutzen jede sich bietende Wärmequelle, beispielsweise ruhen sie mit geöffneten Flügeln auf sonnenbeschienenen Steinen und lassen sich sowohl von den Sonnenstrahlen als auch von der abgestrahlten Wärme der Steine gleichermaßen wärmen. An sehr heißen Tagen fliegen sie bevorzugt in der Früh und am Abend und ruhen während des Temperaturmaximums.
Die wenig scheuen Tiere versammeln sich am Abend oft zu Schlafgemeinschaften. Dazu suchen sie meist vertikale, von der Sonne aufgewärmte Felsflächen, oder ähnliches auf. Das Sammeln der Tiere dient aber auch der Partnersuche, die weiter unten beschrieben wird.
Beachtenswert ist das Erinnerungsvermögen der Falter. Sie kehren Tag für Tag an reichhaltige Nektarquellen zurück, ebenso bleiben sie ihren Ruhe- und Schlafplätzen oft ein ganzes Falterleben lang treu.[2]
Flugverhalten
Schwärmer im Allgemeinen sind ausgezeichnete Flieger, was somit auch auf das Taubenschwänzchen zutrifft. Ihr Flug ist sehr schnell und wendig und ähnelt dem von Kolibris: Beim Nektarsaugen stehen sie im Schwirrflug vor den Blüten und saugen mit ihrem langen Saugrüssel, den sie bereits beim Anflug ausrollen und zielsicher in die Blütenkelche einführen. Sie gehören zu den wenigen Insekten, die auch rückwärts fliegen können. Sie können sogar kleinste Pflanzenbewegungen, die durch Wind verursacht werden, mit ihren guten Augen wahrnehmen und perfekt durch ihren Flug kompensieren, so dass ihre Position zur Blüte immer konstant bleibt.[3] Die Schlagfrequenz der Flügel beträgt ungefähr 70 bis 90 Schläge in der Sekunde, die Fluggeschwindigkeit beträgt in den Spitzen bis zu 80 km/h.[4]
Der Film zeigt ein Taubenschwänzchen bei der Nektarsuche an Sommerflieder (41 Sekunden Film). Die Geschwindigkeit des Films ist originalgetreu.
Nahrung der Raupen
Nach Ebert ernähren sich die Raupen in Baden-Württemberg ausschließlich von vier der dort vorkommenden zwölf Labkräuter (Galium). Dabei handelt es sich um Echtes Labkraut (Galium verum), Wald-Labkraut (Galium sylvaticum), Wiesen-Labkraut (Galium mollugo) und Kletten-Labkraut (Galium aparine). Weidemann erwähnt weiters Waldmeister (Galium odoratum) und Färberkrapp (Rubia tinctorum) bei Raupen aus den Niederlanden. Betrachtet man das gesamte Verbreitungsgebiet der Art, so fressen die Raupen im westlichen Verbreitungsgebiet vor allem an Labkräutern, in Südeuropa und weiter südlich wie auch im östlichen Verbreitungsgebiet werden aber Pflanzen der Gattung Rubia bevorzugt. Daneben kann man vereinzelt Raupen an anderen Rötegewächsen (Rubiaceae), wie z. B. Sternmieren (Stellaria), Spornblumen (Centranthus), Jaubertia und Weidenröschen (Epilobium) finden.[2]
Ernährung der Falter
Der Energieverbrauch der Falter ist, bedingt durch ihr Flugverhalten, enorm hoch. Sie benötigen bei einem Eigengewicht von ca. 0,3 Gramm pro Tag etwa 0,5 Milliliter Nektar. Um diese Menge zu saugen, müssen entsprechend viele Blüten in kurzer Zeit angeflogen werden. Ein Taubenschwänzchen kann deshalb bei zusammengesetzten Blütenständen, wie Dolden oder Rispen, bis zu 100 Blüten in der Minute aussaugen. Auf den Tag gerechnet müssen je nach Nektarqualität beispielsweise 1350 bis 4950 Blüten des Roten Fingerhutes (Digitalis purpurea) oder immerhin 470 bis 2150 des Schmalblättrigen Weidenröschens (Epilobium angustifolium) angeflogen werden.[5] Da der Flug energieaufwendig ist, nutzen die Tiere ein großes Futterangebot so aus, dass sie kurze Wege fliegen und nacheinander die Blüten einer Pflanze mit ruckartigen Bewegungen abfliegen um dann zur nächsten Pflanze, meist von der gleichen Art, weiterzufliegen.
Blütenauswahl
Die Tiere sind nicht wählerisch und fliegen die Blüten dutzender Pflanzenarten an. Dies hat den Vorteil, dass sie zu jeder Jahreszeit ein optimales Angebot an Nektarquellen vorfinden. Allerdings bevorzugen sie solche Blüten, die reich an Nektar sind, sowie lange und schmale Blütenkelche haben. Bei diesen ist die Konkurrenz anderer Nektar suchender Insekten meist gering, weil die Blüten wegen ihrer Form nur schwer zu erreichen sind. Unter Laborbedingungen konnte man eine Vorliebe für bestimmte Farben erkennen. Die meisten Falter fliegen nach dem Schlüpfen und unbeeinflusst von anderen als genetischen Faktoren überwiegend blaue Blüten an, vereinzelt aber auch violette und gelbe.[6]
Die Tiere fliegen aber in der Natur eine weitaus größere Anzahl an Farben an. Dieses Verhalten wurde hinreichend erforscht. Dabei stellte sich heraus, dass Taubenschwänzchen lernen, an welchen Blüten sie genügend Nektar finden können, sie also Erfahrungen im Blütenanflug sammeln. Dazu wurden hungrigen Faltern zwei gelbe und zwei blaue Papierblüten angeboten, wobei nur die gelben Nektar enthielten. Anfangs flogen die Tiere, wie sie es natürlicherweise tun würden, nur die blauen Blüten an und ignorierten die gelben, verzeichneten also keine Erfolge. Nachdem man ihnen aber die Chance gab, auch aus den blauen Blüten Nektar zu saugen, wurden 95 % der Versuchstiere durch ihre Erfolge motiviert, auch die gelben anzufliegen. Bei erneutem Aufstellen von blauen Blüten ohne Nektar flogen 80 % der Falter nach 40 Blütenbesuchen nur noch gelbe Blüten an, da sie gelernt hatten, dass nur diese Nektar enthielten. Sie können auch nach einem erfolgten Training auf bestimmte Blüten, auf andere umtrainiert werden.[7] Der Anflug wird darüber hinaus durch einen Hintergrund, der sich stark von der bevorzugten Farbe unterscheidet, verstärkt.[6] Aus diesen Versuchen ergab sich, dass Taubenschwänzchen im Vergleich zu anderen Schmetterlingen sehr lernfähig, aber in dieser Hinsicht trotzdem deutlich langsamer als beispielsweise Honigbienen sind. Die Anpassungsfähigkeit durch Lernen wird damit begründet, dass Taubenschwänzchen im Laufe ihres etwa viermonatigen Lebens und dem Zurücklegen von großen Distanzen über mehrere Klimazonen mit Vegetationsänderungen konfrontiert werden.[7]
Für das Lichtspektrum bedeutet die angeborene Farbauswahl, dass die Falter im Bereich von 440 nm (zwischen blau und violett) stark angezogen werden und der Bereich von 540 nm (gelb) eine schwache Anziehung ausübt.[6] Bei ähnlichen Testreihen mit Licht, dessen Helligkeit variiert wurde, konnte man feststellen, dass Taubenschwänzchen drei Farbrezeptoren haben, mit denen sie das Licht im gleichen Spektralbereich sehen, wie es auch Menschen können. Dies ist bis jetzt nur bei sehr wenigen Schmetterlingen nachgewiesen.[8]
Neben der Blütenfarbe spielt die Größe der Blüten ebenso eine Rolle. Bevorzugt werden anfangs Blüten, die etwa 30 Millimeter Durchmesser haben. Diese Vorliebe wird aber schon bald durch Erfahrung geändert, sodass Blüten mit einem Durchmesser zwischen 3 und 50 Millimetern angeflogen werden.[6]
Die unten angeführten Gattungen sollen einen Überblick über einen Teil der wichtigsten Nektarpflanzen geben:
- Klee (Trifolium)
- Fuchsien (Fuchsia)
- Storchschnäbel (Geranium)
- Flammenblumen (Phlox)
- Natternkopf (Echium)
- Schneckenklee (Medicago)
- Verbenen (Verbena)
- Flieder (Syringa)
- Veilchen (Viola)
- Primeln (Primula)
- Tabak (Nicotiana)
- Buddleja (z.B. Sommerflieder)
- Jasmin (Jasminum)
- Zieste (Stachys)
Unter den Nektarpflanzen finden sich sowohl einige Kulturpflanzen, wie z. B. Rotklee und Luzerne, als auch Garten- und Balkonpflanzen, wie z. B. Fuchsien, Petunien, Buddleja und Phlox.
Wanderflüge und Flugzeiten der Falter
Wie schon oben erwähnt legen Taubenschwänzchen als Wanderfalter große Distanzen zurück. Sie können dabei bis zu 3.000 Kilometer in weniger als 14 Tagen bewältigen.[4] In Mitteleuropa kann man drei Flugmaxima feststellen, in denen die Falter häufiger als sonst beobachtet werden: Ende Juni, Mitte Juli und zwischen August und September. Da man aber keine eindeutigen Abgrenzungen hinsichtlich der Generationen vornehmen kann, kann man darauf schließen, dass sich zufliegende Tiere mit jenen, die sich hier entwickeln, vermischen. Dabei handelt es sich bei den ersten beiden Falterschüben um jene Tiere, die zuvor im wärmeren Süden geschlüpft sind und nach Norden fliegen. Deren Nachkommen fliegen dann erst ab Mitte August. Zwischen diesen beiden Gruppen ist ein eindeutiger Rückgang an gesichteten Individuen zwischen Juli und August zu erkennen. Zur kalten Jahreszeit hin verringern sich die beobachteten Sichtungen naturgemäß stark. Man weiß bis jetzt aber noch nicht, wohin die Falter vor dem Winter verschwinden. Entweder sie fliegen zurück in den Süden, was aber nicht erwiesen ist, oder sie überwintern gut geschützt. Für Letzteres sprechen zumindest vereinzelte Funde von überwinternden Faltern, denn es gibt in allen Monaten des Jahres Falter, die, sei es in Winterquartieren an geschützten Orten, wie beispielsweise in Höhlen, in hohlen Stämmen und auch in Häusern, oder an wärmeren Wintertagen beim Flug, beobachtet werden können. Deswegen ist es als gesichert anzusehen, dass zumindest ein Teil der Falter auch in Mitteleuropa erfolgreich überwintert. Dies ist z. B. für Oberschwaben und die Oberrheinebene gut dokumentiert.
Raupenzeiten
Im Vergleich zu den sehr auffälligen Faltern werden nur sehr wenige Raupen und andere Entwicklungsstadien des Taubenschwänzchens beobachtet. Nach Ebert betreffen nur etwa zwei Prozent der Meldungen Präimaginalstadien, also Eier, Raupen und Puppen. Aus diesen Informationen kann man im Gegensatz zu den Faltersichtungen viel schwerer Rückschlüsse auf Generationenfolgen treffen. Aus frühen Raupenfunden im Jahr (Anfang Juni), bei denen die Entwicklung der Tiere weit fortgeschritten sein kann, ergibt sich erneut, dass die Falter zumindest vereinzelt in Mitteleuropa überwintern. Denn zu dieser Zeit sind noch keine Falter aus dem Süden eingeflogen, es kann sich folglich nur um Nachkommen von heimischen Faltern handeln, die ihre Eier zeitig gelegt haben. Raupen findet man in Mitteleuropa beginnend im Juni und im Juli. Die aus dem Juni stammen allesamt von überwinternden Faltern, die späteren auch von denen, die aus dem Süden eingeflogen sind, die ihre Eier vor allem im Juli legen. Die nächste Generation von Faltern erscheint dann Mitte August.
Paarung und Eiablage
Die Suche nach geeigneten Geschlechtspartnern findet in der Regel an den Schlafplätzen, also senkrechten Stein- oder Erdwänden statt, die durch die Sonne aufgewärmt sind. Die Männchen fliegen schnell entlang dieser Stellen, bis sie ein paarungsbereites Weibchen entdeckt haben. Dieses sendet zum Anlocken Pheromone aus, was man gut anhand der ausgestülpten Pheromondrüsen am Hinterleib erkennen kann. Haben sich zwei Partner gefunden, fliegen sie gemeinsam lebhaft umher. Die Begattung findet im Sitzen statt und dauert meist weniger als eine Stunde, kann aber auch zwei dauern. Sie sitzen dabei mit dem Körper in entgegengesetzten Richtungen und sind am Hinterleib aneinandergekoppelt. Bei Störung ist es dem Pärchen ohne Trennung möglich gemeinsam zu fliegen.
Die Weibchen begeben sich nach der Paarung auf Nektarsuche und legen erst anschließend ihre Eier ab. Dies erfolgt meist am späten Nachmittag. Sie suchen dazu geeignete, an sonnigen Plätzen stehende Pflanzen und fliegen im Schwirrflug an diese heran, um jeweils ein Ei durch Vorbiegen des Hinterleibes anzuheften. Die Pflanzen werden vor der Eiablage genauestens, Ästchen für Ästchen inspiziert. Gelegt wird immer nur ein Ei pro Pflanze an die jungen Knospen, die noch nicht aufgeblüht sind. Im Gesamten werden bis zu 200 Eier auf diese Weise gelegt, und in der Zwischenzeit immer wieder Nektar gesogen, was die ganze Prozedur entsprechend lange dauern lässt.
Entwicklung
Die Eier sind nahezu kugelig (0,84 mm hoch, 0,95 mm breit) und haben eine schimmernd hellgrüne Farbe. Sie erinnern auf den ersten Blick an ungeöffnete Knospen der Futterpflanzen. Nach sechs bis acht Tagen schlüpfen die Raupen. Sie haben anfangs eine Länge von etwa zwei bis drei Millimetern und sind leicht durchsichtig gelblich gefärbt. Gleich nach dem Schlupf beginnen sie zu fressen. Sie tun dies zunächst verborgen, später offen an der Spitze der Pflanze sitzend. Sie bevorzugen keine bestimmten Fresszeiten, sondern fressen nachts wie auch tagsüber. Schon bald sind sie bereit für die erste Häutung. Diese findet, wie die Rast der Tiere in Fresspausen, zwischen miteinander versponnenen Ästchen der Futterpflanze statt. Erst nach der ersten Häutung haben sie die im Kapitel Merkmale der Raupe beschriebene Färbung. Diese behalten sie bis kurz vor der Verpuppung, vor der sie sich dann rotbraun-violett verfärben. Manchmal findet man die Raupen in Gesellschaft mit Raupen des Kleinen Weinschwärmers (Deilephila porcellus), die ähnliche Habitatansprüche und Futterpflanzen haben.
Wenn die Raupe optimale Bedingungen vorgefunden hat, ist sie nach etwa 20 Tagen ausgewachsen und bereit für die Verpuppung. Diese findet entweder an den unteren Teilen der Futterpflanze hängend, oder am Boden zwischen Pflanzenteilen, in einem sehr lockeren Gespinst statt. Die darin enthaltene Puppe ist etwa 30 bis 35 Millimeter lang und leicht durchsichtig, so dass man den fertigen Falter vor dem Schlupf erahnen kann. Sie ist hell ockerfarben und hat überall dunkelbraune Sprenkel. Der Bereich zwischen den Hinterleibssegmenten ist hell rotbraun gefärbt. Die Stigmen sind als dunkle Punkte seitlich zu erkennen. Der Saugrüssel und auch die Fühler sind deutlich sichtbar in der Puppenhülle integriert. Der Saugrüssel bildet an der Kopfseite der Puppenhülle eine gebogene Ausbuchtung, ist schwarz gefärbt und verläuft entrollt entlang der Oberseite der Puppe. Auch die Augen sind gut erkennbar. Das Hinterleibsende läuft spitz zu und endet mit zwei sehr eng aneinanderliegenden Stacheln.
Gefährdung und Schutz
Das Taubenschwänzchen ist weit verbreitet und kommt häufig vor, es ist deswegen nicht gefährdet.
Spezialisierte Feinde
Die Raupen der Taubenschwänzchen werden von mehreren spezialisierten Parasitoiden befallen. Dabei handelt es sich im westlichen Verbreitungsgebiet um Schlupfwespen (Amblyjoppa fuscipennis und Ischnus migrator), Brackwespen (Cotesia glomeratus) und Raupenfliegen (Exorista larvarum und Oswaldia spectabilis). Im östlichen Verbreitungsgebiet sind keine Parasitoide bekannt. Die Weibchen der Feinde legen ihre Eier auf den Raupen ab, in denen sich dann die geschlüpften Larven entwickeln werden. Die Verpuppung findet in der Regel an der Außenseite der mittlerweile zugrundegegangenen Raupe statt.[2]
Referenzen
Einzelnachweise
- ↑ A.R. Pittaway (Hrsg.): Sphingidae of the Eastern Palaearctic. (Zugriff am 07.03.2007)
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Dieses Dokument entstammt in seiner ersten oder einer späteren Version der deutschsprachigen Wikipedia. Es ist dort zu finden unter dem Stichwort Taubenschw%C3%A4nzchen, die Liste der bisherigen Autoren befindet sich in der Versionsliste; die Originalfassung kann dort auch bearbeitet werden. Alle Texte der Wikipedia und ihre Derivate stehen unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. - ↑ W. M. Farina, D. Varjú, Y. Zhou: The regulation of distance to dummy flowers during hovering flight in the hawk moth Macroglossum stellatarum. In: Journal of Comparative Physiology A: Neuroethology, Sensory, Neural, and Behavioral Physiology Vol. 200, Number 2, 239-247 (02/1994)
- . a b
Arbeitsgemeinschaft Ornithologie und Naturschutz - AGON Schwerte (Hrsg.): Das Taubenschwänzchen. (Zugriff am 10.10.2006)
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- . a b c d A. Kelber: Innate preferences for flower features in the hawkmoth Macroglossum stellatarum. In: The Journal of Experimental Biology Vol 200, Issue 4, 827–836 (1997)
- . a b A. Kelber: Colour learning in the hawkmoth Macroglossum stellatarum. In: Journal of Experimental Biology, Vol 199, Issue 5, 1127-1131 (1996)
- ↑ A. Kelber, U. Henique: Trichromatic colour vision in the hummingbird hawkmoth, Macroglossum stellatarum L.. In: Journal of Comparative Physiology A: Neuroethology, Sensory, Neural, and Behavioral Physiology, Vol 184, Number 5, 535-541 (06/1999)
Literatur
- Günter Ebert: Die Schmetterlinge Baden Württembergs Band 4, Nachtfalter II (Bombycidae, Endromidae, Lemoniidae, Saturniidae, Sphingidae, Drepanidae, Notodontidae, Dilobidae, Lymantriidae, Ctenuchidae, Nolidae), Ulmer Verlag Stuttgart 1994, ISBN 3-800-13474-8
- Manfred Koch: Wir bestimmen. Schmetterlinge. Band 2. Bären, Spinner, Schwärmer und Bohrer Deutschlands, Neumann Verlag Radebeul 2. Auflage 1964
- Hans-Josef Weidemann, Jochen Köhler: Nachtfalter, Spinner und Schwärmer, Naturbuch-Verlag, Augsburg 1996, ISBN 3-89440-128-1
Weblinks
| <imagemap>-Fehler: Bild ist ungültig oder nicht vorhanden | Commons: Taubenschwänzchen – Bilder, Videos und/oder Audiodateien |
- www.lepiforum.de: Taxonomie und Fotos
- Moths and Butterflies of Europe and North Africa (englisch)
- Fauna Europaea Taxonomie (englisch)
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